Burma-Myanmar

Grundwissen

Im Vorfeld haben wir schon soviele unglaublich positive Nachrichten gehört, dass wir es kaum noch erwarten können, selber dieses, als faszinierend beschriebene, Land zu erleben. Myanmar klingt nach dem Reiseland schlechthin, denn Myanmar ist ein sehr junges Land was den Tourismus betrifft und somit das perfekte Land um den Menschen und ihren Kulturen nahe zu kommen. Myanmar (Republik der Union Myanmar), welches früher einmal Burma hieß, und hier somit auch birmanisch gesprochen wird, hat um die 54 Millionen Einwohner. Die Umbenennung zu Myanmar erfolgte 1989 mit dem Vorwand, einen souveränen Staat zu repräsentieren. Zeitgleich wurden dadurch auch die 135 verschiedenen Bevölkerungsgruppen unter einem einheitlichen Namen verbunden: Myanmar, was auf birmanisch „stark zusammenhaltend“ bedeutet. Man könnte daraus schlussfolgern, dass dieses Land nun als einheitlich stark beschrieben werden kann. Dem ist aber nicht so. Vielmehr ist Burma bzw. nun Myanmar immer noch in weiten Gebieten dieses Landes getrennt voneinander; dies ändert sich nicht durch einen neuen Namen. Diese angedachte Gemeinschaft ist rein politisch und hat mit der Gemeinschaft innerhalb der Bevölkerung nichts zu tun.

 

Seit 1963 wird Myanmar/Burma von einer Militärregierung verwaltet, welche durch Gewalt, Korruption und Abgrenzung zur restlichen Welt, Schlagzeilen macht. Die Oppositionsführerin, sowie weitere Gegner dieser Regierung sprechen von ihrem Burma und nicht dem erzwungenen Myanmar. Dies ist nun auch der Grund, weshalb wir zukünftig von Burma berichten um uns ebenfalls nicht dieser Regierungsweise anzunähern. Obwohl wir nur Touristen sind, werden wir euch unsere Sichtweise und unsere Erfahrungen ehrlich schildern und dokumentieren. Denn Touristen erkennen auch hier deutlich, dass dieses Land noch alles andere als frei ist. Man erkennt es, wenn man sich nicht als Tourist sieht. Burma wird unser 13. Reiseland innerhalb eines Jahres und daraus lässt sich schon eine erhebliche kulturelle Erfahrung erkennen. Wir haben viele Länder bereist und mit dem Durchschnitt von rund einem Monat pro Land, muss man natürlich auch sagen, nur bereist, in welcher Vielfalt auch immer. In wenigen Ländern jedoch mehr gelebt als gereist und in anderen Ländern haben wir uns einen Überblick verschafft.

Burma wird eine ganz andere Erfahrung werden und bis heute sind wir, wie das Land selbst, zweigeteilt von unserer Sichtweise. Burma, das bedeutet Freiheit auf der einen Seite und Militätdiktatur auf der anderen Seite und für uns bedeutet es ebenfalls Kultur auf der einen und unfreier Tourismus auf der anderen Seite.

 

Geografie und Lage der Hauptstadt

Burma liegt nordwestlich von Thailand und ist somit nur wenige Flugstunden von Bangkok entfernt. Wir fliegen zur größten Stadt Burmas, nach Rangun. Seit 2006 ist Rangun oder Yangoon, die frühere Bezeichnung, nicht mehr Hauptstadt dieses Landes. Nun ist Naypyidam, Heimstadt der Könige und offizielle Regierungs- und Hauptstadt von Burma. Es wird über verschiedene Gründe spekuliert. Ein nicht unwesentlicher Grund ist, dass in Rangun, der ehemaligen Hauptstadt und Stadt mit den meisten Einwohnern, viele Demonstrationen und Proteste gegen die Militärgegierung statt finden. Rangun ist kulturelle Hauptstadt Burmas und durch die Schwedagon-Pagoda das Zentrum des Buddhismus und des religiösen Widerstandes. Durch die Umsiedlung ins Landesinnere, zu einer Stadt, welche ca. 320 km von Rangun entfernt ist, grenzt die Hauptstadt samt ihrer Regierung somit auch nicht mehr an das offene Meer an. Es ist anzunehmen, dass dies der zweite mögliche Grund für den Ortswechsel ist, und dass die Militärregierung aus Angst vor feindlichen internationalen Übergriffen vom Meer aus, hier in Naypyidam sein Quartier bezogen hat.

