6 Stunden bleiben uns noch

Mit erheblicher Verspätung treffen wir uns mit Sandra und Fabian. Nachdem wir unser Geldproblem gelöst haben, frühstücken wir entspannt und unterhalten uns über das Reisen bzw. über deren Pläne für Australien. Wir wünschen Euch Viel Erfolg in Melbourne und viel Spaß beim "fest" einleben und sich "zu Hause" fühlen! Es ist absolut genial, Euch getroffen zu haben, auch wenn wir nicht die Zeit hatten, wie wir sie mit dem Wissen vorher, Euch zu treffen, organisiert hätten. Aber wenn wir uns schon spontan in Bangkok treffen, mal so nebenbei, dann sehen wir uns definitiv in Melbourne wieder. :-)

 

Der Große Palast

Auf dem Weg zum "Großen Palast" kommen wir noch an einem Maßschneider vorbei und dort lassen wir uns noch schnell drei Hemden für Tobi und eine Hose für Caro maßchneidern. Diese werden uns dann schlussendlich fünf Wochen später nach Australien geschickt. Tolle Klamotten, welche uns nicht sofort als Backpacker entlarven. Somit laufen wir auch ein wenig zivilisierter in einem Land herum, wo wir stolze zwei jahre bleiben wollen. So weit ist es aber noch lange nicht, denn wir befassen uns bekanntlich mit der Gegewart. Was vielleicht kommen mag, liegt in den Sternen und mit denen wollen wir uns nicht anlegen. Allerdings legen wir uns nun mit unseren Beinen an, denn unser Zeit-Management ist durch den Maßschneider erstaunlich komprimiert worden und somit rennen wir zum Palast. Ihr wisst schon, der „Große Palast“ der uns am ersten Tag so beeindruckend angestrahlt hat. Dort angekommen, ist es eine besondere Pflicht, sich angemessen zu kleiden. Wir, als Unwissende, tappen genau in diese Falle, aber zum Glück wird uns bzw. Caro mit einem speziellen Wickelrock, welchen man ausleihen kann, ausgeholfen. Bedeckte Beine bzw. bedeckte Schultern, sowie generell keine freizügliche Kleidung ist hier die Devise. Vollstens ausgestattet schreiten wir mit zahlreichen weiteren Schaulustigen auf den Wegen durch den Palast, der wirklich zurecht den Beinamen "Großer" verdient hat, denn hier gibt es allerhand zu sehen. Insgesamt gibt es hier 100 Gebäude und diese sogar teilweise in unterschiedlichen architektonischen Stilen. Wir haben euch am ersten Tag, von der monströsen Mauer erzählt, die den Palast hier schützend bewacht. Diese Mauer ist genau 1,9 Kilometer lang. Dies nicht ohne Grund, also schützend, denn hier, in diesem Palast, befindet sich die bedeutendste Sehenswürdigkeit Thailands, der „Smaragd Buddha“. Somit eine bedeutende Pilgerstätte auch für die Buddhisten unter den Thailändern. Dieser Buddha befindet sich im Wat Phra Kaeo Tempel, welcher dann auch einleuchtend übersetzt "Tempel des Smaragd Buddhas" bedeutet. Generell muss man sagen, hier tempelt es sehr oder auch hier stupad es sehr. Zahlreiche Stupas, also Dagobas, also zackige wichtige Gebäude des Buddhismus, auch genannt Pagodas. Nun, diese buddhistischen Pagodas, welche sich schon voll integriert haben in unser Fachwissen über den Buddhismus und welche wir schon in unzähligen Größen, Farben und Formen bewundert haben wurden hier noch vergoldet und somit extravagant erbaut. Die weiteren Gebäude, wie die Thronhalle von Phra Thinang Amarin Winichai und die von Phra Thinang Dusit Maha Prasat, der Chakri Palast (Königspalast), sowie die Akademie der Schönen Künste sind stark beeindruckend. Demzufolge ist der Große Palast nicht nur für uns ein Palast der "Ersten Klasse", sondern auch im kulturellen thailändischem Sinne. Dieser Palast war vom 18. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts das Quartier der Könige des alten Thailands (Siam). Das Gütesiegel "Erste Klasse" erhält jedes Gebäude/Gelände, welches von einen König erbaut oder renoviert wurde bzw. mehr als 100 Jahre alt ist. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist ein Chedi, mit einer buddhistischen Reliquie. Wie ihr schon wißt ist dies hier der heilige "Smaragd Buddhas".

Der Phu Khao Thong (Wat Saket), also der Tempel des Goldenen Berges, wo wir einige Tage vorher waren, also dieser mit seinen 318 Stufen und seiner bombastischen Aussicht ist ein Beispiel für einen Tempel der "Zweiten Klasse" (entweder wurde dieser von königlichen Kindern oder von einem Adligen erbaut).

Dieser riesige Palast war trotz der verkürzten Zeit ein absolutes Highlight. Es funkelte, man staunte und es faszinierte überall wo man hinschaute. Dies war somit ein krönender Abschluss einer königlichen Zeit hier in Bangkok. 

Danach geht es wieder zurück zur Khao San Road und von da aus zur Post, denn wir müssen wieder einmal unser Gepäck reduzieren, denn Souvenire und Geschenke bleiben vor uns nicht sicher und somit ist das Paket auch stolze 5 kg schwer. Voll happy, das wir das Paket gerade noch so verschicken können, fahren wir auch schon mit dem organisierten Bus, welcher uns am Hostel abholt zum Flughafen. Wir haben alles geschafft was wir schaffen wollten, zwar, wie immer, stark unter Zeitdruck und stark desorientiert, aber wir haben es geschafft und wir werden in 2 Stunden, mit ausreichend Geld, nach Myanmar fliegen. Adios, Bangkok! Ein Geschenk auf unserer Reise, ein Genuss pur und eine verdammt tolle, spannende und interessante Zeit. Fünf Tage vollgestopft mit Kultur, Spiel, Spaß und jeder Menge Spannung. Absolut fabelhaft.

0 Kommentare

Oh-mein-Gott

Heute ist der Tag, an dem wir unser Visum für Myanmar und die neue Jacke abholen. Das Ganze machen wir getrennt voneinander und so holt Caro das Visum ab und ich die Jacke. Wir sind auf dem Weg zur Anlegestelle, denn Caro fährt diesmal in die andere Richtung zur Botschaft und ich laufe zu Ram-Fashion. Bereits in einem Tuk Tuk sitzend, werden wir mit einem lauten Geschrei aus unseren Gedanken gerissen: „Tobi!Tobi! Caroooo! Carooooooooo!“ - Wir trauen unseren Augen kaum, denn die Schreie kommen von Sandra, unserer Bekanntschaft aus Nepal, aus Pokhara, also, von vor einem halben Jahr. Nun treffen wir sie hier wieder, in den Straßen Bangkoks. Schicksal, würde man das wohl nennen. Völlig geplättet schnatteren wir alle wild drauf los. Die Beiden kommen gerade aus Myanmar, wo genau wir morgen hinfliegen werden. Fabian hat ein Job-Angebot von seiner alten Firma für Australien bekommen und startet bald. Die Beiden werden also für die nächsten zwei Jahre in Melbourne leben. Beide sind total happy über ihre Entwicklung und wir freuen uns mit ihnen. Aufgrund des heutigen Programms, verabreden wir uns für morgen zum Frühstück an gleicher Ort und Stelle. Danach winke ich Caro und dem Boot zum Abschied hinterher und mache mich auf, zur Kashmirjacke. Dort angekommen, ziehe ich förmlich meine Nummer, denn das Geschäft ist ja schon abgewickelt und somit wir mir keine größere Beachtung mehr geschenkt. Die Jacke sitzt wie vom Maßschneider :) und sieht echt dufte aus. Total happy ist mir die entgegenkommende Gleichgültigkeit auch wurscht und ich verpisse mich wieder. Mit einem Strahlen geht es sogar mit dem Tuk-Tuk wieder zurück. Daraufhin muss gefeiert werden. Zwei Stunden später kommt dann auch Caro zurück.

