Padang und eine mitreißende Fahrt

Nachdem wir morgens noch gemütlich im Guesthouse mit anderen Backpackern ausgespannt haben, machen wir uns auf den Weg nach Padang. 12 Tage Sumatra sind schon wieder rum und wiederstrebend müssen wir "Bye-Bye" sagen. Unser Flug nach Kuala Lumpur geht morgen von Padang aus. Eigentlich wollen wir den Bus nehmen, aber wegen dem nahenden Ende des Ramadan sind die normalen Busse zur Zeit völlig ausgebucht, so dass wir uns nach langem hin und her schließlich für ein exklusives Taxi entscheiden. Laut unserem Guesthouse-Besitzer sei diese etwas kostenintensivere Variante sehr komfortabel und zuverlässig. Mr. Moon bucht für uns und wir bekommen die Zusicherung, dass wir gegen 10/ 11 Uhr am Flughafen ankommen und das Taxi auch fährt, wenn es bei uns dreien bleibt, statt maximal sieben möglicher Passagiere.

 

Wir gehen also pünktlich um 4.20 Uhr zum Fähr-Ablegeplatz (die letzte Fähre geht um 4.30 Uhr) und warten und warten und warten. Keine Fähre weit und breit zu sehen und plötzlich fährt sie doch weg - ohne uns. Obwohl uns noch zuvor zugesichert wurde, dass unsere noch kommt. Nach einer weiteren halben Stunde des Wartens kommt dann endlich eine neue Fähre, aber diesmal ist es laut Bootspersonal nicht die richtige. Während wir also etwas unentspannt einigen Einheimischen beim Wäsche waschen und baden zuschauen, kommt gegen 5.30 Uhr dann doch noch die richtige und tatsächlich auch letzte Fähre an. Wir springen auf und kaum sind wir oben legt sie auch schon wieder ab. Das nennt man mal Sekundenstopp und punktgenaue Landung.

Wieder zurück auf dem Festland in der Stadt Parapat holt uns Rikki, der Besitzer der exklusiven Taxi-Firma, ab. Er führt uns zu seinem Büro wo wir unser Gepäck zwischenlagern können, bis unser Taxi dann kommt. Nach einer kurzen Lagebesprechung runzelt er die Stirn, als er hört, dass wir am nächsten Tag einen Flug haben und um spätestens 12 Uhr (unser Flug geht um 13.50 Uhr) am Flughafen sein müssen. Wir fragen ihn, was denn los sei und er sagt, dass sei ein Problem, um die Uhrzeit auch tatsächlich am Flughafen anzukommen. Davon wüsste er nichts und die geplante Ankunft wäre eigentlich zwischen 1 und 2 Uhr am frühen Nachmittag. Ui…Schluck…. Erst einmal nachdenken. Tobi spricht mit einer Engelsgeduld und sehr guten Argumenten nochmal mit Rikki und erklärt ihm, was mit Mr. Moon abgesprochen war. Rikki will aber nichts davon wissen und stellt sich zunächst stur. Mittlerweile verschwinden andere Backpacker mit dem gleichen Fahrt-Ziel (allerdings beim Mitbewerber gebucht) und somit anscheinend auch unsere letzte Chance, pünktlich am Flughafen anzukommen. Wir, etwas aufgebracht, versuchen, doch noch alles irgendwie zu regeln,  doch es wird nur ein Kauderwelsch. Mit klopfendem Herzen wegen der Ungewissheit gibt uns Rikki plötzlich grünes Licht. Angeblich schaffen wir es bis spätestens 12 Uhr mittags zum Flughafen, wenn wir bereit sind, einen Aufschlag von 250.000 Rupiah zu zahlen. Das sehen wir aber nicht ein. Eigentlich sollte sowieso alles reibungslos verlaufen. Nun ja, nach einem Telefonat mit Mr. Moon, erklärt dieser sich dazu bereit, die Extra-Kosten zu übernehmen. Dankbar dafür, warten wir auf unser Taxi, dass extra aus Medan angebraust kommt. Die ursprüngliche angedachte Ankunftszeit in Parapat war gegen 22 Uhr. Nach unserer Rücksprache mit Rikki soll es nun gegen 21 Uhr ankommen und um 20 Minuten nach 20 Uhr ist es dann schon da. Freudig überrascht, und auch erleichtert, gehen wir zum Auto. Nach 10 Minuten um- und neu beladen, fahren wir los. Wir sind doch tatsächlich sieben Passagiere inklusive Max und es geht sehr "gemütlich" zu. Unter exklusiv hatten wir uns etwas anderes vorgestellt. Dafür gibt es nicht nur kostenlos Musik-Beschallung sondern die Indonesischen Schlager einer anscheinend beliebten Sängerin werden noch mit Videoclips hervorgehoben. Ich kann nicht anders, als auf den Bildschirm zu starren, während Max friedlich und glücklich zur Musik vor sich hin nuckelt und Tobi versucht eine Runde zu schlafen. Das ist aber beim rasanten Fahrstil unseres Fahrers gar nicht so einfach. Wir halten ihm definitiv zu Gute, dass er uns so schnell wie möglich ans Ziel bringen will. Er "rast" mit 40 Sachen manchmal auch 100 km/h über Stock und Stein auf sehr indonesischen Straßen. Zumeist sind sie schmal und eher einspurig, manchmal geteert und brandneu, ab und zu sogar vierspurig und meistens mit sehr vielen Schlaglöchern versehen und seeeehr alt. Zudem kommen uns ständig große Lastwägen und andere Gefährte entgegen. Nichts für schwache Nerven; und das alles im Dunkeln, meisten nur mit der Schweinwerferbeleuchtung. Einmal fahren wir so dicht an einem uns entgegenkommenden Motorradfahrer vorbei, dass wir ihn vor Schreck noch laut aufschreien hören. Das ist heftig!!!

