Heute ist Mittwoch

Dieser Wochentag heißt für uns heute zwar auch früh aufstehen, aber nicht weil wir, wie die meisten es machen müssen oder wollen, um zur Arbeit zu gehen, sondern wir gehen zur Botschaft von Myanmar. In fünf Tagen fliegen wir in dieses Land. Der Flug ist schon gebucht, nur das Visum noch nicht organisiert, aber das steht heute auf dem Programm. Mit dem Taxi geht es zur Botschaft oder zumindest in diese Richtung, denn, ist man einmal außerhalb der Partystraße und seinem, zu Fuß begehbaren faszinierendem Viertel drumherum, kommt man leicht ins Grübeln und Stauen zugleich, wenn man sich nun im richtigen Bangkok aufhält. Von drei Stockwerken auf 60 ist allein schon eine beachtliche Steigerung, aber auch die Straßenverhältnisse sind anders. Als normal kann man das noch bezeichnen, aber nach Indien, Sri Lanka und den Ländern zuvor, trotzdem extrem europäisch. Fußgängerbrücken über vierspurigen, innerstädtischen Schnellstraßen. Brücken für Fußgänger, um sie über stark befahrene Kreuzungen zu lotsen. Hoch, wie nun seit Monaten nicht mehr, sind wir auf der Suche nach der Botschaft. Für das Auffinden der Botschaft auf einer der endlos langen Straßen, sind Hausnummern zwar Anhaltspunkte, aber keine Garantie für den Erfolg. Ums kurz zu machen, der Taxifahrer hat keinen Plan, wo die Botschaft bzw. die Hausnummern sind und um uns die Irrfahrt durch beachtlichen finanziellen Aufwand zu ersparen, laufen wir zu Fuß weiter und stehen nun auf einer dieser vierpoligen Brücken, welche den Autofahrern, fußgängerfreie Fahrt gewähren. Jetzt schon allein hoch genug, schaut man noch weiter hinauf und kann die Hochhäuser bewundern. Dieses Viertel Bangkoks ist eine Welt der Hochhäuser. Magie der Spiegelungen und der Glasbaukunst. Magie ist die eine Seite der Medaille, wenn man diese aber umdreht, ist die Luftverschmutzung tief darin eingemeißelt. Da diese Hochhäuser nun hier stehen, gibt es zusätzlich noch einen drauf, zu der ohnehin massiven Luftverschmutzung durch die unzähligen Autofahrer, denn somit kann keine Ventilation mehr gewährleistet werden.

Wir marschieren weiter und entdecken einen Dreh für einen Videoclip und sind richtig fasziniert von der Dynamik dieser Stadt. Hier wird alt mit jung verknüpft. Zu sehen an den Menschen und zu sehen an und in der Stadt. Nach einer halben Stunde sind wir auf der anderen Seite der Straße angelangt und kaufen uns einen Kaffee von einem fahrbaren Straßenhändler. Ein Kaffee, welcher das Prädikat „genial“ verdient hat. Die vielen Straßenhändler mit ihren tollen Gerichten bereichern uns nun um ein leckeres Sandwich. Essen von der Straße, eine verloren geglaubte Liebe erlebt hier nun für die nächsten Tage wieder ein Comeback. Die Kunden sind keine armen Schlucker, die sich mit ihrem letzten Klimpergeld ihre einzige Mahlzeit des Tages kaufen, sondern Anzugträger vom Maßschneider. Einfache, aber doch so praktikabel erbaute Feinschmeckerwägen liefern uns die Köstlichkeiten. Erbaut für das Volk, denn die Thailänder bilden ein Volk, das gemeinschaftlich isst. Und wo ist die Gemeinschaft am Größten? Auf der Straße, mitten im Volk. Vom Videoclip auf der Fußgängerbrücke und dem schon ausgeschlürften Kaffee geht es weiter Richtung Norden. Wir werden fündig, nach zwei Stunden. Hier gewöhnen wir uns schnell eine neue Zeitrechnung an, die uns für die nächsten Tage prägen wird. Zeit ist relativ, besonders bei diesen Ausmaßen. Wie einst in Peking, nun auch hier, aber besonders hier mit einem massiven Verkehrsproblem und keiner Ausweichmöglichkeit ist es schwer, etwas in einer Stunde mal eben so schnell zu erledigen.

