Pigeon Island und das Glück der Fantastischen Sechs

In der Früh waren alle startklar und schon tuckerte das Boot in Richtung Insel. Dieses Naturschutzgebiet (seit 2003) liegt ca. einen Kilometer vom Nilaveli Beach entfernt und deswegen waren wir auch schon ruck zuck an Land. Die Insel bekam aufgrund seines Entdeckers Rock Pigeon seinen Namen und man zählt in dem Riff 100 verschiedene Korallenarten und 300 Fischarten. Leider kam es aufgrund des Tsunamis von 2008 zu einer weitreichenden Zerstörung der Korallen, die sich erst jetzt langsam wieder erholen. Dies bändigte aber nicht unsere Lust diese zu erkunden und schon schnorchelten wir freudig umher. Die Ausbeute war aber dementsprechend nicht die Erhoffte.

 

Nachdem nun, nach einer Weile jeder in seinem eigenen Schnorchelrhythmus war, merkte ich, dass ich anscheinend zu weit raus geschnorchelt war. Denn als ich so aufsah, um die anderen zu entdecken, hatten diese eine Traube geformt . Da musste doch etwas im Gange sein, also schwamm ich zurück zu den Mädels. Als ich dort ankam, hatte ich eine Aufgescheuchte Caro vor mir. ´Ne aufgedrehte Heuschrecke ist dagegen noch stark untertrieben, wenn ich Caro in ihrem dortigen Zustand am besten beschreiben soll. Sie glich eher einer 32 Volt Duracell-Batterie, so wie sie sich über ihr Erlebnis ausgelassen hat. Um ihren hochgeschleuderten Adrenalinpegel und die umherfetzenden Worten zu beschreiben Bedarf es allerhand Geschick und ich weiß nicht ob ich das genauso aktiv schildern kann wie Caro. Deshalb: Caroooooooooooooo, kannst du mal die Geschichtemit dem weißen Hai erzählen?

 

Der König der Meere

Nun, ihr habt ja schon gehört, dass ich bei unserem Schnorcheltrip völlig aus dem Häuschen war. Deshalb will ich Euch hier nun von meinem ganz persönlichem Erlebnis berichten. Nachdem wir uns alle eingeschnorchelt hatten, schnorchelte jeder/jede seiner eigenen Wege. Auf dieser Seite der Insel konnte man noch die Zerstörungswelle des Tsunamis deutlich erkennen, da man sehr viele abgebrochene und graue Korallen liegen sah und nicht die erwartete Farbenflut und den großen Fischreichtum.

Deshalb war ich ganz froh, dem einen oder anderem vereinzelten Fisch hinterher zu schnorcheln. Nach einer Weile kam ich in ruhigeres Gewässer und ich dachte mit so: „Was wäre wohl, wenn hier jetzt ein Hai auftauchen würde?“ Und kaum hatte ich diesen Gedanken beendet kam er, der König der Meere: Nur 4 Meter von mir entfernt gleitete er majestätisch an mir vorbei. Alles um mich herum wurde ruhig und ich war geschockt und fasziniert zugleich. Da wir uns in flachem Gewässer befanden, waren wir mehr oder weniger auf einer Augenhöhe. Es war zwar kein weißer Hai, sondern ein Schwarzer Riff Hai mit einer Länge von ca. 1,60, also in etwa so groß wie ich, aber dennoch hat er mir einen gehörigen Respekt eingejagt. Also, nix wie weg, zurück zu den anderen, und trotzdem die Ruhe bewahren und ja keine hektischen Bewegungen machen. Gar nicht so einfach. Jetzt musste ich nur noch die anderen finden, und diese kamen mir plötzlich doch ganz schön weit weg vor....

 

Endlich hatte ich die Mädels erreicht und erzählte ihnen vom Hai, den ich gesehen hatte. Und es kamen ganz unterschiedliche Reaktionen: Die eine sagte gleich: „Cool! Wo denn? Da muss ich auch hin!“ Die andere war eher verhalten und die Dritte meinte: „Oh, dann schwimm ich jetzt mal lieber wieder in Richtung Strand.“ Mir war auch eher nach an Land schwimmen zumute, doch wo war eigentlich Tobi? Der schwamm doch glatt in aller Seelenruhe in der Nähe vom Hai herum…

