Ein neuer Tag beginnt

Der Tag beginnt, wie der Tag zuvor mit einem leckeren Frühstück. Den zweiten Versuch einer Besteigung des heiligen Berges haben wir auch heute schnell verworfen. Stattdessen fahren wir zusammen mit Casey nach Maskeliya; dieses Dorf liegt etwa eine halbe Stunde mit dem Bus entfernt. Wir trampen. Sechs Einheimische nehmen uns mit. Im Ort angekommen, stärken wir uns erst einmal mit einem leckeren Kottu und mit vollem Magen geht es weiter, entlang der "Einkaufsstraße". Hierzu müssen wir einen kurzen Ausflug in die sinhalesische Küche machen.

 

Eine weitere Köstlichkeit Sri Lankas ist „Faluda“ (s. Delicious Food|Drinks)

Dieses absolute Erfrischungsgetränk beinhaltet eine Eiskugel, hauptsächlich in der Geschmacks-Ausrichtung Vanille. Dann eine, wahrscheinlich für die meisten von Euch bis dahin noch unbekannte, Zutat: Basilikumsamen. Desweiteren viele kleine, harmlose, aber doch so energiereiche Wackelpuddingstücke. Zum krönenden Abschluss wird diese Mischung mit kalter Milch bis zum Rand voll aufgegossenen. Lecker!

Auch dieser Teil der sinhalesischen Küche verfolgt uns bis zum heutigen Tage, was uns auch sehr Recht ist. :-) Und wie es der Zufall so will, wartet genau heute, wo wir entlang dieser, im sinhalesischen Sinne, Einkaufsmeile schlendern, ein Werbewagen der Firma Motha auf uns, vergleichbar mit Dr. Oetker und Anbieter von Wackelpudding-Mischungen, etc.

Er wartet zwar nicht nur auf uns, aber wir, als einzige Nicht-Sri Lankaner, sind natürlich der Hingucker für die Sri Lankaner, wie wir uns, zwei unbekannte Weiße und ein Halb-Weißer-Halb-Asiate, wie kleine Kinder auf dieses Getränk stürzen. Die Firma Motha ist auch der Grund weshalb nicht nur wir heute einen kleinen Zuckerschock zu uns nehmen, aber die Firma ist auch der Grund weshalb hier heute so viel los ist:

 

Motha macht Werbung

Trinksüchtige gibt es hier definitiv genug und deshalb gehen wir auch stark davon aus, dass dieser Tag der absolute Erfolgstag für die genannte Firma ist. Kaufe zwei Fertigpackungen feinster Motha-Zutaten und du darfst zweimal am Zauberrad des Glückes drehen. So in etwa lauten die vorzüglichen Werbelockrufe und auch durch die Menschentraube der Faluda-Gierigen erreicht uns dieser Hilfeschrei und wir schnappen zu. Aber auf das Glück eines Werberades und der Erfolgschance von 15% auf den wohl lukrativsten aller Gewinne zu haben, verließ ich mich nicht und so marschierte ich direkt zum Gewinnstand, präsentierte dort meinen Einkauf von zwei Faluda-Packungen und nun sollte mir der Vertreter doch bitteschön auch ein schönes Motha-Basecap überreichen. Die Masche mit dem Touristenbonus scheint bei anderen gut geklappt zu haben, doch hier zeigten sich erheblich schlechte Karten unter meinen sowieso gezinkten Karten. Er schickte mich, aber nur wörtlich, wieder zurück zum Werberad, wobei ich diese Worte aber nicht in die Tat umsetzte. Stattdessen redete ich weiter und erzählte ihm herzzerreißende Geschichten über unsere Weltreise, über meine Freundin, deren Basecap schon stark zerschlissen ist, nach dieser langen Zeit des Reisens mit den kühnsten Wetterverhältnissen. Das Sprichwort: „Reden ist Gold“ verstand er wahrscheinlich nicht, denn er war stark überfordert mit meinen kleinen Hilferufen. Weitere Geschichten über unsere, dank Faluda angetrunkene Liebe zu Motha und weiteres Herzblut wurden vergossen und es schien schier zwecklos, als mich wieder ein eindringliches „Nein“ erreichte. Wie ich nun doch zwei Basecap´s der Firma Motha bekommen habe, darüber lass ich euch einmal im Unbekannten, vielmehr ist nun bedeutend das wir zwei neue Basecap´s haben. Eins für KC und eins für Caro. Also mit den einem Basecap werden wir die nächsten Jahre (so hoffen wir zumindest) erheblich Werbung für Motha machen. Nun die neue Basecap-Crew marschierte also weiter durch die Gassen und schlussendlich wieder zurück zum Hostel. Der Drang zur Rückkehr in dieses Paradies und die damit verbundene Erholung waren schon sehr anziehend. Auf dem Weg, sahen wir aber noch Jungs, die Kricket spielten und dies direkt vor den anmutigen Höhen des Adam´s Peak. Nun haben wir also doch noch den Adam´s Peak gesehen und sind wirklich beeindruckt, wie mächtig sich dieser Berg über die Bergkämme der niedrigeren Hügel erhebt. Stark überwältigt von dieser Kulisse mit natürlichem Wolkenvorhang, musste folglich ein Kricketpunch folgen: Drei Versuche, drei Treffer und so verließ ich unter riesigem Applaus, als wohl förmlich neues Kricket-Wunderkind, den Platz. Danach folgte das zweite Wunder, das des Wurfspezialisten; und auch KC erhielt Standing-Ovation, mal davon abgesehen, dass eh schon alle standen. Danach ging es wieder mit dem Bus zurück, vorbei an den zahlreichen Teefeldern, zurück zur Oase und unserem persönlichen Präsidenten Nimal.

