Men in Black

 

In aller früh geht es wieder los in die Stadt. Dieses Erlebnis unter den Menschen zu sein ist einfach faszinierend und anziehend für uns. Wir finden ein kleines Café und sind sofort im Blickpunkt der Leute. Noch zu selten sind die Touristen hier anzutreffen, auch wenn wir später noch das Gefühl haben werden, dass es in Burma doch schon sehr „tourit“. Wir schlürfen genüßlich unseren Tee auf diesen so faszinierenden Stühlen, spielen Schach und erfreuen uns am Augenblick. Es regnet, wieder einmal ziehen graue Wolken über die Stadt. Wir haben nachgeschaut, der Juni ist nach dem regenreichsten Monat August gleich auf Platz Nummer Zwei. Wobei Regen doch eine verschönerte Umschreibung dafür ist. Viel eher trifft folgende Bezeichnung zu: „Es brettert nach unten“. Wir haben jedenfalls einen schützenden großen Regenschirm über uns und somit freuen wir uns noch mehr, im Trockenen zu Sitzen. Nach dieser zehnminütigen „trockenen Dusche“ geht es weiter. Wir finden die burmesische Raubkopiermeile für alle erdenklichen Filme. Nicht nur hier sind die Filme verbreitet auch in der gesamten Stadt findet man kleine Stände die CD´s anbieten. Hier kommen sie her. Hier werden sie gekauft und auf der Straße für etwas mehr wieder verkauft. Wir trauen unseren Augen nicht. Eine riesige Auswahl an neuen und alten burmesichen und europäischen Filmen. Alles was man braucht für einen entspannten Filmabend. Wir decken uns ein, denn wir wissen, Australien steht vor der Tür und um es schon einmal vorweg zu nehmen: Eine australische DVD entspricht umgerechnet 25 burmesischen DVD´s. Da heißt es definitiv zuschlagen. Danach geht es weiter, wie gesagt, wir sind in unbekannten Gebieten, denn zuviele Straßen verlocken abzubiegen. So geschieht es, dass wir an der Kinomeile vorbeikommen. Beim ersten verlockenden Kino werden wir weitergeschickt, denn hier werden nur burmesische Filme gezeigt und diese leider ohne Untertitel. Das europäische, also das englische Kino mit englischen Filmen ist gleich um die Ecke. An sich wollten wir schon in Indien bei einer, sich bietenden Möglichkeit ins Kino gehen, um uns wenigstens einmal originalgetreu einen Bollywood-Film anzuschauen, haben es aber leider nicht geschafft. Nun gehen wir genau hier in Rangoon, Burma, nach über einem Jahr wieder einmal ins Kino, leider nicht einen einheimischen wie wir es uns gewünscht hätten sondern einen aus der amerikanischen Filmmetropole. Men in Black III. Wir holen uns sogar noch Popcorn und schon kann der Kinospaß beginnen. Das Interessante hierbei ist folgendes: Der Kinospaß beginnt erst nach der legendären burmesischen Nationalhymne welche vor jeder Vorstellung gespielt wird und zu der die Staatsbürger feierlich aufstehen, mit der Hand auf der Brust.

 

 

Reisen in Burma

 

Nicht unweit vom Kino befindet sich der Ort, wo man sich landesweite Bustickets besorgen kann. Wir haben beschlossen zuerst nach Mandalay zu fahren. Also hier, vor einem kleinen Kabuff mit unübersehbarer Buswerbetafel, bekommen wir zwei Tickets überreicht. Zwei Tickets im Deluxe-Bus. Eine Auswahl ohne größeren Auswahlspielraum. Entweder diesen Bus oder keinen. Alternativ kann man mit dem Rangoon-Mandalay-Express (Zug) fahren. Der ist aber teurer und es dauert ein wenig länger. Wie wir zudem später erfahren, sind burmesische Züge nicht unbedingt vertrauenswürdig. Sie ähneln nämlich der Achterbahnfahrt aus Sri Lanka, also den Hoppelpisten, wobei es hier noch eine erstaunliche Steigerung zu verbuchen gibt. So kommt es sogar vor, dass der Zug auch mal entgleisen kann (Quelle unbekannt). Also, wir entscheiden uns für die verwöhnte Variante, denn die Alternative macht es uns leider nicht schmackhaft. Diese Art von Geschäft: Entweder - Oder!, ist auf die Situation im kompletten Land zurückzuführen. Viele Ausweichalternativen wird man hier nicht finden. Die Reiseroute ist für jeden mehr oder weniger vorherbestimmt. Großartige Abweichungen erlauben sich nur diejenigen, welche das nötige Kleingeld haben, um sich die teuren und abgelegenen Hotels zu leisten oder welche aufs Flugzeug umsteigen können. Nun gut, wir wollen das Land auch kennenlernen, sind aber Backpacker mit einem kleinen Geldbeutel und viel ist nicht mehr übrig von unserem Ersparten. Also nehmen wir die Möglichkeiten, die es uns erlauben, etwas vom Land zu sehen. Es geht heute Nacht erst einmal nach Mandalay und was danach passiert werden wir sehen. Unsere Insiderperson gibt uns genau wie unser schriftlicher Reiseführer eine vorgegebene Route vor. Es gibt keine Busse oder Züge die in andere Gebiete fahren bzw. fahren dürfen. Alles ist staatlich überwacht. Man weiß, wo wir sind. Die Touristen werden durch eine geschickte Maschinerie gelotst und man bekommt nur das zu sehen, was man sehen soll. Dass wir bei Verwandten (zumindest fühlen sich Esther und Myint wie Verwandte für uns an) wohnen dürfen, ist auch verboten, verboten im Sinne der Militärregierung. Es ist keinem Einheimischen erlaubt einen Touristen nach 18 Uhr bei sich zu Hause einzuladen, geschweige denn bei ihm übernachten zu lassen, so die Anweisung der Staatsbosse. Nun die Erfahrung dank unserer Bekannten, dass sie uns bei sich aufnehmen, stimmt uns mutig und wir freuen uns darauf, Burma zu entdecken.

