Men in Black

 

In aller früh geht es wieder los in die Stadt. Dieses Erlebnis unter den Menschen zu sein ist einfach faszinierend und anziehend für uns. Wir finden ein kleines Café und sind sofort im Blickpunkt der Leute. Noch zu selten sind die Touristen hier anzutreffen, auch wenn wir später noch das Gefühl haben werden, dass es in Burma doch schon sehr „tourit“. Wir schlürfen genüßlich unseren Tee auf diesen so faszinierenden Stühlen, spielen Schach und erfreuen uns am Augenblick. Es regnet, wieder einmal ziehen graue Wolken über die Stadt. Wir haben nachgeschaut, der Juni ist nach dem regenreichsten Monat August gleich auf Platz Nummer Zwei. Wobei Regen doch eine verschönerte Umschreibung dafür ist. Viel eher trifft folgende Bezeichnung zu: „Es brettert nach unten“. Wir haben jedenfalls einen schützenden großen Regenschirm über uns und somit freuen wir uns noch mehr, im Trockenen zu Sitzen. Nach dieser zehnminütigen „trockenen Dusche“ geht es weiter. Wir finden die burmesische Raubkopiermeile für alle erdenklichen Filme. Nicht nur hier sind die Filme verbreitet auch in der gesamten Stadt findet man kleine Stände die CD´s anbieten. Hier kommen sie her. Hier werden sie gekauft und auf der Straße für etwas mehr wieder verkauft. Wir trauen unseren Augen nicht. Eine riesige Auswahl an neuen und alten burmesichen und europäischen Filmen. Alles was man braucht für einen entspannten Filmabend. Wir decken uns ein, denn wir wissen, Australien steht vor der Tür und um es schon einmal vorweg zu nehmen: Eine australische DVD entspricht umgerechnet 25 burmesischen DVD´s. Da heißt es definitiv zuschlagen. Danach geht es weiter, wie gesagt, wir sind in unbekannten Gebieten, denn zuviele Straßen verlocken abzubiegen. So geschieht es, dass wir an der Kinomeile vorbeikommen. Beim ersten verlockenden Kino werden wir weitergeschickt, denn hier werden nur burmesische Filme gezeigt und diese leider ohne Untertitel. Das europäische, also das englische Kino mit englischen Filmen ist gleich um die Ecke. An sich wollten wir schon in Indien bei einer, sich bietenden Möglichkeit ins Kino gehen, um uns wenigstens einmal originalgetreu einen Bollywood-Film anzuschauen, haben es aber leider nicht geschafft. Nun gehen wir genau hier in Rangoon, Burma, nach über einem Jahr wieder einmal ins Kino, leider nicht einen einheimischen wie wir es uns gewünscht hätten sondern einen aus der amerikanischen Filmmetropole. Men in Black III. Wir holen uns sogar noch Popcorn und schon kann der Kinospaß beginnen. Das Interessante hierbei ist folgendes: Der Kinospaß beginnt erst nach der legendären burmesischen Nationalhymne welche vor jeder Vorstellung gespielt wird und zu der die Staatsbürger feierlich aufstehen, mit der Hand auf der Brust.

 

 

Reisen in Burma

 