 

Ein imposanter Versuch

Nun an der Botschaft angekommen, werden wir von einer sympathischen Frau gleich an den Türen zur Botschaft aubgefangen. Sie steht draußen auf der Straße vor der Botschaft und meint, sie arbeite hier für die Botschaft. Wunderbar, denn wir brauchen ein Visum für Myanmar und wenn das die schnellste Variante ist, nehmen wir sie auch gerne an. Das muss man sich einmal genauer vorstellen, denn das wäre wie wenn man bei der Bundesagentur für Arbeit eine Mitarbeiterin direkt vor der Tür auffinden würde, welche sich sofort um einen kümmert. Ohne Zettelchen ziehen und ganz ohne Mitglied der Fußbodengucker zu werden, welche sich stets gepeinigt abwenden. Sofort und persönlich vor der Haustür, ohne Suche nach dem Wo, Wann und vor allen Dingen, Wem. Wie könnte es also besser sein? Es wird sogar noch persönlicher, denn wir tauschen mit ihr die Handynummern aus, denn wir brauchen noch Passfotos und wenn diese fertig geschossen sind, sollen wir sie anrufen und das Visum wäre zacki-zacki fertig. Der Wahnsinn auf Bangkoks burmesischen Straßen. Wir händigen ihr unsere Reisepässe aus, denn die braucht sie, um schon die ganze Bearbeitung einzuleiten und wir machen uns, überwältigt von so viel Zuvorkommen, auf den Weg zum Fotomann.

Dort angekommen erleben wir schon wieder die pure Freude, denn wir stehen im gefühlten Vorzimmer. Alles wird irgendwie reingepresst. Also eine Art Fruchtsaftpresse. Drucker, Kopierer, Passfotos und zahlreiche weitere Angebote, gepresst in einem Raum, also in nur einer Presse. Herrlich. Nun vor einer grauen, eigentlich weiß angedachten Wand, wird ein Viererfoto mit einer Kamera von vor hundert Jahren gemacht. Ein Bild für das Familienalbum, denn so, wie die Wand, ist auch die Qualität des Bildes: Eine wahre Augenweide. Ideal, denn zwei Bilder sind für das Visum und die anderen zwei fürs Fotoalbum. Diese Bilder sind eigentlich ein Negativbeispiel für die schönen biometrischen Vorgaben, denn sie zeigen deutlich, wie ein Bild nicht aussehen sollte. Das Einzige was auf unserem Bild fehlt, ist der rote Balken für: „So nicht“.

Während unsere Passbilder noch bearbeitet werden, füllen wir noch nebenbei unsere Visanträge aus. - Hä? - Moment mal. Bis uns klar wird, dass wir wirklich gerade einfach das Visum ausfüllen, wird uns auch klar, was fehlt. Unsere Reisepässe. Diese sind Teil des auszufüllenden Fragebogens, aber da wir sie zuvor der Frau von der Botschaft ausgehändigt haben, können wir mit der Beantragung auch nicht wirklich fortfahren. Nachdem wir uns mit dem Fotomann ausgetauscht haben, wie das Ganze denn normalerweise von Statten geht, wird uns auch klar, dass die Variante, der eigenhändigen Visumsbeantragung erheblich, aber auch wirklich erheblich günstiger ist. Auf dem Rückweg zur Botschaft telefonieren wir auch schon mit der gewissen Dame und kündigen an, dass wir unterwegs sind. Wenige Minuten später treffen wir sie wieder vor den Türen der burmesischen Botschaft. Dort wollen wir nochmal genau wissen, wie ihre Summe denn zustande kommt und ihre göttliche Antwort ist folgende: „12.000 Baht für das Visum und 10.000 Baht für meinen Aufwand“. Die Freude in unseren Gesichtern muss ebenso göttlich sein als wir diesen ganzen Trick nun auch verstehen...