 

Bekloppt

Wie wir von Saskia und Fabian erfahren, gibt es in Myanmar keine Bankautomaten für Touristen. Das ist kein Witz, man kann quasi in Myanmar kein Geld abheben, nur mitgebrachtes ausländisches Geld umtauschen. Das heißt, man sollte ausreichend Geld mitnehmen. Durch Fabian bekommen wir einen realistischen Betrag genannt: Ca. 1200 Euro für drei Wochen und zwei Personen. Damit haben wir einen guten Anhaltspunkt, besser als die Informationen aus dem Web, denn die sind erschreckend. Dort wird angegeben, dass man mindestens 700 Euro pro Woche für zwei Personen braucht. Dies würde unser Budget sprengen, aber nun, durch die frischen Zahlen, sind wir erleichtert. Das einzige Problem ist nur: Wir haben nicht genug Geld auf unserem Konto, auf das wir von Bangkok aus Zugang haben. Vielleicht gerade mal die Hälfte ist drauf und das Überweisen dauert zu lange, da wir das Geld schon am nächsten Tag brauchen. Zudem ist Caro der Annahme, dass wir gar nicht soviel Geld von einem thailändischen Automaten abheben könnten. Also brauchen wir eine Menge Bargeld auf die Schnelle. Aber wo bekommt man diese Menge Geld her? Noch dazu von einem Tag auf den anderen? Sandra und Fabian können uns auch nicht soviel vorstrecken und somit müssen wir Freunde fragen. Die haben aber auch nicht soviel parat, also müssen unsere Eltern her. Die einzige Variante das Geld am nächsten Morgen zu bekommen, ist mit Western Union. Diese erheben allerdings unglaubliche Gebühren und irgendwie glauben wir fest daran, dass es doch auch noch eine andere Möglichkeit geben muss. Diese Ganze Aktion, zwischen Rumtelefonieren von Thailand nach Deutschland, skypen und warten auf Reaktionen, dauert fünf Stunden und kostet einige Nerven. Nicht nur unsere, sondern auch größtenteils die unserer Eltern, ganz nach demMotto: „Die Kinder lernen es nie, einen Tag vor der Angst mit irgendwelchen Problemen anzutanzen...“. Aber so verrückt wie es klingt, die Antwort ist am Ende so einfach. Sandra und Fabian meinen am nächsten Morgen, warum wir nicht einfach ins Minus gehen, denn wir haben doch bis zu 1000 Euro Dispotkredit. Somit könnten wir einfach das Geld am Automaten abheben. Caro geht, noch mit dem Gedanken, dass dies nicht funktionieren würde, zum nächsten ATM und siehe da: Alles funktioniert ohne Probleme und wir haben nun 1200 Euro in der Hand. So schnell kommt Kummer und so schnell kann er auch wieder gehen. Zum Glück geht alles gut, wie vorher gedacht. Der Gedanke, die optimale Lösung muss es geben, wurde nun umgesetzt. Ende gut, alles gut.

 

Thailerika

Zwischen dem ganzen Stress, finden wir zum Glück noch Zeit, uns mit Kate und Touch zu treffen. Die beiden Thailänder bzw. sie, halbe Amrikanerin, welche wir auf dem Markt kennengelernt hatten, sind so süß und freundlich. Bei ihnen angekommen, setzen wir uns mit an deren Stand, wo sie wertvolle Uhren, Münzen und buddhistische Anhänger verkaufen. Wir werden mit einem richtig köstlichem Essen verwöhnt und bekommen ein richtig leckeres Eis als Nachspeise. Später kommt auch noch ein Bekannter der "Familie" vorbei, welcher sich als „Menschenheiler“ einen Namen gemacht hat. Er gibt thailändische Massagen und so kommt Caro auch noch in den Genuß einer spannenden Thai-Fuß-Beinmassage. Nach zwei Stunden verabschieden wir uns von den Beiden, nun endgültig, denn morgen fliegen wir schon nach Myanmar. Eine wunderbare und herzige Bekanntschaft mit einer Frau, welche zu jung aussieht um zweifache Mutter und schon 42 zu sein, und ihrem Mann. Wir bekommen noch beide ein Abschiedsgeschenk. Caro einen Talisman und ich eine Kette. Danke, Kate und Touch, Ihr seid spitze! Bis baldigst.

0 Kommentare

Mission Don

„Wat Saket“ oder der „Tempel des goldenen Berges“

Um fünf ging es gestern ins Bett und um neun stehen wir heute wieder auf der Matte, denn wir wollen Bangkok entdecken. Ein, als von uns als tauglich befundener Tuk-Tuk Fahrer entdeckt uns und schon sitzen wir nach seinem verlockendem Angebot im komfortablen Luxus-Tuk-Tuk. Liegend und hockend fahren wir zum ersten Highlight welches sich im gleichen Stadtteil Bangkoks befindet wie die Khao San Road, dem Arannyawasi-Distrikt. Das erste Ziel ist ein Tempel, welcher sich auf einem Berg befindet. Wir freuen uns schon darauf, denn Berge bedeuten immer eine gigantische Aussicht. „Wat Sakae“, so der ursprüngliche Name dieses Tempels wurde unter der Herrschaft König Rama I., dessen Asche hier aufbewahrt wird, ein wichtiger Tempel. Nicht nur seine Überbleibsel sind hier zu finden, sondern auch Reliquien von Buddhas Lebzeiten aus Indien in der großen Pagoda, welche auf dem "Golden Mount" (Phu Khao Thong), dem goldenen heiligen Berg zu finden ist. Dieser Tempel mit einer Gesamthöhe von 40 Metern ragt somit überwältigend über diese für uns immer noch heilige Stadt, Bangkoks. Wir genießen den Aufstieg, vorbei an einer riesigen Buddha-Statue und einem riesigen Gong, welcher dreimal schlagend Glück bringen soll. Auch wir suchen weiter nach unserem Glück und schlagen kraftvoll und erfolgreich klingend dreimal diesen "Doooong". Der Überblick über diese Stadt ist herrlich und somit entstehen hier auch einige Bilder welche diesen Eindruck wiedergeben sollen, denn auf dem Dach dieses Tempels hat man zugleich einen 360° Weitwinkelblick über diese Metropole. Hier steht auch die 14 Meter Höhe die goldene Pagoda und bildet somit zugleich den krönenden Abschluß dieser Besteigung. Vergoldet wird diese durch gläubige Buddhisten, welche Blattgold als Opfergabe an dieser Pagoda anbringen.

 

Eingekleidet

Wieder bei Don, unserem Tuk-Tuk-Mann, angekommen, geht die Fahrt weiter, immer in der Hoffnung weitere spekatukläre Gebäude dieses Ausmaßes zu sehen. Wir werden auch nicht enttäuscht, aber trotzdem kommen wir auch in den Genuß des Tourismus-Teils, des eigentlichen Plans von Dons, denn dies ist sein Lebensunterhalt. Er karrt Touristen zu Geschäften um dadurch eine Provision zu erhalten. Dies erzählt er uns alles während der Fahrt und somit sind wir auch darauf gefasst, mal schnell einen Blick in ein Geschäft zu werfen, damit er seinen Anteil bekommt. Neben der finanziellen Provision bekommt er auch Tankgutscheine, welche er nutzt um uns durch die Stadt zu fahren und deswegen ist diese Fahrt auch eigentlich umsonst. Somit haben wir alle was von diesem Vorhaben.

Also, wir kommen im ersten Geschäft an, dem „Ram-Fashion“ und dort verbringen wir anstatt geplanter fünf Minuten, mehr als 60 Minuten. Dort ist es wo ich mir, Tobias, eine naßgeschneiderte Jacke aus Kashmir und ein Hemd aus Seide anfertigen lasse. Eine Freude und ein Anblick der seines Gleichen sucht :-)! Der Preis erfreut beide Seiten und somit schlage ich zu, bei dieser eleganten und doch sportlich, grauen Kashmirjacke. Der Kauf wird sofort mit Hilfe der Kreditkarte abgewickelt, damit diese Kurzschlußaktion nicht doch noch in Vernunft übersiedelt; so zumindest die Denkweise der sehr charmanten Verkäufer. In der Tat tragen die Verkäufer natürlich einen nicht ganz unwesentlichen Teil zum Kauf bei, aber hier, in meinem Fall, doch einen sehr geringen, da ich mit der Ahnung, was uns erwarten würde, ganz bewusst diese Jacke anfertigen lasse. Was aber sehr geil am Verkauf selbst ist, ist, dass wir gratis Getränke bekommen. Neben einer riesigen Auswahl an leckeren Erfrischungsgetränken gibt es, wie es sich anscheinend für Thailand gehört, auch Bier im Angebot. Somit haben wir alle, also auch Caro, Hannah und vor allem Clémont, als Wartende, einen guten Zeitvertreib. Danach schwebe nicht nur ich als Käufer, u.a. aufgrund meiner neuen Jacke, im siebten Himmel, sondern auch die anderen. Als unserer Fahrer Don von der transferierten Summe von 120 Euro erfährt kann er seinen Ohren kaum glauen. Für mich eine tolle Summe und vor allem eine richtig geile Jacke.