Nicht unweit vom Kino befindet sich der Ort, wo man sich landesweite Bustickets besorgen kann. Wir haben beschlossen zuerst nach Mandalay zu fahren. Also hier, vor einem kleinen Kabuff mit unübersehbarer Buswerbetafel, bekommen wir zwei Tickets überreicht. Zwei Tickets im Deluxe-Bus. Eine Auswahl ohne größeren Auswahlspielraum. Entweder diesen Bus oder keinen. Alternativ kann man mit dem Rangoon-Mandalay-Express (Zug) fahren. Der ist aber teurer und es dauert ein wenig länger. Wie wir zudem später erfahren, sind burmesische Züge nicht unbedingt vertrauenswürdig. Sie ähneln nämlich der Achterbahnfahrt aus Sri Lanka, also den Hoppelpisten, wobei es hier noch eine erstaunliche Steigerung zu verbuchen gibt. So kommt es sogar vor, dass der Zug auch mal entgleisen kann (Quelle unbekannt). Also, wir entscheiden uns für die verwöhnte Variante, denn die Alternative macht es uns leider nicht schmackhaft. Diese Art von Geschäft: Entweder - Oder!, ist auf die Situation im kompletten Land zurückzuführen. Viele Ausweichalternativen wird man hier nicht finden. Die Reiseroute ist für jeden mehr oder weniger vorherbestimmt. Großartige Abweichungen erlauben sich nur diejenigen, welche das nötige Kleingeld haben, um sich die teuren und abgelegenen Hotels zu leisten oder welche aufs Flugzeug umsteigen können. Nun gut, wir wollen das Land auch kennenlernen, sind aber Backpacker mit einem kleinen Geldbeutel und viel ist nicht mehr übrig von unserem Ersparten. Also nehmen wir die Möglichkeiten, die es uns erlauben, etwas vom Land zu sehen. Es geht heute Nacht erst einmal nach Mandalay und was danach passiert werden wir sehen. Unsere Insiderperson gibt uns genau wie unser schriftlicher Reiseführer eine vorgegebene Route vor. Es gibt keine Busse oder Züge die in andere Gebiete fahren bzw. fahren dürfen. Alles ist staatlich überwacht. Man weiß, wo wir sind. Die Touristen werden durch eine geschickte Maschinerie gelotst und man bekommt nur das zu sehen, was man sehen soll. Dass wir bei Verwandten (zumindest fühlen sich Esther und Myint wie Verwandte für uns an) wohnen dürfen, ist auch verboten, verboten im Sinne der Militärregierung. Es ist keinem Einheimischen erlaubt einen Touristen nach 18 Uhr bei sich zu Hause einzuladen, geschweige denn bei ihm übernachten zu lassen, so die Anweisung der Staatsbosse. Nun die Erfahrung dank unserer Bekannten, dass sie uns bei sich aufnehmen, stimmt uns mutig und wir freuen uns darauf, Burma zu entdecken.

 

 

 

Auf nach Mandalay

 

Am Abend fahren uns Myint und Esther zum Busbahnhof. Das darf man sich jetzt aber nicht so gepflegt und geordnet wie in Europa vorstellen. Ein burmesischer Busbahnhof gleicht eher einer Großstadt voller Busse, nachdem zu urteilen, wie es hier zugeht. Hier stehen Hunderte, vielmehr Tausende an wartenden, einfahrenden oder abfahrenden Bussen herum, so zumindest unser Gefühl. Massen an Menschen. Jede Straße entspricht einem anderen Reiseziel. Wir sind irgendwo dazwischen, werden von talentierten Zuweisern gelotst. Auch mit einer Karte würde man sich hier nicht zurecht finden. Alles sieht so gleich aus. Alles funktioniert, so der Eindruck. Ein burmesisches Meistwerk! Aber wie? Talent. Aber mehr können wir euch auch nicht sagen. Hier gibt es noch weitere Busunternehmen, die Lokalen, aber auch diese sind hochmodern. Unzählige Restaurants, kleinere Shops und sogar einen Friseur findet man hier. An sich auch klar, bei solch einem Andrang. Man reist mit dem Bus. Das kann überwacht werden. Mit dem Auto fährt man hier keine hundert Kilometer. Zu teuer das Benzin, zu selten die "Tankstellen". Wir sitzen im Bus, die 330ml PEP Wasserflasche vor uns im zugehörigen Flaschenhalter, ist im apokalyptischen Reisepreis inbegriffen. Vollaustattung. Klimaanlage. Alles was man braucht, um sicher am Ziel anzukommen. Brauchen wir nicht, wir sind indische Züge gewöhnt, aber wie schon gesagt, andere Alternativen gibt es für uns Touristen nicht. Man fühlt sich, wenn man den Rest einmal ausblendet, wie in einem europäischen Reisebus. Unterschiede gibt es hier nicht, was sicherlich viele erfreut. Deluxe-Bus mit Deluxe-Komfort!

 

Irgendwo auf der Strecke halten wir an. Es ist Mitternacht. Wir müssen aussteigen, denn der Bus wird abgeschlossen. Somit wird versucht Dieben im Voraus das Handwerk zu legen. Was man jetzt in dieser halben Stunde macht ist jedem selbst überlassen. Definitiv gehört ein Toilettengang mit dazu, denn dieses Bedürfnis wird nicht allzu oft auf der Reise befriedigt; und die Reise ist lang. Wir fahren ungefähr zehn Stunden und kommen übermüdet zur frühen Morgenstunde in Mandalay an. In Burma gibt es nur Sitzbusse, also keine Liegebusse, was durchaus einen Unterschied im Ausgeschlafen, bzw Müde sein ausmachen kann.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0