Adios India!

Leider ist die vorherige Geschichte nicht unbedingt das Happy End, das wir erwartet haben, aber man sollte bedenken, dass solche Erlebnisse eben auch Realität auf unserer Reise sind und somit dazugehören (Incredible India einmal Anders). Und nicht nur in Indien kann einem so etwas widerfahren.

Wir hatten eine grandiose Zeit mit vielen wunderbaren Bekanntschaften und trotzdem sind wir froh weiterzuziehen. Indien ist hektisch, vor allem, wenn man keinen festen Standort hat, wo man sich zurückziehen kann. In Indien steht man stets im Mittelpunkt, weil man auffällt und somit gleich die Begierde der vielen Händler weckt, im „Kampf um die Moneten“. Verkäufer die permanent versuchen einen übers Ohr zu hauen oder einen zu bescheißen ist der normale Alltag als Reisender. Man kann dies so nehmen oder man kann auch diese Dinge akzeptieren und sie als Reisender in einem Geschenk verpacken. Man weiß was drin ist und somit kann man den Beschenkten ebenfalls in dieses Spiel integrieren, anstatt frustriert weiterzuziehen. Das heißt, wir können uns auf das Spiel einlassen, mitspielen und eventuell auch mal jemanden aufs Korn nehmen, dann haben beide Seiten Spaß, so zumindest unsere Devise. Allerdings hat die letzte Aktion schon einen gewissen Rahmen gesprengt. Wir waren auch froh jetzt ein wenig Abstand zu gewinnen und nach 3,5 Monaten andere Eindrücke zu bekommen.

 

Am 11.08.2012 bekamen wir von Vasthi folgenden Gästebuch-Eintrag:

„Alles Gute und immer wieder Zeit und Ruhe um alle Erlebnisse zu verarbeiten und einzuordnen.“

 

Vielleicht ist dies der Schlüssel zum Erfolg um die beschriebenen Situationen in einem anderen Licht zu sehen. Nun, es war an der Zeit, Indien zu verlassen, um sich wieder gegenseitig schätzen zu lernen. Die alltäglichen Belastungen und die kulturellen Unterschiede, die einen in Indien tagtäglich konfrontieren, sind doch so anders zu dem, wie wir aufgewachsen sind. Da bringen auch 3,5 Monate keinen entscheidenen Unterschied. Es ist immer noch ein anderes Land mit anderen Sitten, auch wenn man es vielleicht besser versteht.

Doch, Indien bleibt ein spannendes und faszinierendes Land, wann auch immer man kommt bzw. wieder kommt und ganz egal, wie lange man bleibt. Der Reiz und die Eindrücke sind fantastisch, anziehend, kontrovers und auch spannend, um nur einige zu nennen. Wir freuen uns schon auf das nächste Mal und, egal wieviel Zeit vergeht, Indien wird uns immer begleiten!

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Auroville

Die „Stadt der Morgenröte“. Der Name könnte durchaus auch von dem Ashram „Sri Aurobindo“ abstammen, welches von der Auroville- „Mutter“, Mira Alfassa, seit den Dreißigern organisiert wurde. Das Ziel ist es, eine „universelle“ Stadt aufzubauen, welche sogar von der UNO unterstützt wird und eine Verschmelzung jeglicher Länderzugehörigkeiten beinhalten soll.

 

Allein aus der 4-Punkte Charta Aurovilles, ist zu erkennen, dass man was Besonderes erreichen will:

 

Auroville gehört niemandem im Besonderen. Auroville gehört der ganzen Menschheit. Aber um in Auroville zu leben, muss man bereit sein, dem göttlichen Bewusstsein zu dienen.

Auroville wird der Ort einer Erziehung ohne Ende, ständigen Fortschritts und einer Jugend sein, die niemals altert.

Auroville möchte die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft sein. Durch Nutzung aller äußeren und inneren Entdeckungen wird Auroville zukünftigen Verwirklichungen kühn entgegenschreiten.

Auroville wird der Platz materieller und spiritueller Forschung für eine lebendige Verkörperung einer wirklichen menschlichen Einheit sein

 

Das Zentrum Aurovilles bildet der „Tempel der Mutter“ (Matrimandir). Gegründet 1968 von Mira Alfassa, „Die Mutter“, wie sie im allgemeinen genannt wird, mit folgendem Zitat von ihr:

 

„Irgendwo auf der Erde sollte es einen Ort geben, den keine Nation als ihr alleiniges Eigentum beanspruchen kann. Einen Ort, in dem alle Menschen mit gutem Willen und aufrichtigem Streben frei als Weltbürger leben können und nur einer einzigen Autorität gehorchen: der höchsten Wahrheit ...“

 

Sie starb 1973. Über 2000 Menschen aus 45 Nationen leben zur Zeit in Auroville, darunter 45% Inder, 15% Franzosen und 11% Deutsche. Das Leben beinhaltet Freiwillige, Festangestellte und Andersdenkende.

Wir haben uns einen Roller gemietet und einen Abstecher hier her gemacht. Wir waren vielleicht nur 3 Stunden dort, aber trotzdem wollen wir euch unsere Einschätzung von Auroville geben. Diejenigen die dort längere Zeit waren, haben vielleicht eine bessere Einschätzung, aber es ist nicht unbedingt ein MUSS, um etwas zu verstehen. Wie bereits durch das Zitat der „Mutter“ klar wird, ist es das Ziel, einen Ort zu schaffen, in dem westliche Gedanken und Einschätzungen keine Rolle spielen, sondern vielmehr die Spiritualität im Vordergrund stehen soll. Man kann das Ganze aber auch ein wenig einfacher definieren: „Sex, Drugs and Rock´n´ Roll“! Der Spirit der 68er Bewegung, der Hippies und wie einst in Woodstock, soll hier einen stetigen Ort finden.

Jeder trägt seinen Teil bei und arbeitet somit an einem Projekt, wie es sonst nicht auf der Welt durchführbar sein könnte. Man versucht etwas aufzubauen. Eine neue Welt, unabhängig von Kommerz, Egoismus und Geld. An sich ist der Gedanke höchst lobenswert und aufgrund dieser unmaterialistischen Gedanken schätzen wir auch diesen Ort. Aber irgendetwas drückt die Stimmung. Wir fühlen uns unwohl, wir fühlen uns nicht am richtigen Platz, obwohl dieser doch die besten Werte vermitteln soll.

Für uns stellt dieser Ort nur eine Abgrenzung zu dem wirklichen Leben dar. Ein Leben, wie es hier geführt wird oder geführt werden soll ist in den Augen und den Gedanken dieser Bewohner woanders nicht möglich. Dies ist auch der Grund warum wir uns nicht wohl fühlen, weil wir anderer Meinung sind. Es ist vielmehr leichter in einem Ort zu sein, wo es Gleichgesinnte gibt, die den gleichen „Werten“ folgen, diese sich aber nicht mehr in die „Wirklichkeit“ integrieren können, weil sie sich ein Schutzschild aufbauen und somit nicht mehr in der kommerziellen Welt zurecht kommen. Vergleichbar ist dies mit einer Hippiekommune, wie sie zum Beispiel auch in dem bekannten Film „The Beach“ vorkommt. So ist dies auch hier zu sehen. Ein Zurückkommen in die laute und rasante Welt ist kaum mehr möglich, wenn man diese erst einmal verlassen hat. Die „wirkliche“ Welt. Man kann sich streiten und jeder kann eine andere Meinung vertreten, aber wir sehen die wahre Stärke darin, wenn man diese Werte in der Welt, wie sie nun einmal ist, lebt und weiter gibt. Wenn man sich nicht vom Kommerz leiten lässt, das Geld nicht als höchsten Status sieht, sondern vielmehr die Persönlichkeit und die Person in den Vordergrund stellt ist dies der richtige Weg etwas zu entwickeln. Auroville ist vielleicht ein Ort dieser positiven Werte. Nur sollte dieser Ort auch in der Welt Bestand haben um diese Werte weiter zu vermitteln. Die Werte sollen in der Welt wiedergefunden werden und nicht in einem Ort am Golf von Bengalen. Nur, wer die Stärke hat, beides miteinander zu verbinden, setzt in unseren Augen die richtigen Zeichen.

Man kann noch vielmehr erzählen, jedoch würde dies den Rahmen sprengen, aber für uns ist Auroville irgendwie eine falsche Welt. Vor vielleicht zwanzig Jahren gab es hier noch den wirklichen Wunsch etwas großartiges Anderes zu erschaffen, aber auch hier in Auroville hat die moderne Welt kein Stoppschild vorgefunden. Vielmehr findet man hier futuristische Bauten, die nicht so wirklich in diese Welt gehören. Dies ist nur ein Beispiel, weshalb etwas hier nicht stimmig ist. Der Grundgedanke ist gut, jedoch lässt die Umsetzung mit der Abgrenzung zur Außenwelt, dem ganzen Hype drumherum und der Integration der Moderne, die doch eigentlich nicht integriert werden sollte, zu wünschen übrig und ist dadurch für uns zu extrem. Aurovilles ursprüngliches Ziel ist es, nicht Zurück in eine verlorene Zeit zu gehen, sondern den Wunsch, frei zu sein und trotzdem alles zu haben, umzusetzen. Und das alles auf einer vernünftigen Ebene. Vielleicht klappt es ja noch.

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Incredible India einmal Anders!

Der gleiche Tag, nur ca. 20km entfernt, wieder zurück in Puducherry, ereignet sich wenige Stunden später die folgende Geschichte. Wir wollen den Roller zurückbringen und sind wenige Minuten später mit Shyam zum letzten gemeinsamen Abendessen verabredet. So zumindest der Plan. Jedoch kommt es leider weitaus spektakulärer und dramatischer:

Die Sache mit der Rollerrückgabe zeugt von einem Beispiel, dass es nicht davon abhängt, wo man ist, sondern wie die Person sich verhält, mit der man es zu tun hat. Das Reisen ist generell nur davon abhängig, wen man trifft, also von der Person selber und dies wiederum ist unabhängig von Ort und Zeit. Ob nun in einem kleinen Dorf in Nepal, einer Metropole in Brasilien, den Weiten Gebieten Russlands oder eben hier in Indien. Man weiß nie wen man trifft oder was geschieht und trotzdem muss man immer versuchen, diese Dinge bestmöglich zu nehmen, ohne sich dadurch einzuschränken oder zu distanzieren. Wir sind gerade in Indien, also berichten wir aus Indien, wobei folgende Geschichte aber auch genauso gut in jedem anderen Land hätte passieren können. Und egal wie es kommt, wir versuchen immer, aus diesen Situationen zu lernen und auch dem Gegenüber etwas zu vermitteln, wenn es uns denn gelingt. In diesem Fall hat es nicht geklappt und die Spiritualität von Auroville hat auch nicht bis hierher gereicht.

 

Also, nun zurück zur Rollerrückgabe:

Die Kaution für den Roller hatten wir schon im Vorfeld bezahlt, dies haben wir auch im vorhandenen Verleihbuch vermerkt. Als wir jedoch den Roller abgaben und wir die, noch ausstehende, Ausleihgebür bezahlen wollten, bekamen wir die Kaution nicht wieder, denn die, so hieß es auf einmal, wird im Nachhinein beglichen!?!? So würde es immer geregelt, ließ uns der, auf einmal sehr unsympathisch gewordene, Verkäufer wissen. Wieder ist alles abhängig von diesem verflixten Geld. Geld verändert den Verstand und daran haben die vielen Touristen mit den dicken Geldbeuteln, die es sich hier gut gehen lassen, einen hohen Anteil. Aus diesem Grund meint nun der Verkäufer, wir müssten ihm mehr geben als vereinbart; er glaubt sogar, dass er damit durchkommt. Es ist eine Frage von Respekt jeder einzelnen Person gegenüber, ganz unabhängig von der Hautfarbe. Er sollte uns dementpsrechend wie seinesgleichen behandeln und nicht, nur weil wir weiß sind, wie einen reichen Touri, den man mal eben so schnell übers Ohr hauen kann.

Wir wollten unsere Kaution zurück und der Verkäufer behauptete nach wie vor, wir hätten sie nicht beglichen. Ein gewohntes Spielchen, wo man eigentlich sagen sollte: „Der Klügere gibt nach“. Nun, wer ist der Klügere? Wer hat Recht? Ein sich ziehendes Prozedere auf der Suche nach der Wahrheit. Mit indischen Widerstreitern meistens eine unendliche Geschichte. Nachdem alles Gerede keinen Abnehmer fand, verfolgte Tobi die Plan B-Strategie. Plan B beinhaltete, wertvolle Dinge sozuagen als Gegenkaution zu entnehmen, um unseren Verlust auszugleichen. In diesem Fall wertvolle Rollerschlüssel. Aber statt uns nun unser rechtmäßig zustehendes Geld im Tausch zurückzugeben, wurden uns jetzt von der Gegenseite Schläge angedroht und fast ausgeführt, um dann doch erst einmal weitere Rollerfreunde zu Rate zu ziehen.

Ohne den Vorfall zu kennen, wussten diese trotzdem sofort, dass wir die Verbrecher sein müssen. Somit stand es auf einmal 7 gegen 2, später 3, denn Shyam kam zu Hilfe, da ein Inder die Sache wahrscheinlich besser lösen kann. Aber auch unter Indern macht Geld keinen Unterschied. Deshalb ging es auch weiter mit dem Anbellen auf der Suche nach der Lösung. Nach vielleicht einer Stunde sollte das Resultat endlich beschlossen werden. In diesem Fall, wie so immer sind wir die Klügeren, weil der Kampf mit indischen Verkäufern meist aussichtlos erscheint. Das Ergebnis ist leider nur, dass diese Spielchen, weiter, weiter und weiter gehen, wie überall auf der Welt hat die Gerechtigkeit den leiseren Ton!

Nachgeben nur wegen einigen Euros? Es müssen Grenzen gesetzt werden und egal um wieviel Geld es geht, dies sollte man nicht tolerieren und keine Konfrontation vermeiden. Man sollte sich nur immer selber treu bleiben.

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Puducherry (Pondicherry)

Mit dem Bus fuhren wir in die Stadt um von da aus erst einmal Richtung Meer zu gehen. (Das Meer hat uns Beide genau so sehr im Griff, wie die Caro mich.) ;-)

Der Blick aufs Meer kann so faszinierend und spannend sein, dass wir schon fast vergessen haben, wie sich das anfühlt. Das letzte Mal haben wir diesen Ausblick in Nida, Litauen, genossen, mit dem Blick auf die Ostsee. Nun stehen wir, einige Monate später, etliche Kilometer entfernt, hier in Puducherry, in Indien, und tauchen ein in diese Sucht aufs Meer zu blicken. Faszination pur! Aus diesem Grund blicken wir auch schon voller Vorfreude auf die kommende Zeit in Sri Lanka und der Zeit am und im Meer.

Jetzt erleben wir aber erst einmal den indischen Ozean, den Strand und seine, naja, Eigenheiten. An sich stellt man sich das Meer romantisch vor und so ist es auch, wenn man nur weit genug hinaus schaut. Dies sollte man in Indien auch unbedingt tun, denn wenn man sich an der Küste umschaut, sieht man nicht viel mehr außer Müll. Somit war unsere Freude, hier her zu kommen, dadurch auch stark getrübt. So ein Anblick schmerzt in unseren Augen, besonders, wenn man die Inder sieht, die ihren Müll vor unseren Augen in den Sand werfen und gar nicht begreifen, was sie damit anrichten. Leider ist dies nicht nur hier am Meer, einem wohl magischen Ort, ein Problem. Dieses Bild verfolgt einen durch das komplette Land.

Mit diesen ernüchternden Fakten schlendern wir weiter entlang der Promenade, vorbei an Souvenir-, Obst- und Snackständen, sowie an diesem jungen Burschen mit seiner knallig rosafarbenen Zuckerwatte. Da können wir nicht wiederstehen und genießen eine farbige Zuckerwatte in diesem grauen Umfeld.

Weiter geht es durch die Gassen Puducherrys, welches von 1673 bis 1954 unter französischer Herrschaft war. Aus diesem Grund findet man noch viele französische Straßennamen. Auch der Gedanke, man wäre direkt in Frankreich lässt sich nicht ganz verleugnen, denn man wird sogar auf französisch angesprochen. Damit können wir nicht unbedingt mithalten und somit verliert sich das Gespräch schnell im Desinteresse.

 

Am Abend

sind wir mit unserem Couchsurfer Shyam und einer Freundin von ihm verabredet. Eigentlich wollen wir zusammen Beach-Volleyball spielen gehen, aber erst einmal müssen wir dort hinkommen, und da wir keinen Roller haben, vergeht eine Weile. Da es auf dem Weg auch so viele spannende Läden zu bestaunen gibt, dauert es auch ein wenig, bis wir uns am vereinbarten Treffpunkt einfinden. Als wir schließlich ankommen, ist es auch schon dunkel und somit beschließen wir, zum Meer zu fahren, anstatt Volleball zu spielen. Schnell noch in fünf Minuten ein Motorrad ausgeliehen, und schon düsen wir zum Meer. Erst einmal geht es durch die wirklich schöne touristische Innenstadt mit ihrem geschäftigen Stadtleben, bis wir langsam in die vereinsamten Gegenden kommen und schließlich das Ziel vor uns haben. Das nächste Boot am Strand wird von uns geentert und wir verfangen uns in einem Gespräch, bei dem die Worte nur so sprudeln. Vom Boot am Ufer geht es dann auf einen Sprung ins indische Meer. Der krönende Abschluß eines entspannten Tages mit zahlreichen Eindrücken.

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Indiens Müllproblem

Überall findet man mit Müll überhäufte Straßen und Kühe, die im Müll stehen und noch an der Plastikverpackung herumkauen. Die Verpackungen und der Müll werden achtlos aus dem Bus, dem Zug oder dem Tuk-Tuk auf die Straße, in den Fluß oder in die Natur geworfen. Nach Angaben des Zentrums für Wirtschaft und Umwelt, landen 80% des Stadtmülls in Flüßen. In Indiens Hauptstadt Delhi sind laut Angaben nur 55% der Einwohner an das Klärsystem angeschlossen. Der Yamuna, der Fluss der durch Delhi verläuft, nimmt so täglich über 3 Milliarden Liter Abwasser auf. Es wurden sogar Kläranlagen erbaut und deshalb stehen hier auch 40% der Gesamtkapazität von Indiens Kläranlagen in Delhi, jedoch sind die Abwasserkanäle zu diesen Anlagen so verdreckt und verschmutzt, dass das Abwasser gar nicht erst da hin kommt und somit diese gar nicht ausgelastet sind. Diese Kläranlagen werden daher nur zu 30% ausgeschöpft.

Die Umweltschutzorganisation Sristi beziffert diese Zunahme der Müllproduktion von 40.000 Tonnen im Jahr 2000, auf 125.000 Tonnen im Jahr 2030. Dies bedeutet eine massive Zunahme von toxischen Dämpfen, erhöhten Gesundheitsrisiken durch Krankheitsüberträger wie Moskitos, Kakerlaken oder Ratten und schlicht eine weitere Gefährdung des Grund- und Meerwassers.

Die Entsorgung des Städtemülls wird durch sogenannte Lumpensammler erledigt. In den indischen Millionenstädten fahren täglich tausende Fahrrad-Recycler durch die Straßen und sammeln wiederverwertbare Sachen ein, die sie wiederum verkaufen bzw. ausliefern. Dadurch verdienen sie im Schnitt umgerechnet 2-3 Euro am Tag.

Wir können uns noch daran erinnern, wie wir vor 3 Jahren zum ersten Mal nach Indien gekommen sind. Mit dem Zug sind wir vom Flughafen Mumbais in die Innenstadt gefahren. Schon aus dem Zug heraus haben wir die Slums gesehen, jedoch wussten wir nicht so wirklich was es damit auf sich hatte. Nun, in Dharavi, dem größten Slum Asiens, der inoffizielle Recyclinghof, hier in Mumbai wo unter anderem auch Slumdog Millionär gedreht wurde, werden täglich ca. 8.000 Tonnen Müll recycelt. Die schätzungsweise 350.000 Lumpensammler in Mumbai, darunter ca. ein Drittel Kinder unter 14 Jahren, sammeln täglich Müll mit ihren riesigen Säcken um ihn dann an Zwischenhändler zu verkaufen. Diese reinigen und trennen den Müll (Plastik, Metall, Papier, Glas) und sortieren ihn nach Größe, um ihn anschließend an Großkunden weiterzuverkaufen. Dabei werden Plastik und anderer Müll verbrannt um an die jeweiligen wertvollen Rohstoffe zu kommen. Metallische Gegenstände mit Kupferanteil werden ebenfalls verbrannt um daraus nur den reinen Kupfer zu gewinnen, der mehr Geld einbringt, als der Müll an sich. Die Kinder die täglich den Müll sammeln, tun dies teilweise barfuß, ohne jegliche Schutzmaßnahmen, und nicht selten werden sie dadurch auch verletzt. Der Dokumentationsfilm „Waste“ von dem indischen Reggiseur Parasher Baruah handelt genau über dieses Leben aus dem größten Slum Asiens.