 

 

 

Auf nach Mandalay

 

Am Abend fahren uns Myint und Esther zum Busbahnhof. Das darf man sich jetzt aber nicht so gepflegt und geordnet wie in Europa vorstellen. Ein burmesischer Busbahnhof gleicht eher einer Großstadt voller Busse, nachdem zu urteilen, wie es hier zugeht. Hier stehen Hunderte, vielmehr Tausende an wartenden, einfahrenden oder abfahrenden Bussen herum, so zumindest unser Gefühl. Massen an Menschen. Jede Straße entspricht einem anderen Reiseziel. Wir sind irgendwo dazwischen, werden von talentierten Zuweisern gelotst. Auch mit einer Karte würde man sich hier nicht zurecht finden. Alles sieht so gleich aus. Alles funktioniert, so der Eindruck. Ein burmesisches Meistwerk! Aber wie? Talent. Aber mehr können wir euch auch nicht sagen. Hier gibt es noch weitere Busunternehmen, die Lokalen, aber auch diese sind hochmodern. Unzählige Restaurants, kleinere Shops und sogar einen Friseur findet man hier. An sich auch klar, bei solch einem Andrang. Man reist mit dem Bus. Das kann überwacht werden. Mit dem Auto fährt man hier keine hundert Kilometer. Zu teuer das Benzin, zu selten die "Tankstellen". Wir sitzen im Bus, die 330ml PEP Wasserflasche vor uns im zugehörigen Flaschenhalter, ist im apokalyptischen Reisepreis inbegriffen. Vollaustattung. Klimaanlage. Alles was man braucht, um sicher am Ziel anzukommen. Brauchen wir nicht, wir sind indische Züge gewöhnt, aber wie schon gesagt, andere Alternativen gibt es für uns Touristen nicht. Man fühlt sich, wenn man den Rest einmal ausblendet, wie in einem europäischen Reisebus. Unterschiede gibt es hier nicht, was sicherlich viele erfreut. Deluxe-Bus mit Deluxe-Komfort!

 

Irgendwo auf der Strecke halten wir an. Es ist Mitternacht. Wir müssen aussteigen, denn der Bus wird abgeschlossen. Somit wird versucht Dieben im Voraus das Handwerk zu legen. Was man jetzt in dieser halben Stunde macht ist jedem selbst überlassen. Definitiv gehört ein Toilettengang mit dazu, denn dieses Bedürfnis wird nicht allzu oft auf der Reise befriedigt; und die Reise ist lang. Wir fahren ungefähr zehn Stunden und kommen übermüdet zur frühen Morgenstunde in Mandalay an. In Burma gibt es nur Sitzbusse, also keine Liegebusse, was durchaus einen Unterschied im Ausgeschlafen, bzw Müde sein ausmachen kann.

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Rangoon, wir kommen!

 

So ganz ohne jegliche Vorstellung kommt man hier nicht vom Fleck, dafür sind wir einfach zu weit vom Zentrum entfernt. Wir brauchen einen Bus, der uns am richtigen Platz rauswirft. Aufgrund unserer schlauen Gastmutter, also Esther, wird dies zum Kinderspiel. Mit einem Zettel bewaffnet zeigen wir dem jeweiligen Busakteur zum richtigen Zeitpunkt unsere Zielvorstellung. Der Busschaffner, Jongleur und Gentleman vom Dienst, gibt uns zu verstehen, dass dies nicht der richtige Bus ist. Nach zwei weiteren vergeblichen Versuchen, sind es schließlich die ebenfalls Wartenden die uns diesbezüglich weiterhelfen. Wir sind in einem asiatischen Land, wo "Privatsphäre" glücklicherweise ein Fremdwort ist, und deswegen verbreitet sich die stille Post über unsere Suche nach dem richtigen Bus wie ein Lauffeuer.

