Hochzeit wir kommen

Nun, mit Nuwan haben wir uns heute für acht Uhr morgens verabredet und wie es sich für geschulte Deutsche gehört, stehen wir auch schon 15 Minuten vor acht bereit für diesen fröhlichen Tag. Die Uhr tickt weiter. Über die akademische Verspätung mittlerweile schon wieder weit hinaus, schlägt der große Zeiger schon neun Uhr. Nun war es auch an der Zeit, Nuwan anzurufen und zu fragen wo er denn steckt. In einer halben Stunde wäre er wohl da, so seine Antwort. Es sollte schließlich bis elf Uhr dauern, bis er uns tatsächlich abholte. Mit einer herzschmerzlichen Verabschiedung von unserem dritten „Motha-Gang“-Mitglied ging es nun also mit dem Tuk-Tuk nach Badulla. Entlang der Hauptstraße, welche sich über 50 Kilometer lang zum Ziel schlängelt, und einigen Abkürzungen durch Seitenstraßen, erreichen wir schlussendlich den Ort. Um das kleine Problem Hochzeitsgeschenk zu lösen, wird uns die Variante Geld in einem Couvert vorgeschlagen. Ein wenig plump, aber mit der Aussicht, dass wir auch nicht in Badulla fündig werden würden, war dies nun die einfachste Lösung und das Beste, was man als frisch getrautes Ehepaar brauchen kann, wenn man in einem Land heiratet, wo die Hochzeitsfeier einen kleinen finanziellen Bankrott mit sich führt. Auf der Suche nach einem günstigen Zimmer werden wir schlussendlich fündig und begeistern uns an einer Internetverbindung welche in nur 3 Minuten ein Bild hoch lädt. Dieses Geschenk veranlasst uns, am folgenden Tag noch einen Bilderhochstellmarathon zu organisieren, um Euch auch endlich mal wieder neue Bilder zu liefern.

 

Endlich da

Nachdem wir uns für die Hochzeit fertig gemacht haben, werden wir um zwei Uhr von Nuwan und seinen Freunden mit dem Tuk-Tuk abgeholt. Zusammen fahren wir zur Hochzeit. Am Morgen wurde bereits eine traditionelle Zeremonie durchgeführt wo das Brautpaar, geschmückt in traditionellem Gewand, mit Musik und Tanz empfangen wurde. Da in Sri Lanka streng nach astrologischen Regeln geheiratet wird und der für diesen Teil der Hochzeit berechnete beste Zeitpunkt am frühen Morgen war, haben wir leider diesen sehr traditionellen Teil der Hochzeit verpasst. Dieser findet aber üblicherweise auch nur im engsten Kreise der Vertrauten, sprich der Familie statt. Danach kommt die Feier mit der Familie und den Freunden bzw. denen die eingeladen werden und nun kommen wir ins Spiel. Dies ist vergleichbar mit indischen Hochzeiten und man weiß nicht so Recht, wer wirklich zu den Freunden gehört und wer zu den Bekannten zählt. Wir kommen genau an als das Mittagessen aufgetischt werden soll, genau zur richtigen Zeit um sich von leckerer sri lankanischer Küche verwöhnen zu lassen. Wir gratulieren noch vorher dem Hochzeitspaar, genießen die unterschiedlichen Hochzeitsfotoaufstellungen mit der Familie und den unterschiedlichen Freunden und schließlich wird das Buffet eröffnet und gestürmt. Lecker!

 

Party

Nach einem kleinen Verdauungsspaziergang und einem leckeren Eis, geht es wieder zurück zur Hochzeitsfeier. Dort angekommen, kommt der wirkliche Verdauungspart: Tanzen war angesagt. An dieser Stelle wollen wir euch noch wissen lassen, dass das wohl billigste Getränk Sri Lankas und wahrscheinlich ganz Asiens, das man im Überfluss bei einer Hochzeit anbieten kann, Roxy ist. Dieses herrlich alkoholisch-geistige Erfrischungsgetränk, auch Schnaps genannt, verzaubert auch hier den Einen oder Anderen und es wurde definitiv nicht daran gespart. Somit betreten wir nach unserem kurzen Spaziergang eine Schweißhalle der Tanz- und Schnapslustigen. Für die war der Anblick von zwei Unbekannten, weißen Gästen ein Geschenk und jeder wollte uns kennen lernen. Es verging keine Minute in der wir nicht auf die Tanzfläche „gezwungen“ wurden, jedoch war dieses alkoholische Level nur schwer einzuholen. Wir wagten uns trotzdem, beim ein oder anderen Lied, das unsere Beine ein wenig zum Schwingen brachte, auf die Tanzfläche. So ganz geheuer waren uns die Schnapsfahnen aber nicht und allmählich wurde auch das Level der menschlichen Wohlfühlzone überschritten und mit den stark anzüglichen, roten Nasen kamen wir auch nicht wirklich zu Recht. Somit wurde es uns bald auch sehr unangenehm und wir verschwanden aus dem Kreis der Tanzgenies. Man muss auch sagen, dass die Musik, der der „Wildecker Herzbuben“ entsprochen hat und einfach nicht unser Fall war. Sowas kann man dann wirklich nur mit Alkohol tanzbar machen oder man muss mit dieser Musik aufgewachsen sein (und das sind alle Sri Lankaner) oder einfach auch ein gewisses Alter erreicht haben.

 

Musik von Sri Lanka

An dieser Stelle wollen wir euch noch von einem, der wohl schlimmsten und wahnsinnigsten Dinge von Sri Lanka berichten: Der Musik. Mit dem Bus, ob lokaler Bus oder Langstreckenbus, jeder Bus liefert einen Genuss der sinhalesischen Musikindustrie gratis dazu. Nun, da das ja kostenlos ist, sollte man sich darüber nicht beschweren, aber an dieser Stelle sind das Erinnerungen und Gedanken, die nur schwer aus dem Kopf verschwinden und somit müssen wir sie aufschreiben, um sie zu verarbeiten. :) Wir sind in gewisser Weise schon vorgeschädigt und heute, auf der Hochzeit gab es einen weiteren Tiefschläger für unsere Gehörgänge. Wir sind nicht wählerisch, aber Musik aus Sri Lanka ist nichts für uns, mal stark abgesehen von unserem geliebten blinden Musiker und der einen oder anderen spontanen Live-Musik und Live-Getrommel. Aus diesem Grund und der Tatsache, dass der heutige Hochzeitstag auch schon sein Ende fand, verweilten wir nicht mehr allzu lange. Wir unterhielten uns noch mit Nuwan und dem Hochzeitspaar, machten einige Bilder vom Moment und vom glücklichen Paar selbst, überreichten das Geldgeschenk und bedankten uns, dass wir hier sein durften. Mit dem Tuk-Tuk ging es schließlich wieder zurück zum Hostel und damit begann auch der Faulenz-Teil für heute. Nach einem Mittagsschlaf und einem darauf folgenden Film-Triathlon ging der Abend dann auch zu Ende.

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