Übrigens, wir haben im Anschluss das Visum in einer sagenhaften Stunde ausgefüllt und bearbeiten lassen. Die Bearbeitung fand in einem separaten Bereich statt. Die Wartezeit betrug unamtliche fünf Minuten. Die einzige Antwort von der Frau hinter dem Schalter war, dass wir am Freitag unsere Pässe mit dem Visum abholen könnten. Im Ganzen brauchten wir nur 1,5 Stunden für das Visum, kürzer als die Fahrt und die Suche zur Botschaft selbst. Fanastisch gut!

Richtig happy über diese niemals geglaubte Schnelligkeit geht es wieder zurück. Auf dem Weg verdrücken wir noch schnell einen tollen „Broiler“ (für die, die nicht wissen was das ist: Ein Brathähnchen, auch „Gockerl“ genannt). Caro muss noch zum Zahnarzt, denn sie hat ein Loch. Die Suche dauert zwar eine Weile, denn Passanten befragen verspricht keinen garantierten Erfolg, aber dadurch besuchen wir noch einen weiteren Markt. Das Loch wird schlussendlich gefixt und nun kann Caro auch wieder naschen, wie es sich für eine Naschkatze gehört.

 

Auf dem Chao Phraya

Mit dem Taxi geht es wieder zurück. Wir stecken im gewohnten Stau und der tolle Taximann bringt uns zum Chao Phraya, dem Fluß Bangkoks. Mit einer Fähre, so meint er, wäre es die schnellste und beste Variante in Bangkok von A nach B zu kommen. Mit diesem neuen, fabelhaften Wissen setzt er uns in der Nähe der Anlegestelle ab. Dort angekommen sehe ich, Tobi, schon ein paar Thailänder Fußball kicken. Zwei provisorische Tore aus Sporttaschen errichtet und schon steht das Fußballfeld. Zur seitlichen Abgrenzung dienen der Abwasserkanal zur Rechten und die parkenden Feuerwehrautos zur Linken. Eine Stunde später, vollkommen durchgeschwitzt, bin ich wieder in altbekannter Höchstform im asiatischen Land. Als „Tobias Ballack“ bin ich nun der deutsche Fußballstar am Ufer des Chao Phraya. Nun stellt sich wahrscheinlich jeder die Frage, was denn Caro in der Zwischenzeit getrieben hat. Nun, an der Stelle sollte man sagen, sie hatte wohl die bessere sportliche und abenteuerliche Belastung von uns Beiden. Denn während ich mit einigen Feuerwehrmännern kickte, machten andere Trockenübungen und Caro war mittendrin, statt nur dabei. Die Trockenübung bestand darin, sich vom Feuerwehrauto aus zum Haus an einem Drahtseil hinüberzuhangeln. Das Ganze bei leicht aufsteigendem Seil in einer Höhe von ca. 8 Metern. Gut gesichert, hangelte sie sich wie ein kleiner Klammeraffe vor. Der Anfang verlief noch ganz flink, doch gegen Ende hin ließ sie stark nach. Um es auf den Punkt zu bringen: Als Feuerwehrfrau hätte sie glatt versagt, denn bis sie den Fenstersims erreicht hatte, wäre das Haus in der Zwischenzeit abgebrannt, ausgeräuchert und in Schutt und Asche zerfallen. (Naja, ganz so schlimm war es dann auch wieder nicht.) ;-) Doch es war eine der anstrengensten Aufgaben, die Caro jemals absolvieren musste und auch noch zwei Tage später, sollte sie vom Muskelkater in ihren Bauchmuskeln gefoltert werden.

 

Mittlerweile oberkörperfrei, denn das T-Shirt ist so naß, wie der Fluss, geht es zur Bootsanlegestelle. Das Boot kommt innerhalb von 10 Minuten und dank frischem Wind sehen wir auch wieder erfrischt aus. Der Panoramablick der uns nun in der nächsten halben Stunde vom Boot aus in seinen Bann zieht, ist einfach nur schön. Mitten in Bangkok, auf einer Fähre, schippern wir der untergehenden Sonne entgegen und betrachten die Wolkenkratzer und Tempel mit goldenen Dächern als Kulisse. Mehr braucht man nicht mehr zu sagen.

