Tangalle und die Bekanntschaft mit dem Tsunami

Hier wollen wir uns mit Pushpita, dem Nachbarn und Bruder von Nilantha treffen. Der arbeitet in Tangalle für den Präsidenten, welcher genau in dieser Stadt geboren ist und hier seinen Rückzugpalast hat. Leider ist Pushpita auf Grund familiärer Zwischenfälle nicht anwesend und deswegen erkunden wir die Stadt auf eigene Faust. Mit dem Bus erreichen wir Tangalle und durchstreifen die Stadt auf der Suche nach einem Hostel. Das erste Hostel, das wir ansteuern, bietet für einen hohen Preis nicht die dementsprechenden Ansprüche. Doch dieses Haus und seine Zimmer zeigen deutlich die Spuren, die der Tsunami hinterlassen hat: Das Haus ist voller Schimmel. Die Suche geht demzufolge weiter, am Hafen entlang. Doch wir finden keine Alternative zum ersten Hostel. Also wieder zurück mit dem Bus, denn der fährt gerade vorbei, und wir wollen nicht den ganzen Weg mit unseren schwer gewordenen Rucksäcken auf uns nehmen. Gerade noch so in die offene Tür rein gequetscht, halb drinnen, halb draußen stehend, steigen wir wieder am Busbahnhof aus, an dem wir auch angekommen sind.

Nach einer weiteren Suche, diesmal am Strand entlang, werden wir von einem Mann angesprochen. Dieser bietet uns ein Zimmer in seinem Hostel an, das ehemalige Kinderzimmern seiner Kinder.

Wie er uns nun berichtet sind seine Kinder und seine Frau bei dem Tsunami von 2004 ums Leben gekommen. Er, zu diesem Zeitpunkt zu Besuch bei seinen Eltern und somit nicht vor Ort, bekommt von dem Ganzen erst mit, als es bereits zu spät ist. Seine Familie, von einem Moment auf den anderen, ausgelöscht. Nun alleine, verwaltet er dieses Hostel. Er erzählt uns weiter, das damals gesamte Familien, Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde und weitere Familienangehörige ertrunken sind. Wie geht man damit um, wenn man so etwas hört? Mit Zuneigung, offenen und ehrlichen Worten oder positiven Gedanken? Das alles scheint irgendwie falsch, denn dafür gibt es, glauben wir, keine Worte, außer vielmehr ein offenes Ohr für diese Schicksale. Es ist auch gerade richtig komisch darüber zu schreiben, aber auch so verrückt, wenn man sieht wie sie diese Situation handhaben bzw. handhaben müssen, denn es muss ja weitergehen. Irgendwie, muss es funktionieren. Leichte Worte, wenn man nicht weiß, was richtig und falsch ist. Wenn man nun bedenkt, dass genau in dieser Zeit noch Bürgerkrieg herrschte, fragt man sich wie man diese Situation überstanden hat. Gedanken bei denen man sich wieder einmal bewusst wird, was es bedeutet, zu Reisen und zu Erfahren. Es verändert einen und ändert einige unserer Sichtweisen. Diese Art, eine Art negativer Erlebnisse gehören dazu, auch wenn wir sie nicht verändern können, trotzdem werden wir uns bewusst, wie viel Glück wir besitzen, dieses Leid nicht teilen zu müssen.

Auch wir fassen uns wieder von den ersten Eindrücken in Tangalle, sammeln uns erst einmal und am selbigen Abend sitzen wir mit ihm und seinen Freunden gemeinsam auf seiner Veranda und freuen uns an der Geselligkeit. Zusammen gehen wir auch zum Strand, denn da soll man, wenn man viel Glück hat, Schildkröten sehen, welche an Land gehen um ihre Eier irgendwo im Sand zu verbuddeln. Gemeinsam sitzen wir im weichen Sand, lauschen den brechenden Wellen und unterhalten uns. Der Abend vergeht und um Mitternacht ohne jegliche Schildkröte gesehen zu haben, gehen wir wieder zurück zum Hostel und verabschieden uns für die Nacht.