 

Mittagspause

Weiter geht die Fahrt mit einigen mitgenommenen Bierchen durch die Straßen Bangkoks nun zu einer Mittagspause. Das Bild, das wir abgeben, spiegelt Faszination pur wider: Zwei Kerle in einem Tuk-Tuk liegend, zu Füßen ihre Weiber und jeder mit einem Bier in der Hand, was braucht man mehr. Somit könnt ihr euch auch die Gaudi ausmalen die wir alle zusammen am heutigen Tag haben. Wir haben Hunger und Don bringt uns zu einem Ort. Dieses Restaurant entspricht aber nicht unserem Geschmack. Wahrscheinlich noch immer beglückt durch die zuvor ergatterte Provision, denkt Don, dass es nun so weiter geht, aber auch wenn Don dafür einige Prozente einkassieren könnte, wollen wir nicht hier Essen. Also, weiter, zu einem anderen Restaurant. Vor dem Essen, sollen wir aber nochmals bei einem anderen Stardesigner vorbeischauen, so seine schnelle Überlegung. Dieser Laden entpuppt sich aber als, für Backpacker, ungeeignet. Wer nach Backpacker aussieht, hat auch kein Moos, um hier in diesem Geschäft etwas zu kaufen. Dies denken sich zumindest die Verkäufer und somit geben sie uns schnell zu verstehen, dass wir doch wieder gehen sollten. Sogar sehr unfreundlich und deshalb bin ich dann auch sehr froh, bei Ram-Fashion etwas gefunden zu haben. Vor diesem Geschäft der Unfreundlichkeit gibt es jedoch einen lecker aussehenden Straßenstand und so essen wir dann auch leckere Fleischschaschlicks und gegrilltes Gemüse.

 

Fahrerflucht

Danach geht es weiter zu einer Schmuckhochburg. Etwas gelangweilt, weil wir an sich doch gerne mehr Sehenswürdigkeiten anschauen wollen, geht dies auch schnell über die Bühne, wobei die klitzernden Diamanten einen doch schon faszinieren können vor allem wenn sie in Massen zu sehen sind. Wir schauen den Goldschmieden live bei der Arbeit zu und verfolgen gespannt noch einige Anfertigungssequenzenen, bevor wir dann zu einem weiteren Tempel fahren, dem „Wat Benchamabophit“. Im Anschluß geht es zum Nationalmuseum. Irgendwie haben wir alle keine Lust mehr, zu dieser Tageszeit durch ein Museum zu latschen, noch dazu schon mit einigen Bierchen intus. Trotzdem will Don uns dorthin schaffen, den Grund erfahren wir aber erst später und so willigen wir ein, dass wir uns dann in einer halben Stunde, spätestens, wieder sehen. Alles klaro, war seine Antwort. Also gings los, zu einem historischen Anwesen. Eine riesige Villa, welches das Museum beherbergt und drumherum ein riesiger, toll gepflegter Park. Nun, genug gesehen, also geht es wieder zurück. Nur, Don ist so schnell verschwunden, wie er aufgetaucht ist. Ein Geist in Bangkoks Tuk-Tuk Imperium, denn auch zwei Tage danach, haben wir ihn nicht mehr am Fundort gesichtet. Na Jut Don, so ein Abschiedsgruß wäre wirklich schön gewesen, aber was will man erwarten. Die Fahrt war trotzdem richtig cool und wir hatten unseren Spaß mit dir. Nun stehen wir halt immer noch vor dem Nationalmuseum und die Tatsache, dass Don sich wirklich verpisst hat, will uns nicht so richtig in den Kopf gehen; aber so ist es dann. Wahrscheinlich fährt er schon wieder mit den nächsten Touristen durch die Gegend auf der Suche nach den Provisionen. Also schnappen wir uns das nächste Tuk-Tuk, zurück zur Partyblase.

 

Partyblase

Party rund um die Uhr, Bikininixen ohne Meer, Tätowierobjekte mit jeder Menge Bier und Alk. Richtig geile Männer, richtig geile Schnitten, richtig freakige Freaks, die Omma macht auf jung und weitere wilde Kreaturen mehr sind hier zu finden. Die Sonnenbrandopfer oder die Baldung T-Shirt Träger, die Haarsträhnenperlenschmuckverschönerer, die Ray-Ban Coolios. Die Khao San Road, ein Laufsteg der Vernunftsblinden, der Außerirdischen, die von zu Hause wegfliegen, um hier einen drauf zu machen. Manchmal richtig geil, aber die Grenze des Machbaren ist bei uns begrenzt, oder sind wir einfach nur langweilig? Eine Frage, die uns häufiger trifft, nicht nur hier, sondern vielmehr in Australien. Alkohol als Teil der Partylaune. Wer nichts trinkt, also im Übermaß, ist out. Genuß ist out. Saufen bis die Birne glüht ist „In“ und „voooooll cool“. Deswegen schlüpfen wir auch gerade durch die Massen, um später wieder auf unseren geliebten Nachtmarkt zu geben. Zusammen mit Hannah und Clémont geht es auf die Suche nach Kate und Touch, aber heute werden wir sie nicht sehen, vielmehr morgen.

Wir schlendern wieder durch den Markt und sind fasziniert vom Kaffeemann. Dieser schäumt den Kaffee im 180° Winkel über seinem Kopf auf, indem er den Kaffee schwungvoll von der einen Kanne in die andere und von der einen Seite zu der anderen Seite schüttet. Ein Grund gleich zweimal dort einen Kaffee zu bestellen. Einfach lecker, generell, wie schon erwähnt, trinken wir mehr als dreimal pro Tag, pro Person, hier, in dieser Stadt, einen Kaffee. Die Kaffeeabstinenz haben wir hier definitiv gestillt und der Kaffeegenuß hat uns gepackt. Es geht weiter. An einem fahrbaren Stand kosten wir kleine frittierte Insekten, Käfer und Maden, das ist doch eine Delikatesse hier in Asien, doch für uns eher komisch und mehr eklig als köstlich. Aber einen Versuch ist es wert.

Wir finden tolle Kleinigkeiten für uns, wie neue tolle Schuhe, einige Souvenirs und Geschenke für Freunde. So vergeht die Zeit bis wir schließlich wieder im Hostel ankommen und in unseren verdienten Schlaf fallen.

0 Kommentare

Heute ist Mittwoch

Dieser Wochentag heißt für uns heute zwar auch früh aufstehen, aber nicht weil wir, wie die meisten es machen müssen oder wollen, um zur Arbeit zu gehen, sondern wir gehen zur Botschaft von Myanmar. In fünf Tagen fliegen wir in dieses Land. Der Flug ist schon gebucht, nur das Visum noch nicht organisiert, aber das steht heute auf dem Programm. Mit dem Taxi geht es zur Botschaft oder zumindest in diese Richtung, denn, ist man einmal außerhalb der Partystraße und seinem, zu Fuß begehbaren faszinierendem Viertel drumherum, kommt man leicht ins Grübeln und Stauen zugleich, wenn man sich nun im richtigen Bangkok aufhält. Von drei Stockwerken auf 60 ist allein schon eine beachtliche Steigerung, aber auch die Straßenverhältnisse sind anders. Als normal kann man das noch bezeichnen, aber nach Indien, Sri Lanka und den Ländern zuvor, trotzdem extrem europäisch. Fußgängerbrücken über vierspurigen, innerstädtischen Schnellstraßen. Brücken für Fußgänger, um sie über stark befahrene Kreuzungen zu lotsen. Hoch, wie nun seit Monaten nicht mehr, sind wir auf der Suche nach der Botschaft. Für das Auffinden der Botschaft auf einer der endlos langen Straßen, sind Hausnummern zwar Anhaltspunkte, aber keine Garantie für den Erfolg. Ums kurz zu machen, der Taxifahrer hat keinen Plan, wo die Botschaft bzw. die Hausnummern sind und um uns die Irrfahrt durch beachtlichen finanziellen Aufwand zu ersparen, laufen wir zu Fuß weiter und stehen nun auf einer dieser vierpoligen Brücken, welche den Autofahrern, fußgängerfreie Fahrt gewähren. Jetzt schon allein hoch genug, schaut man noch weiter hinauf und kann die Hochhäuser bewundern. Dieses Viertel Bangkoks ist eine Welt der Hochhäuser. Magie der Spiegelungen und der Glasbaukunst. Magie ist die eine Seite der Medaille, wenn man diese aber umdreht, ist die Luftverschmutzung tief darin eingemeißelt. Da diese Hochhäuser nun hier stehen, gibt es zusätzlich noch einen drauf, zu der ohnehin massiven Luftverschmutzung durch die unzähligen Autofahrer, denn somit kann keine Ventilation mehr gewährleistet werden.

