Wir werden geweckt durch einen Leoparden

Nun, dies ist nicht allzu wörtlich zu nehmen, aber mit der Möglichkeit bei unserem Nationalparkbesuch heute mit viel Glück einen Leoparden zu sehen, erwachen wir in unserem Himmelbett aus unseren Träumen. Mit dem Jeep geht es um sechs Uhr in der Früh zu den Toren des Nationalparks. Dort angelangt bekommen wir unseren eigenen Fahrer und Tourguide gratis mitgeliefert. Zu viert, denn wir sind zusammen mit unserem Guide und unserem Fahrer die einzigen im Auto, geht die Fahrt los. Wir sind zwar die einzigen im Jeep, aber nicht die Einzigen im Park. Zusammen mit uns fahren in etwa noch 15 weitere Autos im Park herum. Nun gibt es gewisse Strecken, die aus Erfahrung der einzelnen Tourguides die besten Chancen bieten, ein großes Tier zu sehen und dieses persönliche Geheimnis spricht sich schnell herum. So kann es sein, dass auf einmal alle wie wild in einer Eskorte hintereinander herfahren auf der Suche nach dem „Wildlife“.

Doch bevor wir überhaupt den Motor für die folgenden sechs Stunden Safaritour starten, vernehmen wir aus dem Munde unseres Tourguides, die wichtigste Regel: „Nicht aussteigen!“. Mal davon abgesehen, dass wir uns höchstwahrscheinlich sowieso in die Hosen machen würden, wenn ein Leopard an unserem Jeep schnüffeln würde, hatten wir nicht vor auszusteigen, um ihn zu streicheln. Nun ja, es gibt hier nicht nur diese eine Regel, aber für die nächsten sechs Stunden im Auto zu hocken, den Abgasstaub vom Vordermann einatmend und dem vollgestopften Jeep vom hinteren Auto im Blick wird uns schnell langweilig und die Hoffnung, dass heute noch irgendetwas tierisches zu sehen sein wird, schwindet dahin. Dabei dürfen wir uns aber noch richtig glücklich schätzen, denn wir sind in der Nebensaison hier, aus unserer Sicht generell die wohl beste Reise-Saison und das nicht nur in Sri Lanka. Zur Hauptsaison düsen hier übrigens täglich 100-150 Jeeps mit schnatternden und größtenteils unvorteilhaft bekleideten Touristen herum. Heute sind es nur 15 Autos und trotzdem werden wir das Gefühl nicht los, dass eine Safari so nicht funktionieren sollte. Da denken wir doch mit Wehmut an unseren Besuch im Bardia Nationalpark in Nepal zurück, laufend durch den Dschungel mit Madhu, ohne jeglichen königlichen Erfolg, doch deutlich mehr Spannung und Adrenalin in den Adern, schlichtweg unser persönlicher Klassiker unter den Nationalparkerlebnissen. Nun, hier auf dem Jeep scheint uns dieser Gedanke weit entfernt, wenn man nicht einmal aussteigen darf.

Mit unserer spürbar schlechten Laune animieren wir unseren Guide, nach nun schließlich schon einer Stunde, doch bitte mal eine andere Route zu nehmen. Zum Glück erkennt er unseren Wunsch, nicht noch für mehrere Stunden das Abgas unseres Vordermanns einatmen zu müssen und so hängen wir unsere Verfolger ab und beenden zeitgleich unsere Verfolgungsjagd des Vordermanns.

 

Das Abenteuer beginnt

Zuerst bleiben wir schön in einem tiefen Straßenloch stecken und das mit einem Allrad-Jeep. Ein abenteuerlicher Anblick: Ein Jeep auf seinen zwei seitlichen Rädern bei dem Versuch wieder ein wenig Gripp und somit sprichwörtlich wieder festen Boden unter seine Räder zu bekommen. Also versuchen wir, auf der rückwärtigen Lade- und Sitzfläche unser Gewicht zu verlagern. Der Fahrer fährt los, doch: Stopp! Es funktioniert nicht. Also muss ein erneuter Versuch her. Wir steigen aus dem Jeep aus, was alleine schon gesehen, sehr spektakulär ist, denn es gibt da ja diese eine Regel...