Diese ganze Müllpolitik ist natürlich zum Einen auf den steigenden Lebenskomfort und der damit verbundenen Nutzung westlicher Artikel zurückzuführen. Zum Anderen aber auch auf eine fehlgesteuerte Politik, welche die Bevölkerung in dieser Hinsicht wenig unterstützt.

Das Recyceln wäre dabei eine große Maßnahme, denn durch die Trennung von Plastik und biologischem Abfall könnte man den Müll auf Indiens Straßen, Flüssen oder auch in der Natur um die Hälfte reduzieren. Stattdessen wird der ganze Müll auf Deponien gebracht, wo er dann verbrannt wird. Man sollte dabei nicht in der Nähe sein, denn diese giftigen Abgase sind dann natürlich in der Luft und wabern munter und fröhlich durch die Straßen.

Um euch ein weiteres Beispiel zu geben. Die Kolibakterienanzahl, der Standart für „badezugängliches Gewässer“, also eine eurpäische Norm, liegt in Varanasi 3000 mal über diesen Höchstwert. Und trotzdem baden dort täglich hunderte Menschen, aus dem einzigen Grund, weil der Ganges heilig ist. Nicht nur das Baden, sondern auch ein Schluck des Wassers aus dem Ganges ist ein Teil des, für gläubige Inder, so wichtigem Rituals. Das Leben und die Rituale in Indien sind so unterschiedlich zur europäischen Kultur, wie sie es nur sein können und deswegen ist es auch so spannend hier zu sein.

 

Nun ihr seht, dass dies ein wohl nicht so einfach zu lösendens Problem ist, wenn man über das Thema Müll in Indien, einige Zeilen schreiben will. Hier gibt es keine Mülltrennung, wie in Deutschland, keine strukturieten Container/Recyclinghöfe, wie in Europa. Keine Müllabfuhr, nur die Lumpensammler. Zum Anderen leben hier auch über eine Milliarde Menschen und diese alle so umzupolen, dass sie ab sofort ein besseres Umweltbewusstsein zeigen, ist nicht so einfach. Des Weiteren ist Indien ein Land was nicht durch Gesetze gesteuert werden kann, denn jeder lebt wie er das gerne möchte. Aber trotzdem sind wir der Meinung, dass es eine positive Entwicklung in Richtung Recycling geben muss. Mittlerweile hat fast jeder Inder ein Handy, so sollte es doch auch möglich sein, dass jeder Inder lernen kann wie man recycelt. Natürlich gibt es Maßnahmen diesbezüglich, jedoch sind diese zu gering um dieses Problem tatsächlich anzugehen.

Wir wissen nicht viel über die indische Müllpolitik und deren Entwicklung und können uns nur schwer ein Bild machen, aber wir wissen auch, dass Indien eine aufstrebende Weltwirtschaft ist. Neue Technologien, die IT-Branche als Aushängeschild Südindiens. Indien gilt als Studienland für Pharmakonzerne, womit sie jährlich Milliarden Dollar einnehmen, weil Konzerne wie z.B. Pfizer hier ihre neuen Medikamente an Indern testen, weil diese sich keine gesundheitliche Versorgung leisten können und einer Studie mit kostenlosen Medikamenten sofort beitreten.

Trotzdem ist der Gedanke Müll nicht allgegenwärtig wie er vielleicht sein sollte und wie wir es uns wünschen würden und auch in den Medien wird diesbezüglich wenig aufgeklärt. Das ist jedenfalls das Bild was wir aus Indien mitgenommen haben.

Wir hoffen, dass sich diesbezüglich bald eine Lösung anbietet und die Menschen dahingehend aufgeklärt und dadurch umweltbewusster werden. Wir wissen auch, dass es sich aus unserem Standpunkt einfacher sagen lässt, als es in Wirklichkeit ist, aber ein Anfang sollte gemacht werden. Und aller Anfang ist schwer!

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Zugfahren in Indien!

Das ist das pure Freiheitsgefühl und zeitgleich Unterhaltungskino vom Feinsten für wenig Geld. Wir haben euch bereits von unserer Zugfahrt mit der „Transsibirischen Eisenbahn“ erzählt, mit welcher wir viele Leute in spannende Vorfreude versetzt haben, als der Name fiel. Und in der Tat es ist eine Glanzleistung der damaligen Zeit, eine so lange Zugstrecke zu bauen und man verfällt in eine Art „Träumerei“, wenn dieser Name ausgesprochen wird: Transsibirische Eisenbahn. Das klingt nach unendlicher Freiheit, etlichen Vegetationszonen, spannenden Abenteuern und einer Magie hier und nirgendwo anders zu sein. Doch für uns eine Faszination, die in Büchern weitaus fantastischer beschrieben werden kann als es in Wirklichkeit ist. Deswegen war unser Eindruck auch eher getrübt, als dass unser Adrenalin und unsere Freude wie in einem Karussel verrückt gespielt hätten.

Darum möchten wir euch nun die Freuden am indischen Zugfahren näher bringen. Wir nehmen euch also mit auf diese Reise in den Süden und ihr werdet erfahren, warum es ein so spannendes Erlebnis ist:

 

Ticketkauf

Doch bevor es losgeht müssen wir uns natürlich erst einmal die Tickets besorgen. Zusammen stehen wir vor dem Bahnhof. Die Hitze schlägt uns ins Gesicht, der schwere Rucksack liegt auf unseren strapazierten Rücken. Wir atmen tief ein und schon geht es los, rein ins Vergnügen des indischen Bahnhofs. Wie ihr vielleicht schon wisst, läuft es in Indiens, vom Chaos beherrschtem Land, nicht so geordnet und strukturiert ab wie in manch anderen Ländern. Deshalb heißt es erst einmal, Rucksack wieder ab, denn die Rucksäcke müssen durch einen Scanner. Diese Kontrollen findet man nur an den größeren Bahnhöfen, aus Sicherheit vor Anschlägen. Allerdings sind die Checks nicht sonderlich genau. Ehrlich gesagt könnte ich mir einfach eine Bombe um meinen Körper packen und keiner würde es erahnen. Nun, wir folgen den Anweisungen und lassen unsere Rucksäcke von dem schlafenden Polizisten durchscannen. In der Zwischenzeit wird geschupst, gedrängelt und sich der Weg zum entsprechenden Rucksack frei gekämpft. Es wird zu einer Art Körperkampf und denkt jetzt nicht, dass dabei auf die Alten, Gebrechlichen und Zierlichen besonders Rücksicht genommen wird. Gerade die Alten mögen vielleicht so einige Jahre auf dem Buckel haben, aber dafür haben sie jahrelange Erfahrung! Nachdem der Rucksack schließlich wieder so einigermaßen auf dem Rücken liegt, schlängelt man sich durch die Massen, die unseren Weg von links und rechts kreuzen. Frei nach dem Motto: „Der Stärkere gewinnt“, denn Rücksicht ist hier ein Fremdwort. Wir versuchen uns weiterhin einen Weg durch diese Massen zu schlagen, auch wir haben da schon gewisse Erfahrung. Angst sollte man allerdings in diesem Moment nicht ausstrahlen. Des Weiteren sollte man vorhersehen, welche Hürden man noch umgehen und welchen Sprung man noch über schlafende oder sitzende Passanten machen muss, um weitere Meter zu gewinnen. Einen indischen Bahnhof kann man in etwa mit einem wirklich geschäftigen Kaufhaus vergleichen, in dem gerade, zum Beispiel, ein neues „Harry Potter“-Buch herauskommt. Jeder Sucht was, jeder bleibt mal abrupt stehen und es herrscht überall Hektik. So eben auch hier!  

Zug fahren ist eines der größten Hobbies der Inder und jeder nutzt diese geniale Möglichkeit der Fortbewegung. Somit fahren hier täglich 20 Millionen Menschen mit der Bahn, Tendenz steigend, und täglich fahren um die 11.000 Personenzüge, ebenfall Tendenz steigend. Somit ist die „Indian Railway“ eine der größten Arbeitgeber weltweit mit 1,6 Millionen Angestellten (Top 2, nach Wal-Mart).

An dieser Stelle legen wir euch nochmal das Buch von Andreas Altmann ans Herz: „Notbremse nicht zu früh ziehen“. Dort berichtet er über seine Erfahrungen des Zugfahrens in Indien und schildert interessante Details über die Geschichte der „Indian Railway“. Nun leider ist die Indian Railway auch nicht unbedingt der Partner dem man blind vertrauen sollte, denn die Sicherheit an und um den Zügen ist teilweise erschreckend. Aufgrund erheblicher technischer Probleme mit den Zügen und der Zugstrecke selber kommt es zu zahlreichen Unfällen täglich bzw. jährlich. Aus einem Bericht von NDTV ist zu entnehmen, das täglich im Durchschnitt 40 Menschen, durch diese Probleme sterben. Auf 64.000 km erstreckt sich das Eisenbahnnetz der Indian Railway, stolze eineinhalb Mal um die Welt.

 

Der richtige Schalter

Wir haben den Kampf mit den herumscheuchenden Indern gewonnen und suchen nun nach dem entsprechenden Ticket-Schalter. Die Frage ist nur: „Welcher“? Von den über 50 verschiedenen, auf zwei Etagen verteilten, Schaltern verstecken sich eventuell noch Schalter 55 und 56 in einer anderen Ecke und so ist es, weiß Gott nicht einfach, den Richtigen zu finden. Darum dauert die Suche eine Weile und kann schnell frustrierend verlaufen. Denn welcher von den vielen Indern spricht Englisch, so dass er uns versteht, und weiß dann auch noch auf Anhieb wo wir hin wollen? Zum Anderen verraten uns die Inder auch nicht, wenn sie keinen Plan haben und dann ist es manchmal auch noch der Fall, dass wir seine Ahnungslosigkeit nicht bemerken und wir schlussfolgernd seine Antwort für den „Goldenen Schlüssel“ zum richtigen Ticket-Fenster halten. Somit können uns die Inder schon gut auf Trab halten.  

Im heutigen Fall legen wir nur drei Kilometer zurück bis wir da sind. Das Gespräch mit der Person hinter dem Schalter verläuft erstaunlich schnell, bis wir das entsprechende Ticket in der Hand halten. Von Kalkutta nach Chennai für umgerechnet 10 Euro, sprich 29 Stunden Zugfahrt und 2500 Kilometer Zugstrecke.

 

Im Waggon

Wir steigen ein in den überfüllten Zug, in dem die Leute schon ihre Sachen verstauen, während wir noch auf den entscheidenden Moment wartend im Gang stehen, bis wir weitergehen können. Mit unseren überfüllten Rucksäcken bleiben wir teilweise im Gang hängen, denn für Europäer sind die Züge nicht gebaut. Unsere Sitzplätze befinden sich in der Mitte, wohlbedacht weit entfernt von den ungünstigen Plätzen nahe den Toiletten, denn, wenn sich ungefähr 96 Personen in unserem Waggon insgesamt vier Toiletten teilen, kann es schon sein, dass man etwas Unangenehmes bemerkt, wenn man zu nah an den Zugklos sitzt.

Der Weg ist frei und wir erreichen unsere Plätze. Die Inder schauen uns schon erstaunt an, weil wir Europäer sind und in der 2. Klasse fahren. So verrückt kann es nur in Indien sein, denn die 2.Klasse ist mit Abstand die beste Klasse von Allen. Wobei so richtig können wir das nicht sagen, weil wir die andere gar nicht ausprobiert haben. Man fühlt sich dort wohl, wo es für einen am Besten ist.

Wir haben Sitz 34A und 34C, den obersten und den untersten Platz. Die perfekten Plätze, denn zum Einen sitzen wir am Fenster und können die Aussicht genießen, zum Anderen kann sich einer von uns auch jederzeit nach oben legen. Warum wir keine Freunde vom mittleren Sitzplatz sind? – Dieser wird tagsüber umgeklappt und dient somit als Rückenlehne und derjenige mit diesem Platz sitzt ebenfalls am untersten Sitz und muss, wenn er müde ist, warten, bis die anderen schlafen wollen, bis auch er seine Bank umklappen und sich hinlegen kann. Zum Sitzen ist dieser Platz zu niedrig.

Es vergeht eine Weile bis der Zug losfährt und die letzten Händler laufen noch durch die Waggons auf der Suche nach dem passenden Gegenüber, der ihnen ihre Ware abkauft. Welche Händler uns alles entgegen kommen werden wir später noch erzählen. Jetzt ist es so weit: Der Zug rollt sich langsam in Bewegung und wir sitzen, noch ein wenig erschöpft von dem vorherigen Chaos, auf unseren Plätzen und beobachten den überfüllten Bahnhof. Wir sehen, wie die Arbeiter die schweren Säcke zu den entsprechenden Zügen schleppen, die Familie, so sieht es zumindest aus, ihren kompletten Hausrat mit sich nimmt, Freunde und Verwandte ihre Liebsten verabschieden und weitere Passagiere auf dem Boden sitzend, die vielleicht schon seit Stunden auf den richtigen Zug warten. Wie lange die Personen im Schnitt dort sitzen und warten würde ich an dieser Stelle auch gerne wissen, aber das Warten ist vielleicht das zweite Hobby der Inder. So nach dem Motto: „Warten und Tee trinken“.

 

Das wahre Zugleben

Der Zug ist mittlerweile schon aus dem Bahnhof herausgefahren, die Skyline winkt uns noch zum Abschied zu und wir können sagen, Kalkutta ist eine faszinierende Stadt. Allein damit könnte man Stunden verbringen, rauszuschauen und das zu beobachten was da kommen mag. Nun, eine Weile vertreiben wir uns damit auch unsere Zeit, aber nun beginnt es, das wahre Zugleben. Alle haben es sich gemütlich gemacht und die ersten Händler kommen entlang und rufen: „Chai! Chai! Chai!“. Nun braucht man sich nur einen Teeverkäufer herauspicken und schon bekommt man für wenige Rupees einen leckeren Tee in einem kleinen Pappbecher mit dem Aufdruck der „Indian Railway“. Wir schlürfen an unserem Chai und beobachten die Leute und das bunte Treiben drumherum. Die indische Familie, diesmal nur zwei Kinder und wahrscheinlich auf dem Weg in den sonnigen Süden. Raus aus dem luftverschmutzten Kalkutta und ab zu den Stränden im Südosten Indiens. Wir kommen ins Gespräch mit einem Lokführer.

Er kommt aus Gujarat und ist schon seit 12 Stunden unterwegs. Zusammen mit seiner Familie und einem Kollegen samt Familie ist er auf dem Weg nach Ooty, einer Berg-Station im Südenwesten Indiens. Eine lange Strecke, aber wie sie selber sagen: „Sie lieben das Zug fahren“, wie die meisten Inder und nehmen dafür etliche Kilometer in Kauf. Wenn eine Familie fünf Tage frei hat ist es nicht unüblich, wenn man davon zwei Tage im Zug sitzt. Ein „kurzer Abstecher“ durch Indien sozusagen. Des Weiteren ist es so, dass, wer aus dem Süden kommt, in den Norden will, weil es dort weitaus bergiger und kühler ist und die Leute aus dem Norden in den Süden wollen und sich am Strand ahlen und Sonne tanken möchten.

Nach einem kleinen Pläuschchen hören wir aus der Ferne den Kaffeemann mit seinem Gesang, welcher uns in unseren Köpfen noch unser ganzes Leben lang begleiten wird: „Koofi.......Koofi.......Koofi“. Auch da können wir nicht „Nein“ sagen und so trinken wir alle gemütlich einen „Instant-Koofi“.

Nach diesen vielen Eindrücken, haben wir uns eine große Auszeit verdient. Die wohl beste Auszeit in Indien!

Wir stehen an der offenen Zugtür und blicken auf dieses weite Land. Wir blicken nach vorne, verfolgen die Fahrt, beobachten das Geschehen, welches an uns vorbeirauscht und die weiteren Genießer, die sich ebenfalls einen „Auszeit-Platz“ gesichert haben. Ich blicke auf dieses weite Land, das Land, welches so unterschiedlich und anders ist zu den vielen zuvor Gesehenen und was uns deshalb so anzieht wie wohl nur wenige Länder es schaffen werden. Und so fang ich an zu träumen:

 

Kurzer Indien-Rückblick

Die Zeit hier in Indien geht langsam seinem Ende zu und wir haben schon die Flugtickets in unserer Tasche. Dreieinhalb Monate Indien sind langsam vorbei. Die Zeit floß nur so dahin und wir haben auf diesem Weg soviel gesehen und erlebt. Es ist schon wunderbar, wenn man wirklich mit wenig Gedanken nach Indien kommt und sich mit wunderbaren Eindrücken wieder verabschiedet. Und wir können an dieser Stelle sagen, das wir davon keinen Tag missen wollen.

Angefangen hat alles mit der Zollbeamtin, welche wir immer noch im Geiste vor uns sehen, wie sie uns anlächelt und sich freut, dass wir ihre Heimatstadt besuchen. Wir lernen Madhavi kennen und genießen ihre wunderbare und unbeschreibliche Gastfreundschaft. Wir verbringen mit und bei ihr, anstatt geplanten vier Tagen, stolze 12 Tage. Wir fahren Ski in Indien!?!? Wie verrückt ist das? Zwei Monate später schwitzen wir in Rajasthan in der Wüste bei 40°C und bekommen das wohl schönste Lachen auf Erden geschenkt. Das Lachen von Raju aus Amer/Jaipur. Nicht zu vergessen Amit und sein traumhaftes Apartment, was uns so heimisch geworden ist. Wie wohl wir uns dort gefühlt haben und nicht umsonst dort zwei Wochen verbracht haben. Wir konnten uns einfach nicht verabschieden. Wie lernten Sumit in der Metro von Delhi kennen, Ishant und sein Motorrad in Bir, Garry und seine verdammt nette Familie in Bhiloval oder auch Nick in einem thailändischen Restaurant in Darjeeling. Wir sehen die indischen Berge, die indische Wüste, den Ganges, den Smog der Millionenstädte, den Goldenen Palast in Amritsar, das Taj Mahal, unzählige Burgen und Schlösser. Wir überleben das Hupen der Rikschas, welche uns nun hier an der offenen Tür zu Indien, wie harmonische, einstudierte Konzerte erscheinen. Die heiligen Kühe, noch mit der Plastikverpackung im Mund vor uns stehend, die vielen Straßenhunde. Der Geruch Indiens! Die vielen Curries und Talis oder Batti aus Udaipur. Allein schon der Moment, dies zu schreiben, ist himmlisch. Die Erinnerungen schwirren durch unseren Kopf. Es war eine lange, eindrucksvolle und unvergessliche Zeit die uns wie der „Koofi“ unser lebenlang begleiten wird.

 

Batsch! Igitt! Was ist das?

Nun auf diesem Weg durch die Zeit, wenn einem die Gedanken durch die Kanäle des Gehirns jagen und sich im Langzeitgedächtnis festsetzen, wird man schnell wieder zurück in die Realität geworfen. Besonders hier in Indien. Es gibt, laut meinen Berechnungen, zwei Gefahren, die auf einen Lauern, wenn man hier verträumt und unbefangen an der Zugtür seine Freiheit genießt und sich freut diesen Moment voll und ganz ausschöpfen zu können, dabei können Stunden vergehen. Erst wenn man bemerkt, dass einem der Kopf schon schmerzt von dem vielen Gedankenstrom, sucht man den Weg zurück zu seinem Platz.

Bei diesen beiden Gefahren handelt es sich zum Ersten um die Rotzer und zum Zweiten um die Pinkler. Wie gesagt das ist die Realität und eigentlich nichts Besonderes, aber wenn man so aus den Gedanken gerissen wird, wollen wir euch auch daran teilhaben lassen.

Nun, vielleicht veraten diese beiden Namen schon einiges und für die Unwissenden wollen wir es an dieser Stelle noch ein klein wenig konkretisieren. Fangen wir mit den Rotzern an. Die Kategorie sitzt gelassen auf ihrem Platz, plaudert, schweigt oder schlürft seinen leckeren Koofi, bis zu diesem Zeitpunkt, wo er sich entleeren muss. Warum macht man das? Das haben wir uns auch gefragt und haben deshalb versucht das Geheimnis zu erforschen. Aus verschiedenen Quellen, zwischen Aussagen von Lust und Verlangen, bekamen wir diese einleuchtenden Gedanken vorgetragen. Der Körper ist im Einklang mit sich selbst und besonders hier in Indien, zwischen den Yoga-Brüdern und Sai Baba-Liebhabern, sollte es keine störenden Mechanismen und Kräfte geben. Und diese gewissen schleimigen Absonderungen sind etwas Schlechtes und sollten somit schnell beseitigt werden. Dass dabei einige Teile dieses schlechten Schleims anderen Leuten auf ihrer Kur durch die Erinnerungen nicht gerade förderlich entgegenwirken, wurde dabei nicht erwähnt und dabei nehmen wahrscheinlich auch die wenigsten Rücksicht. Nun, so ein indischer Zug ist ja auch lang, zu umständlich jeden zu fragen. Also raus damit! Das Gute siegt doch immer.