Wir marschieren weiter und entdecken einen Dreh für einen Videoclip und sind richtig fasziniert von der Dynamik dieser Stadt. Hier wird alt mit jung verknüpft. Zu sehen an den Menschen und zu sehen an und in der Stadt. Nach einer halben Stunde sind wir auf der anderen Seite der Straße angelangt und kaufen uns einen Kaffee von einem fahrbaren Straßenhändler. Ein Kaffee, welcher das Prädikat „genial“ verdient hat. Die vielen Straßenhändler mit ihren tollen Gerichten bereichern uns nun um ein leckeres Sandwich. Essen von der Straße, eine verloren geglaubte Liebe erlebt hier nun für die nächsten Tage wieder ein Comeback. Die Kunden sind keine armen Schlucker, die sich mit ihrem letzten Klimpergeld ihre einzige Mahlzeit des Tages kaufen, sondern Anzugträger vom Maßschneider. Einfache, aber doch so praktikabel erbaute Feinschmeckerwägen liefern uns die Köstlichkeiten. Erbaut für das Volk, denn die Thailänder bilden ein Volk, das gemeinschaftlich isst. Und wo ist die Gemeinschaft am Größten? Auf der Straße, mitten im Volk. Vom Videoclip auf der Fußgängerbrücke und dem schon ausgeschlürften Kaffee geht es weiter Richtung Norden. Wir werden fündig, nach zwei Stunden. Hier gewöhnen wir uns schnell eine neue Zeitrechnung an, die uns für die nächsten Tage prägen wird. Zeit ist relativ, besonders bei diesen Ausmaßen. Wie einst in Peking, nun auch hier, aber besonders hier mit einem massiven Verkehrsproblem und keiner Ausweichmöglichkeit ist es schwer, etwas in einer Stunde mal eben so schnell zu erledigen.

 

Ein imposanter Versuch

Nun an der Botschaft angekommen, werden wir von einer sympathischen Frau gleich an den Türen zur Botschaft aubgefangen. Sie steht draußen auf der Straße vor der Botschaft und meint, sie arbeite hier für die Botschaft. Wunderbar, denn wir brauchen ein Visum für Myanmar und wenn das die schnellste Variante ist, nehmen wir sie auch gerne an. Das muss man sich einmal genauer vorstellen, denn das wäre wie wenn man bei der Bundesagentur für Arbeit eine Mitarbeiterin direkt vor der Tür auffinden würde, welche sich sofort um einen kümmert. Ohne Zettelchen ziehen und ganz ohne Mitglied der Fußbodengucker zu werden, welche sich stets gepeinigt abwenden. Sofort und persönlich vor der Haustür, ohne Suche nach dem Wo, Wann und vor allen Dingen, Wem. Wie könnte es also besser sein? Es wird sogar noch persönlicher, denn wir tauschen mit ihr die Handynummern aus, denn wir brauchen noch Passfotos und wenn diese fertig geschossen sind, sollen wir sie anrufen und das Visum wäre zacki-zacki fertig. Der Wahnsinn auf Bangkoks burmesischen Straßen. Wir händigen ihr unsere Reisepässe aus, denn die braucht sie, um schon die ganze Bearbeitung einzuleiten und wir machen uns, überwältigt von so viel Zuvorkommen, auf den Weg zum Fotomann.

Dort angekommen erleben wir schon wieder die pure Freude, denn wir stehen im gefühlten Vorzimmer. Alles wird irgendwie reingepresst. Also eine Art Fruchtsaftpresse. Drucker, Kopierer, Passfotos und zahlreiche weitere Angebote, gepresst in einem Raum, also in nur einer Presse. Herrlich. Nun vor einer grauen, eigentlich weiß angedachten Wand, wird ein Viererfoto mit einer Kamera von vor hundert Jahren gemacht. Ein Bild für das Familienalbum, denn so, wie die Wand, ist auch die Qualität des Bildes: Eine wahre Augenweide. Ideal, denn zwei Bilder sind für das Visum und die anderen zwei fürs Fotoalbum. Diese Bilder sind eigentlich ein Negativbeispiel für die schönen biometrischen Vorgaben, denn sie zeigen deutlich, wie ein Bild nicht aussehen sollte. Das Einzige was auf unserem Bild fehlt, ist der rote Balken für: „So nicht“.

Während unsere Passbilder noch bearbeitet werden, füllen wir noch nebenbei unsere Visanträge aus. - Hä? - Moment mal. Bis uns klar wird, dass wir wirklich gerade einfach das Visum ausfüllen, wird uns auch klar, was fehlt. Unsere Reisepässe. Diese sind Teil des auszufüllenden Fragebogens, aber da wir sie zuvor der Frau von der Botschaft ausgehändigt haben, können wir mit der Beantragung auch nicht wirklich fortfahren. Nachdem wir uns mit dem Fotomann ausgetauscht haben, wie das Ganze denn normalerweise von Statten geht, wird uns auch klar, dass die Variante, der eigenhändigen Visumsbeantragung erheblich, aber auch wirklich erheblich günstiger ist. Auf dem Rückweg zur Botschaft telefonieren wir auch schon mit der gewissen Dame und kündigen an, dass wir unterwegs sind. Wenige Minuten später treffen wir sie wieder vor den Türen der burmesischen Botschaft. Dort wollen wir nochmal genau wissen, wie ihre Summe denn zustande kommt und ihre göttliche Antwort ist folgende: „12.000 Baht für das Visum und 10.000 Baht für meinen Aufwand“. Die Freude in unseren Gesichtern muss ebenso göttlich sein als wir diesen ganzen Trick nun auch verstehen...

Übrigens, wir haben im Anschluss das Visum in einer sagenhaften Stunde ausgefüllt und bearbeiten lassen. Die Bearbeitung fand in einem separaten Bereich statt. Die Wartezeit betrug unamtliche fünf Minuten. Die einzige Antwort von der Frau hinter dem Schalter war, dass wir am Freitag unsere Pässe mit dem Visum abholen könnten. Im Ganzen brauchten wir nur 1,5 Stunden für das Visum, kürzer als die Fahrt und die Suche zur Botschaft selbst. Fanastisch gut!

Richtig happy über diese niemals geglaubte Schnelligkeit geht es wieder zurück. Auf dem Weg verdrücken wir noch schnell einen tollen „Broiler“ (für die, die nicht wissen was das ist: Ein Brathähnchen, auch „Gockerl“ genannt). Caro muss noch zum Zahnarzt, denn sie hat ein Loch. Die Suche dauert zwar eine Weile, denn Passanten befragen verspricht keinen garantierten Erfolg, aber dadurch besuchen wir noch einen weiteren Markt. Das Loch wird schlussendlich gefixt und nun kann Caro auch wieder naschen, wie es sich für eine Naschkatze gehört.

 

Auf dem Chao Phraya

Mit dem Taxi geht es wieder zurück. Wir stecken im gewohnten Stau und der tolle Taximann bringt uns zum Chao Phraya, dem Fluß Bangkoks. Mit einer Fähre, so meint er, wäre es die schnellste und beste Variante in Bangkok von A nach B zu kommen. Mit diesem neuen, fabelhaften Wissen setzt er uns in der Nähe der Anlegestelle ab. Dort angekommen sehe ich, Tobi, schon ein paar Thailänder Fußball kicken. Zwei provisorische Tore aus Sporttaschen errichtet und schon steht das Fußballfeld. Zur seitlichen Abgrenzung dienen der Abwasserkanal zur Rechten und die parkenden Feuerwehrautos zur Linken. Eine Stunde später, vollkommen durchgeschwitzt, bin ich wieder in altbekannter Höchstform im asiatischen Land. Als „Tobias Ballack“ bin ich nun der deutsche Fußballstar am Ufer des Chao Phraya. Nun stellt sich wahrscheinlich jeder die Frage, was denn Caro in der Zwischenzeit getrieben hat. Nun, an der Stelle sollte man sagen, sie hatte wohl die bessere sportliche und abenteuerliche Belastung von uns Beiden. Denn während ich mit einigen Feuerwehrmännern kickte, machten andere Trockenübungen und Caro war mittendrin, statt nur dabei. Die Trockenübung bestand darin, sich vom Feuerwehrauto aus zum Haus an einem Drahtseil hinüberzuhangeln. Das Ganze bei leicht aufsteigendem Seil in einer Höhe von ca. 8 Metern. Gut gesichert, hangelte sie sich wie ein kleiner Klammeraffe vor. Der Anfang verlief noch ganz flink, doch gegen Ende hin ließ sie stark nach. Um es auf den Punkt zu bringen: Als Feuerwehrfrau hätte sie glatt versagt, denn bis sie den Fenstersims erreicht hatte, wäre das Haus in der Zwischenzeit abgebrannt, ausgeräuchert und in Schutt und Asche zerfallen. (Naja, ganz so schlimm war es dann auch wieder nicht.) ;-) Doch es war eine der anstrengensten Aufgaben, die Caro jemals absolvieren musste und auch noch zwei Tage später, sollte sie vom Muskelkater in ihren Bauchmuskeln gefoltert werden.