Nachdem sich mein Schock erst einmal gelegt hatte (schließlich waren wir vorgewarnt worden, dass wir Haie sehen könnten und diese an sich harmlos seien) und Tobi sich meine Geschichte angehört hatte, ging es weiter, die anderen schon ganz heiß auf Hai-Suche. Aber es tauchte keiner mehr auf. Wir kuckten uns noch eine Zeit lang die Unterwasserwelt an bevor wir uns schließlich auf den Rückweg machten. Und siehe da, ich (Caro) hatte schon wieder „Glück“. Gleich zweimal hintereinander durfte ich noch in den Genuss von Hai kommen. Erst war ein sogar noch größerer mehr oder weniger direkt neben mir und schließlich meinte dann noch ein frecher Baby-Hai, mal eben, bei einer Meerestiefe von 80 cm und fast schon am Strand angelangt, unter meinem Bauch hindurch schwimmen zu müssen. Diesen haben die anderen dann noch gesehen. Mir reichte es dann aber auch und ich war froh, wieder an Land zu sein. Unsere „ Guides“ hatten ihre reinste Freude über meinen Schreck und konnten sich das Lachen kaum verkneifen, aber die sind solche Anblicke auch schon gewöhnt.

 

Schnorcheln auf der anderen Seite

Nach diesem Erlebnis latschen wir dann auch schon wieder alle mit unseren Flossen und Schnorcheln aus dem Wasser raus und erkundeten die Umgebung wie sechs Gestrandete auf einer einsamen Insel. Wir genossen den Meeresblick und gelangten nach kurzer Zeit auch schon auf die andere Seite dieser Insel. Schnell legten wir uns auch schon wieder unsere Ausrüstung an und gingen über zum zweiten Teil der Schnorchelrunde. Diese versprach die geballte Ladung, was wir beim ersten Teil vermisst hatten: Fische mit wunderbar schillernden Farben, wie türkisblau-grüne Fische, orange-farbene Fischlein oder auch große schwarze Fische mit weißen Lippen. Es ist alles dabei was wir uns wünschen. Blaue Korallenriffe, Seesterne und vieles mehr. Fische die gerade aus und in ihre Verstecke schlüpfen und Fischschwärme, die majestätisch und elegant mit ihrem Heer durch die Unterwasserwelt schlendern. Es ist wirklich faszinierend zu beobachten, wie solche Fischschwärme arbeiten und wenn man sie mit seinen Händen erreichen will, platzen sie auseinander und formieren sich später wieder neu. Es ist wie ein lustiges Spiel, bei dem Versuch, gegen die Masse des Wassers, einen Fisch zu berühren. Es ist zwecklos, weil sich der Fisch so filigran windet und wendet, das man als Mensch kaum eine Chance hat. Trotzdem ist das Spiel so faszinierend, dass man mit Leichtigkeit die Zeit verlieren kann.

 

Mit sechs feurigen Kompaneros lässt es sich doch gut aushalten

Wir hatten eine echt coole randomisierte (= zufällige) Gruppe zusammengestellt und alle hatten wir die beste Gaudi zusammen: Ein Schnorchel-Traum-Sextett mit dem Ziel, einen geilen, ereignisreichen Tag zusammen zu verbringen. Und somit hatte jeder eine richtige Gaudi daran, dies auch in Form körperlicher Höchstleistungen darzulegen. Mit unzähligen Poser- und Springfotos hatten wir einen großartigen Abschied von dieser Insel. Es war ein richtig toller Tag, mit einer wunderschönen Unterwasserwelt und sechs strahlenden Gesichtern, die der Sonne eine starke Konkurrenz bieten konnten. Das sollte nun aber noch nicht das Ende unseres spaßigen Sextett-Orchesters sein, denn zusammen wurden wir alle zu einer Party eingeladen.

 