 

Nun sind wir im richtigen Bus. Wir haben es geschafft, wünschen uns aber zeitgleich auch schon wieder, hier herauszukommen. Ein Bus mit Klimaanlage war uns zuvor auch ein wenig suspekt, eher unnötig, denn es gibt doch Fenster. Doch diese ganze Vorstellungskraft verändert sich genau hier, zwischen den roten Gewändern der Buddhisten und den Longi-Trägern bzw. den Burmesen. Die Brühe läuft uns nur so runter. Es ist so stickig und es wird uns erst recht peinlich als wir erkennen, dass es den Einheimischen gar nichts ausmacht. Anscheinend Training und Erfahrung! Was auch immer, uns hilft es grad auch nicht weiter. Schlimmer wird es noch, als wir im alltäglichen Stau stecken. Eine Baustelle verengt auch hier die Fahrbahn. Wir stehen schon seit fünf Minuten und es geht nicht mehr. Ich (Tobi) muss raus. Ein wenig frische Luft schnappen, insoweit das geht, inmitten dieser motorisierten Saunen. Ich erhole mich ein wenig von dieser beklemmenden Atemnot, bevor mir der Fahrer wieder zu verstehen gibt, einzusteigen. Keine Sekunde später rennt der Schweiß wieder seine Runden. Nun stehe ich so halb illegal an der Tür, in der Hoffnung auf ein wenig Fahrtwind. Die Sicherheitsvorkehrungen liegen hier allerdings über den Wünschen der Fahrgäste bzw. dem an Sauerstoffarmut leidenden Europäer, denn die Türen werden verschlossen. Keine Ausnahmen. Aber an der Tür ist es wesentlich erträglicher und somit schaffen wir es auch ans Ziel.

 

Was für ein Tauschgeschäft...

 

Jeder der uns kennt weiß, dass wir manchmal auch auf den dümmsten und einfachsten Trick reinfallen, aber trotzdem wollen wir unsere eigenen Erfahrungen machen. Die Berichte aus dem Reiseführer stimmen, doch diese lesen wir erst später und somit laufen wir ins offene Messer, in der Annahme, man wolle uns was Gutes tun. Eigentlich wollen wir nur unsere amerikanischen Dollar in burmesische Kyat umtauschen. Aber auch die scheinbar isolierten Burmesen kennen ihre Tricks. Vielleicht kommt dieses Talent aus der chinesischen Waffenschmiede. Wie auch immer, wir werden es nie in Erfahrung bringen, aber wir können euch erzählen, wie es hier auf dem Schwarzmarkt zugeht:

 

 

 

Das Schauspiel beginnt, als wir überhitzt und völlig verschwitzt aus dem Bus aussteigen. Noch viel zu benommen und nicht sonderlich empfänglich für die guten Hinweise, wo man am Besten Geld tauschen kann, machen wir uns auf die Suche nach der richtigen Person. Fünf Minuten später finden wir auf dem Schwarzmarkt den richtigen Ganoven, sprich Bankier und Talent in einer Person. Ach, wovon reden wir? Es ist eine komplette Gang, eine kleine unscheinbare burmesische Mafia. Wir erkennen sie recht schnell, die Spezialisten, denn der Augenkontakt und die sichtbaren Dollarzeichen in den Augen werden (beidseitig) schnell gefunden. Wobei, höchst wahrscheinlich werden wir zuerst entdeckt, denn wir werden mit der forschen Frage bombardiert, wieviel Geld wir tauschen wollen würden. Hierzu müssen wir euch darüber aufklären, dass man als Ausländer sein komplettes Reisebudget im Voraus in knitter- und faltenfreien, sauberen und neuen Dollarscheinen mitnehmen muss, denn man kann hier kein Geld an den Automaten abheben. Diese sind nur für die Einheimischen zugängig, was mit der Überwachung des diktatorischen Regimes zusammenhängt. Einzige Ausnahme für einen Ausländer, doch noch an ein paar Dollarscheine von außerhalb heranzukommen ist, bei den zwei bis drei 5-Sterne-Hotels in Rangoon selbst nachzufragen, wobei man allerdings mit sehr hohen Servicegebühren rechnen muss (in etwa ein Viertel der Gesamtsumme). Somit befindet sich im Moment doch erheblich viel Geld in einem Umschlag in der Gürteltasche um Caros Hüften.

 

Ein weiterer wichtiger Hinweis ist folgender: Umso frischer die Geldnote, umso mehr Geld bekommt man dafür am Ende umgetauscht. Hierbei gibt es verschiedene Kategorien für die Banknoten, wobei die Seriennummer die mit A beginnt die Beste ist, welche man sich im burmesischen Haushalt an die Wand rahmt und die Seriennummer die mit F beginnt, in etwa lustigem, bedruckten Klopapier gleich kommt. Unsere Spezialisten vor Ort brauchen anscheinend mehr, sprich viel mehr Wandverzierungen bei sich zu Hause, als wir uns überhaupt vorstellen können. Wir beginnen zögerlich mit dem Umtausch von 300 Dollar, denn wir müssen uns erst einmal Herantasten, so ahnungslos wie wir sind. Innerlich wappnen wir uns auch schon für das, was nun kommen mag. Wir geben unserem „Bankier“ 300 Dollar, welche seiner Meinung nach, nicht dem höchsten Qualitätssiegel entsprechen. Wir geben zwar ihm das Geld in die Hand, sind aber mittlerweile von seinen Bandenmitgliedern umzingelt. - Nein, dieser Schein sei nicht in Ordnung - bekommen wir zu verstehen. Jeder schlaue Mensch, würde in dem Moment schleunigst abziehen, doch wir spielen das Spiel bis zum blutigen Ende. Wir verkörpern wohl bestens das Sprichwort: "Die Hoffnung stirbt zuletzt". Wir wollen in diesem Fall nicht aufgeben auch wenn schon die schrillsten Alarmglocken läuten. Wer weiß, wahrscheinlich ist uns die Hitze in der fahrenden Sauna doch zu sehr ins Gehirn gestiegen...Nun denn, es geht weiter:

 

Ein B auf der Seriennummer genügt dem professionellen Tausch-Experten nicht. Er will ein A, also suchen wir vor den Augen der Mafia all unsere Scheine durch. Wir nehmen sie nacheinander heraus, nicht alle mit einem Mal, aber wir haben mittlerweile mehr als 300 Dollar in unserer Hand. Drumherum kreisen gierige betrügerische Augen die schon die Beute wittern. Nicht nur wir wollen die Scheine auf die richtige Nummer hin prüfen, nein, natürlich will auch die Bande selbst einen Kontrollblick drauf werfen. Wir hören die Warnsirenen, so viel steht fest, aber etwas lässt uns dennoch in Sicherheit wiegen. Es ist ein unübersichtliches Durcheinander und man spürt schon längst die gedrückte Atmosphäre, somal wir auf burmesischen Straßen stehen, zwischen parkenden Autos, "versteckt" vor der geschmierten Polizei. Boom! Die Bombe platzt, alle rennen sie weg, anscheinend ist die Polizei aufgetaucht. Das Herz rast, flackert vielmehr. Das Adrenalin sprintet in die Höhe. Das Produktionszentrum für Adrenalin explodiert förmlich vor unseren Augen. Wo ist unser Geld? Wieviel haben wir verloren? Was ist passiert?!? So richtig überblicken wir das Chaos nicht, weil wir immer noch unbändig gutgläubig sind, aber wir erkennen, dass irgendetwas nicht stimmt. An dieser Stelle müssen wir schon fast selbst über unsere Naivität lachen. Puh, das Geld ist noch da. Glück gehabt.

 

Nach eingekehrter Ruhe ergreifen die Ganoven noch einmal die Chance. Anscheinend war es nur ein Fehlalarm oder sie haben gemerkt, dass sie keinen glücklichen Fang gemacht haben. Wahrscheinlich hat sich der Eine auf den Anderen verlassen oder so in etwa, und nun haben sie gemerkt, dass es nicht funktioniert hat. Klopfen wir erst einmal aus Dankbarkeit unserem Glück auf die Schulter, denn wir brauchen es noch. Wir steigen ein in die zweite Runde. Nun ein wenig professioneller und standhafter, denn wir beharren auf Seriennummer B. Diese oder gar keine. Wahrscheinlich gibt es gar kein A oder nur für die Wand des Präsidenten. Also 300 Dollar wechseln den Besitzer, aber erst nachdem wir die burmesischen Scheine in der Hand haben. Diese wurden vorher vor unseren Augen genau abgezählt und somit nehmen wir den Tauschhandel an. Die versteckten Ablenkungsmanöver gehen dabei allerdings unter. Als der einseitige Deal sein Ende findet, realisieren wir, dass wir nicht wirklich die versprochene Summe in unseren Händen halten. Spürbar dünner fühlt sich nun das Geldbündel an. Die Experten haben sich alle in Luft aufgelöst. Kein Handshake, kein Lebewohl, kein Danke. Die grausame Welt des Schwarzmarktes. Der Verlust ist gering, der Erfahrungsschatz dafür groß und das Glück tanzt noch immer auf Wolke 7.

 

Downtown

 

Noch mit weichen Knien und erleichterten Herzen, obwohl wir uns ja alles selber eingebrockt hatten, geht es weiter in Richtung Innenstadt. Ehrlich gesagt ist diese in Rangoon eher schwierig zu finden, denn ein typisches Zentrum gibt es nicht. Als Zentrum und Hauptattraktion gilt die Schwedagon Pagoda, die buddhistische Schaltzentrale schlechthin. Die Schwedagon Pagoda, der Eiffelturm Burmas, ist der Leitfaden für jeden Buddhisten. Dieser buddhistische Thron ist auch ein Teil unserer morgendlichen Attraktion, denn unsere Saunafahrt geht entlang dieser beeindruckenden goldenen Sehenswürdigkeit. Aufgrund des momentan alltäglichen Monsuns entscheiden wir uns immer wieder aufs Neue, den Besuch auf den Folgetag zu verlegen, denn wir wollen diese Atmosphäre bestmöglich bei optimalen Lichtverhältnissen genießen. Bevor wir aber selber einen Einblick in diese faszinierende Welt bekommen, werden noch, sage und schreibe, 14 Tage vergehen. Jeden neuen Tag vertrösten wir uns wieder auf den nächsten, bis wir schließlich weiterziehen. Aber am vorletzten Tag unserer Burmazeit werden wir diesen faszinierenden Augenblick bekommen, doch bis dahin erleben wir noch allerhand Geschichten und Erlebnisse.