Pinkler? Bei wem es nun noch nicht klingelt, der kann an dieser Stelle entweder noch nicht denken oder hat Pampers in seiner Hose.

Dies sind kleine Hürden auf dieser Reise und kommen nur bei schlechter Windlage zum Vorschein. Nach nun zahlreichen Zugerfahrungen haben wir mittlweile den Dreh raus und positionieren uns schon so erfahren, zwischen Türrahmen und Windenergie, dass wir eine geringere Chance haben erwischt zu werden.

 

Kurzer Aufenthalt

Wir genießen weiter das Hier und Jetzt in vollen Zügen und werden erst aus unseren Gedanken gerissen, als uns jemand auf die Schulter tippt, weil er doch gerne aussteigen möchte und wir ihm den Weg versperren. Nun wir machen einen Halt und stehen für einige Zeit an diesem Bahnhof. Dass es länger wird, erkennen wir daran, das sich die ersten Passagiere Proviant holen. Wir schließen uns dem an und erkunden die verschiedensten Angebote. Frittierte und gefüllte Teigtaschen, Fladenbrot (Parantha) mit Curry oder Reis mit verschiedenstem Curry. Getränke oder auch Bananen. Das richtige Essen für den richtigen Preis, das muss man an dieser Stelle einmal festhalten. Ein Paradies für den kleinen Geldbeutel, für alle selbsternannten Flashpacker sozusagen. Wir sind ebenfalls hungrig und kaufen uns einige tolle Sachen, das Angebot ist ja riesig. Danach machen wir uns gleich wieder zurück auf unsere Plätze.

Der Zug fährt wieder los und als wenn einer das Signal zum Essenstart geben würde, fangen alle zeitgleich an. Ein tolles Vergnügen. Mampfend und schlemmend genießen wir die feurige Schärfe des Essens, freuen uns den Anderen beim Essen zuzuschauen, tauschen leckere Kleinigkeiten aus und staunen wieder einmal darüber wie einfach man sich wohl fühlen kann. Hier in Indien ist alles möglich. Das Beste bekommt man kostenlos!

Der Tag neigt sich seinem Ende. Auch wir brauchen nach diesem ereignisreichen Tag eine Mütze Schlaf und freuen uns jetzt schon auf den neuen spannenden Tag in Indien. Gemeinsam mit zwei reisenden Indern teile ich mir meine Liege, denn das Angebot deckt nicht ganz die Nachfrage. Irgendwie funktioniert es, wobei man sagen muss, dass die Inder einige Schlafpositionen gewöhnt sind. Incredible India!

 

Guten Morgen India!

Halb zehn in Indien. Wir werden geweckt mit einer lecker riechenden Papaya, Paratha und... ? - Genau einem traumhaften „Instant-Koofi“. Mit diesem leckeren Frühstück wacht man doch gerne auf und wir mampfen alles in sekundenschnelle in uns hinein. Mit gut gefüllten Mägen beobachten wir wieder das bunte Treiben auf diesem indischen Bahnhof. Es wird keine Sekunde langweilig, so wie wir es euch versprochen haben. Wir beobachten die Sari-Armee. Die Farben die einem entgegengeschleudert werden sind herrlich: Knalliges Pink, feuriges Rot, himmlischen Blau oder auch saftiges Grün. Nur hier in Indien kann es so wunderbar farbig sein ohne dass man auf den Gedanken kommen würde, das irgendwas nicht stimmt. Hier ist es das Zeichen für Lebendigkeit und für die Lust, Farbe zu bekennen. Noch völlig fasziniert von der großen Farbpalette, werden wir von einem Verkäufer in unserem Waggon da zu aufgefordert, doch tolle Sachen bei ihm zu kaufen. Noch ein wenig irritiert, fragen wir also nach dem Angebot. Doch das ist der Fehler aller Fehler, hier in Indien. Der Verkäuferinstinkt ist geweckt, der Köder hat angebissen und nun wird „Geschäft gemacht“. Es klappt! Wir sind glückliche Besitzer von zehn „neuen“ Film-DVD´s. Alle frisch „gebrannt“ aus dem heimischen Rechner. Der Schwarzmarkt floriert überall in Indien. Das ist wohl das beste Geschäft, wenn sich beide Parteien mit zufriedenen Gesichtern verabschieden. Danach folgt noch der Spielzeugverkäufer, der ein kleines Auto hinter sich herzieht, dem wir aber absichtlich keinen Augenkontakt entgegen bringen. Oder auch der Hygiene-Mann mit seinen kunterbunten Zahnbürsten, Haarklammern oder vielleicht einer neuen Jeans? Alles ist im Angebot auch wenn die Palette noch so verwirrend ist. Es gibt nichts was es nicht gibt. Wer denkt, das sind Ausnahmen, hat sich getäuscht. Der Tag vergeht und es kommen noch zahlreiche weitere Geschäftsmänner vorbei, zwischen unseren geliebten Chai- und Koofi-Verkäufern. Das ganze Chaos hier in den Gängen wird auch noch durch Bettler und Menschen mit Behinderungen aufgemischt. Alle gehören sie dazu, alle haben sie ihren Bestandteil und ihre Zugehörigkeit und alle tragen sie dazu bei, einem dieses Bild von Indien zu vermitteln. Dieses Bild mit den unterschiedlichsten Menschen, mit den vielen Kontrasten, das Ganze verschönert durch bunte knalligen Farben, vermischt mit diesem süßfeurig-staubigen Geruch. Ein Unterhaltungskino der Extraklasse! Der lebendige Blockbuster, hautnah und zum Anfassen. Man braucht einfach nur eine reichliche Portion „Basic Instinct“, dazu einen Schwung „Mamma Mia“ und ein wenig „Kung Fu Panda“ und man ist angekommen in diesem Land!

 

Wir sind nun auch angekommen. In Chennai, unserem Zielort, verbringen wir nur ca. zwei Stunden, denn wir haben uns entschlossen gleich nach Puducherry weiterzufahren! Nach einer Weile herumfragen, verlaufen, wieder umdrehen, weiterem herumfragen, wieder falsch, komplett woanders hin, stehen wir nun hier und warten auf den richtigen Bus.

Wir erreichen Puducherry um zwei Uhr in der Nacht, sind völlig gerädert, verhandeln noch mit letzter Kraft mit dem Rikscha Fahrer einen akzeptablen Preis heraus, der uns ohne größere Umwege direkt zu unserem Couchsurfer Shyam bringt. Dieser wartet „schon“ voller Freude auf die beiden verrückten Reisenden und zeigt uns dann auch gleich unser zu Hause für die nächsten drei Tage!

Nachdem wir noch ein wenig geplaudert haben, haben wir uns in die verdiente Falle gehauen.

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Einen Tag Freiwillige bei Mutter Teresa

Fast jeder von Euch hat schon mal von Mutter Teresa gehört, einer unglaublichen Frau, die sich aus Liebe zu Jesus, den Armen gewidmet hat und dabei viel Freude empfand! Eine Frau, die täglich mit großem Herz und gutem Beispiel voranging um den Armen und Kranken Liebe, Trost und Hoffnung zu spenden. Als Pionierin in Indien hat sie viele Einrichtungen geschaffen, in denen kranken und mittellosen Menschen geholfen wird. Diese Einrichtungen sind dem Alter, dem Geschlecht und dem Erkrankungsfeld hin unterteilt und jeder der dort „behandelt“ wird kann sich, so gut es geht, selbst integrieren und mithelfen. Eine super tolle Sache und eine bewunderswerte Leistung, die ich, Caro, mir aus nächster Nähe angeschaut habe, hier in Kalkutta, der selbstgewählten Heimat von Mutter Teresa. Ich war einen halben Tag lang dabei und durfte auf diese Weise miterleben, wie hart die Glaubensschwestern für ihre Mitmenschen sorgen! Sie verbringen in der Tat wahre Wunder und das täglich!

 

Der Anfang

Wenn man nun als Freiwillige mithelfen will, dann begibt man sich am frühen Morgen (gegen 7 Uhr) ins sogenannte „Mutterhaus“ (der ersten von ihr gegründeten Einrichtung), hat ein kurzes Frühstück, lernt weitere Helfer kennen und startet den Tag mit Gesang und einem Gebet. Danach wird man entsprechend der Länge des Aufenthaltes den verschiedenen Gruppen zugeteilt. Da ich nur einen Tag Zeit hatte, wurde ich in die Gruppe eingeteilt, die zu den Sterbenden ging. Das ist auch richtig so, denn es gibt auch Einrichtungen für Kinder oder misshandelte Personen, die sich nicht jeden Tag an neue „Pfleger“ gewöhnen können und auch längere und stetige Betreuung brauchen. Für diese Helfer gibt es dann auch kostenlose Unterkünfte und Essen. Nun, nachdem jeder seiner Gruppe zugeordnet war, machten wir uns auf den Weg. Ein Fußmarch von ca. 45 Minuten sollte uns ans Ziel bringen. Vorbei an bettelnden Kindern und vielen hilfsbedürftigen Menschen bahnten wir uns unseren Weg in die Slums zur entsprechenden Einrichtung. Dort angekommen wurden wir nochmals geschlechterspezifisch aufgeteilt. So landete ich schließlich in einem Teil mit überwiegend alten und einigen wenigen jungen Damen. Zuerst durften wir Wäsche waschen, dazu gibt es eine Art „Waschstraße“ in der jeder seinen Aufgabenbereich hat. Meine Arbeit war, die gewaschene Wäsche auszuwringen und dann mit zwei vollen Eimern nasser Kleidung die Treppen drei Etagen weit hochzulaufen, dort die Wäche an die Wäscheaufhängerinnen zu übergeben und dann wieder runterzulaufen um den gleichen Ablauf zu wiederholen. Das ganze bei ca. 4o Grad im Schatten um die 40 Mal insgesamt. Es war viel Wäsche die ca. 40 Frauen über etwa 2 Stunden lang beschäftigt hielt. Darunter waren auch viele Kranke, die fit genug waren mit anzupacken und denen es große Freude bereitete auf diese Weise einen Teil beizutragen und damit auch Abwechslung zum ansonsten monotonen Alltag zu haben.

 

Die Patienten und der Umgang

Danach kam das Frühstück für die Patienten. Das bedeutete für uns, die einzelnen Damen aus ihrem Schlafsaal zu den Stühlen hinzuführen und diese mit Tee und Plätzchen zu bewirten. Insgesamt waren wir in unserem Bereich für ca. 60 Leute zuständig. Da viele von den Menschen nicht mehr selber essen können, fütterten wir sie. Danach war Freizeit angesagt, das hieß, dass wir uns den Patienten, für uns fremde Menschen, deren Sprache wir nicht mächtig waren, widmen und diese umsorgen sollten. Keine leichte Aufgabe! Man steht da plötzlich allein in einem Bereich, in dem die Patienten wie die Hühner auf der Stange, dicht gedrängt, auf Plastik- und Rollstühlen nebeneinander sitzen, hilbsbedürftig sind, sich nach Liebe, Zärtlichkeit und Wärme sehnen und gerne ihre Kinderlieder singen möchten. Diese starren ebenfalls ratlos in die vielen fremden Gesichter aus ganz unterschiedlichen Ländern, die etwas unbeholfen auf die Patienten zugehen und nicht so recht wissen, wie sie es anstelllen sollen, in kurzer Zeit Wärme, Zuneigung und ein gutes Gefühl nur mit Hilfe von Körpersprache und Mimik an diese fremden und gebrechlichen Menschen zu vermittlen. Einige Freiwillige waren begabte Sängerinnen und haben den Leuten große Freude bereitet. Ich habe mir eine Massagecreme geschnappt und die einzelnen Frauen deren Haut an Armen und Beinen schon so dünn und ausgetrocknet war, mit Creme verwöhnt, was zu großer Begeisterung und dauerndem mich zu sich Herwinken geführt hat. Wiederum andere haben den Damen Nagellack aufgetragen worüber diese sich unheimlich gefreut und sich wieder an ihre Weiblichkeit erinnert haben. Danach kam essen Nummer zwei: Jetzt schon selbstbewusster brachten wir das Essen zu den einzelnen Frauen. Manche waren allerdings höchst erzürnt, da wir ihnen mit Reis und Chickencurry kamen, sie jedoch Vegetarier waren. Oh je, da half nur, sich zu entschuldigen und ein flottes Austauschen des Gerichts.

 

Hygiene

Zudem waren wir auch dafür zuständig, wenn die Frauen auf dieToilette mussten, was auch ein Erlebnis für sich ist. Denn man sollte sich die Zeit nehmen, jede Einzeln zu betreuen, was bei der Patientenanzahl und deren teilweise dringenden Bedürfnissen nicht immer einfach ist. Hinzu kommt, dass viele eben nicht mehr so schnell sind und ihre gewisse Zeit brauchen, bis sie 10 Meter Distanz überwunden haben und dann steht man mit ihnen in der angewiesen Toilette, einem gefliesten Raum mit einem Abfluß in der Mitte. Während man selber noch sucht, wo denn hier die Toiletten sind, lassen die Damen es dann auch schon laufen. Ah, okay, so funktioniert das hier also. Und da entdeckt man dann auch noch den ein oder anderen Toilettenstuhl fürs „große Geschäft“. Wohin die Schüssel allerdings entleert wird habe ich nicht herausgefunden. War in meinem Fall auch nicht nötig.

Dafür durfte ich aber noch eine, im Toilettenraum alleingelassene und in ihrem Kleid verhakte, Dame aus ihrer misslichen Lage befreien. Nachdem sie sich wieder bewegen konnte, war klar, dass das Kleid gewechselt werden muss und so hab ich dann auch noch ein Wechselkleid aufgetrieben, ihr sich anziehen geholfen und sie dann wieder auf die Essensveranda gebracht.

Während wir all diese Hilfsarbeiten verrichteten, nebenbei die Bettbezüge wechselten und zum Schluß die Frauen wieder zu den Betten brachten, um sich auszuruhen und Mittagsschlaf zu halten, waren die Ordensschwestern alle fleißig, kümmerten sich um die Bedürfnisse der Kranken, assistierten der Ärztin und checkten die Lage. Und das alles in sehr einfachen und dürftigen Verhältnissen.

 

Alles in allem war es ein Tag, der mir in Erinnerung bleiben wird als Tag, an dem ich sehr viel von den Bedürftigen gelernt habe und sehr viel über das Leben und die menschlichen Bedürfnisse und sehr viel darüber, was man alles leisten kann und was alles von den Schwestern, aber auch von den Erkrankten geleistet wird.

 

„Die Armut wurde nicht von Gott geschaffen. Die haben wir hervorgebracht, ich und du mit unserem Egoismus.“ (Zitat Mutter Teresa)

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Ein ganz „normaler Backpacker-Tag“

Dieser Tag wird einige weitere Belustigungen mit sich bringen, doch müssen wir erst noch die letzten Stunden verdauen. Trotzdem stehen wir schon früh auf der Matte (um 11Uhr), denn wir wollen zu einem Kricket-Spiel. Dafür benötigt man aber Karten und die wollen wir uns auf dem Schwarzmarkt, bzw. wo auch immer diese hier angeboten werden, besorgen. Bevor die Suche aber losgeht, beginnen wir unseren Tag mit einem super leckeren Frühstück in der wohl besten Frühstücksstraße Indiens. Hier reiht sich ein leckerer Essensstand neben dem anderen in einer eher unscheinbaren Nebenstraße und lässt die Herzen vor Freude höher schlagen. Der Ei-Burger prutzelt schon lecker vor sich hin, der Geruch beflügelt unsere noch wackligen Sinne und der leckere Chai-Tee lässt uns Flügel wachsen. Ihr seht, wir schweben schon auf Wolke Sieben und lassen es uns gut gehen. Zum Abschluss gibt es noch einen richtig leckeren Mangosaft, natürlich Natur pur und frisch gepresst. An dieser Stelle fehlt nur noch der Nutella-Pancake, wie wir ihn am Tag zuvor hatten, so als Sahnewölkchen oben drauf! Absolut gestärkt nach so einem tollen Frühstück sind wir nun auch bereit, für die neuen Abenteuer, die uns erwarten.

 

Eine Herausforderung 

Gemeinsam mit weiteren Flashpackern (= der moderne Backpacker, der nicht mehr ohne die neuen Medien, wie z.B. Internet, Smartphone, etc. verreist), machten wir uns auf den Straßen Kalkuttas auf die Suche nach Karten für das Kricket-Spiel. Es sollte auch nicht lange dauern bis wir einen kompetent aussehenden Mann fanden und ihn mit der Frage angesprochen hatten, ob er denn wüsste woher wir Karten für das Spiel bekommen könnten. Er wußte auf jeden Fall, was zu tun war und brachte uns zu einem weiteren Mann, der schon verdächtig an einem Tor lauerte und schon verschwanden wir durch das Tor hindurch zum Hof. Weiter ging es durch den Hof, immer weiter hinein in das Innere dieses Wohnhauses und schließlich landeten wir in einem Geschäft, welches genauso aussah wie die ganzen anderen Geschäfte hier. Sie sind alle nach dem gleichen Muster aufgebaut: Relativ klein, ca. 2x2 Meter, an der einen Seite befindet sich eine Glastheke und an den restlichen Wänden im ganzen Raum sind unzählige Glasregale angebracht. Nun findet man in diesen Regalen das immer gleiche und zahlreiche Sortiment der Verkäufer. Alles, laut Beschreibung der Verkäufer, von unschätzbarem Wert, wobei die Aufmachung eher an einen Trödelmarkt erinnert. Von diesem massiven Aufgebot an touristischen Angeboten erschlagen und überwältigt landet auch schon die nächste Halsketten- und Ringschatulle auf der Theke und wird bis in den höchsten Tönen angepriesen. Mit schnellen und abwehrenden Worten machen wir den Verkäufer mit einem gutmütigen Lächeln darauf aufmerksam, dass wir nicht die richtigen Kunden für seine Spielchen sind. Aber der Verkäufer kennt sein Handwerk (wir aber auch) und so probiert er weiterhin sein Glück. Qualität steht bei uns auch an erster Stelle und wir erkennen sofort, dass uns dieser Schnick Schnack nichts taugt. Mittlerweile sollten die Eintrittskarten für das Kricket-Spiel auch schon seit 5 Minuten auf dem Tisch liegen, denn es waren in der Zwischenzeit schon wieder 10 Minuten geschäftliches Treiben vergangen, aber nichts machte den Anschein, dass sie bald auftauchen würden.

 

Ein besonderer Wunsch

Aber da gab es doch noch etwas, das ich unbedingt kaufen wollte: Ein Backgammon-Spiel! Um die Wartezeit zu überbrücken, äußerte ich den Wunsch, dieses Spiel doch gerne haben zu wollen. Ein Fehler! Wie aufgescheuchte Hühner wuselten der Besitzer und seine Helfer durch den Laden, auf der Suche nach dem Schatz des Tages.

Leider entsprach dieser Schatz nicht meinen optischen Vorstellungen. Und ich kann euch hiermit sagen: Häufig wird das Spiel hier nicht verkauft und wenn man bedenkt, dass Kalkutta 1495 zum ersten Mal erwähnt wurde, kommt dies nahe an das Erscheinungsbild des Objekts vor mir heran. Aber so leicht gaben die Milleniumsverkäufer nicht auf, das muss man ihnen anrechnen. Also musste Plan B her und es wurde der erste Späher ausgesandt. Dieser machte sich auf die Suche nach dem Objekt der Begierde und das bei seinen zahlreichen Freunden von nebenan! Das ganze sieht dann folgendermaßen aus: Er rennt von Shop zu Shop um bei den, wie gesagt, gleich aussehenden Mitbewerber-Shops, nach einem etwas anderem Backgammon-Spiel Ausschau zu halten. Ich glaube er ist weit gerannt, denn so schnell haben wir ihn nicht wiedergesehen.

Nun, die Krickettickets mussten wahrscheinlich auch erst einmal gedruckt werden, denn sie waren immer noch nicht da und somit versuchte unser „Mister Goldkette“ weiterhin, seine Klunker an den Mann zu bringen. Nach weiteren unzähligen Minuten und weiteren tröstenden Worten, dass in Kürze der Kricketgott durch die Türen schnallt und uns die Tickets auf dem goldenen Tablett serviert und weiteren touristischen Sonderangeboten, wollten wir schon gehen, als Backgammon-Mann mit einem stolzen Lächeln, noch keuchend, durch die Türen gestolpert kam. So schnell wie er zurück war, so lang dauerte es auch, bis sich seine Laune wieder neutralisierte. Denn, eine wichtige Hürde bei einem guten Geschäft ist der Preis! Und bei indischen Händlern sollte man sich, bevor man verzweifelt, schnell aus dem Geschäft zurückziehen. Die kennen ihr Handwerk und haben anscheinend genügend Kohle um die nächsten Jahre zu überleben, so unverschämt hoch setzen sie ihren Verkaufspreis an. Also, ein süßes kleines Backgammon-Spiel wird hier auf den Straßen Kalkuttas mit einem Verkaufswert von 25 Euro gehandelt. Der Einkaufswert liegt bei vielleicht 2 Euro, denn drei Tage später habe ich es für 4 Euro gekauft. Daraus könnt ihr schlussfolgern, dass ich meinen Geschäftssinn an diesem Tag bewahrt habe, standhaft blieb und auch sein unmoralisches Angebot von 10 Euro Nachlass, mit Stolz in den Augen, nicht angenommen habe! So ein indisches Verkaufsgespräch ist wie eine Kralle, die sich langsam um seine Beute windet und mit aller Kraft versucht, diese auszuquetschen. An dieser Stelle war die Beute stark genug um hauchdünn diesem finanziellen Raubzug zu entkommen.