 

Ansonsten haben wir und unser Fahrer des Öfteren Glück. Tobi und ich nehmen es mit Humor, unsere Mitfahrer sehen das ganze größtenteils gelassen, nur mein Sitznachbar, ein älterer Herr, schimpft manchmal und bittet darum, dass unser Fahrer es etwas langsamer angehen lässt.

Tobi und ich kommen in ein "Übermüdungs-Hoch" und aus dem Lachen kaum noch heraus. Das Ganze ist so absurd und doch auch so witzig. Wir vermissen die Exklusivität und wissen nicht so recht ob wir uns auf einer Höllenfahrt befinden oder einfach nur einer höllisch guten Fahrt. Dazu noch die ständig schräge Musik, die uns den Rest gibt. Zu allem Oberhammer schaue ich bei einem Techno-Song auf den Lied-Titel. Während wir immer noch bangen, ob wir es pünktlich zu unserem Flug schaffen, lese ich den Namen des Songs: "Still time". Wie passend, denke ich mir nur. Das wird dann noch vom nachfolgenden Lied getoppt, welches die rasante und teilweise erschreckende Autofahrt mit "I will survive" abgerundet. Ich kann nicht mehr vor Lachen und stecke Tobi mit an. Kichernd, dem Wahnsinn nahe, haben wir unsere Gaudi.

Der Fahrer macht dann doch noch die ein oder andere Pause für sich und seine Gäste. Einmal zum Abendbrotessen und zweimal zum Beten. Doch siehe da, während Max die ganze Zeit friedlich auf meinem Schoß schläft schaffen auch wir es immer wieder einmal für ein paar Minuten oder auch mal eine halbe Stunde ins Traumland wegzudriften. Ehe wir es uns versehen wird es hell und wir sind in Bukkattingi ; um halb neun Uhr am Morgen! Von Bukkattingi aus, so wurde es uns vorher gesagt, sind es nur noch maximal 2 Stunden bis zum Flughafen von Padang. Tobi freut sich schon ins Fäustchen und sagt: "Yeah, geschafft." während ich noch sage: "Freu dich nicht zu früh". Dementsprechend kommen wir auch gleich im einen Verkehrsstau hinein. Anscheinend gab es weiter vorne, mitten im morgendlichen Berufsverkehr einen Unfall. Nach einiger Zeit des Wartens heißt es, eine andere Route zu fahren, denn diese Straße ist ab sofort gesperrt. Über einspurige Schleichwege durch kleine umliegende Dörfchen wir nun der Hauptberufsverkehr umgeleitet, mit allem was dazugehört: Große Lastwägen, SUVs, normale Autos, Mopeds, etc. Oft müssen wir stehen bleiben und warten und andere vorbeizulassen und so verrinnt die Zeit während wir nochmal ins Schwitzen geraten. Und dann schaffen wir es doch noch irgendwie. Sogar schon um halb zwölf. Wir sind so dankbar und haben das Gefühl, dass die Engel mit uns gereist sind. Toll, jetzt geht’s auf nach Malaysia, endlich unser Auto abholen!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0