 

Der Champagner mit Wasser

Die Crème de la Crème der Teeschlürfer sollte nach Nuwara Eliya fahren, der Hochburg aller königlichen Tee-Genießer des Ceylon Tees. Aufgrund seiner Anbauhöhe wird der, hier gepflückte, Tee als der Champagner unter den Tees bezeichnet. Wir waren zwar nicht genau in dieser Region, aber das hindert uns nicht daran, euch ein wenig über den Tee in diesem Land zu erzählen. Sri Lanka ist der drittgrößte Tee-Exporteur weltweit (19% des weltweiten Bedarfs an Tee und Teeprodukten werden von Sri Lanka abgedeckt). Silber geht an China und Gold für den weltweit größten Tee-Exporteur geht an Indien. Hier aber einige geschichtliche Fakten: Bevor von den Briten der Tee-Anbau fokussiert wurde, wurde hier erst einmal Kaffee angebaut. Dieser Kaffee kam allerdings 1860 durch eine gravierende Pilzseuche unter die Räder, so dass man mal eben auf Tee umsattelte. Wie auch in Darjeeling, Indien, wurde der Tee von den Briten eingeführt um der damaligen Tee-Macht aus China Konkurrenz zu bieten und natürlich auch, um der britischen Heimat ihre 3-Uhr-"Teatime" zu ermöglichen.

 

Wir befinden uns nun gerade auf der "Mid Grown" Teeanbauhöhe, hier in Dalhousie, also zwischen 600-1200 Höhenmetern (wobei wir keinen Höhenmesser dabei haben und somit könnten wir auch in der "High Grown" Teeanbauhöhe ausgestiegen sein). Dieses Gebiet über 1200 Höhemeter ist quasi das Wunderkind jedes Teeplantagenbesitzers, denn, umso höher der Tee angebaut wird, umso langsamer wächst er und umso feiner ist er im Geschmack. Auf dieser Höhe sind die Luftfeuchtigkeit und die Anzahl der notwendigen Niederschläge am besten, um den Tee zu dem zu machen was er ist, dem Champagner Sri Lankas auch bekannt als Orange Pekoe Tee.

Tee in Sri Lanka bedeutet Handarbeit, das könnt ihr auch an unseren Bildern sehen. Dies ist aufgrund der Steilheit der Berge und zu Gunsten der Qualität des Tees unabdingbar. Hier wird noch mit Liebe gepflückt, wobei die Liebe sich oft in Grenzen hält, da die Teepflücker, zumeist Frauen und Kinder, der Unterdrückung der Männer und der jeweiligen Teeplantagenbesitzer zum Opfer fallen.

Die Pflückzeit, welche ebenfalls ausschlaggebend für die Qualität ist, findet im Juli und August statt. Die Frauen mit ihren Flechtkörben auf dem Rücken, pflücken, was das Zeug hält, denn mit 190.000 Hektar ist Sri Lankas Teegebiet enorm groß und so kommt es auch, dass Feiertage oder andere relevante Daten, der Wichtigkeit dieser Erntezeit weichen müssen.  