 

Nun schlendern wir erst einmal durch die belebten Straßen von Rangoon. Hier findet das Leben statt, hier wird alles verkauft, was man benötigt, um zu Kochen, zu Arbeiten, zu Werkeln, sich zu Kleiden etc. Hier auf den Straßen spielt die Musik, überall auf asiatischen Straßen findet das Leben statt, deswegen identifiziert sich ein Stadtzentrum in einem asiatisches Land, wie Burma, nicht durch eine Einkaufsmeile, sondern durch ein kulturelles Zentrum oder umgekehrt, aber beides gemeinsam findet man nicht.

 

Wir finden auch unsere geliebten Straßenverkäufer. Sie sitzen auf der Straße, die Stühle sehen aus wie aus europäischen Kindergärten, so klein und doch so praktikabel. In allen möglichen Varianten findet man diese kleinen hilfreichen Alleskönner. Sie bieten einem einen Platz und zeitgleich nehmen sie wenig Platz weg. Auf einem normalen Bürgersteig findet man somit ein kleines Restaurant, natürlich mehr in die Breite gezogen, aber dennoch ist hier immer noch Platz für die Hungrigen auf ihren Ministühlen. Zeitgleich - und dies auch aus physiotherapeutischer Sicht absolut grandios - ist dies doch eine geniale Technik, um seine Gelenke zu trainieren. Generell ist die Hocktechnik absolut patientenfreundlich, denn wenn man sich hier umschaut, meint man, Burma hockt, anstatt zu sitzen und das zieht sich durch alle Altersstufen. Kennen die Burmesen überhaupt Meniskusprobleme? Knieoperationen? Durch diese menschliche Sitztechnik werden die Kniegelenke maximal gedehnt, beansprucht und optimal in den Alltag integriert und nicht durch standartisierte Stühle geschont. Übrigens auch die Bushaltestellen haben Chihuahua -Größe.

 

Innenstadt-Impressionen

 

Burma ist nicht nur ein buddhistisches Land, sondern man findet hier noch allerhand weitere religöse Orientierungen, wie zum Beispiel den Islam. Deswegen entdecken wir hier auch mitten in der Straßenmeile, der Sule Pagoda Road, ein Minarett sowie zahlreiche muslimische Verkäufer, die Schmuck, Obst und weitere brauchbare Dinge an die Kunden feilbieten. Nicht unweit dieses Minaretts finden wir, etwas versteckt und für Touristen nur durch einen Massenandrang zu erkennen, den Großen Basar. Eine Kopie aus Istanbul genau hier vor unseren Augen! Der Weg wird versperrt von Burmesen, Mönchen, Muslimen, Christen und weiß Gott noch wem alles. Hier ist kaum ein Durchkommen möglich, so groß ist der Andrang in den schon zu engen Gassen dieser riesigen Halle. Jeder Platz, jeder Zentimeter ist hier akkurat und genau vergeben. Hier muss man Zeit einplanen, das sollte einem schon beim Empfang bewusst werden. Jeder Verkäufer der hier einen Stellplatz bekommen hat braucht sich keine Gedanken über Kundschaft zu machen. Diese Fabrik der Vielfalt ist wohl die erste Adresse auf der Suche nach was auch immer. Die Menschen treten sich nicht nur hier auf die Füße. In der gesamten Stadt herrscht Stau auf der Fußgängerzone. Diese Stadt lebt. Hier ist ordentlich was los. Das Leben funktioniert, die Waren werden verkauft und die Kunden sind vorhanden. Die Burmesen sitzen im Restaurant, sind in den "Cafés", essen und trinken, trinken vor allen Dingen Tee, Bier oder Schnaps, je nachdem welche Tageszeit gerade ist. Hierzu noch eine kleine Nebeninformation: Die bekannteste Biermarke Burmas, heißt wie der Diktaturstaat selbst: Myanmar. Dieses Bier ist das Umsatzstärkste des Landes, wird aber in Singapur gebraut und gehört zur selben Brauerei, die auch das berühmte Tiger-Bier aus Südostasien herstellt. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Militärjunta ein wenig am Umsatz des Myanmar-Biers beteiligt ist.    