 

Mittlerweile oberkörperfrei, denn das T-Shirt ist so naß, wie der Fluss, geht es zur Bootsanlegestelle. Das Boot kommt innerhalb von 10 Minuten und dank frischem Wind sehen wir auch wieder erfrischt aus. Der Panoramablick der uns nun in der nächsten halben Stunde vom Boot aus in seinen Bann zieht, ist einfach nur schön. Mitten in Bangkok, auf einer Fähre, schippern wir der untergehenden Sonne entgegen und betrachten die Wolkenkratzer und Tempel mit goldenen Dächern als Kulisse. Mehr braucht man nicht mehr zu sagen.

 

Abendprogramm

Angekommen, brauchen wir erstmal was zu essen und nicht all zu weit von der Khao San Road entfernt, werden wir fündig. Dort am übergroßen bildlichen Speiseplan lernen wir Hanna und Clémont kennen. Zwei Münchner, ebenfalls hungrig und ebenfalls zwei leidenschaftliche Fußballfans, denn heute ist EM. Heute spielt Deutschland gegen Holland und wie kann es nicht besser sein, als sich mit zwei Deutschen dieses Match anzuschauen. Nachdem wir unser Abendbrot verdrückt haben geht es zurück zur Khao San Road. Die Europa-Meisterschaft in Polen und der Ukraine und wir in Bangkok ergibt eine nicht unbedingt so grandiose Kombination. Aufgrund der Zeitverschiebung findet das Spiel heute bei uns nachts um halb zwei statt. Bis dahin haben wir also noch ausreichend Zeit und wenn man Zeit hat und nicht so recht weiß, was zu tun ist, läuft man einfach auf der Khao San Road entlang. Vier Deutsche auf dem Weg, für jeden asiatischen Händler, Verkäufer und Tuk-Tuk-Fahrer ein Geschenk des Himmels, hier in Bangkoks Routine. Meistens ist es mehr ein Versuch dieser, denn die Backpacker bestimmen in der Regel, wo es lang geht, meistens jedenfalls.

 

Wir sind für jede Gaudi zu haben und so ist es auch jetzt. Der Tuk-Tuk-Fahrer, Name unwichtig, bietet uns an, uns für nur 20 Baht, was in etwa 4 Euro entspricht, zu einem Abendprogramm der Kategorie: "Ein Muss“ zu bringen. In der Hand hält Tobi schon, die Aktionskarte, also den Programmablauf für die heutige Veranstaltung. Auf dem Programm steht: Colaflasche öffnen, Zigarette rauchen oder auch Dinge verschwinden lassen, sowie die wohl bekannteste Aktion, Ping Pong spielen. Wir fahren also zum Ping Pong. Nun, für all diejenigen, die nun immer noch Fragezeichen über ihrem Kopf schweben sehen: Dies ist wohl die bekannteste und unappettitlichste Abendunterhaltung in Thailand. Die Unterhaltung für Ausländer.

Schon zu Zeiten des Vietnamkrieges wurde Bangkok als Unterhaltungspäuschen genutzt. Hier boten sich zahlreiche Abwandlungen der sexuellen Lust und diese Lust billig zu haben; und umso billiger, umso grausamer auch der Umgang mit ihr. Billig ist zum Teil auch eklig, denn die Auswahl ist teilweise minderwertige Ware. Ein Leben, bei welchem man keinen anderen Ausweg mehr sieht, ist schrecklich und dieses Schreckliche verbunden mit keiner anderen Wahl, bedeutet Thailand, bedeutet reich gegen bzw. schon wieder mit arm. Belustigung dank der Macht des Geldes. Aus dieser jahrelangen Tradition der Unterhaltung enstand die „Ping Pong-Show“.

 

Die „Ping Pong-Show“

Als wir in diesem schäbigen Hinterhof ankommen, gruselt es uns ein wenig. Hier soll sich dieses Unterhaltungsprogramm für Touristen abspielen? Das Monopol der Ping Pong-Show. Momentan befinden wir uns noch auf dem Parkplatz, der jedoch so unbedeutsam ist wie es der Chef des Hauses noch werden soll. Wenn man sich dies nun als Augenzeuge verinnerlicht, sollte einem schon klar werden, dass es innen drin nicht wesentlich freundlicher ausfallen kann. Und wenn es dort nicht besser aussieht, sind die Akteure ebenso schätzend gering, also, gering im Lohn und somit auch gering im Angebot. Worte welche hart klingen und welche so schmerzhaft sind, dass man sich nicht ausmalen sollte, wie hier die Gelder verteilt werden. Aufgrund dieser Konstellation, und dies ist umso bedeutsamer aufgrund des Gespräches mit dem „Ping Pong-Boss“ (oder wer auch immer er sein möge), vor der Tür dieses ekligen Palastes, ließ es uns vergehen. Mick Jagger auf Drogen, dies wäre die einleuchtendste Beschreibung für diese Gestalt vor uns. Widerwertig, vielleicht ebenso nur eine Marionette dieses Spiels, kombiniert mit Arroganz, verursacht einen innerlichen Brechreiz. Eintrittspreise spiegeln eine mögliche Qualität wieder, möglich wohlbemerkt, aber dieser Preis schrie nach Ausbeute. Ausbeute für unseren Geldbeutel und den der Akteure. Uns gestattete man einen sekundenlangen Einblick ins Geschehen. Gesehen, haben wir nicht viel, gefühlt, eine ganze Menge. Dort roch es nach billigen Schaulustigen, die nicht viel für ihre Persönlichkeit tun. Dies unsere Einschätzung, aber vielleicht täuschen wir uns auch und aus grau wird bunt, wenn man den Eintrittspreis in die schäbigen Hände von Mick Jagger legt. Vielleicht bringt Geld ein gewisses Amüsement mit sich, wie man es sich wünscht aus den Zeiten von Glorie und Glamour, aus Zeiten wie dem Moulin Rouge. Dies wäre wieder einmal nur eine Illusion in unseren Gedanken, denn davon gibt es hier nicht mehr viel. Vielleicht ist es aber auch die Arroganz der Gierigen, die sich nach Besserem für weniger sehnen und so sind es die Backpacker die mit ihrem Klimpergeld nun für Profit sorgen sollen. Wir werden und wollen nicht Teil von diesem werden, was sich uns bietet. Dies bestätigen uns auch die schon Schaulustigen die nun teilweise empört die Show verlassen. Es ist momentan vieles nur theoretisch und deswegen ist der praktische Teil auch stark verlockend. Es wäre, wie wenn man in Paris nicht zum Louvre geht, in Moskau nicht zum Roten Platz und in Bangkok nicht zur Ping Pong- Show. Es ist dieser verfluchte Drang etwas zu machen, was einem vorgegaukelt wird und es ist umso verfluchter, je mehr man es sich vorstellt. Zum Glück haben die Frauen in diesem Bereich ein Gespür, einen siebten Sinn für Grausamkeit. Die Männer in der Evolution der Jagd, einen Drang zur Schäbigkeit. Aber wir Männer, wären ja keine Männer, wenn wir nicht auf unsere Frauen hören würden, oder?

Wir fahren wieder zurück, eine gute Entscheidung, denn das Gefühl des schlechten Gewissens hätte uns schon nach einer Minute gepackt, hätten wir es einfach zugelassen. Meistens siegt die Einfachheit, heute ist sie eine Barriere unserer Grenzen. Ein Dank geht an die Frauen unter uns, die die Männer zügeln dürfen und sollen.

