Tasmanien, wir kommen!

Es ist soweit: Der Tag der Fährüberfahrt nach Tasmanien ist gekommen. Wir sind schon ganz aufgeregt, doch bevor es soweit ist, verbringen wir noch die letzten Stunden mit Jodie und Jon und, um unsere restlichen Sachen zu organisieren. Frisch betankt fahren wir zur "Spirit of Tasmania", so der klangvolle Name unserer Fähre, übrigens der Einzigen, die zwischen dem Festland und dem Inselstaat verkehrt. Es gibt eine kurze Quarantänekontrolle, um auf Nummer sicher zu gehen, dass wir kein frisches Obst oder Gemüse und damit möglicherweise Fruchtfliegen nach Tasmanien einführen. Dann wird unsere Gaskartusche für den Campingkocher ausgebaut und sicher verwahrt und erst dann dürfen wir auf die Fähre drauf. Uns kommt sie riesig vor mit sechs verschiedenen Decks, wobei  drei davon allein für Autos sind. Kaum haben wir das Auto auf dem, für uns vorgesehenen Parkplatz, abgestellt frage ich Tobi: "Ist das eine Kuh?" und er lacht noch, als sie doch tatsächlich wieder loslegt und muht.

Wir machen uns auf den Weg zu unserer Kabine. Wir haben eine Vier-Mann-Kabine für uns allein, sogar mit eigener Toilette und Dusche. Für Max steht ein Reisebett bereit, das wir aber nicht in Anspruch nehmen.

Wir machen uns ganz aufgeregt auf den Weg nach oben, denn wir wollen das Ablegen der Fähre mit verfolgen. Es ist etwas windig, so dass wir zunächst das Innere unseres Transportmittels erkunden. Hier gibt es verschiedene Restaurants für verschiedene Preisstufen, mehrere Cafés und Bars, ein Touristeninformationszentrum, einen kleinen Geschenke- und Tante-Emma-Laden, einen interaktiven Fotobereich, eine Kinderecke und ein Kino. Bevor wir uns versehen, sind wir auch schon gestartet. Das Schiff fährt aus dem Hafen raus und so machen wir uns nochmal auf den Weg nach draußen. Eine beeindruckende Nachtkulisse mit Sternenhimmel und beleuchteter Stadtkulisse empfängt uns, aber auch eine frische Brise von Vorn.

So machen wir uns erst einmal wieder auf den Weg ins Zimmer, nehmen unser mitgebrachtes Abendbrot ein und Tobi gönnt sich eine heiße Dusche. Wir beschließen, die 22 Uhr Kinovorstellung zu besuchen und sitzen pünktlich im Kinosaal. Um diese Uhrzeit ist die Fährfahrt aber nicht mehr so ruhig und es fängt an sich langsam einzuschaukeln. Nach wenigen Minuten Kinofilm  gibt Tobi auf, denn das Geschaukel und die zeitgleiche Konzentration auf die vor uns flimmernden und sich bewegenden Bilder tragen nicht gerade positiv zu seiner leichten Übelkeit bei. Er verabschiedet sich, während Max und ich den Film zu Ende gucken; ich aufmerksam und Max in meinen Armen schlafend, denn Film schauen darf er ja noch gar nicht. Knappe zwei Stunden später ist der Film aus und wir machen uns auf den Rückweg. Mit Max im Arm taumel ich, wie die anderen Kinobesucher,  von einer Wand zur anderen. Das nennt man wohl Seegang und gerade ausgehen ist schlichtweg unmöglich. Während Max und ich eine angenehme Nacht haben, sanft eingelullt von dem Geschaukel, lässt sich Tobi sein Abendbrot nochmals durch den Kopf gehen.

 Morgens um halb 6 werden wir über Lautsprecher vom Kapitän geweckt. Er weist freundlich darauf hin, dass wir gegen 6.30 den Hafen von Devonport erreichen werden und einige Restaurants und das Cafe zum Frühstück gegen Bezahlung einladen.

Wir packen unsere Sieben Sachen zusammen und machen uns auf den Weg zum Auto. Im Nullkommanichts geht es sehr koordiniert vom Schiff wieder runter, durch eine erneute Quarantänekontrolle und, nachdem wir unsere Gaskartusche wieder abgeholt und sicher angebracht haben, fahren wir los. Über Devonport und Ulverstone geht es Richtung Westen, an der Küste entlang und wir finden einen wunderschönen Strand, genannt "Turners Beach", an dem wir Frühstücken und einen gemütlichen Strandspaziergang machen. Im Gegensatz zu den vom Festland her bekannten Stränden, ist dieser hier unheimlich breit, beginnt mit, vom Meer rundgeschliffenen Kieselsteinen, interessante Treibholzstückchen, Muscheln und Strandgut und geht in einen sehr breiten Sandstrand über. Wir gehen eine ganze Zeitlang Richtung Westen und stoßen auf einen schönen kleinen Flußzulauf, auf dem wir einige Steinchen springen lassen, bevor wir erfrischt und munter wieder zum Auto zurückkehren. Unser nächster Stopp ist der Leven Canyon, zu dem einer der berüchtigten "60 Short Walks" von Tasmanien hinführt. Am Aussichtspunkt angelangt sind wir überwältigt. Vor uns ragen messerscharfe Felswände in die Höhe, die durch jahrtausendelanges Nagen des Leven Rivers herausgearbeitet wurden. Der Fluss selbst reißt unter uns, 275 m tiefer, mit vom aufwühlenden Wasser braunem Farbton und weißer Gischt vorbei und links von uns sehen wir unseren ersten schneebedeckten Berg. Hier treffen wir auch Marek, einen kanadischen Arzt, der für einige Wochen im Jahr in Tasmanien aushilft. Auf dem Weg zum nächsten Aussichtspunkt hören wir ein Geräusch und sehen ein kleines graues Tier an uns vorbeiflitzen. Wir können noch nicht so richtig einordnen, was es ist, bis es stehen bleibt und uns beobachtet. Es ist ein Panemelon, eine Art kleines Känguru, das es nur noch in Tasmanien gibt. Beim nächsten Aussichtspunkt treffen wir Marek wieder und kommen mit ihm mehr ins Gespräch. Und am Parkplatz tauschen wir E-Mailadressen aus. Wir bleiben die Nacht über hier.    

 

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