In letzer Sekunde kamen dann auch noch die Kricket-Tickets. Dabei müssen wir erwähnen, dass nun schon stolze 45 Minuten vergangen sind, seitdem wir diese Schatzkammer betreten haben und nun bekommen wir auch die Tickets für einen Preis, wie für ein Finale bei der Fußballweltmeisterschaft auf einem Lodgenplatz mit einem reichgedeckten Buffet, angeboten, so dass wir meinen, wir würden träumen. Es sollte eigentlich nur eine Art Unterhaltung werden, einem Kricket-Spiel zuzuschauen, und nicht unser Absturz in die Finanzkrise. Lust auf Verhandeln hatte keiner mehr und bevor wir noch weitere Goldperlen als Entschädigung angeboten bekommen hätten, sind wir schnell wieder in die rettende Freiheit geflüchtet. Das letzte Ass im Ärmel des wirklich raffinierten Verkäufers haben wir dann auch abgelehnt: Heroin, Koks und Ecstasy brauchen wir auch nicht!

 

In der Falle

Leider konnten wir nicht lange unsere wohlverdiente Freiheit genießen, denn ich hörte schon die hallenden Worte vom Backgammon-Mann in meinem Nacken und schon war ich seine Beute. Nach gefühlten 20 Sekunden Freiheit wartete der nächste „Kampf des Abwimmelns“! Das gute Gewissen jedoch sprach zu mir und der Drang ein wunderbares Backgammon-Spiel in meinen Händen zu halten war zu groß und somit ging ich auf seinen Plan, ihm zu folgen, ein. Ihr könnt euch den Rest schon denken, bei mir sollte es noch eine Weile dauern. Mittlerweile waren nur noch Caro und ich in der „Falle der Klaue“. Soviel zum Thema: „Gemeinsame Unternehmung“. Also die Verfolgung, so konnte man seine Ausdauer und Motivation beschreiben, verlief direkt durch die verkaufsträchtige Einkaufsstraße. Nach etlichen Ausweichmanövern und geringerer Motivation wollten Caro und ich schon abhauen. Einfach in die nächste Ecke einbiegen und verschwinden. Aber, als ob Backgammon-Mann meine Gedanken erahnen konnte, stand er auch schon wieder neben mir und meinte wir wären gleich da. Also, das haben sie gelernt, jemanden bei Laune zu halten. Und Erinnerungen wurden wieder wach, an die Zeit im T´hic T´hak, als wir Wochen auf unsere neuen Speisekarten warten mussten, die eigentlich am nächsten Tag hätten fertig sein sollen...

Aber, wieder zurück in das turbulente Treiben an diesem heißen Sonntag. Weiter ging die endlose Suche nach dem Laden, der uns als DER „Backgammon-Laden“ angepriesen wurde. Endlich angekommen, ist es wieder ein Laden wie alle anderen auch und nach dem ersten charmanten Verkäuferlächeln wusste ich schon, das heute nicht der Tag sein sollte, an dem ich mein glücklichstes Lächeln aufsetzen würde.

Nun wollen wir euch aber sagen, dass wir nach diesen Erlebnissen suchen und sie auch herbeiführen, denn wir schlagen nur wenigen Leuten den allerletzten Wunsch ab. Dies ist unsere Art zu reisen. Wir wollen offen bleiben, auch wenn uns diese Situationen schon allzu bekannt sind, denn wenn man erst einen starren Blick bekommt und nicht bereit ist Veränderungen anzunehmen und spontan zu bleiben, hat man nicht die Möglichkeit all die wunderbaren Bekanntschaften und Erlebnisse zu machen und zu erfahren. Denn man weiß nie, welche Person einen gerade anspricht und vielleicht ergibt sich daraus die nächste wunderbare Geschichte. Heute sollte es jedoch nicht so sein und trotzdem hatten wir eine Menge Spaß.

 

Neuer Markt

Irgendwo an einem Laden in Kalkutta machten wir uns wieder auf den Rückweg zu unserem Hostel, um noch vorher einen Abstecher bei unserem wirklich charmanten „Saftmann“ zu machen, denn eine Erfrischung hatten wir uns nun wirklich verdient. Jedoch sollte es weitere zwei Stunden dauern bis wir dort ankamen, denn auf dem Rückweg durch die unvertrauten Gassen dieser „Stadt der Freude“, wie sie unter den Bewohnern genannt wird, wollten wir unser Glück herausfordern und wir entdeckten ein Einkaufszentrum. Das wurde uns auf dem Weg als optimaler Ort für alle möglichen Sachen schmackhaft gemacht und wir konnten diesem Drang nicht widerstehen, dort hineinzuschauen.

Der „Neue Markt“ mitten im Herzen Kalkuttas ist wirklich genial und wir haben hier einige tolle Sachen erworben und deswegen hat es auch wieder einmal so lange gedauert. Man sollte in Indien nichts planen, denn es gibt viel zu viele Dinge, die einen davon abhalten, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Dieses eindrucksvolle Gebäude wurde 1874 erbaut und wir stehen nun hier in den Hallen und zwischen den Menschenmengen und suchen immer noch voller Hoffnung nach einem neuen Backgammon-Spiel und einem weiteren Einkaufswunsch auf unserer Liste: Eine indische Flagge!

Aber nun können wir das Ganze hier ein wenig abkürzen, denn es war eine ähnliche Kopie, wie in den Läden zuvor, wenn nicht sogar noch ein wenig geschäftstüchtiger. Aber da es ja zwei Stunden gedauert hat, könnt ihr euch auch schon vorstellen, was wir noch so alles anschauen durften! Willkommen in Indien!

   

Eine besondere Erfrischung

Völlig erschöpft und Gaga gönten wir uns dann einen frisch gepressten und kühlen Saft und schließlich einen kurzen Mittagsschlaf, denn wir hatten ja heute schon allerhand gemacht. :-)

Nachdem wir aus unserer Mütze voller Schlaf erwacht sind, hörten wir schon draußen Gespräche und lustiges Gackern. Angesteckt von der guten Laune, saßen wir auch schon draußen. Aber irgendwas war anders. Nun, Nick hat es uns dann veraten. Das Geheimnis trug den Namen: Special Bang Lassi!

Es ist ein indischer Milchshake mit einer speziellen Zutat. Nun, dieses Siegerlächeln wollten wir auch genießen und somit machten wir uns auf dem Weg zu unserem Saftmann. Nach 5 Minuten hielten wir dann auch schon die Siegertrophäe in unseren Händen und nippten an diesem Getränk. Köstlich ist was Anderes, es ist eher eklig, aber wir tranken es tapfer leer, gingen wieder zurück und machten es uns in der Runde bequem. Ein wenig enttäuscht darüber, dass es so eklig schmeckt und man auch noch gelangweilt hier sitzt und die Grinsegesichter anschauen muss, bahnte sich das Getränk langsam seinen Weg durch die verzweigten Kabel und Gänge direkt ins das Zentrum des Gehirns. Nun den Rest können sich die Einen oder Anderen vorstellen. Ein wirklich interessanter Abend mit einem fetten Sieger-Lachen auf den Lippen :-)!

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Kolkata und die Fahrt ins Ungewisse!

Kalkutta hat 4.5 Millionen Einwohner und ist die siebtgrößte Stadt Indiens. Der Name bedeutet „Schwarzes Tor“ oder „Tor der Göttin Kali“ und somit kann man hier auch den Tempel der Göttin Kali besuchen, eine der Attraktionen in Kalkutta. Nun, an diesem Tag war Raj unsere Sehenswürdigkeit. Mit Hilfe von Couchsurfing haben wir ihn angeschrieben und getroffen. Mit seinem schmucken Auto mit Klimaanlage ging es zu Viert, denn Nick haben wir natürlich mitgenommen, zu einem ausgesprochen interessanten Roadtrip. Die Fahrt ging entlang des Victoria Memorial, welches ihr ja schon kennt, weiter über die Haora-Brücke, eine 656 Meter lange Fachwerkbrücke, welche den Norden mit dem Süden der Stadt verbindet. Übrigens gilt diese Brücke als die verkehrsreichste Brücke der Welt (60.000 Fahrzeuge/Tag) und wir waren eines dieser Fahrzeuge. Wir fuhren in den Süden, in Richtung Meer, jedoch ist dieses noch gute 140 Kilometer entfernt. Dort findet der Ganges im berühmten Gangesdelta in der Bucht von Bengalen nach schlußendlich 2620 km sein Ziel. Soweit sind wir dann aber doch nicht gefahren.

 

Roadtrip

Denn, wie gesagt, es war ein Roadtrip der einiges versprechen sollte, denn Raj wollte uns zeigen, wie man in Indien als gutverdienender Stadtmensch einen Wochenendabend verbringt, dazu gehört dann auch jede Menge Bier, wie wir noch merken sollten. Dazu machte Raj noch einen Stopp an der richtigen Tankstelle und mit genügend Treibstoff ging es dann auch weiter auf den Straßen Indiens, vorbei an Tuk-Tuks, quäkenden Motorrädern und den Wohnhäusern Indiens. Die Fahrt wurde nach und nach richtig spannend und wir unterhielten uns über „Sex, Drugs and Rock´n´Roll“, und so allmählich wurden wir fröhlicher. Die Themen sprudelten nur so vor sich hin und es wurde kein Blatt vor den Mund genommen. Wie das halt so ist, in einer kleinen „Männerrunde“, denn Caro hatte sich schnell aus der Runde ausgeklingt. Kurzerhand war es dann auch Nick, der die weiße Fahne geschwungen und sich aus den Gesprächsthemen herausgehalten hat. Nun waren nur noch zwei tapfere Kämpfer fest entschlossen, die Nacht zum Tag zu machen und auch die ansonsten unausgesprochenen Themen zu besprechen. Nach etlichen Kilometern machten wir die erste oder zweite oder wievielte Pause und schon waren wir am Ziel angekommen: Ein Restaurant! Das Ziel war: „Wieder auftanken!“ und weiter ging die fröhliche Fahrt. Allerdings bekam das Bier und das scharfe Hühnchen nicht jedem so gut und so ließen sich der ein oder die andere das Ganze nochmals durch den Kopf gehen. Es war Zeit für die Heimreise!

 

Die große Suche

Hier und da gab es noch einen Stopp. Leider! Denn das Ende von diesem Roadtrip hieß dann: Verlorene Gürteltasche! 100%ig nüchterne Leute konnten sich nicht mehr melden, aber wir waren uns trotzdem „sicher“, die muss irgendwo im Auto sein. Im Hostel angekommen, durchsuchten wir dann das ganze Auto. Keine Gürteltasche, die übrigens dem Nick gehörte, weit und breit! Ich glaube an diesere Stelle, waren wir alle wieder nüchtern und es hieß nochmals umkehren und an den Pausenplätzen suchen. Nun, wir haben euch ja geschildert, dass diese Brücke die meist befahrendste Brücke der Welt ist. Nicht ohne Grund, auch jetzt zwei Stunden nach Mitternacht, herrschte Verkehr. Stau! Keiner hatte Bock hier zu warten, alle waren wir zu fertig um unsere Zeit in einem Stau zu verbringen. Und wie umgeht man einen Stau auf indischen Straßen? Richtig! Man fährt auf der anderen Straßenseite weiter. Das hieß dann aber auch, dass uns dementsprechend Autos, auch große Autos, sogenannte LKW´s, entgegen kamen. Nun gut, die wurden dann natürlich von unserem indischen Freund mit Lichthupe und mit Dauerhupe gewarnt, dass sie doch bitte nicht auf unserer Fahrbahn fahren und gefälligst rüberschwenken sollen. Und da ihr dies nun lesen könnt, ist das auch das gute Zeichen, dass wir doch einen guten Fahrer hatten, der die indische Fahrweise voll und ganz beherrscht. Nach zahlreichen Kilometern, hatten wir das Gefühl, dass wir nun am richtigen Rastplatz sein müssten. Naja, so richtig konnten wir das nach 1 Stunde Verspätung nicht mehr sagen und außerdem hatten wir den Standpunkt zuvor ja auch von der anderen Richtung her gesichtet und es war auch schon dunkler als vorher, so zumindest unsere Einschätzung. Also hieß es erst einmal umdrehen. Nun wieder „on the right side of the life“ haben wir an der vermeintlichen Stelle angehalten und uns auf die Suche gemacht nach Nicks Gürteltasche mit seinem ganzen Geld, einigen Kreditkarten, der Kamera und seinem nagelneuem Handy. Auf der Kamera waren fast 6 Monate Erinnerung! Die Suche war leider vergebens und die Gürteltasche sollte nicht wieder in Nicks Hände gelangen. In welchen Händen sie schlußendlich gelandet ist, können wir euch leider auch nicht sagen. Dafür bekamen wir aber überrachend „Besuch“.

 

Polizei

Es ist eigentlich immer das Gleiche, ob nun in Europa oder hier vielleicht 30 Kilometer außerhalb Kalkuttas, es kommt die Polizei immer genau dann, wenn man sie nicht unbedingt braucht. Die Frage, die den Polizisten dann auch förmlich ins Gesicht geschrieben stand, lautete: „Was machen drei Europäer und ein Inder am Straßenrand hier, mitten in der Nacht?“ Dazu müsst ihr wissen, dass es sehr unüblich ist, wenn sich ein Inder, alleine mit drei Weißen, um diese Uhrzeit noch herumtreibt. Zum Glück war Raj pfiffig und hatte die perfekte Ausrede parat: „Wir wären ausländische Arbeitskollegen und kämen gerade von einem Meeting zurück.“ Ohne Alkoholkontrolle und mit netten Polizisten war dann diese Sache auch schnell erledigt und wir waren wieder zu Viert. Mit enttäuschten Gesichtern über die verlorene Gürteltasche ging die Fahrt dann wieder zurück zum Hostel. Alles in allem aber ein geiler Roadtrip, mit einem verpatzten Happy End, aber einer wunderbaren Erinnerung und einem Erlebnis der besonderen Art, hier in Kalkutta!

 

Mac Guyver

Das sollte aber noch nicht das Ende sein. Aus uns sollten noch richtige Sherlock Holmes bzw. eher kleine Einbrecher werden. Denn in Nicks Gürteltasche befand sich noch ein weiterer, nicht unerheblicher, Gegenstand: Der Schlüssel für sein Zimmer. Mittlerweile war es schon um Vier am Morgen und wir versuchten Nicks Zimmerschloss aufzubrechen. Professionelle Einbrecher sind wir ja noch nicht geworden, auch wenn das Geld manchmal knapp ist, und haben es natürlich auch nicht vor. ;-) Zudem fehlen uns auch die entsprechenden dazugehörigen professionellen Werkzeuge. Aber an dieser Stelle wollen wir einen Dank an Sven und Britta aus Schliengen (einem kleinem, unscheinbarem Dorf an der Grenze zum Schwarzwald) ausrichten, die uns mit ihrem Geschenk bei unserem Einbruch nichts ahnend unterstützt haben. Nun stehen wir hier, noch angetüdelt und müde, mit einem Schweizer Taschenmesser bewaffnet und sägen an dem Schloss. Richtig, wir sägen abwechselnd mit einer kleinen süßen Taschenmessersäge das Schloss auf. Wie gesagt, professionell ist das nicht, aber auch so kamen wir ans Ziel und schließlich waren wir nun wirklich alle bereit für die erholsame „Nacht“!

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Die Entdeckung Kolkata´s geht weiter

Zugticket

In aller Früh ging es mit einem von diesen schönen gelben Taxis zum Zugticketgebäude. Denn in dieser Stadt kauft man das Ticket nicht wie normalerweise in einem Bahnhof, sondern, irgendwo in Kolkata, vom Bahnhof weit und breit keine Spur. Mitten in einem schönen Viertel findet man den entsprechenden Ort um sich ein Zugticket zu besorgen. Nun stehen wir Schlange und wollen uns ein Ticket nach Chennai kaufen. Leider (oder zum Glück) sind die Tickets für den geplanten Tag schon ausgebucht und somit haben wir noch zwei weitere Tage lang die Möglichkeit, diese tolle Stadt zu erkunden, denn es soll erst am 09.05.12 für uns weiter gehen.

 

TamTam

Mit dem Ticket in der Hand ging es dann durch die Stadt, entlang am Regierungsgebäude wo am folgenden Tag die Außemninisterin Amerikas, Hillary Clinton, erscheinen sollte. Diesbezüglich wurde auch richtig ein Wirbel draus gemacht. Fast schon orkanartig wurde die Sicherheitsstufe heraufgesetzt, Straßensperren durchgeführt und Gebäude ein einem Affenzahn verschönert und das im, naja, „unsauberen“ Indien. Wir wissen nicht welchen Eindruck Frau Clinton aus Indien mitnehmen sollte. Die Realität sollte es allem Anschein nach wahrscheinlich nicht sein.

 

Chinatown

Weiter ging es auf den Straßen Kolkatas, mit einem Blick durch Chinatown. Um euch mal ein Beispiel für die unbeschreibliche Gastfreundschaft zu schildern, die wir so oft schon auf unserer Reise erlebt haben, gibt es hier für euch die folgende kurze, aber wunderbare Geschichte. Also wir schlenderten durch die Gassen Chinatowns, wobei so richtig China war das für uns nicht. Wo China drauf steht, soll doch auch China drin sein, dachten wir uns und somit haben wir uns in Chinatown nach Chinatown umgefragt. Bekloppt muss man sein, nun so spielt das manchmal, wenn man die Kulturen vermischt. Jetzt waren wir also hier in, für uns, „Indiatown“. Na gut, hier und da gab es chinesische Anzeichen, aber wahrscheinlich haben sie sich gut integriert oder waren noch alle im Bettchen. Jedenfalls fragten wir uns so durch die Gassen durch, nach Anzeichen von China. Warum wir unbedingt wieder China sehen wollten, wussten wir auch nicht, aber zumindestens wollten wir sagen: „Wir waren dort!“, wenn wir schon in der Nähe waren :-).

 

Wunderbare Geschichte

Nachdem uns nun erklärt wurde, dass wir mittendrin sind, hat uns das Gesehene dann auch gereicht und uns zeigte die angesprochene Person den Ausweg aus dem, naja, chinesischen Labyrinth. So, und als wir dem Irrweg entkommen sind, hat er uns auf eine Fahrt mit der Straßenbahn mitgenommen. Und, er hat uns eingeladen! Das war die kurze wunderbare Geschichte. Die Bekanntschaft eines Inders, der uns nach 10 Minuten zu einer Straßenbahnfahrt einlädt. So wunderbar und einfach kann es gehen. Man gibt, auch wenn man wenig hat! Simpel und erstaunlich wirksam und man füllt sich dankbar, für dieses Geschenk mit großer Wirkung! Mit kleinen Dingen die Welt verbinden. Nur wer lebt und handelt, kann etwas Besonderes erreichen. Auch ein Grundsatz, dem wir gerne folgen und wir sagen Danke für diese Momente des Reisens. Wir brauchen nichts Großes, wir freuen uns auf die kleinen Dinge die uns täglich begleiten, wie z.B. das Gespräch mit dem Obstmann, ein Apfel als Abschiedsgeschenk. Der Teemann der uns sein Lächeln schenkt und sich freut, dass wir in seinen Laden gekommen sind und uns in die indische Welt integrieren.

Jetzt hatten wir noch die zweite Straßenbahnfahrt, denn wir mussten umsteigen und auch hier: Der Buskontrolleur ließ uns kostenlos mitfahren. So einfach kann es gehen und wir lächeln zurück und freuen uns über die Großzügigkeit die ein Jeder in sich trägt und uns Preis gibt, denn wir wissen, auch wir geben zurück!