Unsere Fishermen´s Friends

Nach erfolgreicher Suche nach einer wässrigen Erfrischung in Trincomalee und schon wieder auf dem Weg zurück, werde ich von einem Mann auf der Straße angesprochen. Ich setze mich zu ihm, wir plaudern und es stellt sich heraus, dass er heute Geburtstag hat. Was für eine Straßenparty. Nachdem ich mich gesetzt hatte, kamen auch die eingeladenen Freunde zur Party und es ergab sich eine lustige Runde. Umso später die Stunde, umso ruhiger die Straßen scheint auch hier ein inoffizielles Gesetz zu sein und schon wurde ich in eine Halle des Bruders des Geburtstagskindes eingeladen. Zusammen schnatterten und tranken wir fröhlich Rum und es war nun an der Zeit auch Caro in diese Runde einzuladen. Nun, Caro erreicht, schilderte ich ihr diese neue Situation und schon saßen wir alle gemeinsam in der Runde und plauderten fröhlich umher. Der Gastgeber dieser, neu getauften und wahrscheinlich schon mehrfach zelebrierten, Trinkhalle war Gamin. Dieser lud uns zu einem leckeren Essen ein, was da hieß: "Hoppers". Mit dieser zweiten Entdeckung, einer weiteren Köstlichkeit der sinhalesischen Küche, und weiteren Minuten mehr, verabschiedeten wir uns von unseren neuen „Fisherman´s Friends“. Schon auf dem Sprung, die Trinkhalle zu verlassen, wurden wir von Garmin und seinem Freund zu einer kleinen Party für den darauffolgenden Tag eingeladen. Da ich kurz davor auch noch erfahren hatte, dass Carina, unser drittes deutsches Bayernmädle, am morgigen Tage Geburtstag hätte, verkündigte ich, dass dies nun eine doppelte Geburtstagsparty werden würde. So verabschiedeten wir uns erneut und genossen daraufhin unseren wohlverdienten und seelischen Schlaf.

 

Die zweite Bühne des Sextett-Spaß-Zirkus´ alias Sextett-Orchester

Zu sechst, alle schön rausgeputzt und mit Rum in der Tasche (ein Muss auf Sri Lankanischen Partys), wurden wir auch schon von Garmin und seinem Clan abgeholt. Wir fuhren durch die Stadt und schlussendlich bogen wir in die Einfahrt zu einem Restaurant ab. Dort, in der dunklen Zufahrt angekommen, öffnete sich auch schon die Hintertür und wir durchschritten das verwinkelte Restaurant hinaus in den Außenbereich. Im Garten, neben weiteren Gästen, richteten wir uns die Tische zurecht, denn es waren noch andere Freunde von Garmin und Co eingeladen und so waren wir eine recht große Runde. Eine echte sinhalesisch-europäische Party zwischen einigen Flaschen Rum, Cola und leckerem Fisch. Wir wurden komplett eingeladen. Es war ein richtig toller Abend mit richtig tollen Leuten zwischen „Kola Veri Di“-Sessions (derzeit ein ganz bekannter, indischer Nummer-Eins-Hit), Trommel-Musik, Gesang mit unseren Tischnachbarn, lustigen Tanzeinlagen und jeder Menge freudigen Gesichtern. Mit einem leicht bis stark alkoholisierten Fahrer ging es dann wieder zurück zum Hostel. Auf dem Heimweg, nach einem abrupten Stop-Wende-Manöver, flog Garmin noch von der Ladefläche des fahrenden Autos herunter, wo wir uns alle zusammengedrückt aufhielten. Zum Glück ist nichts schlimmes passiert, aber das war ein kleiner Schock für den sonst so genialen Abend. Ein riesenfettes Dankeschön an unsere Fisherman´s Friends.

 

Nachschlag

Nun, das war immer noch nicht das Ende mit unseren neuen Freunden, denn am folgenden Tag sind wir, also vier Deutsche und die Fischer, zusammen mit dem Boot aufs Meer gefahren. Eigentlich wollten wir uns Delphine anschauen, wohl bemerkt auf einem Motorboot, jedoch war dies nicht mehr im besten Zustand, denn der Motor schwächelte. Trotzdem sprang irgendwann der Motor an und wir setzten unsere Fahrt in Gang. Es sollte um die Landzunge (Swami Rock) gehen auf der eine alte portugiesische Burganlage, sowie ein hinduistischer Tempel stehen. Leider machte unser Boot nicht die besten Anzeichen, lange durchzuhalten und so entschieden wir uns für eine Schwimmstunde mit toller, altmodischer Taucherbrille ins Wasser. Viel konnte man unter Wasser nicht sehen, aber die Erfrischung in einem der größten natürlichen Tiefseehafen der Welt, war schon schön. Nach zwei Stunden ging es wieder zurück und wir genossen den weiteren Tag mit Carina und Miriam.

Alles in allem war es eine tolle Zeit, zwischen Strand, neu gewonnen Reisefreunden, Korallenriffs und bunten Fischen und unseren Fisherman´s Friends, sowie einer sehr sympathischen Stadt und seinen Kottu-Köchen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0