Ist der Korb der Frauen nun vollgepackt, werden die Teeblätter in einer Fabrikhalle sortiert, um nur die wichtigsten Bestandteile, die Blätter, im nachfolgenden Prozess zu trocknen. Danach werden die getrockneten Blätter fermentiert und nochmals sortiert, um dann anschließend für den Kunden verpackt zu werden. Hier, in Sri Lanka, und das ist ein bedeutender Unterschied zu den Großmächten des Tees, gibt es keinen „reinen Tee“. Das heißt, es ist nicht möglich, nur Tee aus den "High Grown" Gebieten zu kaufen. Hier werden alle Teeblätter als ein Produkt behandelt und somit kommt es beim Endprodukt zu unterschiedlichen Mischungen und Bestandteilen der jeweiligen Höhen.

 

Wieder zurück im Paradies

und wieder zurück in unserer Musikhalle. Diesmal gibt es aber keine Gangster-Reggaemusik aus der dröhnenden Musikbox. Nein, es erwartet uns ein wahrer Musikabend der Extraklasse, denn Nimal, der Hostelmanager, hat vor langer Zeit einmal folgenden Musiker eingeladen, als dieser noch ohne Dach über dem Kopf auf den Straßen Sri Lankas verweilte. Leider haben wir seinen Namen vergessen und somit können wir ihn nicht direkt ansprechen, aber das ändert nichts an diesem unvergesslichen Abend. Aus tiefster Dankbarkeit und tiefster Freundschaft zu Nimal, kommt der besagte Musiker nun ab und zu bei ihm im Hostel vorbei. Dort singt und spielt er auf seinem Instrument auf und begeistert so seine Zuhörer. Der Musiker ist blind und kommt aus dem Dorf, in dem wir heute waren, aus Maskeliya. Diesen Marsch, für den wir heute 30 Minuten mit dem Auto gebraucht haben, nimmt er auf sich (Wohl gemerkt, er läuft zu Fuß und blind den steilen Berg hoch!), um heute hier zu sein.

Allein dies ist nun schon Grund genug, um mit den folgenden Wortfetzen das Erfahrene zu verarbeiten: "Krass! Zu Fuß! Blind!? Wie bitte?!? Wirklich? Das ist ja verrückt! Ja, richtig geil, dass er hier ist!“ :-)

Auf dieses Hoch folgt dann auch der melancholische Höhepunkt: Die folgenden 1,5 Stunden sind verbunden mit wunderschönem Gesang und einem Spiel mit und auf seiner Beraya (einer speziellen sri lankanischen Trommel); das ganze verbunden mit einer Geschichte zwischen jedem Lied über das jeweils gespielte oder zu spielende Lied. Ein Genuss und eine gigantische Portion Freude, dies mitzuerleben. Es breitet sich eine Stimmung, eine Harmonie auf dieser Veranda aus, die einen nur zuhören und schwelgen lässt. Leidenschaftliche Musik aus Sri Lanka und dies nur für uns „Drei von der Motha-Gang“ und das Hostelpersonal. Unbeschreiblich, wie virtuos er sein Instrument und seine Stimme einsetzt und mit wie viel Leidenschaft er seine Geschichten und Gefühle rüberbringt. Vor allem das Gesprochene und die Gefühle, wie er über die Geschichten und Texte redet, sind wunderschön. Bei ihm spürt man sofort, dass er die Musik lebt, spürt und verkörpert. Seit seiner Geburt ist er blind und dadurch besitzt er ein Gehör, welches ihm ermöglicht, dieses Instrument nach seinem Gefühl zu spielen und nach seinem ausgesprochenen Talent. Ein absolutes Highlight an unserem letzten Abend und dies ohne jegliche Vorahnung.

 

Das White House

Hier konnten wir uns erholen, einfach nichts machen, ohne sich schlecht zu fühlen oder zumindest nur ein wenig. :-) Hier haben wir tolle Menschen kennengelernt und mit KC, unserem Motha-Gangster, und der neuformierten „Motha-Gang“ werden wir noch in Zukunft viel zu tun haben. Ein riesiges Dankeschön an diese tollen drei Tage gehen zu, ich würde sagen, 80% an die Leute im White House, 99% an KC, 83,5% an die Natur, 16,5% an den Adam´s Peak und 21% an unsere Faulheit. Ein Paradies, eine Entspannungsoase mit entspannten Personen und ein toller kultureller Abend unter einem Dach. Danke.

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