 

Fußball und ein Zwischenspiel

Widmen wir uns etwas wesentlich Erfreulicherem. Widmen wir uns der Magie des Fußballs. Eine Verbundenheit, unter uns Deutschen, welche wir auch während der WM in Deutschland wahrnehmen konnten, wird uns nun auch heute packen. Es ist das Gruppenspiel Deutschland gegen die Niederlande. Hier in der Khao San Road wird es eine Party in der Partyblase. Fußball als roter Faden gegen die Hemmungen vor jedem Fremden. Auch dieses Gefühl verbreitet sich hier zusammen mit dem Alkoholkonsum über dieses Freudenspiel. Wer will auch nicht gewinnen wollen, ein Gewinn mit dem Einsatz von einigen Bieren, ein Leichtes. Man tut nichts, man macht vielmehr und wird womöglich belohnt, was ungeahnte Freudengefühle freisetzt.

Also, nun wieder vereint, nach einer Auszeit für jedes Pärchen, sitzen wir schon auf einer dieser vielen Bühnen, welche auf der Khao San Road miteinander verschmelzen. Auf der „Bierstraße“ können wir uns noch gerade so einen Platz neben der Partymusikbox ergattern. Moderation und Fangesänge als Teil des Ganzen kann nicht durch Partymusik unterbrochen werden, nicht wenn man Fußball liebt. Trotzdem sind wir froh, einen Platz gefunden zu haben und jeder, der das Spiel noch vor Augen hat, weiß, dass es besonders in der ersten Halbzeit heiß her geht. Ein tolles Spiel, vor allem der Deutschen, welche die erste Halbzeit dominieren uns somit auch verdient mit 2:0 in Führung bringen.

Für die letzte Halbzeit muss jedoch etwas Spektakuläreres her. Wir wollen uns in der Pausenzeit unter die orangen Fans mischen, die sogenannten Gegner. Als wir das orangefarbene Meer in der Biermeile entdecken gehen wir drauf los, werden jedoch durch Absperrungen daran gehindert, einzutauchen. Anscheindend ist die Bar schon zu voll und deswegen kommt keiner mehr rein. Na, davon lässt uns ja bekanntlich keiner abhalten, also suchen wir einen geheimen Nebeneingang. Hanna schon eingeschleust, werde ich, Tobi, entdeckt und aufgespürt. Einer der vorherigen Cocktail-Eimer war wohl dann doch zuviel, und setzt mir in gewisser Weise zu. Nun ich werde enttarnt und in gewisser Weise verhört. Als Fußball-Begeisteter verstehe ich die ganze Aufregung nur begrenzt und warum der Bodyguard auch gerade erheblich auf „Großmacker“ macht, verstehe ich noch weniger. Amüsiert über seine große Aufregung, versuche ich ihm das Fußballgemeinschaftsgefühl zu vermitteln. In ihm finde ich definitiv keinen Fußballfreund, vielmehr einen Freund der Taten und deswegen kommt es nun dazu, dass er seinen Elektroschocker auspackt, um mir zu drohen, so dass ich mich mal schnellstmöglich verpisse. Erfahrungen mit Elektroschockern habe ich noch keine gemacht, deswegen ist mir dieses Teil auch wenig suspekt, sondern amüsiere ich mich vielmehr über diese Drohung. Als er mir dann aber mit dem Schocker eine verpassen will, wird es schon ernster. Der zweite Versuch sitzt, jedoch nicht bei mir, denn ich weiche gekonnt aus. Vielmehr erwischt er mit einem Hieb seinen Kollegen an der Backe, welcher verletzt zu Boden sinkt. Mich erwischt danach vielmehr seine Faust auf der Gusche. Mit meiner dicken Lippe ist es dann auch schon vorbei, beziehungsweise fängt sie gerade erst an, anzuschwellen. Einige Umstehende beruhigen dann die ganze Situation, welche durch Caro allerdings wieder angeheizt wird, denn sie ist außer sich. Caro ist nicht nur eine Naschkatze, sondern sie kann auch zu einer wilden Raubkatze werden, die alles und jeden, der ihr lieb und Wert ist bis auf die Zähne verteidigt; aber das ist mir nicht erst seit heute klar. :-)

Also nach dieser spektakulären zweiten Halbzeit geht es dann zum richtigen Spiel über und wir finden einen Platz auf der gegenüberliegenden Seite der Bar des Elektroschockers. Dort verfolgen wir die Niederländer, welche uns fast noch verdient platt machen, denn in der zweiten Halbzeit sind sie komplett überlegen. Aber es sind am Ende doch die Niederländer die schlussendlich durch diese Niederlage nach Hause fahren müssen. Hier bleiben sie jedoch an Ort und Stelle und zusammen tanzen wir für den Rest des Abends zu Partymusik auf den Sieg der Deutschen :-)!

0 Kommentare

Bangkok, wir lieben es!

Wir müssen wir zugeben, dass wir ein wenig nervös sind. Nicht durch den Flug selbst, sondern aufgrund unserer Erfahrungen aus China und unserem Glauben in Thailand oder vielmehr Bangkok, eine, aufgrund der Lage, ähnliche Situation vorzufinden. Dies beschattet unsere Vorfreude auf Bangkok. Im Nachhinein total unbegründet, denn diese fünf Tage werden zur absoluten Sucht. Wir werden Teil eines explodierenden Tourismuses der hier seit Jahren keine Grenzen kennt. Wir bleiben zwar nur in Bangkok, aber wir kommen in die absolute Schwärmerei mit Thailand. Diese Tage werden zu einem Luxus auf unserer an sich schon luxuriösen Reise, wenn man bedenkt, dass wir frei reisen können, immer dorthin, wo wir gerade wollen und so lange wie wir möchten. Wir werden schlemmen, unzählige Male Kaffee trinken (endlich mal wieder richtigen Kaffee) und es uns gut gehen lassen.

 

Die Vorgeschichte

Ihr müsst wissen, es gibt eine kleine Vorgeschichte, weshalb wir hier nur für funf Tage sind und weshalb wir im Anschluss nach Myanmar fliegen werden und dann nach Australien. Alles fing eigentlich in Deutschland an. Dort haben wir das Work&Holiday Visum für Australien beantragt. Dafür haben wir auch eine Bestätigungs-E-mail bekommen, aber wie das immer mit diesen E-mails so ist, man liest sie sich nie wirklich gründlich durch. In der Annahme, dass wir bis zum Ende von Caro´s 30. Lebensjahres Zeit für die Einreise hätten, also bis Ende Oktober diesen Jahres, planten wir also bis zum Oktober grob unsere Reise. Wir wollten uns mit Freunden treffen und mit ihnen reisen, aber alles änderte sich schlagartig, irgendwann im Februar 2012. Caro bekam einen Ordnungsrappel und so geschah es das sie ihre E-mails in spezielle Rubriken einordnete. Da fiel ihr die Bestätigungs-E-Mail des Work&Travel Visums ins Auge und beim genaueren durchlesen, kam heraus, dass wir schon im Juli 2012 einreisen müssen, quasi exakt ein Jahr nach unserer Beantragung. Hätten wir die E-Mail nicht gelesen, wäre das Visum abgelaufen. Wir ständen dann am Flughafen da, ohne jede Möglichkeit einzureisen, und wir hätten keine Möglichkeit mehr auf ein Visum, da man es nur einmal beantragen darf und Caro ein gewisses Alter überschritten hätte. Ohne Visum, schlechte bis unmögliche Karten, Geld für eine Umrundung der Welt zu sparen und das wäre oder hätte schon das Ende sein können. Zum Glück, klopf-klopf-klopf, ging alles gut und nun haben wir Duselbauer auch noch soviel Glück, dass wir sogar noch Zeit haben das Visum um ein weiteres Jahr zu verlängern. Vielleicht schaffen wir es, dass wir in kürzester Zeit einen Job für drei Monate finden, aber dazu mehr zum richtigen Zeitpunkt.

Wir sind nun hier in Bangkok, haben noch einige Tage frei und haben uns entschlossen danach nach Myanmar zu fliegen, da man die anderen südasiatischen Länder jederzeit bereisen kann und wir im Vorfeld spannende Berichte aus Myanmar erfahren haben.

Am Flughafen in Bangkok angekommen, geht es direkt mit einem futuristischen Zug, dem Skytrain, nach Bangkok City. Nun ereignet sich ein, für uns in Vergessenheit geratenes, Ereignis: Es regnet. Für uns spannend, für andere ein Blödsinn, geht es überrascht über diese Regentropfen, schließlich vorbei an wuchtigen Hochhäusern bis hin zur Endstation des Zuges. Kurzerhand noch zwei andere Backpacker kennengelernt und schon geht es zu Viert mit dem Taxi weiter zur berühmtesten Straße Bangkoks, der Khao San Road.

