Die letzte sri lankanische Zugfahrt

Es ist soweit, wir wollen nach Negombo. Aufgrund einer Verspätung haben wir das Glück, noch ein wenig Zeit im Pettah-Viertel zu verbringen. Dieses elektrisierende, geschäftige und beeindruckende Viertel ist auf jeden Fall eines unserer Highlights in Colombo. Das Gefühl von Asien und die Erinnerung an Chandi Chowk, dem wohl typischsten, aller asiatischsten Viertel in Delhi/Indien, wird hier geweckt. Wir schlendern durch die Gassen, besuchen die Jami-Ul-Alfar Moschee, welche aus roten und weißen Ziegeln erbaut wurde und beenden unseren spontanen Rundgang schließlich mit einem krönenden Abschluß: Der Entdeckung des Obstmarktes. Hier noch schnell eine Pomelo und einige Mangos gekauft und schon geht es zurück zum Bahnhof und zum Zug.

 

Mit weinenden Augen und fröhlichem Herzen geht es ein letztes Mal mit dem Zug entlang der Westküste von Sri Lanka nach Negombo. Zahlreiche, schnell vorbeirauschende Eindrücke wie wir sie schon mehrmals geschildert und erlebt haben. Die letzte abenteuerliche Zugfahrt durch diese Landschaft. In Negombo geht es wieder zum Hostel unserer ersten Nächte. Den letzten Tag und Abend lassen wir bei Mondschein und Sternenhimmel am Meer ausklingen. Dort finden wir einen Platz auf einem Holzpodest von wo aus man einen romantischen Blick auf das Meer hat. Danach lassen wir uns zum letzten Mal Kottu schmecken und schon ist auch ein faszinierender Monat, mit unzähligen Bekanntschaften, atemberaubenden Erinnerungen, sowie bespielloser Gastfreundschaft vorbei und wir bereiten uns seelisch und geistig auf Bangkok vor.

 

Es ist wirklich wahnsinnig, zurückblickend betrachtet, wieviele Menschen man in einem Monat treffen kann. Wie hoch die Verbindung zwischen uns und unseren Bekanntschaften in nur einigen Tage wachsen kann. Wie intensiv sich diese spontanen Treffen entwickeln können, mitten drin im Leben, in den Familienverbunden oder auch im normalen Alltag. Man spürt, dass wir nicht als Touristen aufgenommen werden, welche wir noch immer sind, sondern vielmehr als fremde Einheimische. Man wird von den Menschen integriert und das mit den einfachsten Mitteln die es gibt, Offenheit Fremden gegenüber und der Lust am Leben.

Es war und es ist immer noch einfach für uns, durch ein Land zu reisen, weil wir uns mit dem Flow und mit dem Spontanen auseinander setzen. Sri Lanka hat es uns einfach gemacht und das trotz einer gewissen Reisemüdigkeit nach Indien. Der Flow, eine Mischkultur verschiedenster Religionen, das sommerliche Wetter, die Atmosphäre in den Straßen, die Menschen und die Bekanntschaften, das wunderbare Essen, der Buddhismus, die Offenheit und die intensive Landschaft sind stark beeindruckend. Ein Leben so hart und doch so harmonisch einfach und so faszinierend packend, das wir uns jetzt schon auf ein Wiedersehen freuen.

 

Reisemüde?

Um nochmal einige Worte über die Reisemüdigkeit nach Indien los zu werden: Es ist in der Tat eine gewisse Müdigkeit bei un sentstanden. Aber müde wovon? Eine Müdigkeit, zu diesem Zeitpunkt weniger am Reisen, sondern vielmehr eine Müdigkeit, immer im Mittelpunkt zu stehen. In Indien war es der Mittelpunkt in einer geballten Ladung Kulturunterschied, einer brisanten Mischung aus Abenteuer und Alltagsperenzchen und vielen unvergesslichen Momenten mit den Menschen. Der Superstareffekt in Indien, das Gefühl, wir wären die Stars des Westens und die indische Kultur die Paparrazzis, wurden wir nie so richtig los. Dieses Land besitzt so viele Kontraste, soviele Kontroversen, soviel Spannungen, soviel Faszination, soviel Abenteuer, soviel Schönheit und soviel Präsenz, dass es am Ende vielleicht doch ein wenig zu viel wurde. Diese Massivität des indischen Alltags ist faszinierend und verrückt zu gleich. Ein Bild mit soviel Unterschied. Ein Bild von schwarz und weiß, von Yling und Ylang in einer Welt mit soviel Chaos. Eine chaotische Faszination. Eine andere Welt. Eine wunderbare Welt, doch, in Sri Lanka, um nun den Bogen wieder zu spannen, ist es ein komplett anderes und neues Gefühl. Wir waren Teil eines Ganzen, integriert, obwohl wir durchreisende Touristen sind. Durch diese Integration fühlten wir uns wohl, fühlten uns dankbar als Person selbst. Diekurzen Momente hier in Sri Lanka, die uns wieder an den indischen Alltag erinnert haben, waren verschwindend gering. Dies ist ein entscheidender Unterschied zwischen Indien und Sri Lanka, die Art wie Touristen betrachtet werden. Deswegen sind wir Sri Lanka auch mehr als dankbar, diese Leichtigkeit wieder zurück bekommen zu haben, vor allem nach unserem Indien-Besuch. Die Superstars ohne Rampenlicht sozusagen. Sri Lanka ist ein faszinierendes Land zum Reisen, denn hier kommt man dem Alltag faszinierend nah. Hier locken keine großartigen Sehenswürdigkeiten und kein überdeminsional großes Land , sondern die Menschen und die Kultur. Sri Lanka ist überschaulich und weckt trotzdem enorme Abenteuerlust. Eine neue Frische auf unserer Reise. Danke für diesen frischen Wind und diese neue Dynamik. Ein ideales Reiseland.

 

Nun geht es auf in die Luft. Mit frischem Elan geht es nach Bangkok. Dort entdecken wir in fünf Tagen eine tolle Stadt, eine Stadt massgeschneidert für alle Touristen des Entertainments, eine Stadt mit Charme, ein Viertel voll mit Backpackern.

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