 

Abendprogramm

Angekommen, brauchen wir erstmal was zu essen und nicht all zu weit von der Khao San Road entfernt, werden wir fündig. Dort am übergroßen bildlichen Speiseplan lernen wir Hanna und Clémont kennen. Zwei Münchner, ebenfalls hungrig und ebenfalls zwei leidenschaftliche Fußballfans, denn heute ist EM. Heute spielt Deutschland gegen Holland und wie kann es nicht besser sein, als sich mit zwei Deutschen dieses Match anzuschauen. Nachdem wir unser Abendbrot verdrückt haben geht es zurück zur Khao San Road. Die Europa-Meisterschaft in Polen und der Ukraine und wir in Bangkok ergibt eine nicht unbedingt so grandiose Kombination. Aufgrund der Zeitverschiebung findet das Spiel heute bei uns nachts um halb zwei statt. Bis dahin haben wir also noch ausreichend Zeit und wenn man Zeit hat und nicht so recht weiß, was zu tun ist, läuft man einfach auf der Khao San Road entlang. Vier Deutsche auf dem Weg, für jeden asiatischen Händler, Verkäufer und Tuk-Tuk-Fahrer ein Geschenk des Himmels, hier in Bangkoks Routine. Meistens ist es mehr ein Versuch dieser, denn die Backpacker bestimmen in der Regel, wo es lang geht, meistens jedenfalls.

 

Wir sind für jede Gaudi zu haben und so ist es auch jetzt. Der Tuk-Tuk-Fahrer, Name unwichtig, bietet uns an, uns für nur 20 Baht, was in etwa 4 Euro entspricht, zu einem Abendprogramm der Kategorie: "Ein Muss“ zu bringen. In der Hand hält Tobi schon, die Aktionskarte, also den Programmablauf für die heutige Veranstaltung. Auf dem Programm steht: Colaflasche öffnen, Zigarette rauchen oder auch Dinge verschwinden lassen, sowie die wohl bekannteste Aktion, Ping Pong spielen. Wir fahren also zum Ping Pong. Nun, für all diejenigen, die nun immer noch Fragezeichen über ihrem Kopf schweben sehen: Dies ist wohl die bekannteste und unappettitlichste Abendunterhaltung in Thailand. Die Unterhaltung für Ausländer.

Schon zu Zeiten des Vietnamkrieges wurde Bangkok als Unterhaltungspäuschen genutzt. Hier boten sich zahlreiche Abwandlungen der sexuellen Lust und diese Lust billig zu haben; und umso billiger, umso grausamer auch der Umgang mit ihr. Billig ist zum Teil auch eklig, denn die Auswahl ist teilweise minderwertige Ware. Ein Leben, bei welchem man keinen anderen Ausweg mehr sieht, ist schrecklich und dieses Schreckliche verbunden mit keiner anderen Wahl, bedeutet Thailand, bedeutet reich gegen bzw. schon wieder mit arm. Belustigung dank der Macht des Geldes. Aus dieser jahrelangen Tradition der Unterhaltung enstand die „Ping Pong-Show“.

 