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Busfahrt nach Kalkutta

Kalkutta

Mit dem Bus ging es nach Kalkutta, der Stadt der Kontraste, der britischen Monumente und der Mutter Theresa. Nach einer 15-stündigen Busfahrt kamen wir dann auch endlich in aller Herrgottsfrüh in Kalkutta an. Somit hatten wir genug Zeit, um den kompletten Tag zu nutzen. Es ging damit los, das wir erst einmal mit dem Taxi zur Hostelstrasse fuhren. Nachdem wir einige wirklich schäbige Zimmer angeschaut hatten (Und wir können echt so einiges ab haben, aber das war zum Teil sogar uns zu viel!) haben wir dann doch noch ein erträgliches Zimmer gefunden im Hotel Paragon. Ehrlich gesagt, war es nur eine kleine Kammer mit Fenster und Bett, aber wir waren direkt in der Stadt und im Endeffekt war es der perfekte Ort um lecker und günstig zu essen. Zudem bot uns unsere Abstellkammer jede Menge Unterhaltung mit den, für dieses Hotel berüchtigten kreativen Wandmalereien der vorherigen Zimmerbewohner. Natürlich haben wir auch eine Gemälde für die Nachwelt hinterlassen. ;-)

 

Sehenswürdigkeiten von Kalkutta

Nachdem wir uns ein wenig erholt hatten, sind wir mit der Metro zu einem modernen Einkaufszentrum gefahren, aber nachdem wir die Preise gesehen hatten, waren wir auch schnell wieder draußen. Weiter ging die Fahrt zur Victoria Memorial Hall. Ein weißes, sehr imposantes und altes Gebäude aus der früheren britisch-indischen Regierungszeit in West Bengal. Zu Ehren Victorias, der ehemaligen Königin Großbritanniens, wurde es 1921 erbaut. Heutzutage wird es als Museum genutzt welches wir uns natürlich angeschaut haben. Sehr spannend! Es gibt neben dem schönen Gebäude an sich allerhand über die Geschichte Indiens zu lesen und viele Bilder und Artefakte zu bestaunen. Danach ging es weiter durch den dazugehörigen und ebenfalls imposanten Park. Natürlich haben wir auch mal hinter die Kulissen geblickt und haben uns heimlich, still und leise in das Arbeiterviertel eingeschlichen. Da war es dann im Gegensatz zum öffentlichen Bereich plötzlich nicht mehr so imposant, dafür aber zum Teil sogar noch viel interessanter.

Von dort aus sind wir dann weiter in die gegenüberliegende Sankt Pauls Kathedrale, ebenfalls in weiß gehalten und ebenfalls ein imposanter Anblick. Nicht nur von außen, auch von innen, aber leider ist es verboten von innen Bilder zu machen. Die Farbe „Weiß“ ist übrigens den klimatischen Verhältnissen, hier in Indien, angepasst, so dass sie sich nicht so sehr aufheizt. Die Kathedrale wurde am 08.10.1839 von W.N. Forbes, einem bengalischen Ingenieur und Architekt erbaut, welcher den Kirchturm der Canterbury Kathedrale, dem „Bell Harry“ nachempfand. Allerdings wurde die Kathedrale bei einem Erdbeben im Jahr 1934 komplett zerstört und später wieder rekonstruiert. Das eigentlich coole an der Kirche waren die vielen Vögel, die im Inneren des Kirchenschiffs ihr zu Hause gefunden haben und nun täglich rund um die Uhr ein himmlisches Vogelkonzert abgeben, dem man stundelang lauschen möchte.

Und das gab´s sogar kostenlos! :-)

Nach diesem ereignisreichen Tag haben wir am Abend dann unseren Wanderfreund Nick empfangen und gleich neben uns einquartiert. So gab es dann auch gleich einen gemeinsamen Hotel-Abend zusammen mit weiteren internationalen Backpackern.

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Der letzte Wandertag

Nach dieser erholsamen Nacht ging es nach fünf coolen Tagen schlussendlich nach Mana Bhanjang. Es ging nur noch bergab und somit hatten wir einen zweiten entspannten Tag und uns wurde klar, dass mit dieser Motivation aus uns keine Bergführer mehr werden würden.

Nach nur fünf Stunden waren wir dann am Ziel. Wir standen auf nepalesischem Boden und im nächsten Moment gleich wieder auf indischem Territorium. Wir wussten, dass wir die ganzen letzten Tage auf der Grenze dieser beiden Länder spazieren gegangen waren, aber so ohne weiteres in Nepal zu stehen, war dann doch erstaunlich, auch wenn wir darauf erst von einem Nepalesen (oder doch einem Inder?) hingewiesen werden mussten. Was für ein schöner Tag! Ihr wisst ja, wir fühlen uns sehr stark zu Nepal hingezogen und so kamen doch gleich wieder viele gute und schöne Erinnerungen hoch.

Alles in allem handelte es sich um ein gemütliches Dörfchen, in dem wir hier angekommen waren und die Überlegung war, einfach noch einen weiteren entspannten Tag in diesem Ort dranzuhängen. Leider gab es hier aber keinerlei Internet bzw. andere sonstige Möglichkeiten um Bus-/Zugtickets zu kaufen und Nick brauchte unbedingt noch ein Ticket nach Kalkutta und dann gleich noch einen Flug zu den indischen Andaman Inseln. Deshalb ging es mit der nächsten Gelegenheit zurück nach Darjeeling. Dort angekommen ging es aber erst einmal sofort und ohne Umwege zum „Pizzaman in the Town“. ´Ne richtig leckere und riesige Pizza, wo ich, also Tobi, sogar Probleme bekommen habe, diese zu verschlingen. Ein toller Abschluss! Danke, Nick, und bis die Tage in Kalkutta!

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Wir nehmen es wie es kommt

Was für ein Ausblick

Es ist kurz vor Sonnenaufgang, wir stehen auf einem Berg, und wir bewundern die Himalaya- Gebirgskette. Wir stehen hier etliche Kilometer entfernt von zu Hause. Wir stehen in Indien und sehen den Mount Everest. Dies ist eine unbeschreibliche Situation und wir freuen uns, diesen Augenblick genießen un dmit Euch teilen zu dürfen. Aber nicht nur der Mount Everest, der höchste Berg der Welt, liegt auf unserer Augenhöhe, sondern auch der höchste Berg Indiens: Der heilige Kangchendzönga mit stolzen 8598 Metern Höhe.

 

Wanderlust?

Nach diesem überwältigenden Ausblick ging es für uns auch schon in der frühen Morgenstunde weiter. Das Ziel: Tonglu. Ungefähr 18 km und wieder einige Höhenmeter entfernt. Zum Glück ging es erst einmal nach unten und somit gut los. Vorbei an einigen bunt verzierten Stupas immer weiter hinab. Wir begrüßten indische Wanderer auf dem Weg, zu dem Ort wo wir herkamen und nach ungefähr einer Stunde legten wir die erste Pause ein. Zum Glück waren wir alle mit derselben Motivation ausgestattet und die war erschreckend gering. Wie wir die weiteren Kilometer absolvieren wollten, stand noch aus, aber nun genossen wir erst einmal leckeren Tee und Nudelsuppe. Aus einem Tee wurden drei und so rieselte die Zeit dahin und wir waren gar nicht in der Stimmung aufzustehen und weiter zu trotten. Quasi so eine richtig faule Wanderung, wo man sich im Nachhinein gar nicht mehr traut, zu sagen, was man alles geleistet hat. :-) Auch unsere Gedanken wurden an diesem Tag erhört. Wir sahen ein Auto in unsere Zielrichtung fahren und hielten es an, um zu fragen, wo es hingeht. Das war natürlich unsere Chance! Ein Lächeln kam uns entgegen und wir erwiderten es und unsere Lächeln wurden mit dem der Anderen abggeglichen und schon saßen wir im Auto. Es ging los nach Tonglu. Hierzu muss man sagen, dass in dieser Gegend Autos (die einen mal eben so schnell mitnehmen können) sehr rar und teuer sind, doch wir hatten Glück: Ein Inder musste seine Wanderung abbrechen, weil er Atemprobleme wegen der Höhe und der dünnen Luft bekommen hatte. Nun saß er im Auto auf dem Weg zurück, genau in unsere Richtung und wir mit dabei. So verlief unsere „Wanderung“ am heutigen Tage genau nach unseren Vorstellungen. Nach 2 Stunden waren wir da und es war erst um eins am Mittag! Vor Schreck wussten wir gar nichts mit dieser vielen Zeit anzufangen, aber da es doch ein wenig bewölkt und ungemütlich war, verkrochen wir uns ins Bett.

 

Mr. Nice

Gemütlich ins Bettchen gekuschelt, haben wir, also Nick und ich, der Caro beim Vorlesen zugehört. Kurz bevor meine Augen zugeklappt sind, hörte ich Gefängnis Lörrach und ich war wieder hell wach. Es haben sich ja in der Vergangenheit einige nicht unbedingt positive Nachrichten über diese, unsere ehemalige Heimat-) Stadt rumgesprochen, wie unter anderem „Ehedrama mit Schusswaffen“ oder „Giftwolke über Lörrachs Innenstadt“.

Nun aber wieder zurück zum Buch:

„Mr. Nice“ ist laut Buch wohl der verrückteste, schlauste und vielleicht auch charmanteste Drogenschmuggler der Welt, welcher über Jahre gesucht wurde und schlussendlich doch im „Kittchen“ landete. Das Gute daran war, dass er dort genügend Zeit hatte um diese Autobiografie, einen Bestseller, zu schreiben. Mr. Nice alias Howard Marks auf der Überholspur des Lebens, zwischen Miezen und Flüssigkeit, zwischen Party´s und Puder und vielen weiteren erstaunlichen Exzessen. Bis es soweit war, gab es natürlich allerhand zu tun und als Caro so von dem Beginn seiner Drogenlaufbahn gesprochen hatte, fiel das Wort, Lörracher Gefängnis. Sein Freund, grade auf dem Weg von Basel nach Karlsruhe wurde doch an der Grenze festgenommen und ins Gefängnis nach Lörrach gebracht. Dort hatte er ihn dann auch besucht und seine ersten Instruktionen für seine zukünftige Karriere erhalten. Alles beginnt in Lörrach, genau wie unsere Weltreise!

So ging der Abend dann auch langsam, mit vielen Teetassen und einem leckeren Abendessen zu Ende und wir lauschten dem Sturm der über die Gegend zog, gemütlich und entspannt, von unseren warmen Betten aus. Was für ein schöner, erholsamer Wandertag!

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Adiéu Horst und Franziskarrrrr

Dieser Tag hieß Abschied nehmen, allerdings wussten wir am frühen Morgen noch nichts davon, als wir Reis für unsere zwei Hunde bestellten und sie nur mal kurz zum Pippi machen in die Kälte rausliessen. Wir gehen stark davon aus, dass die beiden Hunde keinen emotionalen Abschied mögen, so schnell wie sie weg waren. Aber, da wir noch nicht wussten, dass sie wirklich weg waren, hatten wir zuerst noch eine Suchaktion, denn, dass mit dem „nur mal kurz Zigaretten holen“, wollten wir nicht so Recht glauben. Wir wussten aber, dass es zwischen den Beiden gewaltig gefunkt hatte und „wahre Liebe“ ist und somit wissen wir, dass es ihnen gut geht, wo auch immer sie sind.

 

Die Wanderung an sich

Weiter ging es entlang am Bergkamm, aber leider wurde uns der vielversprechende Ausblick auf den Himalaya verwehrt, denn es war sehr bewölkt und somit genossen wir ausschließlich die Natur entlang des Pfads: Skurile Baumformationen, Yak- und Ziegenherden sowie Wälder soweit das Auge reicht. Die Karte, die wir dabei hatten entpuppte sich schnell als eine Karte für (und von) Optimisten. Die Landkarte versprach, dass wir 2 Stunden bis zur Frühstückpause unterwegs sein würden, doch wir sollten dieses Frühstück nicht bekommen und es sollte den ganzen Tag dauern, bis wir den ersten Happen genießen durften. Das war einer dieser Tage, an dem wir uns mehrmals wünschten, einen lustigen und fröhlichen, sowie wohl informierten Guide neben uns zu haben, denn von hoch und runter und weiteren unzähligen Hochs und Runters stand dort nichts geschrieben. Wir erkannten schnell, dass es doch nicht so einfach werden sollte. Immer auf der Hut, nicht einfach in einen Grenzposten zu laufen waren wir somit vorsichtig unterwegs. Dann kam aber der Zeitpunkt, wo es keinen Ausweg mehr gab und dann wurden wir auch gleich an einem Checkpoint angehalten. Alles war aber halb so schlimm, man hat unsere Ausweise kontrolliert und schon ging es weiter. Jedoch wieder in die andere Richtung, denn wir hatten die falsche Abzweigung genommen. Das Gute war: Wir konnten unser Ziel von dort aus sehen. Das Schlechte war: Es war gemein weit weg. Ab da hieß das Motto: „Laufen, laufen und immer weiter laufen!“

Aber wir haben es trotzdem geschafft und waren mehr als froh, als wir endlich nach 23 km und harten 9 Stunden Wanderung über sprichwörtlich Stock und Stein, bergauf und bergab mit ungeplantem Umweg, total k.o. in Sandakphu angekommen sind. Wir haben noch schnell ein Zimmer gefunden und danach hieß es Essen, was bitter nötig war!

Beim Abendessen haben wir Jaques und Francoise kennengelernt, zwei wunderbare „Frenchies“. (Dies ist die Beschreibung der Westkanadier für die Ostkanadier, denn dies ist der Teil Kanadas, welcher französisch spricht.) Nun, wir waren Feuer und Flamme und haben uns wunderbar mit diesen beiden herzigen Personen verstanden. Ende gut, alles gut!

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Der Horst hat es drauf

Der nächste Tag und die nächste Bekanntschaft. Nach einer halben Stunde Wanderns sind wir in einem schönen kleinen Dörfchen namens Gorkhey, was mitten in einem Tal liegt, angekommen. Eine kleine Verstärkung und schon ging es weiter des Weges, denn laut Angaben, sollte dies der anstrengendste Teil der Tour werden, denn es ging bergauf. Auf diesem Weg und mit den romatischen Gedanken eines männlichen Hundes, verging keine Sekunde und unser Horst hatte einen neuen Freund, besser gesagt Freundin. Denn, wie es sich für einen Casanova gehört, hatte sich unser Horst natürlich gleich die schönste Hundedame aus dem Dorf ausgesucht und wie wild angebaggert. Nach einigem hin und her, mit jagen, schnuppern, fangen und gemeinsamen Pipi-Pausen, waren sie ein Herz und eine Seele. Was unsere zweite weibliche Begleitung allerdings noch nicht wusste, ist, dass sie künftig auf den Namen Franziskar(rrr) hören sollte. Der Name stammt aus: „Mein neuer Freund“ mit Christian Ulmen, eine superwitzige Fernsehsendung (wird leider nicht mehr gezeigt, ist aber über Youtube zu sehen), in der ein Kandidat/eine Kandidatin drei Tage lang versuchen muss, einen „Fiesling“ (gespielt von Christian Ulmen) vor Freunden und Familie als ihren neuen Freund/Freundin auszugeben. Allerdings wissen weder die Familie, noch die Freunde, dass es sich hierbei um einen Fake handelt und der Kandidat bzw. die Kandidatin dürfen nichts verraten. Wenn der oder die Jeweilige diese Horrortage samt Familenvorstellung übersteht gewinnt diese(r) 10.000 Euro. Die Folge mit „Ecke“ ist dabei eine der besten Folgen! :-)

Nun mit zwei Hunden ging es den Weg nach oben. Es war ein langer Weg durch Wälder über Felslawinen und vorbei an Kontrollposten. Nun vorbei heißt in diesem Fall, unter höchster Alarmstufe unbemerkt diesen Posten zu umrunden. Das hat wunderbar geklappt und wir sind auch diesen Tag ohne Guide ausgekommen. Nach 8 Stunden wandern, standen wir nun auf dem höchsten Punkt dieser Tagesetappe in Phalut. Nach einer kleinen Suchaktion nach der „richtigen“ Unterkunft (und es gab nur eine) saßen wir auch schon in der Küche bei leckerem Tee und wärmten uns am gemütlichen Feuer im Ofen unsere erschöpften Glieder, denn dort oben pfeifte ordentlich der Wind. Nach unserem leckeren Abendbrot ging es auch schon ins wärmende Bett und unsere beiden Begleiter fanden ein Fleckchen vor unserem Bett.

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Horst der Forst

Nun dies war eine Bekanntschaft, wie wir sie nur aus dem Bilderbuch kennen bzw. aus dieser Zeit wo wir noch nicht richtig laufen und sprechen konnten. Und wir meinen jetzt nicht die Zeit, wo wir vielleicht ein wenig zu viel getrunken haben.

Nun ging es erst einmal früh los und das Ziel war Raman. Dieser Ort lag ungefähr 20 km entfernt und es sollte geschlagene 9 Stunden dauern bis wir schlussendlich erschöpft am Ziel ankamen. Ja wir mussten erst einmal unsere sportliche Zeit aus Nepal wieder in unsere Köpfe rufen. Und die Frage kam schon auf: „ Sind wir wirklich in drei Monaten, so unsportlich geworden?“ Na gut bei dem leckeren indischen Essen, eigentlich auch kein Wunder! Also, es sollten noch weitere anstrengende Tage auf uns warten. Denn der Plan war, dass wir in 5 Tagen am Ziel ankommen. Nun ist ja heute der erste Tag und wir sollten nicht jetzt schon an den letzten Tag denken. Also, alles der Reihe nach.

Der erste Abschnitt ging erst einmal steil nach oben, durch Wälder und vorbei an einzelnen Häusern. Nun auf dem Weg, trifft man so einige Tiere, vorwiegend Hunde. Nun kommt die Geschichte der Hundeflüsterer. Genau, denn uns ist ein Hund gefolgt. Eigentlich nicht wirklich unsere Art von Hund, aber er hat mit seinem Charme und seinen treuevoll flackernden Augen unser Herz geöffnet und, schwups die wups, war er auch schon drin bzw. hinter uns und die ganze Zeit war er unser treuer Begleiter. Ein schöner Tag, entlang an Bachläufen, durch die indisch-nepalesischen Wälder, vorbei an Kreuzungen wo wir nicht mehr wussten wo lang. Aber mit etlichen Umwegen sind wir trotzdem am Ziel angekommen. Mit erheblicher Zeitverzögerung, denn es wurde schon langsam dunkel, saßen wir dann auch schon in der gemütlichen Stube von dieser Trekerhütte und suchten mit vorfreudigen Gesichtern das Abendbrot aus. Gute Nacht!

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Horst ist Horst

Es gibt so gewisse Dinge, die wir Euch eigentlich nicht erzählen wollen, aber das hier können wir Euch wirklich nicht vorenthalten! Warnung: Das hier ist nichts für schwache Mägen! Nun ist dies Eure Möglichkeit, diesen Abschnitt zu überspringen und die Hartgesottenen unter Euch dürfen mit Freuden weiterlesen:

 

Alles fing damit an, dass man auf einer anstrengenden Wanderung auch eine kleine Pause braucht. Wobei wir wahrscheinlich mehr Pausen hatten, wie jedes Schulkind es sich nur wünschen würde. Nun gut, nicht nur wir, auch unser lieber Horst, brauchten einen kleinen Lückenfüller im Magen. Leider hatten wir nur salzig-süße Kekse dabei. Dass dies eine verrückte Kombination ist, dachte sich wahrscheinlich auch der Horst, aber trotzdem sah es für uns so aus als ob er nach einem saftigen Steak schnappt. Nur waren es Kekse und die verschwanden in Bruchteilen einer Sekunde im Bäuchlein vom Horst. Nachdem die Kekse aufgefuttert waren, und ich glaube die meisten bekam wirklich unser Horst, kam das obligatorische Schnauze-mit-der-Zunge säubern, als Zeichen, dass es wirklich lecker war. Nach einiger Zeit bekam der Horst einige Blähungen, welche wirklich nicht so schön waren (und dies auf den schönsten Waldwegen, die man sich vorstellen kann). Den Gasmaske hatten wir leider zu Hause vergessen, somit mussten wir dies wohl oder übel verkraften. Wir haben doch ein Herz für Tiere und das war unser Zeichen an ihn, dafür nicht wild nach dem Asthma-Spray zu greifen.

Jedenfalls: Weiter ging die Reise und nun kommt der Teil wo ihr eure Augen verschließen solltet. Der Horst musste einmal. So richtig haben wir noch keinen Hund beim Stuhlgang beobachtet, aber irgendwie hatte der Horst etwas an sich, dass wir wirklich alle Drei, die folgende Szene beobachtet haben, welche zum tot lachen genial war!

Also, nun setzte der Horst zur erfahrenen Erleichterung an und sechs weiße gespannte Augen starrten auf dies was nun kommt:

Ein grüner Strahl, welcher sich so wunderbar wölbte, wie wohl der schönste Regenbogen auf dieser Welt. Jedoch war dieser Regenbogen wunderschön kräftig grün und nachdem diese harmonisch verlaufende Aussonderung sein Ende fand, kam noch ein kleiner leiser, aber doch nicht überhörbarer Furz. Was für ein Genuss von einem Stuhlgang, wie es kein anderer Hund jemals wieder machen wird. Und der Name Horst wird unvergessen mit diesen Ereignis in Erinnerung bleiben.