Dann schauen wir uns die Situation an und gehen sämtliche Möglichkeiten durch. Nach kurzem Überlegen hängen wir uns zu dritt an die rechte Seite des Jeeps, um diesen wieder in die Waagerechte zu bekommen. Dabei freuen wir uns, hier am Jeep zu hängen und diese erste Gaudi des Tages mitzuerleben. Nun, wieder auf allen Vieren geht es weiter entlang auf diesem Schleichweg, bis wir zwei Elefantendamen und ein Elefantenbaby entdecken. Direkt vor uns badend und anschließend frisch gebadet aus dem Flusslauf kommend ist dies einer der absoluten Höhepunkte der Tierwelt in Sri Lanka. Ein Elefantenbaby, so hautnah und zum Abknuddeln: Die Ohren des kleinen Mannes noch sichtbar kuschlig weich, mit seinen feinen Härchen dran und der kleine kräftige Körper, bei dessen Anblick man sich schon ausmalen kann, wie er einmal aussehen wird, wenn er groß ist. Ihren kleinen Winzling beschützend, folgen die Elefantenmama und vermutlich deren Schwester und Tante des Kleinen nebenher, und suchen sich den nächsten Baum aus, an dem sie knabbern und sich reiben können. Gezielt gehen sie zu ihrem Revier und wir verfolgen jeden Schritt, in der Hoffnung, dass sie noch ein wenig länger im besten Blickwinkel unserer Augen und dem des künstlichen Auges, sprich Kameraobjektives, verweilen. Wir sind diejenigen, die sich an diesem Anblick ergötzen, an der Freude und Schönheit der Natur und suchen nach dieser alten Verbindung zwischen Mensch und Tier. Noch vor 15 Minuten in einer unglaublicher Verfolgungsjagd verstrickt, sind wir jetzt an einem ruhigen Ort, in einer natürlichen Stille und genießen es, diese faszinierende Elefantenfamilie zu beobachten.

 

Kurze Infos zum Park selbst

Nachdem die Elefanten ihres Wegs weiter gehen und schließlich im Busch verschwinden, fahren wir wieder zurück zum Hauptpfad des Nationalparks und suchen nach weiteren Tieren, die sich vielleicht von einem brummenden Automotor angezogen fühlen. Währenddessen beobachten wir zahlreiche bunte Vögel, welche sich im Wasser baden, nach Futter suchen oder mit Futter im Schnabel beschäftigt sind. Dieser Nationalpark, der im Übrigen 1938 gegründet wurde, beherbergt unter anderem Halsstreifenmangusten, Sambar-Hirsche und auch die Tigerpython. Des Weiteren findet man hier auch Kingfisher-Vögel, Hanuman-Langure, Goldschakale, Lippenbären oder auch den Ceyclon-Hutaffen. Dieser Park ist der Älteste des Landes und mit einer Größe von 1500km² ziemlich groß. Deswegen ist es für uns auch nicht so wirklich vorstellbar, mit einem Jeep und seinen lauten Eigenheiten eines der wohl scharfsinnigsten Tiere der Welt zu erblicken: Den Leoparden. Hier in Yala West, wo wir uns gerade befinden, gibt es bis zu 30 Leoparden, eine der höchsten Leopardendichte der Welt. Nun, aufgrund dieser Tatsache, ist es vielleicht doch nicht so unwahrscheinlich einen Leoparden zu sehen. Wir lassen und überraschen.

 

Die Suche beginnt

Vier suchende Scharfschützen-Augenpaare durchstreifen den Park in der Hoffnung auf eine womögliche Beute. Die Suche scheint aussichtslos zu sein. Doch Caro hat was entdeckt. Etwas Großes, mit Punkten, auf einer Distanz von einem halben Kilometermeter, sich zwischen Bäumen und Sträuchern bewegend, so die Aussagen dieser beobachtenden Scharfschützenexpertin mit Privileg Leopardenauge. Sie hat tatsächlich Recht. Mittlerweile auf einem Felsen hockend, geschützt von Gebüsch, sitzt ein Leopard. Nachdem Caro mit einem laserartigen Fingerzeig darauf gezielt hat, sehen wir ihn nun alle. Zu weit weg für jegliche Kamera und zu weit entfernt, um von hier, vom Auto aus, etwas Detaillierteres sehen zu können, verharren wir. In der Tierwelt wird einem nichts vor die Nase gesetzt, obwohl es manchmal nicht so schlecht wäre, wie z.B. gerade in diesem Moment. ;-)