 

Sule Pagoda Road

 

Zu der Sule Pagoda Road gehört selbstverständlich auch die Sule Pagoda selbst, welche bereits seit 253 v.Chr. hier seinen Platz gefunden haben soll. Umso später der Abend, umso beeindruckender dieser Anblick. Eine leuchtende, goldene Pagoda als Wegweiser für alle Verlorenen. Wir brauchen auch immer wieder einen Orientierungsblick zur rettenden Leuchtsäule. Die Stadt ist groß und wie schon gesagt, gut belebt, deswegen werden wir förmlich getragen von den Angeboten welche hier die Straßen bevölkern. Wir haben Spaß bei diesem Flow durch die Straßen zu marschieren. Langweilig wird es definitiv nicht. Auch finden wir hier die Nummer 1 unserer Obstliste: Pomelo. Sie wird gleich vor Ort und Stelle verschlungen. :-)

 

Nach diesem überwältigenden Tag suchen wir unseren Leuchtturm, denn dort befindet sich auch die Bushaltestelle, wo uns der richtige Bus zur richtigen Zeit wieder zurück nach Hause bringt. Auf dem Weg zurück geht es noch einmal ins Internetcafé. Dort treffen wir uns noch mit Nick im Skype, um eine Videobotschaft mit vielen Glückwünschen zur Goldenen Hochzeit von Tobis Großeltern aufzunehmen. Mit Esther und Myint, als burmesische Stargäste, und uns beiden wird dieses Video als kleine Überraschung zum richtigen Zeitpunkt auf der Feier per Leinwand übertragen. Danach erwartet uns, Dank Esther, wieder ein tolles, diesmal auch noch burmesisches Abendbrot.

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Vatertag in Burma

Ein eigenes Haus in Burma, da lässt es sich gut schlummern. Nach einer erholsamen Nacht bekommen wir leckeres Frühstück, doch dies nicht hier, im Zuhause von Myint und Esther, sondern in einem Restaurant in der Stadt. Heute ist Vatertag in Burma und dies verspricht auch zeitgleich ein besonderer Tag für uns zu werden, denn wir sind mit zum Feiern eingeladen. Mit leckerem burmesischen Essen, mit teilweise chinesischem Ursprung, wird zelebriert. Das Essen kommt in sogenannten "Steamern" an. Diese, aus Bambusschalen gestapelten Türmchen, mit ungefähr 10 kleinen Bambusschalen je Turm, enthalten köstlich zubereitete, deftige Leckereien: Fleischbällchen, Nudeltaschen und verschiedene weitere Gaumenschmäuße in sämtlichen Varianten kommen zum Vorschein. Zudem bekommen wir noch ein sehr traditionelles Nudelgericht, was zumeist als Frühstück verzehrt wird und typisch burmesischen Tee gereicht. Der Tee ist allerdings Geschmackssache, da er sehr lange gekocht und dadurch auch sehr stark im Geschmack wird. Oft wird dieser Tee mit einer großzügigen Menge gezuckerter und dickflüssiger Kondensmilch vermischt. Dankbar für diese großzügige Essenseinladung verweilen wir mit vollen Mägen in Esthers und Myints Zuhause. Der Tag plätschert dahin und am Abend besuchen wir zusammen mit NiNi, dem Sohn von Myint und Esther, Peter, den Mann für technische Fachfragen. In Indien, genauer gesagt, beim Wandern in Darjeeling, ist uns unsere externe Festplatte kaputt gegangen. Leider waren darauf viele wichtige Bilder vom Wandern selbst sowie vom Darjeelinger Zoo. Wir erhoffen uns nun, mit Peters Hilfe, die Festplatte irgendwie reparieren zu können. Doch leider klappt es nicht und nun wir sind immer noch auf der Suche nach dem Fachmann der uns diesbezüglich irgendwie weiterhelfen kann.

 

Chinatown

Peter wohnt in Chinatown, dort wo sich alles finden lässt, was man gerade benötigt. Hier gibt es Schrauben in allen Größen, Verzierungen und in den verschiedensten Varianten. Hier gibt es Kabel, Antennen und Steckdosen in allen möglichen Anwendungsarten und hier gibt es wohl die pompösesten Lautsprecher auf dem asiatischen Markt, so zumindest unser Eindruck. Und dann nicht nur ein Lautsprecher, nein, gleich einige und das in mehrfacher Ausführung, die jedoch alle kundenfreundlich in den überdimensionalsten Kästen verpackt. Man hat das Gefühl, die Läden auf den Straßen Ranguns platzen aus allen Nähten. Hier, in Chinatown, ist dieses Gefühl allerdings noch extremer. Falls sich das nun jemand von euch genauer anschauen will, gibt es dafür spezielle Gebiete wo sich diese „Gehörlosen“ rumtümmeln. Im Prinzip ein ziemlich geniales System, wenn man es erkennt. Hier befinden sich alle Läden zu einem Thema in derselben Straße und in der nächsten Straße dann das Gleiche mit einem neuen Thema. So kann man einfach die gewünschten Waren bei der Konkurrenz nebenan kaufen, wenn einem der Händler nicht zusagt. Im Vergleich zu Europa, wo es meist in den Händen der Stadt liegt, wo sie wen und mit welcher Verkaufsoption ansiedeln lassen (natürlich auch davon abhängig, wieviel Geld dieser jemand zur Verfügung hat). Das heißt, In Europa ist alles, wie bei Pippi Langstrumpf, kunterbunt gemischt. Wieder zurück im lauten Rangun, mit dem Angebot aller burmesischen DJ´s, die was auf sich halten, ist die Suche einfach, insofern man entweder glücklich am richtigen Laden vorbeistiefelt oder sich am Sortimentsplan orientiert. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Einfacher wahrscheinlich das burmesische System, abwechslungsreicher wohl die europäische Variante.