Danke Horst. :-)

 

Im Nachhinein sind wir froh, dass wir diesen außergewöhnlichen und schrecklichen Namen gefunden haben, denn wir hoffen, dass wir nicht allzu viele Horste auf dieser Welt kennenlernen und ihnen somit diesen kleinen Exkurs der Extraklasse ersparen können.

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Alle bereit, allzeit bereit

Nun stehen wir, alle gerüstet, pünktlich um acht Uhr auf der Matte und wir machen uns auf den Weg zum Busbahnhof. Na gut, Busbahnhof kann man das hier nicht nennen, weil es gar keine Busse dorthin gibt. Stattdessen gibt es nur Jeeps. Nun erfahren wir, dass der nächste Jeep erst um 12 Uhr dorthin fährt. Also hatten wir noch geschlagene 3,5 Stunden, um unsere Zeit sinnvoll zu verbringen. Das taten wir dann auch erst einmal mit vorzüglichen gefüllten Paratha, dem wohl bekanntesten indischen Fladenbrot. Nachdem der Magen Himmel hoch jauchzend im Ballett getanzt hatte, ging es weiter. Wir haben uns noch schnell Bustickets nach Kolkata organisiert, um einem vorhergesagten Ansturm auf die angeblich zu wenigen Tickets aus dem Weg zu gehen, denn es war Ferienzeit. Im Endeffekt war alles nur heiße Luft und es gab noch zahlreiche Tickets, auch einen Tag vor unserer Abreise. Nur hatten wir nun schon die Bustickets anstatt unserer geliebten Zugtickets…

 

Jetzt aber:

Schon ging es mit dem Jeep nach Rimbik, einem kleinen Dorf welches normalerweise das Ende dieses Treks bedeutet. Nun, ihr kennt ja unsere Wünsche, möglichst individuell und abenteuerlich durch die Gegend zu ziehen. Schon im Vorfeld wussten wir, dass die Wanderung ohne Guide gar nicht möglich bzw. erlaubt sei. Wenn wir das Wort „gar nicht“ hören, versuchen wir schon in Gedanken eventuelle Auswege zu finden und einen anderen Weg einzuschlagen. Und das taten wir dann auch, und zwar folgendermaßen: Man nehme die Karte mit der normalen Route des Treks vor sich und drehe sie einfach um. Das bedeutet im Endeffekt, dass wir einfach von hinten starten. Tja, schlau muss man sein! ;-) Trotzdem lauerten noch kleine Hürden auf uns, die wir Euch aber noch zur richtigen Zeit erzählen wollen!

Eigentlich war die abenteuerliche Planung, bei Ankunft in Rimbik gleich in die Wanderstiefel zu schlüpfen und schon die erste kleine Hürde auf uns zu nehmen. Aber zum Glück zogen wir alle drei an einem Strang (und dies sollte sich auch die ganze Zeit nicht ändern). Wir alle hatten keinen Bock dazu, heute schon aktiv zu werden, genauso wenig wie man keine Lust hat am Sonntag arbeiten zu gehen. Stattdessen wollten wir lieber abhängen und nichts tun.

 

Das Kloster

Na gut, das kleine Dörfchen und die buddhistische Schule haben wir uns noch angeschaut und dabei haben wir Georg kennengelernt. Diesen Neuseeländer hat es hierhin verschlagen, um den indischen Buddhisten Englisch beizubringen. Ja, ich weiß auch, dass dies nicht so wirklich zusammenpasst, aber es gibt immer wieder Überraschungen.

Er hat uns dann auch noch folgende Tatsache erzählt: Die Mönche in diesem Kloster sind Buddhisten aus Tibet, die meisten noch Kinder, die hier Zuflucht gefunden haben. Teilweise haben diese keine Erlaubnis mehr zurück nach Tibet zu gehen. Des Weiteren haben sie auch keinen Reisepass, was ihene die Einreise in ihre Heimkat so gut wie unmöglich macht. Allerdings haben sie einen kleinen Schlupfwinkel gefunden: Mit Hilfe eines Sponsors, welcher ihnen einen neuen Reisepass beschafft, ist es ihnen möglich, sich unter eine normale Reisegruppe zu mischen, mit der sie dann in normaler, unauffälliger Kleidung und mit falschem Namen (indischer oder englischer Name) einreisen können.

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Der nächste Morgen und die Verabredung zum Wandern

Der Wecker klingelt, die Hand wandert zum rettenden Knopf, die Augen schlagen ungewollt auf und man weiß, dass man in 20 Minuten bereit sein muss. Nun, das ist die eine Seite der Medaille, denn die Goldmedaille neben mir, war so gar nicht bereit, heute wandern zu gehen. Caro hatte sich etwas eingefangen und ihr ging es gar nicht gut. Nun die Verabredung mit Nick stand, also musste ich mich auf den Weg machen, um ihn noch rechtzeitig zu informieren, dass heute nicht der optimale Start-Tag für unsere geplante Tour ist. Allerdings war Nick nicht am Treffpunkt, also machte ich mich auf die Suche nach seinem Hotel. Im Endeffekt lag er noch friedlich im Nest und hatte das Ganze, mal so locker flockig verschlafen. Auch nicht schlecht, so lässt sich das Problem natürlich auch lösen. Nun stand der Tag im Sinne der Erholung und mit Nick haben wir uns am folgenden Tag verabredet, in der Hoffnung, dass da nun alles gut geht!

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Die Bekanntschaft mit Nick dem Baumeister

Alles hat ja irgendwie seinen Grund, auch wenn wir ihn manchmal nicht wirklich verstehen können. Jedenfalls sind wir zusammen zu fünft, mit zwei weiteren Bekannten und Roberta auf der Suche nach der letzten Mahlzeit für den heutigen Tag. Auf Empfehlung des Lonely Planet sind wir schlussendlich in einem Thai Restaurant gelandet. Unsere erste Wahl, war das nicht, aber wenn man zu fünft unterwegs ist, muss man auch mal diplomatisch unterwegs sein. Nun sitzen wir hier, unterhalten uns und genießen das Essen. Am Nachbartisch sitzt der Nick und als wir erkennen dass er alleine unterwegs ist, holen wir ihn sofort zum „Multikulti“-Tisch. Wir verstehen uns sofort und als wir ihm sagen, dass wir am nächsten Tag wandern gehen wollen, ist er nicht abgeneigt, mitzukommen. Natürlich, wenn zwei wildfremde Leute einen überfallmäßig zum Wandern einladen, sollte man erst einmal Vorsicht genießen, aber Nick war nach einigen Minuten verwirrt dabei!

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Der Darjeelinger Zoo

Der zweite Tag beinhaltete ein Besuch im Darjeelinger Zoo. Neben einem weiteren Museum, welches die Höhepunkte der früheren Bergsteigerszene wiedergibt, gibt es hier zahlreiche Tiere zu bestaunen. Man kann zum Beispiel einen Bär beim blöde dreinschauenden posieren beobachten, rote Pandas die eine Patrouille um ihren Grenzbereich absolvieren. Weitere Vögel die wild aufgeweckt oder doch erschrocken durch ihren Käfig flattern. Der Tiger, der so unbedacht und trotzdem so eindrucksvoll auf seinem faulen Hintern sitzt und nebenbei jedem vorzüglich sein offenes Maul präsentiert. Und natürlich darf man auch den Löwen nicht vergessen, der wie wohl kein anderer, so majestätisch in seinem Käfig auf und ab schlendern kann. Jede Bewegung scheint wie vorherbestimmt und abwartend was da zufällig kommen mag. Ein schöner Tag im Zoo.  

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Darjeeling

Nun sind wir in dem Gebiet, welches für seinen Tee bekannt ist: Darjeeling. Mit dem Bus ging es vom Bahnhof direkt dorthin. Vorbei an zahlreichen Teeplantagen und kleinen Dörfern, immer weiter nach oben! Zusammen mit unserer Italienerin Roberta, die wir im Zug kennengelernt hatten, waren wir nach guten vier Stunden am Ziel angekommen. Nachdem wir unser Gasthaus gefunden hatten, ging es erst einmal in die Stadt. Die Stadt gleicht auf dem ersten Blick Shimla, der Stadt im Norden Indiens. Hier gibt es ebenfalls eine schön anzuschauende Kirche, viele Gässchen an welchen entlang die Händler auf ihre Kunden warten. Zahlreiche hochwertige Geschäfte, wo sogar einem Ossi die Augen schlackern und zu guter Letzt natürlich das Teemuseum. Der Tee wurde hier von den Briten angebaut um den chinesischen Teeproduzenten den Kampf anzusagen, denn diese waren zu dem damaligen Zeitpunkt die Nummer 1 im Teeanbau. Was wir Euch jedenfalls sagen können ist, dass dieser Tee nicht zu unseren Favoriten zählt, denn für uns hat er keinen wirklichen Geschmack und ist eher langweilig. Aber trotzdem freuen wir uns, hier zu sein, hier in Darjeeling, bei angenehmen Temperaturen und sogar des Öfteren mal wieder Regen (Wir wollen Euch nur neidisch machen, wie schön wir es die letzten Tage hatten! Manchmal zu schön, um wahr zu sein.).

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Die heiligste Stadt Indiens: Varanasi

Nun sind wir endlich in Banaras, wie diese Stadt unter den Indern auch genannt wird. Wir haben schon so viele Geschichten gehört, viele interessante und skurrile Dinge zugleich und nun haben wir die Möglichkeit es selber zu erleben. Die „Stadt des Lichts“, welche nach indischer Überlieferung von ihrem Lord Shiva gegründet wurde, ist somit eine der ältesten bewohnten Städte der Welt. Im 6. Jahrhundert vor Chr. entstand hier das religiöse Leben, wie man es heute noch immer wieder findet. Der Fluss Ganges steht dabei komplett im Mittelpunkt. Hier baden sich täglich tausende Pilger, trinken vom heiligen Wasser des Ganges und bekommen hier ihre letzte Waschung bevor sie am Ufer verbrannt werden. Diese besonderen Uferstellen heißen „Ghats“ und an diesen finden wöchentlich hunderte Verbrennungen statt, während täglich zahlreiche Kinder im Wasser planschen oder Kricket an Land spielen. Zahlreiche Touristen begleiten dieses Schauspiel oder wie man auch immer dieses, für uns skurrile Bestattungs-Ereignis beschreiben kann.

 

Eine Beisetzung

Nur die Tapferen findet man hier wieder, es werden keine Tränen verflossen (da es hier nicht erlaubt ist) und somit findet man auch selten Frauen in dieser Gegend. Es gibt vier Bereiche in denen die letzte Beisetzung stattfindet. Die Beisetzung wird hier also je nach Stand aufgegliedert: Der erste Bereich ist der für Reichere auf einem steinernen Podest, in der Nähe des Ganges-Ufers. Der zweite Bereich, der für die Mittelschicht, befindet sich direkt am Ufer des Ganges. Für die Ärmeren ist ein Platz, etwas abgelegener vom Ufer, vorgesehen. Und der vierte Bereich ist in der Mitte vom Ganges direkt am Flussgrund, aber zu diesem Spezialfall kommen wir noch.

Für eine Verbrennung benötigt man Holz und somit bekommen die, die nicht für das Holz aufkommen können Unterstützung und es wird ihnen zur Verfügung gestellt. Die Reicheren dagegen verwenden noch zusätzlich Sandelholz, zum einen, um ihren Verstorbenen zu ehren und zum anderen, weil es einen besseren Duft mit sich bringt.

Je nach Stand wird der jeweilige Verstorbene mit großem Tamtam oder kleinerem Tamtam und viel Gesang auf einer Bahre zum jeweiligen Bereich getragen. Dort wird ein „5-Mal-um-de-Kreis-gehen“-Ritual durchgeführt. Danach bekommt der Tote die letzte Waschung und die letzte Mahlzeit bevor er verbrannt wird. Ein Angehöriger läuft fünfmal um den Toten was die fünf Elemente widerspiegelt: Feuer, Luft, Wasser, Erde und der Geist. Danach wird der oder die Aufgebahrte feierlich entzündet und die Verwandten und Freund bleiben bis zum Schluss und beten. Danach werden Überbleibsel in den Fluss geworfen und die Beisetzung ist zu Ende.

Nun gibt es gewisse Ausnahmen, von Personen oder Lebewesen, die nicht verbrannt werden dürfen. Was passiert stattdessen mit ihnen? - Das haben wir uns auch gefragt und auch gleich die richtige Antwort erhalten: Wie bereits oben aufgezählt gibt es noch den vierten Bereich in der Mitte des Ganges am Flussgrund. Dort werden eben die „besonderen“ Personen und Lebewesen bestattet. Dazu gehören Personen, die an einem Schlangenbiss gestorben sind, denn die Schlange ist das Symbol Shivas und somit heilig. Des Weiteren werden Menschen, die an Lepra gestorben sind, Sadhus (die Gläubigen des Hinduismus), Kinder, Schwangere und Tiere mit einem Stein beschwert am Flussgrund bestattet.

 

Übrigens, die meisten gläubigen Hindus und Buddhisten verbringen hier in speziellen Einrichtungen ihre letzten Tage in dieser Stadt oder sie werden bereits tot angefahren(meist mit dem Zug) oder auch angeflogen um hier ihre letzte Ruhe zu bekommen.

 

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Die Metro

Ein perfekter Ort um von A nach B zu kommen. Perfekt um für wenig Geld dem Verkehrschaos zu entfliehen. Mit den klimatisierten Zügen und einem indischen Schauspiel geht es direkt in die Innenstadt Delhis nach Chandi Chowk. Die Frauen die hier in der Metrowelt alleine unterwegs sind oder die Frauen die keinen Kontakt zu Männeraugen suchen, haben die ersten beiden Wagons für sich allein. Ein eigenes Frauenabteil.

Nun sind wir angekommen im Herzen Delhis, in Chandi Chowk, dem Zentrum in Old Delhi mit dem größten Gewürzmarkt Indiens und dem bunten Treiben. Die Stufen hinauf zum Metro-Ausgang und am Ausgang angekommen muss man sich erst einmal wieder an die 20° Temperaturunterschied gewöhnen. Der Weg der Akklimatisierung wird begleitet von unzähligen Bettlern. Man läuft vorbei an den Armlosen, den Arm- und Beinlosen, den Blinden, den halb Verhungerten und weiteren erschreckenden Bildern wie es einem hier in Delhi oder auf der Welt ergehen kann. Und man kann sich wieder glücklich schätzen in einem anderen Umfeld aufgewachsen zu sein. Man kann sich wieder bewusst machen, dass man gesund ist und keine solche Vergangenheit aufweisen muss.

Durch unsere Reise sind wir viel dankbarer geworden, sehen wie es anderen Leuten ergehen kann, sehen was man alles für Geld machen muss, damit man überleben kann und können uns glücklich schätzen, dass wir gesund sind. Wir haben in Europa so viele Möglichkeiten, man muss sie nur erkennen, es versuchen und wagen und dann ist man glücklich, denn man hat das erreicht was man immer erreichen wollte. Wenn man einmal hier ist, in einer Gegend welche so unterschiedlich zu der eigenen ist, sieht man erst einmal was man hat, wie man lebt und wie viel Dinge man eigentlich wirklich im Leben benötigt. Wenig. Der Massenkonsum wird in einem Land, wie Indien zur Vergessenheit, denn hier steht die Familie im Vordergrund und nicht die neue Einrichtung oder das dritte Auto. Wir haben daraus gelernt. Wir haben 40 Umzugskartons hinterlassen und wir wissen gar nicht mehr genau, was wir alles haben…

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Das ganz normale Delhi

Exkurs ins moderne Kaufhaus

Am Anfang unseres Berichts über Delhi haben wir euch bereits geschildert, dass hier, in der Hauptstadt Indiens genauso wie auch im restlichen Indien, sehr starke Kontraste auf einen warten. Nicht unweit von Amits Couch entfernt, gibt es einen riesigen Einkaufskomplex, mit Massen an weltweiter Ware und mit Preisen, bei denen einem die Augen und Ohren schlackern: 8 Euro für den billigsten eingeschweißten Käse und 800 Euro für Designerhandtaschen (nur um Euch mal eine kleine Preisvorstellung zu geben). Natürlich gibt es weitere unvorstellbare Preise für die, die es sich leisten können. Man schwebt wie auf Wolke Sieben, wenn man aus dem „normalen Indien“ kommt, so wie wir es kennengelernt haben, aber trotzdem ist es einem doch so fremd geworden und passt nicht so richtig in unser Bild von Indien.

 

Des Weiteren herrscht hier freie Mode, dies ist eine weitere Modernisierung Indiens: Kurze Röcke, kurze Shirts und reizend herausgeputzte Inderinnen und Inder. Wobei die Inder in dem Fall anders aussehen (ohne Minirock und kurze Shirts). :-) Auch hier steht die Welt nicht still und die Saris bekommen so bald mehr und mehr Konkurrenz. Nun direkt vor diesem riesigen Komplex der Superlative warten die halbnackten kleinen „unschuldigen“ Kinder auf ihren Coup für den ganz großen Fisch. Sie schlängeln sich durch Lücken der haltenden Autos und klopfen an die Fensterscheiben der Mercedes- und Audi-Fahrer. Hier und da haben Sie Erfolg, aber auch die unschuldigsten Kinderaugen garantieren keinen großen Geldschein. Nun, wenn man bedenkt, dass der Mercedesfahrer gerade aus dem Einkaufskomplex gefahren kam, will man sich nicht ausmalen, wie groß hier die Kluft zwischen Arm und Reich ist.

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Delhi und unsere neuen Freunde

Wir waren wieder in Delhi bei Amit und seiner „Couch“. Nach so einer langen Zeit waren wir hier ja auch schon heimisch geworden. Auf dem Weg dorthin wurden wir erst einmal von Lucky begrüßt, unserem süßen Straßenhund. Doch wir brauchten glatt eine Sekunde, um ihn wieder zu erkennen. Der kleine Kerl war innerhalb von drei Wochen, dank der guten Pflege von zwei österreichischen Couchsurfen zu einem richtigen Prachtkerl heran gewachsen!

Es dauerte auch nicht lang, da bekamen wir super Zuwachs: Zwei unglaublich sympathische Franzosen sollten für die nächsten zweieinhalb Tage unsere Couchgenossen und Freunde werden: Charlotte und Nikolas. Es war Liebe auf den ersten Blick. Von Anfang an waren wir auf einer Wellenlänge.

Gemeinsam hatten wir zwei tolle Abende auf der Dachterrasse, zusammen mit Amit und seinem unglaublich leckeren Kadai Mutton, einem Kartenspiel und guter Musik.

Tagsüber ging jeder seines Weges. Von Charlotte und Niko animiert gingen wir am zweiten Tag nochmal zu den Humayun Tombs, da dieser, laut deren Aussage, sogar noch schöner als das Taj Mahal sein sollte. Die beiden hatten am Vortag freien Eintritt gehabt und so waren wir zwei ebenfalls wild entschlossen, das gleiche Recht zu erhalten. Was wir aber nicht wussten war, dass es zweimal im Jahr freien Eintritt für fast alle Monumente und Denkmäler Delhis gibt. Leider hatten wir genau an diesem Tag gedacht, dass wir mal wieder unsere Homepage auffrischen sollten und somit die einmalige Gelegenheit verpasst. Aber was soll´s, so haben wir eine denkwürdige Erinnerung und zwei gute Schachpartien erlebt. ;-)

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Der Rattentempel

Der Rattentempel und der Untergang der Tempelwelt  

Dies ist das Kapitel unseres Unterganges mit der Tempelwelt. Sowieso waren wir vorher schon stark gebeutelt, aber dieser Besuch besiegelte entgültig unseren Abgang von der Bühne. Generell gibt’s in Indien zahlreiche Tempel. Tausende. Und zugleich gibt es auch hunderte Götter und jedem sind ein, wenn nicht sogar hunderte Tempel gewidmet. Für die Inder, sind es Gebetsstätten, für uns sind es Bauwerke, die alle irgendwie gleich aussehen. Es ist nicht so, dass wir einfach hingehen und uns den Tempel anschauen. Wir wollen lernen, aber können bei weitem nicht alles aufnehmen, so verwirrend ist die Welt der Götter. Was wir euch aber mit Sicherheit sagen können ist, dass den wichtigsten Gottheiten jeweils ein Tag gewidmet ist. So ist der Montag der Tag für Shiva und Parvati und der Dienstag für die Gläubigen von Hanuman, Deveti und Lord Rham. Der Mittwoch ist Ganesha gewidmet, der Donnerstag Vishnu und Sai Baba. Der Freitag ist der Tag von Durga (die Mutter Aller), der Samstag ist Sunny (Gott über das Böse) und der Sonntag der Sonne, dem Urgestein, weswegen wir alle auf der Welt sind, gewidmet.


Karni Mata Tempel

Nach dieser kleinen Abschweifung wollen wir euch aber berichten, was nun an diesem Tempel so besonders ist. Vor einigen Jahren hatte Caro schon einmal eine spannende Dokumentation über diesen Tempel gesehen und wusste somit auch was auf sie zukommt.