 

Myint und Esther

Trotzdem bleibt Rangun für uns die inoffizielle Hauptstadt, eine Stadt in der wir insgesamt 12 Tage leben werden. Wir leben aber nicht irgendwo, sondern, und nun kommen wir zu einer faszinierenden Geschichte, bei Freunden von meinen (Tobi) Großeltern. Wir wohnen bei Myint und Esther in ihrem Haus bzw. in dem früheren Haus ihrer Tochter, welche momentan in Wien lebt. Sie ist ebenfalls Reisefachfrau wie einst Esther in ihrer aktiven Zeit. Nun ist Esther für uns unsere inoffizielle Reiselektüre. Myint, ehemaliger Chemiker hat genau wie Esther in Halle/Saale (bzw. Leipzig) in Deutschland, in meiner Heimatstadt studiert. Dies ist aufgrund der Vorgeschichte dieses Landes keine Normalität. Das heißt, dass nicht jeder reisen und studieren kann wie er will. Dafür müssen Anträge und Genehmigungen eingeholt werden bzw. eine Einladung des besuchten Landes erfolgen, damit es zu dieser Möglichkeit kommt. Außerdem braucht man dafür auch ein gewissen Kapital bzw. jegliche Art von Unterstützung. Zu diesem Zeitpunkt, irgendwann in den 60er Jahren kannten sich beide aber noch gar nicht und bekamen beide, unabhängig voneinander, ein Stipendium zum Studieren und Arbeiten in Deutschland, damals noch im Osten. Schlussendlich lernten sie sich dann in Halle kennen und lieben: Zwei Burmesen in Deutschland. :-) Myint und Esther sind, wie meine Eltern und Großeltern, Christen und so entsteht auch die Verbindung und zwar in der Gemeinde in Halle/Saale. Durch die jahrelange Kontaktpflege (um die 30 Jahre nun), wahrscheinlich einem angeborenen Talent unseres Hauses, kommt es schließlich dazu, dass wir die Beiden nun hier besuchen.

 

Ankunft

Myint und seine beiden Enkelkinder, Andrew und Alvin, holen uns am Flughafen ab. Das muss man sich nun wie folgt vorstellen:

Da ich, Tobi, keine wirkliche Erinnerung an unsere burmesischen Freunde hatte, obwohl Myint zwischenzeitlich nochmal in Deutschland war, wusste ich auch nicht, wer uns nun erwarten würde. Die Spekulationen liefen weite Wege und mögliche Volltreffer hatte ich schon durch die Glasscheiben der draußen Wartenden inspiziert. Aber es kam anders und Myint wartete mit seinen süßen Enkelkindern schon mit einem angefertigten Schild, wo unsere Namen drauf standen, in der Empfangshalle des größten Flughafens des Landes auf uns.

 

Nachdem wir uns herzlichst begrüßt haben, was schon als gutes Vorzeichen für die nächsten Tag dient, fahren wir durch den Torbogen Yangoons zu dem Haus, welches wir die nächsten Tage bewohnen werden. Dieses Haus liegt im Außenring 10 der Stadt, ungefähr eine halbe Stunde vom Zentrum entfernt. In einer Seitenstraße, vorbei an einem kleinen buddhistischen Tempel, erreichen wir dieses Anwesen, welches zwischen zahlreichen Bäumen seinen Platz gefunden hat. Dort begrüßen wir auch Esther, Myint´s Frau, welche wir heute zum ersten Mal treffen und kennenlernen. Zugleich lernen wir auch noch Peter kennen, quasi den Fachmann vom Dienst, welcher gerade den Fernseher repariert, was ganz wichtig ist, da heute die Nobelpreisrede von Aung Sang Suu Kyi übertragen wird, aber dazu später mehr.

Nachdem wir unsere Sachen abgelegt und uns bei Myint und Esther ein wenig erholt haben, fahren wir zu einem einheimischen Restaurant und erleben zum ersten Mal die burmesische Küche. Reis mit Curry, das Nationalgericht Burmas und seeeeeeeeeeeehr lecker. Dieses traditionelle Gericht soll uns für die nächsten 24 Tage begleiten, positiv, wie auch negativ.

Wie es der Zufall so will, ist heute auch der Geburtstag von Tobi´s Mutter. Das bedeutet, dass wir heute noch Internet brauchen. Gott sei Dank gibt es Internetcafés auch hier in Burma. Zwar noch nicht seit allzu langer Zeit, aber immerhin, wobei dies noch unter erheblichen Einschränkungen nutzbar ist. Ein stabiles Netz ermöglicht es uns aber heute, dass wir hier in Burma ein deutsches Geburtstagsständchen trällern können. Nach diesem ersten musikalischen Highlight sind wir dann auch bereit für eine Erholung. Gute Nacht, Burma.

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