Wir fahren mit dem Auto einige Schlenker, um vielleicht einen besseren Blick zu bekommen. Von dieser Wenderei und Kurverei wird der Leopard wieder geistig wach. Die Sonne wird nun auch langsam kräftiger, sprich der menschliche Tag bricht an und die Uhr schlägt mit Sicherheit schon halb zehn, also Grund genug, um auch als Leopard langsam mal aufzustehen. Gedacht und schließlich auch getan, läuft der Leopard seine erste Runde. Der Morgenspaziergang verläuft genau in unsere Richtung. Nun das Ganze ist uns aber nicht so wirklich bewusst. Wir, noch auf der Suche, registrieren etwas zu spät, dass er mittlerweile direkt vor uns über die Naturstraße marschiert, genau dort, wo wir anfangs standen. Wir also wieder zurück, sehen nur noch sein Hinterteil im Busch verschwinden. Er ist also genüsslich über die Straße gelaufen, während wir nur wenige Meter entfernt waren und in die falsche Richtung gestiert haben. Da haben wir es glatt verpasst, den Höhepunkt und einen optimalen Ausblick auf diesen einen Leoparden, von dreißig, zu genießen. Noch ein wenig wartend, vielleicht entscheidet er sich ja spontan wieder um, zum Heimweg auf seinen schattigen Felsen, verharren wir hier noch eine Weile schweigend im Jeep. Wenn man darüber nachdenkt, wirklich komisch, mit einem Jeep anzufahren, zu gucken, zu fotografieren und wieder abzuhauen. Irgendwie taugt uns diese ganze Jeeperei nicht so wirklich, aber aussteigen dürfen wir ja nicht.

 

Versuch Nummer Zwei

Wir sind hier, wir haben schon zwei tolle Erfahrungen gehabt und jetzt klingelt das Telefon. Der Fahrer nimmt ab, tauscht sich aus und los geht´s. Es stellt sich heraus, dass ein befreundeter Guide mit seiner Gruppe einen Leoparden entdeckt hat. Um nun alle Safari-Touristen glücklich zu machen, ruft er bei den Fahrern durch, die ihm im Gegenzug das nächste Mal einen Tipp zuspielen und so kommen wir nun also auch in den Genuss. Wir brettern sprichwörtlich über Stock und Stein, denn man weiß nicht, wie lange so ein Leopard in der Laune ist, sich von gierigen Menschen beobachten zu lassen und erreichen den besagten Platz. Zwei Jeeps freuen sich schon über die besten Parkplätze mit dem optimalsten Aussichtpunkt. Wir kommen als dritter Jeep hinzu und es wird für uns ein wenig umgeparkt, denn wie gesagt, Touristen sind wir alle, also sollen auch alle die Gleiche Freude daran haben. Diese Beobachtungsstation ist wirklich amüsant. Der Leopard sitzt gemütlich faulenzend an einem größeren Wasserloch. Es macht unentwegt „klick, klick, klick“ und die Kameras arbeiten auf Hochtouren, auch unsere. Von der minimalistischen Kamera, die gar nicht für solche Weiten ausgelegt ist, bis hin zu den japanischen Modellen, mit den weißen Riesenobjektiven, mit denen man im Notfall auch die Tiere erschlagen könnte, falls sie einem zu wild werden sollten, ist alles im Touristenrepertoire dabei. Mit einer Reichweite von 135mm sind wir hier auch an der falschen Adresse, aber was soll´s. Der Leopard zuckt und die Schaulustigen zucken ebenfalls mit der Kamera. Denn eine neue Position des Leoparden, liefert auch einen neuen Grund, dem Traumfoto vom „springenden Leoparden“ einen Schritt näher zu kommen.

 