 

Khao San Road - Ein Spiel der Verführung auf 400 Metern

Angekommen, werden wir sofort erschlagen von der Stimmung: Kneipen, Cafés, Bars, Shops, Supermärkte, Fast-Food-Ketten, persönliche auf Maß schneidernde Anzugsgeschäfte (die gleich dreimal hintereinander), erneute Ausführungen unserer Aufzählungen und wir, direkt im Getümmel dieser bombastischen Atmosphäre. Wir treffen Minuten später zwei Deutsche, welche wir nie wieder sehen. Eine Straße, das sollte doch kein Problem sein, doch in dieser Straße ist alles möglich. Wir, noch Frischfleisch für jene Experten, welche hier die Gesetze schreiben und die Gesetze steuern - und wir, noch blutige Anfänger, ahnungslos mittendrin. Es braucht ein wenig Zeit, sich in diesem Zentrum der Reizüberflutung zurecht zu finden. Zeit ist zwar keine Beschreibung für den Grad der Schwierigkeit doch muss man erst einmal durchatmen und per Knopfdruck das Partyfeeling einschalten. Man rutscht förmlich in den Jahrmarkt der Sinne, ins Partyparadies oder wie man es neuerdings ausdrückt, in die Partyblase, sobald man diese Straße betritt. Entweder man liebt es oder man hasst es.

Hier, in der Khao San Road, sind Gesichter Fantasievorstellungen. Gesichter, also Personen, kreuzen unseren Weg, welche wir nie wieder zu Gesicht bekommen werden. Persönlichkeiten sind hier weitestgehend unwichtig, der Sinn ist vielmehr die Suche nach Mr. Rock und Mrs Roll. Party ist angesagt und umso mehr Schaltkreise im Gehirn ausgeschaltet werden, umso besser für das Vergnügen. 24h Nachtleben. 24h Sex, Drugs Rock´n´Roll.

Sobald wir diese Straße betreten haben, werden wir auch Teil dieser Illusion der Khao San Road. Wir, als laufende Geldmaschinen unterwegs, so unser Eindruck, werden mit einem Lächeln und Freundlichkeit überall von Verkäufern empfangen, so deren Devise für den höchstmöglichen Profit. Menschen als Massenware. Backpacker als Zauberer dieses Ortes, Persönlichkeiten im Strudel des geschulten Chaos. Das Chaos der Farben in einer Traumwelt, zwischen Massage, Pancake-Verführern, Cocktail- und Alkohol-Eimern, also schlicht einer Welt der Verführung, schon fast gleich dem Schlaraffenland. Eine Mischung, kreuz und quer, für jeden mit Sicherheit etwas dabei. Auch wir tauchen ein, schwimmen im Meer der Dekadenz und fühlen uns wohl. Geld wird zum Wohlfühlbezahlungsmittel, Geld ein Zeichen des "sich gut fühlens", besonders hier in dieser Straße, einer Straße maßgeschneidert für jeden Backpacker. Nicht nur wir sind maßgeschneidert, auch die Stoffe, welche die Läden beherbergen. Alles für einen Schnäppchenpreis. Alles für Schnäppchenjäger, für Backpacker also. Die Augen funkeln, die Hormone springen auf und ab, hier kann man Leben wie der König auf Mallorca bzw. in diesem Fall, wie der König in Bangkok.

 

Sexgeschäfte

Diese Straße lebt, die Energie, der Schweiß, der Alkoholpegel welcher rund um die Uhr über diese Luststraße seine schützende Hand legt, ist die Verschmelzung der Begierde nach Luxus schlechthin. Hier fühlt man sich reich, als Backpacker, weil die Preise einem den Eindruck erwecken. Die Preise so verführerisch wie ein süßes Dessert auf dem nackten Körper einer Frau. Dementsprechend sind auch die Angebote weitgefächert. Nicht nur die brutzelnden, verlockenden Kalorienjongleure sind ein Anblick, wo die Verführung nach einem Orgasmus für die Sinne schneller greifbar ist als bei einem Höhepunkt sexueller Angebote. Auch dieser Teil der sexuellen Befreiung, sexueller Fantasien, wahrscheinlich ein größerer Teil, als wir uns denken können, weil wir in diesem Bereich keine Sehnsüchte stillen wollen, ist Teil des Spiels der Verführung, hier in dieser Straße bzw. in dieser Stadt. Sogenannte Mannsweiber, genannt Ladyboys, bilden den Einstieg in das Geschäft, dem des bekannten Sexgeschäftes Thailands. Diese Ladyboys, der Beginn einer aufsteigenden Pyramide, so billig zu haben, so billig wie eine süße Verführung. Schnäppchen heißt Masse, Masse heißt Befriedigung. Umso mehr menschliche Masse, umso florierender das Geschäft. Mehr Masse bedeutet aber auch zeitglich ein synchron verlaufender Abstieg der Qualität. Hier in der Khao San Road werden Gesetze abgelöst, werden Regeln, also Gesetze, Mitglied eines Geschäftes, welches durch die Steigerung der Masse seinen Erfolg erlebt. Eine Magie, eine Kunst, welche jahrelange Erprobung und dazugehöriges Talent erfordert.

 

Suchtstillung

Von Indien aus kommend, mit den Händlern ohne Talent, ist es hier Faszination dieses Talent zu beobachten, gepaart mit dem Gefühl einer Suchtstillung. Die Sucht nach mehr, angefangen nach mehr Kaffee, mehr Essen, mehr Internet, mehr Snacks, mehr Menschen, mehr Unbekanntem oder mehr Obszession, wird hier in Bangkok, so unser Eindruck, mehr gestillt als irgendwo sonst. Die einzige Erklärung dafür ist die Kunst der Verkleinerung der Preise. Auch wir werden Könige von Bangkok, erbauen uns unseren Palast der Verführung und erleben eine erschreckend einfache und schnell verlaufende Zeit. Auch wir verschwinden wieder aus der Welt der Illusion von Reichtum, nehmen jedoch unseren Palast der Illusion in unseren Gedanken mit und sind befriedigt von dieser Erfahrungserweiterung. Soviele vor uns wurden zu Teilen dieser genüßlichen Harmonie, Bangkok erlebt zu haben, wie die Massen, die es nach uns werden. Tag für Tag, Stunde um Stunde, Minute zu Minute, wechseln die Menschen ihre Gesichter. Eine Stadt, eine Straße welche Sucht und Sehnsucht mit einer so geschickten und manipulierten Raffinesse verkörpert, dass kaum ein anderer Pfad begehbar ist, wie dieser, der der Sinneserfüllung und der erfüllten Macht nach Begierde. Auf der einen Seite, ist es schade, dass wir nach fünf Tagen wieder verschwinden, auf der anderen Seite können wir euch auch sagen, zum Glück. Die Einfachheit hier zum greifen nahe, der Griff zum Geld. Nur unbewusst wahrgenommen, verliert man sich hier schnell in der Welt der Lust nach Einfachheit, einfach, weil billig. Wir haben hier erschreckend viel Geld gelassen, dadurch haben wir aber auch unseren Rucksack mit westlichen Sehnsüchten wieder aufgefüllt. Nach einer langen Zeit, fast einem Jahr, war dies somit ein Geschenk, eine Pause, ein Schweben im erfrischenden Überfluss. Ein schnuppern, mehr war es nicht und nach mehr sehnen wir uns auch nicht, denn wir suchen nach Einfachheit mit begrenztem Luxus. Trotzdem und genau wegen diesem übertriebenen Überfluss war Bangkok eine geile, eine verrückte Zeit.

 

Namensherkunft und Historie

Nicht nur die Straße ist durchgeknallt auch die Stadt ist nicht ganz sauber. Bangkok, das geht ja leicht über die Lippen, aber hört euch mal den zeremoniellen thailändischen Namen für diese Stadt an: Krung Thep Mahanakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Ayuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit. Alles klar? Dies ist somit, klar verständlich, der längste Ortsname der Welt und das mit 168 Buchstaben (damit ihr euch das zählen sparen könnt). Also die Thailänder sind ja auch nicht bekloppt und haben auch keine Lust auf ´nen Zungenbruch, deswegen machen die es sich auch einfach und sagen Krung Thep. Das ist zwar erheblich vereinfacht, von 168 auf 9 Buchstaben, aber dafür lässt sich diese Abkürzung auch sehen, denn somit lautet diese Stadt, die Stadt der Engel. Wurde der Film mit Nicolas Cage, welcher den gleichen Namen hat, eigentlich hier gedreht? (Scherz, wir wissen doch, dass das in Los Angeles war.) ;-)

Wir nennen die Stadt nun in unserer Sprache, Bangkok, was übrigens abgeleitet ist von Bang Makok, was übersetzt "Dorf der Wildblume" heißt. Rama der I., der Gründer der bis heute regierenden Chakri-Dynastie, welche wir noch später erwähnen werden, machte diese Stadt 1782 zur Hauptstadt. Nach dem Krieg mit den Burmesen wurde die alte Hauptstadt des Königreiches Ayutthaya 1767 zerstört und somit die Jetzige dafür ernannt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Bangkok "als Venedig des Ostens" bezeichnet, denn es besaß zahlreiche Kanäle. Beachtlich, dass diese nun nicht mehr existieren, weil sie zugeschüttet wurden, um eine neue und somit aktuelle Stadtarchitektur zu erschaffen.