 

Wikipedia Recherche zum Bürgerkrieg. Ein Krieg der das Land einnimmt

Ein Bürgerkrieg über 20 Jahre, kaum vorstellbar für diejenigen, die keinen Krieg kennen, uns inbegriffen. Ein Krieg zwischen den rebellierenden Tamilen, auch LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) genannt und dem singhalesischen Volk: Die Tamilen, abstammend vom Südosten Indiens aus der Region Pondicherry, und dem gegenüber die Bewohner Sri Lankas. Die Tamilen, dem hinduistischen Glauben verbunden, dem gegenüber der Buddhismus welcher im Land verbreitet ist. Der Buddhismus, ein gewaltloser Glaube, nun mitten im Gefechstfeuer einer kriegerischen Auseinandersetzung. Ein Kampf einer aggressiven Gruppe aus dem Norden Sri Lankas, mit dem Ziel einen separaten eigenen Staat, genannt Tamil Eelem, aufzubauen, welchem das singhalesische Militär gegenübersteht. Dieser Konflikt dauerte 25 Jahre mit einer andauernden Unsicherheit im Land und einem Gemisch zwischen Zuversicht und Hoffnungslosigkeit, denn es kam zu einigen Versuchen eine Lösung zu finden.

Der Bürgerkrieg wurde am 19.05.2009 durch den, auch heute noch regierenden, Präsidenten, Mahinda Rajapaksa, für beendet erklärt.

 

Wir reisen nun 2012 durch Sri Lanka, exakt 3 Jahre nach dem Ende des Krieges, und finden ein harmonisches und glückliches Land vor. Wenn man bedenkt, dass von 1983 bis 2009 zwischen 80.000 und 100.000 Menschen ermordet wurden, ist dies schon erstaunlich.

 

Mit der britischen Herrschaftsübernahme 1815 über Kandy, vereinten die Briten, alle drei Königreiche (zwei buddhistische und ein hinduistischen Königreich) zu einer Verwaltungseinheit, mit dem Namen Ceylon. Der langsame Beginn eines religiösen Konfliktes. Anfänglich wurden zahlreiche Tamilen (Hindus) aufgrund ihrer Bildung in hohen Verwaltungspositionen eingesetzt und ebenfalls auf den Teeplantagen. Durch die Übersiedlung weiterer Tamilen kam es zu einer Steigerung des Tamilenanteils und somit des hinduistischen Glaubens von 12 auf 18%.

 

Am 04.02.1948 kam es schließlich zur Unabhängigkeit Ceylons und die UNP (United National Party) wurde die Hauptpartei im Land. Diese, welche aus Singhalesen, Tamilen und Muslimen bestand, gab das Gesetz einer Ausbürgerung der über 100 Jahre ansässigen indischen Tamilen bekannt, um dadurch einen eigenen singhalesischen Staat zu gründen. Dies war der Beginn einer religiösen Unstimmigkeit, welche mit der eigenen Parteigründung Sri Lanka Freedom Party (SLFP) verschärft wurde.

 

1956 gewann die SLFP mit dem Slogan „Sinhala-only“ die Parlamentswahl (Singhalesierung). Sinhala wurde zuerst einzige Amtssprache und später einzige Sprache, zur Benachteiligung der Tamilen im Bildungssystem. Zudem folgte die Umbenennung des Staatsnamen von Ceylon zu „Shri Lanka“, welcher buddhistischen Hintergrund hat und somit eine weitere Demütigung der indischen Tamilen in Shri Lanka war. Der Buddhismus wurde bevorzugte Religion.

 

Die LTTE-Partei, auch Tamil Tigers genannt, hatten das Ziel, einen eigenen Tamilstaat (Tamil Eelam), notfalls auch gewaltsam, zu erkämpfen. Diese bekam im Norden Sri Lankas, dem Bereich mit den meisten wohnhaften Tamilen, eine starke Oberhand.

 

Nun in den folgenden Jahren kam es zu verstärkten Konflikten, Besetzungen von wichtigen Stützpunkten, Gegenanschlägen und gezielten Ermordungen, wie z.B. das Attentat auf den sri-lankanischen Regierungschef. Auch in den eigenen Reihen der Sri Lankaner, vorwiegend der Jugend, kam es zu Protesten und Widerstand und dem Ziel, ein kommunistisches Land zu bilden, welches jedoch später wieder zerschlagen wurde. Mit dem Tsunami 2004 kam es auch zu einer Schädigung der maritimen Kräfte der rebellierenden Tamilen, weshalb es schließlich zu einer langsamen Zerschlagung der Seekräfte der LTTE kam. Durch Bombenattentate der Black Tigers, einer Untergruppe der LTTE-Partei, und aufgrund des Attentates auf den Außenminister von Sri Lanka kam es auch zu einer verstärkten Registrierung dieser außerhalb des Landes und die UN setze diese 2006 auf die Liste der terroristischen Organisationen. Die militärische Regierung Sri Lankas konnte, Schritt für Schritt, Teile des besetzten Nordens erobern. Mit der Ermordung der Führungseliten der LTTE und deren Anführer Velupillai Prabhakarans kam es schließlich zu einem Ende des Krieges.

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