Diese neue Position ist in der Tat nicht aus langer Weile oder aufgrund einer Fliege auf seinem Fellchen entstanden. Nein, es trinken Rehe auf der anderen Seite des Wasserlochs, nicht unweit vom hungrigen Leoparden. Aus einem Zucken wird später eine ganze Angriffsaufbauspannung, um im richtigen Moment das Reh zu fangen und dann genüsslich aufzufressen. Mitten im Fieber, um das Foto der Fotos zu erhaschen, einen heran sprintenden Leoparden mit Augen, nur noch fürs Reh, kommt ein neuer Touristen-Jeep angefahren. Der Leopard, stark irritiert von diesem heranbrausenden und ratternden Gefährt, ist nicht mehr klar bei der Sache und lässt die Rehe links liegen. Stattdessen blickt er leicht schockiert dem Auto entgegen. Bis er sich wieder seiner Beute widmet, vergeht eine gefühlte Stunde, aus Sicht der unsrigen, hinter den Fotoapparaten lauernd. Es beginnt eine gelangweilte Suche nach einem Zeitvertreib, der dabei endet, andere Leute zu beobachten. Dann ist es wieder soweit. Der Leopard zuckt wieder, anscheinend knurrt sein Magen, also besser gesagt, der nach Reh hungernde Magen, und es heißt wieder anhirschen, ähm anpirschen. Wie viel Zeit ein Leopard für so eine Aktion braucht, war uns bis dato noch nicht klar. In schönen Tierdokumentationen sieht man immer genau im richtigen Moment die Szene der Attacke, der Gier nach Fleisch. Da ist einem nicht bewusst, wie lange der Filmmann dafür im Busch kauert, zeitgleich damit beschäftigt, Moskitos abzuwehren, schwitzend unter der prallen Sonne liegend und den Vogel verfluchend, der gerade durch sein optimales Bild fliegt. Das will ja auch keiner sehen, auch wenn so Pannen lustig sind. Aber heute wollen wir Aktion, wollen was sehen für unser Geld. Momentan ist es die Gier der Müdigkeit, die uns packt. Frei nach dem Motto: „Wenn du in den nächsten zehn Minuten nicht irgendwelche Anstalten machst, dieses Reh auf deine Weise zu erledigen, dann mach ich das auf meine Weise!“ (Oder ich verpisse mich und suche nach was Anderem zum spielen bzw. zum Gucken. Die Wahrscheinlichkeit dafür geht zwar gegen Null, aber mit irgendetwas muss man ja geistig drohen. Denn Natur kann auch zäh sein, dafür braucht man Nerven, besonders heute, denn so richtig kommt der Leopard nicht in Fahrt.

 

Als dann noch, Entschuldigung für diesen Ausdruck, ein Vollidiot von Fahrer (angeblich aus Versehen) die Hupe drückt, liegen meine Nerven tief im Keller und die des Leoparden auch. Soviel Touristendoofheit ist auch mir als Mensch, nun zum Leopard mutiert, zu viel und ich muss in diesem Moment gedanklich den sogenannten Tourguide attackieren und in Stücke zerreißen. Danach, so kann sich jeder Naturliebhaber vorstellen, war auch die Ganze Spannung futsch und der Leopard ging nach Hause. Wir hoffen, dass er beim nächsten Mal mehr Erfolg hat und sein Leoparden-Reh-Spiel alleine abhalten kann. An diesem Tag war es durch unsere Touristenanwesenheit jedenfalls mehr Witz als pure Natur und eine große Störung für das Jagen und Gejagt werden. Auch das ist natürlich eine unvergessliche Geschichte für uns.

 

Mit diesem, aus tierischer Sicht, Desaster, ging es weiter durch die Staubwolke vom Vordermann. Noch in den letzten Ausläufern unserer Staub- und Abgaswolke wechselte ein Rehkitz die Fahrbahn. Gerade eben hatten wir uns noch gewünscht, dass eins von einem Leoparden zerfleischt wird, nun sind wir himmelhoch jauchzend erfreut, es über die Straße springen zu sehen. So schnell kann es gehen, der Wechsel zwischen Glück und Unglück, aus Sicht der Natur und schließlich auch aus der Sicht des Menschen. Mittlerweile schon auf dem Heimweg, entdecken wir noch einige Büffel, badend im Wasser, einen Kingfisher, einer meiner Favoriten in der Vogelwelt. Nach diesem ist auch ein leckeres Bier aus Indien benannt. Aber nicht deswegen zählt er zu meinen Lieblingsvögeln, sondern aufgrund der schönen blauen Farbe und der Tatsache, dass dieser Vogel für Begeisterung, Jugend und Kameradschaft steht.

 

Es war ein schöner Tag im Jeep und in der Natur, mit anfänglichen Startschwierigkeiten, einem Höhepunkt im Hauptakt und einem königlichen Abschluss im Endspurt um das Siegerfoto. Ein Dankeschön an die Tiere, die sich uns gezeigt haben und ein „Auf Wiedersehen“ an die Tiere, die uns verborgen blieben.