Die „Ping Pong-Show“

Als wir in diesem schäbigen Hinterhof ankommen, gruselt es uns ein wenig. Hier soll sich dieses Unterhaltungsprogramm für Touristen abspielen? Das Monopol der Ping Pong-Show. Momentan befinden wir uns noch auf dem Parkplatz, der jedoch so unbedeutsam ist wie es der Chef des Hauses noch werden soll. Wenn man sich dies nun als Augenzeuge verinnerlicht, sollte einem schon klar werden, dass es innen drin nicht wesentlich freundlicher ausfallen kann. Und wenn es dort nicht besser aussieht, sind die Akteure ebenso schätzend gering, also, gering im Lohn und somit auch gering im Angebot. Worte welche hart klingen und welche so schmerzhaft sind, dass man sich nicht ausmalen sollte, wie hier die Gelder verteilt werden. Aufgrund dieser Konstellation, und dies ist umso bedeutsamer aufgrund des Gespräches mit dem „Ping Pong-Boss“ (oder wer auch immer er sein möge), vor der Tür dieses ekligen Palastes, ließ es uns vergehen. Mick Jagger auf Drogen, dies wäre die einleuchtendste Beschreibung für diese Gestalt vor uns. Widerwertig, vielleicht ebenso nur eine Marionette dieses Spiels, kombiniert mit Arroganz, verursacht einen innerlichen Brechreiz. Eintrittspreise spiegeln eine mögliche Qualität wieder, möglich wohlbemerkt, aber dieser Preis schrie nach Ausbeute. Ausbeute für unseren Geldbeutel und den der Akteure. Uns gestattete man einen sekundenlangen Einblick ins Geschehen. Gesehen, haben wir nicht viel, gefühlt, eine ganze Menge. Dort roch es nach billigen Schaulustigen, die nicht viel für ihre Persönlichkeit tun. Dies unsere Einschätzung, aber vielleicht täuschen wir uns auch und aus grau wird bunt, wenn man den Eintrittspreis in die schäbigen Hände von Mick Jagger legt. Vielleicht bringt Geld ein gewisses Amüsement mit sich, wie man es sich wünscht aus den Zeiten von Glorie und Glamour, aus Zeiten wie dem Moulin Rouge. Dies wäre wieder einmal nur eine Illusion in unseren Gedanken, denn davon gibt es hier nicht mehr viel. Vielleicht ist es aber auch die Arroganz der Gierigen, die sich nach Besserem für weniger sehnen und so sind es die Backpacker die mit ihrem Klimpergeld nun für Profit sorgen sollen. Wir werden und wollen nicht Teil von diesem werden, was sich uns bietet. Dies bestätigen uns auch die schon Schaulustigen die nun teilweise empört die Show verlassen. Es ist momentan vieles nur theoretisch und deswegen ist der praktische Teil auch stark verlockend. Es wäre, wie wenn man in Paris nicht zum Louvre geht, in Moskau nicht zum Roten Platz und in Bangkok nicht zur Ping Pong- Show. Es ist dieser verfluchte Drang etwas zu machen, was einem vorgegaukelt wird und es ist umso verfluchter, je mehr man es sich vorstellt. Zum Glück haben die Frauen in diesem Bereich ein Gespür, einen siebten Sinn für Grausamkeit. Die Männer in der Evolution der Jagd, einen Drang zur Schäbigkeit. Aber wir Männer, wären ja keine Männer, wenn wir nicht auf unsere Frauen hören würden, oder?

Wir fahren wieder zurück, eine gute Entscheidung, denn das Gefühl des schlechten Gewissens hätte uns schon nach einer Minute gepackt, hätten wir es einfach zugelassen. Meistens siegt die Einfachheit, heute ist sie eine Barriere unserer Grenzen. Ein Dank geht an die Frauen unter uns, die die Männer zügeln dürfen und sollen.

 

Fußball und ein Zwischenspiel

Widmen wir uns etwas wesentlich Erfreulicherem. Widmen wir uns der Magie des Fußballs. Eine Verbundenheit, unter uns Deutschen, welche wir auch während der WM in Deutschland wahrnehmen konnten, wird uns nun auch heute packen. Es ist das Gruppenspiel Deutschland gegen die Niederlande. Hier in der Khao San Road wird es eine Party in der Partyblase. Fußball als roter Faden gegen die Hemmungen vor jedem Fremden. Auch dieses Gefühl verbreitet sich hier zusammen mit dem Alkoholkonsum über dieses Freudenspiel. Wer will auch nicht gewinnen wollen, ein Gewinn mit dem Einsatz von einigen Bieren, ein Leichtes. Man tut nichts, man macht vielmehr und wird womöglich belohnt, was ungeahnte Freudengefühle freisetzt.