Wieder zurück im Haus gibt es nur für uns, deutsches Brot zum Abendessen. Das ist eine Sache die man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen muss, bevor es in die Tat umgesetzt wird. Es ist kein burmesisches Brot, sondern es sind typisch deutsche Zutaten, die man braucht, um ein super leckeres Brot, hier unter dem burmesischen Nachthimmel, zu backen. Importartikel sind teuer und sind natürlich nicht in der großen Auswahl vorhanden. Burma ist ein Land, was sich gegen zu starken Einfluß von internationalen Ländern wehrt bzw. wenig mit ihnen kooperiert (abgesehen von China und Japan); dazu werden wir aber später noch mehr erzählen. Nun, um uns selbst nicht noch länger auf die Folter zu spannen, beißen wir in das erste "deutsche" Brot auf unserer Reise. Wir schweben im Brothimmel! Wir genießen diesen Moment und sagen schon mal Danke für diese Backkunst.

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Burma-Myanmar

Grundwissen

Im Vorfeld haben wir schon soviele unglaublich positive Nachrichten gehört, dass wir es kaum noch erwarten können, selber dieses, als faszinierend beschriebene, Land zu erleben. Myanmar klingt nach dem Reiseland schlechthin, denn Myanmar ist ein sehr junges Land was den Tourismus betrifft und somit das perfekte Land um den Menschen und ihren Kulturen nahe zu kommen. Myanmar (Republik der Union Myanmar), welches früher einmal Burma hieß, und hier somit auch birmanisch gesprochen wird, hat um die 54 Millionen Einwohner. Die Umbenennung zu Myanmar erfolgte 1989 mit dem Vorwand, einen souveränen Staat zu repräsentieren. Zeitgleich wurden dadurch auch die 135 verschiedenen Bevölkerungsgruppen unter einem einheitlichen Namen verbunden: Myanmar, was auf birmanisch „stark zusammenhaltend“ bedeutet. Man könnte daraus schlussfolgern, dass dieses Land nun als einheitlich stark beschrieben werden kann. Dem ist aber nicht so. Vielmehr ist Burma bzw. nun Myanmar immer noch in weiten Gebieten dieses Landes getrennt voneinander; dies ändert sich nicht durch einen neuen Namen. Diese angedachte Gemeinschaft ist rein politisch und hat mit der Gemeinschaft innerhalb der Bevölkerung nichts zu tun.

 

Seit 1963 wird Myanmar/Burma von einer Militärregierung verwaltet, welche durch Gewalt, Korruption und Abgrenzung zur restlichen Welt, Schlagzeilen macht. Die Oppositionsführerin, sowie weitere Gegner dieser Regierung sprechen von ihrem Burma und nicht dem erzwungenen Myanmar. Dies ist nun auch der Grund, weshalb wir zukünftig von Burma berichten um uns ebenfalls nicht dieser Regierungsweise anzunähern. Obwohl wir nur Touristen sind, werden wir euch unsere Sichtweise und unsere Erfahrungen ehrlich schildern und dokumentieren. Denn Touristen erkennen auch hier deutlich, dass dieses Land noch alles andere als frei ist. Man erkennt es, wenn man sich nicht als Tourist sieht. Burma wird unser 13. Reiseland innerhalb eines Jahres und daraus lässt sich schon eine erhebliche kulturelle Erfahrung erkennen. Wir haben viele Länder bereist und mit dem Durchschnitt von rund einem Monat pro Land, muss man natürlich auch sagen, nur bereist, in welcher Vielfalt auch immer. In wenigen Ländern jedoch mehr gelebt als gereist und in anderen Ländern haben wir uns einen Überblick verschafft.

Burma wird eine ganz andere Erfahrung werden und bis heute sind wir, wie das Land selbst, zweigeteilt von unserer Sichtweise. Burma, das bedeutet Freiheit auf der einen Seite und Militätdiktatur auf der anderen Seite und für uns bedeutet es ebenfalls Kultur auf der einen und unfreier Tourismus auf der anderen Seite.

 

Geografie und Lage der Hauptstadt

Burma liegt nordwestlich von Thailand und ist somit nur wenige Flugstunden von Bangkok entfernt. Wir fliegen zur größten Stadt Burmas, nach Rangun. Seit 2006 ist Rangun oder Yangoon, die frühere Bezeichnung, nicht mehr Hauptstadt dieses Landes. Nun ist Naypyidam, Heimstadt der Könige und offizielle Regierungs- und Hauptstadt von Burma. Es wird über verschiedene Gründe spekuliert. Ein nicht unwesentlicher Grund ist, dass in Rangun, der ehemaligen Hauptstadt und Stadt mit den meisten Einwohnern, viele Demonstrationen und Proteste gegen die Militärgegierung statt finden. Rangun ist kulturelle Hauptstadt Burmas und durch die Schwedagon-Pagoda das Zentrum des Buddhismus und des religiösen Widerstandes. Durch die Umsiedlung ins Landesinnere, zu einer Stadt, welche ca. 320 km von Rangun entfernt ist, grenzt die Hauptstadt samt ihrer Regierung somit auch nicht mehr an das offene Meer an. Es ist anzunehmen, dass dies der zweite mögliche Grund für den Ortswechsel ist, und dass die Militärregierung aus Angst vor feindlichen internationalen Übergriffen vom Meer aus, hier in Naypyidam sein Quartier bezogen hat.