 

Adam und Monika und ein Fest

Der Tag ist ja noch nicht zu Ende und es wartet noch ein Spektakel ganz anderer Art auf uns. Doch zunächst einmal müssen wir uns stärken. Zur Abwechslung gibt es heute mal zur Überraschung aller, kein Kottu, sondern leckeren Reis mit Curry in extra großer Portion zum Abendbrot, denn wir haben ein Restaurant mit leckerem Buffet in der Stadt entdeckt. Mit vollem Magen und frischer Energie, brauchen wir jedoch erst einmal ein Verdauungsnickerchen. Erholt und munter sitzen wir danach auf der Veranda, umschlossen von der Palmenwelt Sri Lankas, und unterhalten uns mit Monika und Adam über den Tag und unsere Dschungelerlebnisse. Auch die beiden haben eine Tour hinter sich. Nach einer Weile gesellt sich unser Hotelmanager dazu und bietet uns an, zusammen mit ihm ein besonderes Sri Lankanisches Fest zu besuchen.

 

“Poson” oder auch “Puja”

Es ist soweit: Am Abend fahren wir zusammen mit unserem liebenswerten jungen Hotelmanager zur Stadt von Tissamaharama. Dort erwartet uns ein Fest mit dem Namen Puja, ein Fest zu Ehren Buddhas. Zwei große Feste werden jährlich zu Ehren Buddhas gehalten. Ein Fest an dem Tag seiner Erleuchtung, genannt „Vesak“ und eines anlässlich seines Besuches in Sri Lanka, genannt „Poson“. Heute ist das jährliche Poson-Fest, zu Ehren des Tages an dem Buddha zu Besuch nach Sri Lanka kam. Beide Feste werden an Vollmond abgehalten und so fahren wir nun, bei Vollmond, zur Stadt. Am See vorbeifahrend, sehen wir einen Gesangs-Chor welcher auf einem Schiff durch das seichte Gewässer gleitet. Fasziniert von diesem Anblick, machen wir halt und steigen aus, um dieses Bild und den Gesang vollstens zu genießen. Ein Geschenk für die Ohren und für das Auge, dieses beleuchtete, im feinsten Chorgesang, schwimmende Boot samt Orchester zu beobachten. Am Ufer sitzend, beobachten wir die singenden Boote und träumen, von Melancholie getrieben, bis wir schließlich weiter zur Dagoba fahren. Dort ereignet sich das eigentliche Fest. Die Dagoba, das Herz eines jeden Buddhisten, ist nun Anlaufstelle für alle Gläubigen. Feste in Sri Lanka sind Feiertage. Also wird gefeiert und somit alles Mögliche aufgebaut, meistens bunt und blinkend, um diesen Tag, zu Ehren Buddhas, zu feiern. Es ähnelt einem Jahrmarkt. Bei der Dagoba ist es auch, wo Fackel schwingende Künstler, Fackelträger und Elefanten unseren Weg kreuzen und unseren Blick erfreuen. Den Aktionisten mit dem Feuer bleibt nicht viel Platz, den Elefanten sogar noch weniger, um sich ihren Weg durch die Menschen zu bahnen. Unzählige Feiernde stehen am Rand, gegen die Mauern gedrückt, um sich das Spektakel anzuschauen. Ein ein Meter breiter Weg um die Dagoba wurde für dieses Fest vorbereitet, davor und überall drumherum sitzen die, die mit Buddha zusammen dieses Fest feiern, wir mittendrin. Fasziniert schauen wir dem Spektakel der Feuerkünstler zu, betrachten die farbigen Masken und Kostüme, lauschen der Trommelmusik und sind ganz gebannt. Ein Feuerfunken erreicht den bunt beschmückten, zu diesem Zeitpunkt noch strahlenden Elefanten, der daraufhin stinksauer und ohne Kontrolle um sich schlägt. Ein Elefant außer Kontrolle ist kein schöner Anblick. Unter riesigem Geschrei, Aufsprungs- und Flucht-Durcheinander, kann der Elefant zum Glück gezähmt werden. Doch der Schreck, sitzend oder stehend auf einen aggressiven Elefanten zu blicken, sitzt noch tief und somit ist es auch folgerichtig das Ende dieser Parade. Leider, denn es ist ein Fest der Freude. Doch auch wenn das Ende dieser Parade etwas unpassend ist, lässt sich kein Sri Lankaner davon unterkriegen. Zum Glück läuft alles ohne Unfälle ab, und das, obwohl es keine Sicherheitsvorkehrungen gibt.

Da es ja noch weitere Spektakel zu erleben gibt, tauchen wir noch in das Jahrmarktsgetümmel ein und lassen uns zu einer Theatervorführung, einer Zusammenfassung von Buddhas Leben, hinreißen. Diese wird dann auch auf einer kleinen Bühne mit spektakulären „special effects“ aufgeführt und wir sind beeindruckt. Mit solch einem guten Ende geht es schließlich glücklich und zufrieden nach Hause.

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