Wir werden vom Glück verfolgt

Zusammen mit KC reisen wir ab. Zusammen fahren wir wieder zurück nach Hatton, winken noch einmal gedanklich unserem geliebten Adam´s Peak mit all den tollen Momenten zum Abschied zu und freuen uns auf die Zugfahrt, die vor uns liegt. Zugfahren nach Ella, verspricht eine Fahrt entlang von Teeplantagen. Noch ein wenig höher gelegen als Ella befindet sich Nuwara Eliya, die Teehochburg von der wir euch erzählt haben.

Wir kaufen, wie so immer, ein 3.Klasse-Ticket und schon sitzen wir im, ein wenig verspäteten Zug, wobei wir die Wartezeit mit Karten spielen auf einer selbstkonstruierten Spielfläche leicht überbrückt haben. Das, was nun passieren wird, spricht gegen alle möglichen Zufallsprinzipien, die jemals aufgestellt wurden und kann man schlichtweg nur als Glück bezeichnen. Wie immer ist mein Platz nicht der Platz selbst, sondern der Stand an der Tür und der Genuss an der tuckernden Fahrt, der Gemeinschaft mit den anderen Türstehern und Fensterschauern und der Landschaft selbst. Nach vielleicht einem fünfminütigen Fahrgenuss, werde ich von einem jungen Mann angesprochen. Wie sich noch später herausstellen wird, heißt er Nuwan. Dieser Nuwan ist gerade von Colombo auf dem Weg nach Badulla. Mittlerweile schon einige Stunden unterwegs, erwartet ihn in Badulla die Hochzeit seines Freundes und ehemaligen Arbeitskollegen. Nuwan hat die folgenden drei Tage frei um diesen, besonders hier in Sri Lanka, speziellen Tag zu genießen.

 

Das Fest der Feste

Eine Hochzeit verläuft in diesem Lande, über drei Tage. Der erste Tag findet im kleinen Kreis mit der Familie und den engsten Freunden statt. Der zweite Tag ist schon spektakulärer, denn nun kommt es zu einer krachenden Hochzeit mit allen möglichen Gästen und zur Hochzeitsnacht selber. Dies ist eine Art Legende hier in Sri Lanka, denn eine Hochzeitsnacht entspricht nicht dieser, wie wir es kennen, sondern hier ist es der Einstieg ins Sexualleben, dies aber erst nach der Hochzeitsnacht. Somit gibt es in dieser Nacht noch kein Schäferstündchen der Ektase und um diese "Tradition" auch beizubehalten wird am nächsten Tag das Bettlaken auf mögliche Traditionsdiebstähle hin kontrolliert. Naja, wo es Verbote gibt, wird auch getrickst, aber trotzdem wird dieses Ritual weiterhin vollzogen. Wurde nun das Bettlaken auf seine "Unbeflecktheit" bzw. der korrekten „Beflecktheit“ überprüft, geht es zum dritten Tag, der Feier im neuen Haus. Das neue Haus ist vielmehr ein bekanntes altes Haus, denn es ist das Haus des Bräutigams. Die Frau zieht in das Familienhaus des Mannes, das von seiner ganzen Familie bewohnt wird, inklusive seiner Eltern, Großeltern, Geschwistern und möglichen weiterer Familienangehörigen. Von nun an gehört sie zur Familie ihres Mannes und bei Problemen sind diese nun für sie verantwortlich und ihre ersten Ansprechpartner.

Dies alles erfahre ich nun aber nicht an Ort und Stelle an der offenen Tür dieses Zuges, sondern auf der Hochzeit selber. Aber nochmal von Anfang an:

 

Befördert

Als mich Nuwan angesprochen hat und wir ein wenig geplaudert haben, stellt er sich als ein Mitarbeiter der ersten Klasse vor. Richtig, der ersten Klasse des Zuges. Normalerweise ist Nuwan Hotelangestellter in einem 5-Sterne-Hotel in Colombo, dem auch dieses Erste-Klasse-Abteil angehört. Nun ist er auf dem Weg nach Badulla, zur Hochzeit seines Freundes und er lädt uns ein, mit ihm zusammen die Fahrt in der ersten Klasse zu verbringen. Und so geht's für uns von der hölzernen 3.Klasse Sitzbank zur seidenweich gepolsterten, eleganten Sitzmaschine mit ausfahrbarer Fußstütze. Das Ganze wird noch verfeinert durch eine Wifi-Verbindung, welche wir natürlich gleich nutzen und weshalb sich in diesen Stunden auch einige über unsere Nachrichten freuen durften. Mein persönliches Sahnehäubchen ist jedoch der Flatscreen an der Wand. Die folgenden Stunden, hier auf den genialen Sitzen, so müssen wir schon einmal zugeben, verbringen wir zusammen mit Mr. Bean. Zuerst kommen „Mr. Bean macht Urlaub“ und danach seine Rolle als Agent. Dann, und das ist das wesentlich spannendere für mich, denn die Filme hatte ich schon einmal gesehen, kommt ein Live-Mitschnitt von Mr. Bean als Komiker auf der Bühne. Bis dahin kannte ich nur seine legendären Kurzgeschichten, aber als Komiker, als Lachnummer in diesem Format hatte ich ihn noch nicht gesehen. Lachen über 2 Stunden mit und für Mr.Bean. Einfach herrlich!

In gewissen Abständen verlangte mein Körper wieder nach frischer Luft und dem Gang zur Tür. Dort habe ich mich auch weiter mit Nuwan unterhalten, und fragte ihn, ob wir diese Hochzeit ebenfalls miterleben dürften. Er redete mit seinem Freund und wir wurden sofort eingeladen und sehnlichst erwartet. Nuwan war der absolute Segen des heutigen Tages und eine Erinnerung der Kategorie: Sonderbar!

 

Ankunft in Ella

Nachdem wir drei Couchpotatoes die Sessel in den drei Stunden Fahrt ordentlich eingesessen haben, erreichen wir auch schon Ella, welches KC schon kennt. Hier, so erfahren wir auf den ersten Metern vom Hauptbahnhof zum Hostel, steht der kleine Bruder des Adam´s Peak. Als wir dies hören, ist klar, dass wir dieses Mal nicht kneifen und dem kleinen Bruder dieser Berg-Familie einen Besuch abstatten werden. Nach einer halben Stunde Fußmarsch erreichen wir auch schon das "Tourist Guest House Holiday Inn Ella". Ein Zungenbrecher, aber auch ein Gaumenschmaus zugleich, denn uns erwartet hier eines der besten Essen: Hausgemachter Reis mit Curry welchen wir am Abend genüsslich verputzen. Bis dahin wissen wir auch noch nicht, welche Delikatessen uns in Mirissa erwarten werden, u. a. das Beste aller Besten Currys. Aber soweit sind wir ja noch nicht. ;-)

Nun also wieder im Hier und Jetzt, wohnen wir zusammen mit zwei Israelis, einer Deutschen, zwei Amerikanern, einem Franzosen und dem göttlichen KC im Guesthouse. Mit dieser Großfamilie und unserer Hostelmama verbringen wir die nächsten zwei Tage.

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