 

Myint und Esther

Trotzdem bleibt Rangun für uns die inoffizielle Hauptstadt, eine Stadt in der wir insgesamt 12 Tage leben werden. Wir leben aber nicht irgendwo, sondern, und nun kommen wir zu einer faszinierenden Geschichte, bei Freunden von meinen (Tobi) Großeltern. Wir wohnen bei Myint und Esther in ihrem Haus bzw. in dem früheren Haus ihrer Tochter, welche momentan in Wien lebt. Sie ist ebenfalls Reisefachfrau wie einst Esther in ihrer aktiven Zeit. Nun ist Esther für uns unsere inoffizielle Reiselektüre. Myint, ehemaliger Chemiker hat genau wie Esther in Halle/Saale (bzw. Leipzig) in Deutschland, in meiner Heimatstadt studiert. Dies ist aufgrund der Vorgeschichte dieses Landes keine Normalität. Das heißt, dass nicht jeder reisen und studieren kann wie er will. Dafür müssen Anträge und Genehmigungen eingeholt werden bzw. eine Einladung des besuchten Landes erfolgen, damit es zu dieser Möglichkeit kommt. Außerdem braucht man dafür auch ein gewissen Kapital bzw. jegliche Art von Unterstützung. Zu diesem Zeitpunkt, irgendwann in den 60er Jahren kannten sich beide aber noch gar nicht und bekamen beide, unabhängig voneinander, ein Stipendium zum Studieren und Arbeiten in Deutschland, damals noch im Osten. Schlussendlich lernten sie sich dann in Halle kennen und lieben: Zwei Burmesen in Deutschland. :-) Myint und Esther sind, wie meine Eltern und Großeltern, Christen und so entsteht auch die Verbindung und zwar in der Gemeinde in Halle/Saale. Durch die jahrelange Kontaktpflege (um die 30 Jahre nun), wahrscheinlich einem angeborenen Talent unseres Hauses, kommt es schließlich dazu, dass wir die Beiden nun hier besuchen.

 

Ankunft

Myint und seine beiden Enkelkinder, Andrew und Alvin, holen uns am Flughafen ab. Das muss man sich nun wie folgt vorstellen:

Da ich, Tobi, keine wirkliche Erinnerung an unsere burmesischen Freunde hatte, obwohl Myint zwischenzeitlich nochmal in Deutschland war, wusste ich auch nicht, wer uns nun erwarten würde. Die Spekulationen liefen weite Wege und mögliche Volltreffer hatte ich schon durch die Glasscheiben der draußen Wartenden inspiziert. Aber es kam anders und Myint wartete mit seinen süßen Enkelkindern schon mit einem angefertigten Schild, wo unsere Namen drauf standen, in der Empfangshalle des größten Flughafens des Landes auf uns.

 

Nachdem wir uns herzlichst begrüßt haben, was schon als gutes Vorzeichen für die nächsten Tag dient, fahren wir durch den Torbogen Yangoons zu dem Haus, welches wir die nächsten Tage bewohnen werden. Dieses Haus liegt im Außenring 10 der Stadt, ungefähr eine halbe Stunde vom Zentrum entfernt. In einer Seitenstraße, vorbei an einem kleinen buddhistischen Tempel, erreichen wir dieses Anwesen, welches zwischen zahlreichen Bäumen seinen Platz gefunden hat. Dort begrüßen wir auch Esther, Myint´s Frau, welche wir heute zum ersten Mal treffen und kennenlernen. Zugleich lernen wir auch noch Peter kennen, quasi den Fachmann vom Dienst, welcher gerade den Fernseher repariert, was ganz wichtig ist, da heute die Nobelpreisrede von Aung Sang Suu Kyi übertragen wird, aber dazu später mehr.

Nachdem wir unsere Sachen abgelegt und uns bei Myint und Esther ein wenig erholt haben, fahren wir zu einem einheimischen Restaurant und erleben zum ersten Mal die burmesische Küche. Reis mit Curry, das Nationalgericht Burmas und seeeeeeeeeeeehr lecker. Dieses traditionelle Gericht soll uns für die nächsten 24 Tage begleiten, positiv, wie auch negativ.

Wie es der Zufall so will, ist heute auch der Geburtstag von Tobi´s Mutter. Das bedeutet, dass wir heute noch Internet brauchen. Gott sei Dank gibt es Internetcafés auch hier in Burma. Zwar noch nicht seit allzu langer Zeit, aber immerhin, wobei dies noch unter erheblichen Einschränkungen nutzbar ist. Ein stabiles Netz ermöglicht es uns aber heute, dass wir hier in Burma ein deutsches Geburtstagsständchen trällern können. Nach diesem ersten musikalischen Highlight sind wir dann auch bereit für eine Erholung. Gute Nacht, Burma.

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