 

Ein anderer Stadtteil

Wir erleben aber noch viel mehr als die verrückte Welt Bangkoks. Wir werden typische Touristen, aber wir entdecken auch die Gebiete um Bangkoks Khao San Road herum. Am ersten Abend spazieren wir noch durch die Straßen im Banglampoo-Viertel und nicht unweit der Khao San Road befindet sich der Königspalast. Dieser wird zur nächtlichen Stunde majästetisch angestrahlt. Ein richtiger Hingucker, wenn man ahnungslos durch die Straßen streift und einem dann die goldenen Spitzen der Tempeldächer entgegen leuchten. Einfach nur geil. Nun, zwischen uns und dem Palast befindet sich eine drei Meter hohe und mindestens genauso dicke Befestigungsmauer, die uns daran hindert, in den Palast vorzudringen; wobei der Gedanke, nun bei Nacht durch diesen Palast zu laufen, einige abenteuerlichen Erinnerungen weckt. Aber zu Mr. Gadget, „fahre Arme und Beine aus“, werden wir heute nicht.

 

Ein Nachtmarkt und das wahre Thailand

Mit diesen Anblick geht es wieder auf den Weg zurück und dabei entdecken wir einen Nachtmarkt, einen einheimischen Markt mit Trödel-Artikeln und allen möglichen unglaublichen anderen Dingen. Nur wenige Minuten entfernt von der Khao San Road, der Touristenmeile schlechthin, sind wir hier nun ungelogen die einzigen Touristen. Wir sehen in diesen zwei Stunden keinen "Gleichgesinnten“. Zwei Stunden, vielleicht noch länger werden wir von diesem Markt in seinen Bann gezogen. Dies ist auch zeitgleich der Beginn einer Bekanntschaft und einer Begeisterung für diesen Markt, bei dessen Besuch wir mitten im thailändischen Leben stecken. Das ist es auch, was die Faszination Bangkok ausmacht, wie wir finden. Man kann tagelang in der Partyblase rumschlummern oder/und sich im thailändischen Leben aufhalten. In den nächsten vier Tagen werden wir jeden Tag hier zum Markt kommen, zum Einen wegen der Stimmung, zum Anderen wegen Kate, welche wir später kennenlernen werden.

Nun, jetzt schlendern wir erst einmal hier durch. Es ist nicht einfach nur ein Markt, es ist pure Freude. Und was sieht man hier nun alles? - Fangen wir einmal an: Hier stehen und sitzen die "üblichen Verdächtigen", die, die Stofftiere oder auch Plastikautos und weitere Kleinigkeiten anbieten. Dann gibt es diejenigen, die Klamotten verkaufen, auch noch eher normal (kommt natürlich auf die Klamotten drauf an). Weiterhin, und nun wird es für uns schon spannender, für alle Thailandkenner immer noch normal, die Tätowierer. In einer Lücke des aktiven Marktes, zwischen dem CD-/ DVD-Verkäufer und dem Waffenschieber hier auf dem Markt, finden wir nun den Tätowierer, der mit seiner asiatischen Gelassenheit mitten im Marktgewühl seine Nadelkurven zieht. Faszinierend. Weiterlaufend, erreichen wir den Tiermarkt auf dem Markt: Meerschweinchen, Hamster, süße Katzen, weiße Hasen oder Hundewelpen, die Auswahl ist groß. Hier werden Hunde- und Katzenherzen gebrochen. Hier wird man Tierfreund, wenn man diese noch winzig kleinen Tiere bewundern und kaufen kann. Das Geschäft mit den Tierherzen scheint zu funktionieren. Und warum nicht Mal ein Tier von einem Markt kaufen? Für uns mehr Schmerz als Scherz, ziehen wir weiter und so finden wir noch viele spannende Verkäufer mit ihren Produkten, bis uns schließlich dieses Schild ins Auge sticht:

 

Massage!

Immer noch mitten im Markt, stehen Liegestühle, auf ihnen liegen Thailänder und machen hier einen kurzen Halt. So würden wir das beschreiben, denn es ist wirklich witzig. Für uns ist eine Massage, ein Halleluja dieser Minute, ein "Beam me up" zur Traumwelt, zum schlummern mit einem himmlischen „mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmhhh“. Bei den Asiaten fühlt es sich so an, wie Zeitvertreib, eine gute Gelegenheit um ein Pläuschchen mit seiner Freundin zu haben oder mit der Masseurin zu schnattern oder um die aktuellen Wetterberichte und Aktien auf dem I-phone zu checken.

Wir wollen zum Messias, also das komplette, stimmungsvolle Orchester, den dauerhaften sinnlichen Höhepunkt für sagenhafte 60 Minuten. Unsere Gedanken sollen über dem I-phone schweben, weit weg von jeglicher Ablenkung. Ausblendung durch diese filigranen Hände welche sich schon die hartgesottenen Muskelpartien der beanspruchten Füße vornehmen. Eine Blendung durch die Reize dieser geschulten Fußfetischisten. Cut! Fortsetzung folgt....

 

Action! 60 Minuten später fliegen wir förmlich weiter über diesen Markt, nehmen noch die ein oder andere kleine Verlockung war, wie Kontaklinsen mit Tigeraugen oder heute mal blaue Augen? Wir finden einen leckeren Essensstand, also eine Tafel in der obligatorischen Miniausführung, halb hockend, sitzen wir nun zusammen mit zahlreichen Thailändern, welche uns das Prinzip: "Essen in Thailand" erklären. Wir sind ca. 10 Leute an dieser Tafel für Könige und man bestellt sich seine Hauptmahlzeit. Dazu zählt eine Mischung aus Fleisch-, besonderen Gemüse- und/oder Eivariationen. Dies wird schmackhaft in einem Wok angebraten und uns dann zusammen mit Reis serviert. Auf dem Tisch findet man dazu Gewürze, scharfe Pasten sowie zahlreiche weitere geschnippelte Gemüsearten, wie Babyauberginen, Kohl, Tomaten und Blätter vom Zitronenbaum. Wir, hier eingeengt, haben eine Menge Spaß mit den Leuten, dem Essen und den Essstäbchen. Guten Appettit

 

Kate und Touch

Eine „Bedienung“ fällt uns bei unserem spontanen Festschmaus besonders auf, redegewandt und humorvoll nimmt sie sich viel Zeit, um uns alles zu erklären. Schließlich finden wir heraus, dass sie eigentlich gar nicht zum Essensstand gehört, sondern zum Stand nebenan. Sie hilft mal nur eben schnell aus, weil gerade soviel zu tun ist. Das spannende an dieser Frau ist, dass sie zum einen wesentlich jünger ausschaut als sie ist, denn sie sieht aus wie 25 ist aber schon 42 und zum Anderen hat sie viele Jahre in New Jersey/New York gelebt, wo momentan auch ihre beiden Töchter studieren. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann Touch und einem weiteren Kind von ihr, hier in Bangkok. Sie arbeitet täglich Morgens in einer Schuhfabrik und Abends auf diesem Markt, wo sie einige Sachen verkauft. Das ganze insgesamt sieben Tage die Woche. Wir erfahren noch so einige spannende Details und schließlich fällt uns das Verabschieden schwer. Doch schlussendlich siegt die Müdigkeit und wir versprechen ihr, am nächsten Abend wieder zu kommen.

Auf dem Weg zurück zum Hostel, vorbei an vielen weiteren durchgebogenen Tischen mit weiteren unglaublichen Produkten, finden wir einen Hintereingang, welcher die Khao San Road umgeht und werden somit nicht mehr verführt von der Touristenwelt und bleiben stattdessen für heute in der seeligen Thailandwelt. Der erste Tag war entspannter, wie er nicht anders hätte sein können. Alle zuvor beschattenden gedanklichen Vorstellungen, wie Bangkok wohl werden würde, waren mit der Sonne, welche sich noch über die nächsten fünf Tage über uns erstrecken sollte, verflogen.

0 Kommentare