Also, nun wieder vereint, nach einer Auszeit für jedes Pärchen, sitzen wir schon auf einer dieser vielen Bühnen, welche auf der Khao San Road miteinander verschmelzen. Auf der „Bierstraße“ können wir uns noch gerade so einen Platz neben der Partymusikbox ergattern. Moderation und Fangesänge als Teil des Ganzen kann nicht durch Partymusik unterbrochen werden, nicht wenn man Fußball liebt. Trotzdem sind wir froh, einen Platz gefunden zu haben und jeder, der das Spiel noch vor Augen hat, weiß, dass es besonders in der ersten Halbzeit heiß her geht. Ein tolles Spiel, vor allem der Deutschen, welche die erste Halbzeit dominieren uns somit auch verdient mit 2:0 in Führung bringen.

Für die letzte Halbzeit muss jedoch etwas Spektakuläreres her. Wir wollen uns in der Pausenzeit unter die orangen Fans mischen, die sogenannten Gegner. Als wir das orangefarbene Meer in der Biermeile entdecken gehen wir drauf los, werden jedoch durch Absperrungen daran gehindert, einzutauchen. Anscheindend ist die Bar schon zu voll und deswegen kommt keiner mehr rein. Na, davon lässt uns ja bekanntlich keiner abhalten, also suchen wir einen geheimen Nebeneingang. Hanna schon eingeschleust, werde ich, Tobi, entdeckt und aufgespürt. Einer der vorherigen Cocktail-Eimer war wohl dann doch zuviel, und setzt mir in gewisser Weise zu. Nun ich werde enttarnt und in gewisser Weise verhört. Als Fußball-Begeisteter verstehe ich die ganze Aufregung nur begrenzt und warum der Bodyguard auch gerade erheblich auf „Großmacker“ macht, verstehe ich noch weniger. Amüsiert über seine große Aufregung, versuche ich ihm das Fußballgemeinschaftsgefühl zu vermitteln. In ihm finde ich definitiv keinen Fußballfreund, vielmehr einen Freund der Taten und deswegen kommt es nun dazu, dass er seinen Elektroschocker auspackt, um mir zu drohen, so dass ich mich mal schnellstmöglich verpisse. Erfahrungen mit Elektroschockern habe ich noch keine gemacht, deswegen ist mir dieses Teil auch wenig suspekt, sondern amüsiere ich mich vielmehr über diese Drohung. Als er mir dann aber mit dem Schocker eine verpassen will, wird es schon ernster. Der zweite Versuch sitzt, jedoch nicht bei mir, denn ich weiche gekonnt aus. Vielmehr erwischt er mit einem Hieb seinen Kollegen an der Backe, welcher verletzt zu Boden sinkt. Mich erwischt danach vielmehr seine Faust auf der Gusche. Mit meiner dicken Lippe ist es dann auch schon vorbei, beziehungsweise fängt sie gerade erst an, anzuschwellen. Einige Umstehende beruhigen dann die ganze Situation, welche durch Caro allerdings wieder angeheizt wird, denn sie ist außer sich. Caro ist nicht nur eine Naschkatze, sondern sie kann auch zu einer wilden Raubkatze werden, die alles und jeden, der ihr lieb und Wert ist bis auf die Zähne verteidigt; aber das ist mir nicht erst seit heute klar. :-)

Also nach dieser spektakulären zweiten Halbzeit geht es dann zum richtigen Spiel über und wir finden einen Platz auf der gegenüberliegenden Seite der Bar des Elektroschockers. Dort verfolgen wir die Niederländer, welche uns fast noch verdient platt machen, denn in der zweiten Halbzeit sind sie komplett überlegen. Aber es sind am Ende doch die Niederländer die schlussendlich durch diese Niederlage nach Hause fahren müssen. Hier bleiben sie jedoch an Ort und Stelle und zusammen tanzen wir für den Rest des Abends zu Partymusik auf den Sieg der Deutschen :-)!

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