Ich stattdessen habe nur den Begriff „Rattentempel“ erfahren und dachte mir, dass es diesmal ein Tempel mit Skulpturen und Meißelungen von Ratten ist, aber habe mir deswegen auch nichts Besonderes gedacht. Nun sind wir in der Früh dorthin und haben auch gleich einen weiteren Touristen aus Tschechien auf diesem Weg kennengelernt. Seine Planung war, dass er zwei bis drei Stunden dort verbringt und dann im Anschluss weiter nach Jaisalmer fährt. Doch es kam anders:
Wir waren gute 10 Minuten dort drin und sind direkt mit dem gleichen Bus wieder zurück gefahren.

Die Besonderheit

Nun aber von Anfang an! Als wir angekommen sind, sind wir erst einmal in die falsche Richtung gelaufen, denn ehrlich gesagt haben wir uns den Tempel ein wenig imposanter vorgestellt und somit waren wir auf der Suche nach dem gewissen Etwas. Im Endeffekt ist es ein ganz normaler Tempel wie jeder andere auch, aber mit einem kleinen gewissen Unterschied. Nun, wir haben ihn gefunden. Nachdem wir unsere Schuhe ausgezogen hatten, wie es in Indien so üblich und in jedem Tempel die Pflicht ist, waren wir auch schon drin im Paradies. Nun weiß der Tobi auch, warum der Rattentempel „Rattentempel“ heißt. Hier, in diesem Tempel, leben unzählige Ratten, oder leben auch nicht mehr. Drängeln sich in den Ecken, kauern in allen nur möglichen Ecken und Ritzen, naschen an den Snacks der Gläubigen, wuseln durch die Gänge und über den Platz und haben ein Leben wie im Paradies, denn sie werden gefüttert und geliebt. Aber nicht von uns!!!

Diese Ratten stellen im Hinduismus die Wiedergeburt der guten Menschen dar! Auf die Frage warum denn einige Ratten tot in der Ecke liegen, bekamen wir folgende Antwort: „Die Schlafen nur.“  - Na klar, halb verrenkt und mit abgenagten Gliedmaßen…und wir barfuß mittendrin…

Sieht man in diesem Tempel eine weiße Ratte, so  hat man anschließend ein glückliches Leben. Wir hatten aber auch so ein glückliches Leben als wir wieder aus dem Tempel draußen waren und erst einmal die wilden Bilder aus unseren Köpfen vertrieben hatten. Absurd, eklig und widerlich, so unsere zusammenfassende Meinung. Zehn Minuten sind mehr als genug!

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Bikaner und die unbesiegte Burg

Dank Yogindra konnten wir auch in Bikaner couchsurfen und zwar im Hotel seiner Frau! Als Dank für die tolle Beherbergung haben wir die Gelegenheit auch gleich beim Schopf gepackt und auf Wunsch hin zahlreiche innenarchitektonische Tipps gegeben, um das Hotel zu verschönern. Und Yogindras Vater hat sich noch die Zeit genommen uns ein wenig über die bemerkenswerte Stadtgeschichte zu erzählen.
Da wir uns von der uneinnehmbaren Burg selber überzeugen wollten, machten wir uns am nächsten Morgen gleich auf Entdeckungsreise. Nachdem wir erst einmal eine ganze Zeit lang in die falsche Richtung gelaufen sind, wurden wir von einem freundlichen Motorradfahrer direkt zu unserem Wunschziel gebracht. Mal wieder drei Leute auf dem Motorrad und das spontan und ohne Helm. Ach ja, Indien kann Spaß machen.


Junaghara Fort und Lalgarh Palace

Mit seinen tollen Wandgemälden, Schnitzereien, Farben und so einigem interessantem mehr gehört es zu den besterhaltenen Forts in Rajasthan. Zu Maharadscha-Zeiten war es ein wichtiger Stütz- und Regierungspunkt. Außer für ein paar besetzte Stunden an einem Tag wurde es nie von Feinden eingenommen weswegen sie auch als unbesiegt gilt. Während unseres Besuchs wurde die Festung aus gelbem Sandstein allerdings als Kulisse für einen Werbefilm genutzt, so dass wir nicht alle Ecken und Winkel bestaunen konnten, dafür aber den brandneuen Ventilator zur Hitzebekämpfung im Wüstenstaat.
Danach ging es bei uns weiter zum Lalgarh Palace, erbaut in Erinnerung an den Vater von Maharadscha Ganga Singhji. Fast genauso imposant wie das Fort, nur diesmal aus rotem Sandstein erbaut und beherbergt heute neben einem Museum noch ein Hotel. Wir haben uns das Museum gespart und haben uns stattdessen in die geheimen Gemächer führen lassen. Insgesamt war es eine eigenwillige Führung durch diesen Palast, mit dem Billiard-Zimmer in welchem neben zahlreichen Jagdtrophäen wie Antilopen und Krokodil auch ca. 12 Löwenfelle hingen. Der Maharadscha selbst oder einer seiner Freunde hat da gleich eine ganze Löwenfamilie ausgerottet wie wir an den drei Babyfellen neben dem Mama-Fell bestaunen durften… Somit hat er mit Sicherheit deutlich an der Ausrottung des asiatischen Löwen in Indien beigetragen… Gott sei Dank sind diese Zeiten Vergangenheit! Unter strengster Geheimhaltung hat sich der Bedienstete noch getraut, uns das Maharadscha-Zimmer zu zeigen, in welchem auch schon Lady Di übernachtet hatte. Es war auf jeden Fall einen Besuch wert.

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Ein Abend in der Wüste

Die Wüste wollten wir uns nicht entgehen lassen. Zusammen mit Yogindra sind wir mit seinem Auto schnurstracks dorthin gefahren, dem Sonnenuntergang entgegen. Die Kamelbesitzer warteten schon ungeduldig auf geldbringende Geschäfte, die Wüstencamps boten zahlreiche Programme an und die Möglichkeit hier eine Nacht unter dem Sternenhimmel zu verbringen, konnte ebenfalls Wirklichkeit werden. Da wir aber noch am selben Abend mit dem Nachtzug nach Bikaner weiterfuhren, bot sich uns diese Möglichkeit nicht. Auch generell sind wir nicht die Personen für Pauschalangebote. Stattdessen wartete eine kleine Wüstenwanderung auf uns, welche noch durch einen, auf zwei Flöten gleichzeitig spielenden, Inder versüßt wurde. Er hat uns ein Ständchen auf zwei Flöten vorgespielt. Wunderbar. Ihr seht, wir sind auch nicht unbedingt ganz abgeneigt von Pauschalangeboten, wobei dieses persönliche Ständchen etwas Besonderes war. Nach diesem Konzert entführte uns Yogindra noch zum Pauschalevent: Abendbrot unterm Sternenhimmel bei Wein, Weib und Gesang, oder besser gesagt: Musik, Tanz und Gesang. Allerdings bekamen wir die Kurzversion zu sehen, da die Hauptattraktion, die Tänzerin, noch zu einem Hochzeitsauftritt geladen war. Dennoch bekamen wir erschreckende Dinge geboten: Den Rücken nach hinten gebeugt, die Hüften schwingend zur Musik, „hob“ sie mit ihren Augenlidern einmal Rasierklingen auf und einmal spitze Nadeln. Das ist kein Witz! Beide Dinge waren unbehandelt und klemmten danach zwischen dem Augapfel und dem Lid, was sie uns eindrucksvoll präsentierte! Das war dann doch ein bisschen zu viel des Guten für uns, so dass wir uns lieber nochmal mit köstlichen Bhatti und Thali den Magen vollschlugen, bevor uns Yogindra schließlich zu unserem Zug brachte. Alles in allem war es aber ein gelungener Abend und wir möchten uns an dieser Stelle nochmal herzlich bei Yogindra für seine Zeit und die tollen Momente bedanken!

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Jaisalmer

Die Wüstenstadt, der goldene Palast und die Information, dass es hier richtig heiß werden kann, bestimmten unsere Gedanken auf dem Weg nach Jaisalmer. Wenn man so um die Welt tingelt, trifft man zahlreiche Artgenossen und somit tauscht man sich mit seinen „Seelenverwandten der Freiheit“ aus. Jeder hat Jaisalmer und seinen goldenen Palast, als ein Highlight seiner Rajasthan-Zeit beschrieben und auch wir werden uns im Folgenden nicht davon lösen können.

 

Yogindra

Alles fing damit an, dass wir von Yogindra, unserem Couchsurfer, für die nächsten drei Tage vom Busbahnhof abgeholt und wohl im schönsten Hotel von Jaisalmer wieder abgesetzt wurden. Denn Yogindra ist Besitzer und Hotelmanager in einer Person und er stellt einige Zimmer großzügiger Weise für Couchsurfer zur Verfügung. Was soll man sagen, wenn man sich in federweiche Betten legen kann und man mit dem wohl leckersten Melonenlassi verköstigt wird? Wenn man köstliche Mahlzeiten bekommt, noch dazu in diesem historischen Gebäude. Ist das nicht einfach nur wunderbar?

An dieser Stelle gleich einmal ein riesen Dankeschön für deine Gastfreundschaft und Persönlichkeit.

 

Der Palast

Nun haben wir euch ja schon den Goldenen Palast, hier in dieser Stadt in der Wüste, schmackhaft gemacht. Und ja, in der Tat, bekommt man hier einiges geboten. Der Palast besteht aus Sandstein, deshalb sein Name und noch heute wohnen zahlreiche Menschen hinter den Mauern dieses Palastes. Auch hier kann man sich schnell verlaufen und man taucht förmlich ein in die Zeit der Zeiten. In die Vergangenheit der Zeit der Maharajas, der Krieger welche hier die Häuser bewohnt haben. Der König welcher hier in seinen Privatgemächern bewirtet und beköstigt wurde.

An den Häusern findet man versteckte Symbole, schöne alte Verzierungen die die Epochen widerspiegeln. Es gibt hier einiges zu entdecken, wobei sich auch zahlreiche Händler um die Touristen streiten. Es gibt Unmengen an Stände, die wieder einmal den gleichen Schnickschnack und haargenau die gleichen Klamotten verkaufen wie der Kollege von nebenan. Es gibt aber auch vereinzelte Verkäufer die schöne alte Schatullen aus Kamelknochen oder weitere einzigartige Schmuckstücke verkaufen. Da waren wir sofort willige Kunden.

 

Spezialfall: Einsatzteam Caro und Tobi

Apropos Kunden. Wir waren auch hier nicht ganz untätig und haben uns mit einem Verkäufer darüber unterhalten, warum er genau das gleiche Inventar verkauft wie Jedermann. Genauso gelangweilt herumlungert, wie die meisten Verkäufer und dabei aber so wenig in sein Geschäft investiert, wie nur möglich. Dass wir genau hier gelandet sind ist kein Zufall, sondern vielleicht Schicksal für den, der es verstehen will. Aber auch hier treffen wir auf Unverständnis und wenig Anteilnahme. Deswegen haben wir uns kurzerhand entschlossen, ihm einmal zu zeigen was wir eigentlich genau meinen, mit ein wenig Liebe und Gespür für die Wünsche der Kunden. Ein Kunde will verstanden werden und die meisten Kunden brauchen das gewisse Etwas, um aufmerksam zu werden. Das erreicht man nicht mit Unsauberkeit und viel Staub, nein, vielmehr mit Ordnung und Aufmerksamkeit für diese Wünsche. Das Ganze hat dann geschlagene drei Stunden gedauert, bis wir den Laden einigermaßen entstaubt, den angehäuften Müll entfernt hatten und die Dinge so präsentiert haben, dass der Kunde, so unsere Meinung, die schönen Dinge zuerst sieht und wenn möglich, auch noch kaufen will. Leider haben wir es aber nicht geschafft, den Verkäufer zufrieden zu stellen, denn wirkliche Dankbarkeit haben wir nicht verspürt. Aber wir hoffen, dass sich der Aufwand trotzdem irgendwie auszahlt. Alles Gute dabei!

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Udaipur und der Geist James Bonds

Udaipur, eine Stadt in die man sich nur verlieben kann. Eine Stadt, die eigentlich so ganz anders ist zu den bisher bereisten Städten. Denn, zum einen ist es hier erstaunlich ruhiger, obwohl sich doch zahlreiche Rikschafahrer hier ihren eigenen Weg suchen und trotzdem strahlt diese Stadt eine gewisse Zufriedenheit und Leichtigkeit aus, von der man schnell Gebrauch macht, wenn man danach sucht. Eine Stadt mit zahlreichen geschichtlichen Ereignissen und Bauwerken. Eine Stadt, die die Raffinesse, Kaltschnäuzigkeit und die Verführung einer oder mehrerer Frauen wohl am besten widerspiegeln kann. Die Rede ist von James Bond, der sich in dieser Stadt dem Untergang der Welt gestellt hat und die Stadt und die Welt vor russischen Terroristen befreit hat: Octopussy! Wir haben uns diesen Film hier angeschaut und müssen euch leider sagen, dass dieser nur wenig von Udaipur zeigt, geschweige denn, man erahnen kann, dass dieser überhaupt hier gedreht wurde. Wobei ein anderer Großteil in Chemnitz, einer Stadt im östlichen Deutschland, gespielt wurde, und man dort wenigstens sieht, in welcher Stadt er gedreht wurde. Aber trotzdem ist der Charme, der u.a. auch durch den James-Bond-Film „Octopussy“ hier, in Udaipur geschaffen wurde, unverkennbar. Wir schlendern durch die liebevollen Gassen dieser Stadt und erhaschen immer wieder den Blick auf den Palast. Ein Stadtpanorama wie es das wohl kaum besser in Indien geben kann. Der Palast als Magnet jeder Kameralinse, bis hin zu den Häuserreihen, abgerundet durch den Wasserpalast.

Dieser Wasserpalast ist heute ein Luxushotel der Extraklasse, welches immer noch im Besitz der Nachfolger der früheren Maharajas ist. Dieser Nachfolger besitzt hier im Übrigen zahlreiche Häuser der Extraklasse. Leider hat man nur eine Möglichkeit sich das Ganze von Innen anzuschauen. Man braucht ein Zimmer. Einfacher gesagt, als getan, denn die Preise liegen hier zwischen 700 bis 4000 € die Nacht. Eine andere Welt, der wir gekonnt aus dem Weg gehen.

Deshalb gingen wir lieber im See schwimmen, wie einst Roger Moore. Ihn haben wir hier zwar nicht kennengelernt, dafür aber so einige andere interessante und lustige Inder und gemeinsam hatten wir eine Menge Spaß.

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The XX

Es gibt ein Computerprogramm von dem wir nur gehört haben, jedoch nie in Erwägung gezogen haben, dieses zu nutzen. Es handelt sich um „Dropbox“ eine geniale Erfindung und nun sind wir stolze Dropbox-Freunde. An dem ersten Tag unserer Ankunft in Udaipur haben wir einen Account eröffnet und nun bekommen wir wunderbare Musik von Basti aus Halle. Nun folgt eine weitere Geschichte des Unvorhersehbaren:

Dies ist nicht die Kindheitsgeschichte über das Leben der Macher und Produzenten von Triple X. Nein dies ist eine Band aus Kalifornien. Da uns diese Musik so toll gefällt, haben wir sie mal richtig aufgedreht und mit unseren Miniboxen für guten Sound gesorgt. Und auf einmal klopft es an unserer Tür und ein strahlendes Gesicht blick t mich an. Holly bedankt sich bei uns, dass wir ihr mit „The XX“ den Morgen versüßen. Einen Tag vorher haben wir noch nie was von der Band gehört, ein Tag später werden wir förmlich auf Händen getragen, weil wir diese Musik spielen. So verrückt kann es manchmal zugehen. Und dies ist auch der Beginn dieser Bekanntschaft und die nächsten zwei Tage verbringen wir miteinander.

Schön, dass sich unsere Freunde so wunderbar in unsere Reise integrieren!

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Udaipur

Was wäre passiert, wenn wir in die Rikscha eingestiegen wären? Wie würden wir Udaipur jetzt wahrnehmen, wenn wir nicht auf eigene Faust durch die dunklen Straßen der Stadt auf der Suche nach dem richtigen Hotel losmarschiert wären?

Es war wie immer, wenn man keinen Plan hat, wo der Bus anhält und man mitten im irgendwo zum Aussteigen gebeten wird. Wir mussten schnell unsere Sachen schnappen um auch flott genug rauszukommen, bevor sich der Bus wieder in Bewegung setzt.

Der „Lonely Planet“ ist, wie fast immer, in den Tiefen unserer Rucksäcke und wird nur befreit, wenn es unbedingt der Fall sein muss. Und das braucht dann auch Zeit, denn wir folgen den Regeln des Zufalls und der Spontanität. Nun stehen wir wieder einmal an einem Fleck, umzingelt von zahlreichen Geschäftsmännern auf drei Rädern. Caro hat diese typische Szene so wunderbar und treffend aufskizziert:

Wir, auf einer kleinen Insel mit einer Größe von 2m², und um uns herum schwimmen die angriffslustigen Haie die nach Frischfleisch Ausschau halten. Ein eindrucksvolles Szenarium und wir befinden uns mitten drin.

Die Innenstadt liegt etliche Kilometer entfernt. Das perfekte Spiel für einen Rikscha-Fahrer, denn keiner will mit seinem schweren Gepäck diese Hürde auf sich nehmen und jeder verfällt dem Glanz der Leichtigkeit. Aber es gibt auch diese innere Stimme die einem eindrücklich sagt, nicht die erschreckenden preislichen Vorstellungen dieser Privaten der indischen Straßen anzunehmen. Somit schlagen wir uns durch die hohe See, durch das Revier der Totenköpfe und landen verlassen im ruhigen Gewässer, im Baghwati Hotel. Die Innenstadt befindet sich immer noch weit entfernt, aber trotzdem, oder zum Glück, lassen wir hier unsere Segel nieder und legen an.

Wir befinden uns mitten im indischen Viertel, ein perfekter Ort für unsere verwöhnten Vorstellungen möglichst weit weg von der Touristenwelt zu sein und ganz nah bei den Indern. Wir lernen das Santosh Restaurant kennen, ein, unter Indern stadtbekanntes Restaurant und Geheimtipp, und wir verlieben uns in Bathi. Bathi ist eine Spezialität aus Rajasthan und wird zu unserem indischen Lieblingsgericht gekrönt. Ein aus brotähnlichem Geschmack gerollter Teigball wird zusammen mit Ghee, der indischen Butter, serviert. Wir schlagen uns hier unseren Magen mit dem wohl besten indischen Essen voll, essen so viel wie wir können, denn der Nachschlag wird ohne Hinweis aufgetischt. Nur, wenn der Kampf mit dem Essen einen Verlierer findet ist Schluss und die Dankbarkeit für diese tolle Erfindung macht sich breit und die Sucht für den nächsten Tag nimmt wieder ungeahnte Formen an. Das Ganze für unglaubliche 1 Euro pro Person. Der perfekte Ort für verwöhnte Weltreisende.

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Pushkar

Wir verlassen die Welt von unseren beiden wunderbaren Couchsurfern und düsen schnellen Schrittes nach Pushkar. Hier steht der einzige Brahma-Tempel der Welt. Warum sollte man sich dies entgehen lassen? Genau das haben wir uns auch gedacht, es gibt keinen Grund. Nun sind wir hier in Pushkar, werden zu unserer zukünftigen Unterkunft geführt und verbringen die nächsten zwei Tage mit Kaffeeschlürfen, Schach spielen, einem Hauch von Moderne, neuen Bekanntschaften und zahlreichen Touristen. Denn Pushkar entpuppt sich schnell als zweites Rishikesh, ihr wisst schon die Yogastadt der Welt im Norden Indiens. Jedoch ist Pushkar sorgenfreier und mit mehr spürbarer Leichtigkeit als in Rishikesh. Kurz gesagt, eine Stadt, die uns ebenfalls in seinen Bann gezogen hat und somit schlendern wir die nächsten Tage durch die Gassen, mit zahlreichen touristischen Angeboten, entdecken die versteckten geheimen Ecken dieser Stadt, genießen das Abendessen von der Dachterrasse eines Restaurants mit tollem Blick über die Stadt und freuen uns, in einen Strudel des Nichtstun geraten zu sein.

 

Brahma Tempel

Nun ist diese Stadt natürlich bekannt für diesen Tempel, wobei unter Touristen dies eher als Vorwand genutzt wird diese Stadt besuchen zu „müssen“, ganz im Gegensatz zu den indischen Touristen. Und somit ist Pushkar eine Perfektion zwischen Pilgerstadt und der Tourismusbranche.

Schön dass der Brahma Tempel ein Tempel ist, deswegen können wir euch auch bestätigen, dass es tatsächlich nur ein Tempel ist. Ein Tempel wie so viele hier auf dem indischen Boden und für uns kein bisschen anders als die anderen. Unsere Köpfe können die Dimensionen der indischen Tempelwelt schon gar nicht (mehr) erfassen, irgendwie klingt alles gleich, sieht alles gleich aus und wir sind nicht die richtigen Opfer um in diese Welt der Götter einzutauchen.

Deshalb entscheiden wir uns, von nun an die Tempel hinter uns zu lassen. Aber es wird noch einen Tempel hier im Staat Rajasthan geben, den wir besuchen und dieser ist schlussendlich der glorreiche Abschluss der indischen Tempelwelt, wenn auch nicht im positiven Sinne. Aber dies werdet ihr hier bald lesen können…

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Raju und GGeeeeeeeee!

Sohn und Mutter, Frohnatur und Vollblutfrau, eine unvergleichliche und einzigartige Kombi! Raju der mit seinem Lächeln jeden auf der Welt in seinen Bann zieht, ein Lächeln was jedem zum Nachahmen animiert. Seine Mutter, die jedem zum „Spuren“ bringt, denn sie hat eine beeindruckende kraftvolle Stimme, aber trotzdem kann man sie nur ab knuddeln. Ein unglaubliches Paar mit unglaublicher Gelassenheit und sichtbarer Zufriedenheit wo die Tür für jeden offen steht und somit gab es hier zahlreiche Bekanntschaften. 

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Am(b)er

Eine unvergessliche und eine wunderbare Zeit hier in Amer, der perfekte Ort um sich verzaubern zu lassen. Denn Amer ist Teil dieser Burganlage von dem beschriebenen Amber Fort. Hier gibt es zahlreiche Tempel, alte Gebäude, verlassene Straßen und das Gefühl mitten in dieser mit Mauern umschlossenen Stadt zu wohnen, zusammen mit den wohl herzigsten beiden Einwohnern dieses kleinen Teils in Jaipur. Das alles macht das Ganze zu etwas Besonderem.

Raja Man Singh, der Erbauer dieser fantastischen Anlage, sowie Mirja Raja Jai Singh und Sawai Jai Singh II, welche entscheidende Veränderungen an dieser Burg-/Schlossanlage vollbracht und zusätzlich das heutige Jaipur erbaut haben, sind die bedeutendsten Personen welche mit dem Amber Fort in Verbindung gebracht werden. 1727 wurde die Hauptstadt der Maharadschas schließlich nach Jaipur verlagert. Vor dem Palast befindet sich ein kleiner See, welcher als Wasserquelle, bis zum heutigen Tag genutzt wird. Da es jedoch hier in Rajasthan sehr heiß werden kann und die Monsunzeit hier eher kurz ausfällt, gibt es teilweise starke Engpässe mit dem flüssigen Gold. Eine Situation die sich auch bei unserer Gastfamilie gezeigt hat und somit mussten wir zusätzliches Wasser kaufen. Ein perfekter Moment um uns für die wunderbare Gastfreundschaft zu bedanken. 

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Ehen, (Traum)Hochzeit und Kinder

Ich weiß gar nicht mehr, an welchem Tag wir unsere inoffizielle Traumhochzeit auf dem indischen Boden gefeiert haben. Aber ehrlich gesagt sind wir froh, dass wir ab und zu sagen, dass wir verheiratet sind. Das macht hier einiges einfacher, versetzt aber den ein oder anderen Hoffnungsvollen auch auf den Boden der Tatsachen zurück. Partner, das Wort existiert hier nicht und will auch erst gar nicht verstanden werden, somit machen wir es uns einfacher und verhindern somit die strahlenden Augen der Inder auf der Suche nach einer neuen Partnerin. Generell ist es hier überhaupt nicht einfach. Ausnahmen gibt es, aber arrangierte Ehen sind hier Gang und Gebe. Die Eltern suchen den Partner aus, den man sich vielleicht noch aussuchen könnte und in gegenseitigem Einvernehmen wird die zukünftige Hochzeit arrangiert. Singles gibt es auch in Indien zahlreiche und mit dem Wandel der Zeit suchen auch die Männer nach dem gewissen Extra und umso europäischer umso besser, lautet da wahrscheinlich bei manchen der Schlachtruf ins Eheleben. Geschockt müssen sie sich dann auch meistens noch anhören, dass Tobi doch glatt zwei Jahre jünger ist als ich und wir noch immer keine Kinder haben. Tststs, die Europäer wieder…

 

Die wirkliche indische Traumhochzeit  

Tobi hatte das Glück, bei einer Hochzeit eingeladen zu werden. Caro natürlich auch, aber leider ging es ihr nicht so gut. Somit bin ich alleine mit den Verwandten von unseren Couchsurfern dorthin. Eine Hochzeit ist eigentlich das Ereignis schlechthin in Indien und deshalb wird hier auch alles gezeigt was man hat. Eigentlich sollte man schon zum Sparen anfangen wenn das Kind grade zur Welt kommt. Dann hat man im Schnitt 19-24 Jahre Zeit um das nötige Kleingeld auf die Seite zu legen (es gibt dafuer auch spezielle Hochzeitssparvertraege). Nun in der Regel bezahlt bei einer Hochzeit die Familie der Braut. Also, an alle Männer: In dem Fall seid ihr da fein raus. Und in der Regel ist es auch so, dass das frische Ehepaar zu der Familie des Ehemannes zieht, sprich mit Ihnen den Rest des Lebens zusammen wohnt. Also kann man das an der Stelle ganz offen sagen, wieder ein Beispiel, warum sich die indischen Familien so sehr ueber maennlichen Nachwuchs freuen.

Nun wurde ich zu dieser Doppelhochzeit eingeladen. Zwei Schwestern wurden getraut, aber nicht nur deswegen war eine Menge los. In der Regel sind ungefähr 800-2000 Personen eingeladen, wenn die Hochzeit klein ausfällt. Und in der Regel ist es dann auch so, dass, wenn man einmal eingeladen wird, den Anderen ebenfalls dann für „seine Hochzeit“ einlädt.

Es gibt ca. drei verschiedene Stufen für Einladungen. Eine persönliche Einladung und eine Begleitung seiner Wahl. Eine Einladung mit seiner ganzen Familie. Die höchste Form der Einladung, Eine mit der ganzen Familie und Freunden.

Nun wisst ihr auch warum die Hochzeiten so teuer werden können und weshalb man auch für vielleicht 1500 Leute logistisch planen muss.

Aufgebaut sind die Hochzeiten meistens im gleichen Stil und das sieht dann wie folgt aus: Erst einmal wird eine riesige Fläche von ungefähr 400 m² gemietet. Um diesen Bereich befinden sich die Snackbars und Trinkstände, wo sich jeder nach Belieben bedienen kann, bis das Essen aus ist. Aber das kann eine Zeit lang dauern, denn die Regel ist diese: Je mehr man auftischen kann, umso  reicher und angesehener ist man. Und da keiner dumm aus der Wäsche schauen will, tischt man nicht nur jede Menge auf, sondern auch  qualitativ ordentlich auf.

Zudem  gibt es weiterhin einen Essensbereich, wo jeder in der Regel einmal zulangen sollte. Dies läuft dann nach dem Prinzip der Reihenfolge ab. Anstehen und warten bis ein Platz in der langen und nochmals langen Tischreihe frei wird. Hat man dann einen Platz ergattert, kommt zuerst der Reinigungsmann der die Tische sauber macht, dann der Trockenmann, der sie trocknet. Im Anschluss der Teller- und Tassenmann und als Happy End der Essens- und Getränkemann. Nun wird gegessen.

In der Mitte der riesigen Fläche befindet sich die Tanzfläche und natürlich auch Sitzmöglichkeiten für mögliche Faulenzer. Das Objekt der Objekte ist die Bühne. Auf der Bühne befindet sich das Ehepaar und sieht dem Ganzen Spektakel gespannt von oben zu.

Ach und bevor wir es vergessen in einer kleinen Ecke befinden sich die ganzen Geschenke. Die Geschenke bestehen zu meist aus Inventar für die zukünftige „Wohnung“, also die bei der Familie des Ehemanns. Alles was man sich vorstellt: Waschmaschine, Ehebett, Schrank, Herd, Kochutensilien und weitere notwendige Gebrauchsgegenstände und wenn die Familie richtig reich ist gibt es sogar noch ein Auto oben drauf.

Frohe Hochzeit und ein langes gemeinsames Eheleben bis das der Tod euch scheidet…    

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SMS Hospital

Auch wenn es Caro schon wieder besser ging, wollten wir vorsichtshalber noch einen Arzt aufsuchen. Also machten wir uns auf den Weg zum Krankenhaus. Nach der recht positiven Erfahrung in Chandigarh gingen wir guter Dinge auf das imposant aussehende SMS Hospital zu. Man könnte hier jetzt unzählige Kurzgeschichten über das, was wir dort gesehen haben schreiben, denn hier herrscht kein Gesetz. Jedenfalls war es eine gute Entscheidung für die Krankheit, denn wir waren schnell wieder draußen und Caro fühlte sich auch plötzlich wieder recht gesund… Wer weiß, vielleicht lag es ja an dem Anblick der vielen Tauben und Straßenhunde, die sich überall im Krankenhaus breitgemacht haben oder an all den anderen „hygienischen“ Zuständen und Umständen. Manchmal können gewisse Anblicke doch erstaunlich schnell die eigenen Schwierigkeiten beseitigen oder gar vergessen lassen. Alles in allem ein interessanter Einblick, wie es in einem Krankenhaus mitten in Jaipur zugehen kann. Doch wir sind uns sicher, es geht noch schlimmer.

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Jaipur und Nagar Fort

Ein kleines Problem hat sich in den letzten Tagen ereignet. Unsere Kamera wurde durch einen Passanten so ungeschickt angeschlagen, dass sich ein kleines Teil im Objektiv gelöst hat und nun das Zoomen und den Fokus beeinträchtigt. Deshalb springen wir nochmal kurz zu unserem ersten Besuch in Delhi zurück.

Wir stehen hier mitten in Indiens Hauptstadt, wo sich das Ganze ereignet hat und brauchen erst einmal Rat. Der Rat kommt von Canon selbst. Nach langem Suchen endlich im Servicecenter angekommen erfahren wir, dass es erstaunlicherweise überhaupt nicht so einfach ist, etwas zu machen. Denn wie wir so selbstbewusst dem Servicepersonal das Problem schildern, erfahren wir nur, dass wir selber für die Kosten aufkommen müssen, was uns stark verwundert, da die Kamera gerade mal 5 Monate alt ist und somit eine Garantie besitzt. Da wir die Kamera allerdings in China gekauft haben, haben wir laut nettem Angestellten hier, in Indien, keine Garantie dafür. Den Hinweis doch nach China zurückzufahren, lassen wir gleich an uns vorbeirauschen. Trotzdem sind wir erst einmal bedient, denn, dass Canon keinen weltweiten Garantieschutz bietet, obwohl es sich um ein weltweites Unternehmen handelt, hätten wir nicht für möglich gehalten. Da wir mit unserer Kamera noch Fotos machen konnten, jedoch mit eingeschränkten Möglichkeiten kamen wir zu dem Schluss, erst einmal Canon direkt anzuschreiben, um das Ganze anderweitig zu regeln. Gesagt, getan, allerdings bis zum heutigen Tag (17.05.12) ohne Reaktion. Soviel Kundenfreundlichkeit und Entgegenkommen im Kundenservice hätten wir von einer weltweiten und bis dahin professionell erscheinenden Firma nicht erwartet.

Die Geschichte setzt sich nun in Jaipur fort: Auch hier gibt es ein Canon Servicecenter. Da die Kamera Dank dem abgebrochenen Teil im Inneren des Objektivs immer unzuverlässiger funktioniert, haben wir hier schlussendlich die Kamera in Reparatur gegeben und uns ein neues Objektiv besorgt; das billigste was es zu kaufen gab. Schließlich wollen wir die nächsten zwei Wochen nicht auf schöne Fotos verzichten. Mit dem sind wir dann weiter gezogen und das alte Objektiv haben wir 2 Wochen später in Delhi wieder abgeholt. Alles sehr kompliziert, wenn man nicht in europäischen Gegenden ist. Wo die Hürden liegen erfährt man nur, wenn man selber davon betroffen ist und um das Problem zu lösen vergeht hier in Indien erschreckend viel Zeit, denn es herrschen starke Verständigungsbarrieren vor allem, wenn es speziell wird. Es ist nicht immer einfach etwas schnellstmöglich zu erledigen. Die Uhr tickt hier langsamer...

 

Mister X

Ehrlich gesagt haben wir von Jaipur nicht so viele Sehenswürdigkeiten gesehen, denn gewisse bekannte Umstände haben es uns nicht ermöglicht. Trotzdem kam es wieder zu interessanten Bekanntschaften. Mister X hat uns ertappt. Mister X hat uns entführt. Mister X hat uns zum Staunen gebracht. Prashant hat uns auf dem Weg zum Zentrum abgefangen. Er selber ist angehender Tourismusstudentenabsolvent und immer auf der Suche nach zusätzlichen Übungseinheiten um sich in diesem Feld auch gut durchzusetzen. Denn Guides gibt es wie Sand am Meer und nicht jeder Guide ist ein echter Guide. Statistisch gesehen sind ungefähr die Hälfte wirklich vom Staat auserwählte Stadtführer. Denn alle fünf Jahre, oder immer wenn die Regierung wieder frische Stadtführer benötigt, gibt es Ausschreibungen. Ja, und der Rest versucht mit Trick und Geschick einen mit dem Zauber der Worte einzufangen. Wir sind dafür natürlich die geeigneten Probanden und gewähren Prashant, uns sein Wissen über seine Stadt offenzulegen. Es ist kurz vor halb sechs abends, nur noch wenige Minuten um vor Sonnenuntergang zum Nagar Fort zu kommen. Denn einmal oben angekommen hat man einen fantastischen Überblick über die Stadt. Dann noch mit einem himmlischen Sonnenuntergang und alles ist wunderbar. Die ausgemalten Bilder haben sich schon zu einer Panoramakulisse in unseren Köpfen breitgemacht und die Vorstellung dies zu verpassen war schier unmöglich.

Also ging es schnellen Schrittes nach oben, schnell denn es war keine Zeit zu verlieren, vorbei an tobenden Kindern, vorbei an bettelnden Kindern, vorbei an dem Anblick über die Stadt. Es ist doch immer wieder schön, die Welt, die Stadt oder das Geschehen von oben zu betrachten. Das Ganze in einem Blick. Es hätte nicht besser verlaufen können. Oben angekommen senkte sich die Sonne langsam seinem Schlaf zu.

Vielleicht sollten wir uns bei den indischen Tourismus-Universitäten als geeignete Versuchskaninchen einschreiben lassen, dann hätten wir immer Unterhaltung und werden immer verführt mit dem Glanz der Vorstellung, etwas Wunderbares zu sehen. Alles hat seinen Sinn und dies wollen wir nicht missen, wobei Prashant am Ende leider durchblicken ließ, dass er sich bereits als echter Guide fühlt. Aber auch das konnten wir geschickt regeln, wobei hierbei das indische Verständnis an seine Grenzen stieß. Ein weiteres Beispiel dieser Grenzen werden wir euch in Jaisalmer darlegen...

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Amber Fort, Suri und Großvater

Nach den ersten Gehversuchen mit Caro und der beruhigenden Sicherheit, dass wir kein „Unglück“ zu befürchten haben, kamen wir schlussendlich am Amber Fort an. Mit im Gepäck: Suri und „Grandfather“. Suri ein super sympathischer Süd-Inder und sein „Großvater“, so kann man sich dieses Bild in etwa vorstellen. Jedoch handelt es sich bei „Großvater“ um Suris Guide und da wir uns ihnen angeschlossen hatten, wurden wir von Grandfather unerwartet als seine Enkelkinder adoptiert. Wir hatten eine witzige Zeit mit Suri und Großvater und vor allem eine tolle Zeit im Fort. Jedes Mal, wenn Tobi durch Trödelei etwas ins Abseits marschierte, wurde er standesgemäß von „Großvater“ wieder in die rechte Bahn gelenkt, ohne Wenn und Aber; Widerspruch war kaum möglich. Caro erging es da nicht anders, denn Caro war noch geschwächt und musste somit regelmäßig Pausen einlegen, welche jedoch in Sekundenschnelle auch schon wieder von „Großvater“ aufgelöst wurden. Zeit ist Zeit. Ich glaube, schlussendlich kannte jeder „Großvater“ denn er war der heimliche Herrscher hier im Fort. Eine super witzige Bekanntschaft mit Suri und seinem Guide und den unvergesslichen sympathischen Führungsqualitäten von „Großvater“. Danke Suri für deine Unterstützung und dem Ticket mit welchem du es uns ermöglicht hast, euch zu begleiten. Und du weißt ja, man sieht sich immer zweimal, irgendwo, irgendwann… somewhereovertheworld

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Krank: Monetzumas Rache schlägt zurück

Mit dem Bus ging es dann weiter nach Jaipur. Dort hatten wir auch schon eine Unterkunft die auf uns wartete: Raju! In Jaipur angekommen sind wir mit der Rikscha nach Amer gefahren, einem, wie sich später herausstellen sollte, perfekten Ort zum Entspannen und ein, vom Zentrum weit außerhalb gelegener, Ortsteil. Der Rikscha-Fahrer entpuppte sich als ein sehr geeigneter Guide und zeigte und beschrieb uns die auf dem Weg auftauchenden Gebäude, wie z.B. das Wasserschloss, welches in der Nacht wunderschön angestrahlt wird, am Tag jedoch einsam und verlassen im Wasser steht, weil es keiner besuchen kann. Er erklärte uns auch das Amber Fort, das nächste Highlight auf der Strecke. So muss eine Burg aussehen, dann klappt es auch mit den Touristen. Ein noch schöner angeleuchtetes Gebäude als das Wasserschloss und ein Anblick wie aus einem Bilderbuch-Märchen für Schlösser und Burgen, wobei diese Burg ganz vorne mitspielt. Als wir am Ziel ankamen erwartete uns das letzte Highlight. Und das letzte Highlight herbergte uns für sechs Tage, kochte uns Unmengen an Kilos von Reis und sorgte für etliche schöne Geschichten:

GG (sprich TschiTschi) und Raju, Mutter und Sohn mit zwei munteren Reisenden. Wobei das mit dem munter eine Weile gedauert hat, denn Caro hatte sich was Fürchterliches eingefangen. Ihr zu Hause für die nächsten Tage war nicht das Bett, sondern die Toilette. Und nicht die leckere indische Küche hat uns die Gedanken verdreht, sondern Bananen, Reis und Joghurt, denn das ist eine wunderbare Kombination, um den Magen und Darm etwas zu beruhigen und weil das so lecker aussah hat Tobi auch gleich mitgemacht. Zum Glück ging es Caro nach zwei vollen Tagen Bettruhe wieder einigermaßen besser und wir machten uns auf den Weg zur Burg der Burgen.

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Fatehpur Sikri

Eigentlich waren wir ja auf dem Weg nach Jaipur, aber Rahul und sein Bruder hatten uns am Abend zuvor überzeugt, noch einen kurzen Abstecher in Fatehpur Sikri zu machen, einem Ort mit breitgestreuten Ruinen und einem beeindruckendem Red Fort. Sprich, die frühere Hauptstadt des Mogulenreichs in Indien und heute UNESCO Weltkulturerbe. Das besondere daran ist, dass der Großmogul Akbar nicht nur eine Frau hatte, sondern gleich drei. Das an sich ist ja noch nicht so was Besonderes, aber das wirklich Spezielle daran ist, dass jede seiner Frauen einer anderen Religion angehörte und es dementsprechend im Palast auch drei verschiedene Tempel bzw. Kirchen gab. Die erste Frau war Christin, die zweite Jüdin und die dritte Hindu, so zumindest die Info von unserem Guide. Jedenfalls gibt es dort immer noch zahlreiche Gräber, natürlich geschlechterspezifisch und nach Stand getrennt. Und da der Herrscher lange Zeit kinderlos blieb und ihm ein Prophet vorausgesagt hatte, dass er Kinder haben wird, hat er zum Dank an das Eintreten dieser Prophezeiung einen Schrein erbauen lassen. Zu diesem pilgern heute täglich kinderlose Frauen und erbeten sich Fruchtbarkeit. Dieser Schrein ist mit bemerkenswert schönen Marmorschnitzereien versehen. Auch das riesige, über der Stadt sitzende, Siegestor mit einer Höhe von 54 Metern ist beindruckend, welches aus Dankbarkeit über den Sieg des Staates Gujarat erbaut wurde. Etwas ungewöhnlicher ist da schon das Grab des Lieblingselefanten Akbars, welches eine achteckige Form hat und auf dem eine, mit Stoßzähnen versehene, Säule thront.

Was uns noch fasziniert hat, waren die vielen wilden riesigen Honigwaben, die von fleißigen Bienen umsurrt und täglich vergrößert werden und die hartnäckigen Armband- und Ketten-Verkäufer. Nach ca. 3 Stunden in der Hitze Hin-und Herlaufens war es dann auch gut und schließlich ging es weiter nach Jaipur.