Auf unserem Weg nach Anuradahpura

Unsere Zugfahrt nach Anuradapura war allein schon ein Highlight, dafür, dass wir wieder einmal einige Stunden durch ein Land mit einem Zug fahren konnten. Also, das Zugfahren ist schon eine gewisse Leidenschaft für uns geworden, auf unserer bisherigen Reise. Wenn man dann noch in einem Land ist, welches nicht die finanziellen Möglichkeiten hat, gigantische und super schnelle Züge bereit zu stellen, ist dies nochmal ein ganz anderes Gefühl. Nun gut, wir sind im "Urlaub", haben Zeit und nehmen uns auch diese Zeit, und somit ist Zug fahren unsere erste Wahl der Beförderungsart geworden. Bis jetzt dachten wir ja, dass das Zugfahren in Indien so schnell nicht mehr getoppt werden kann, aber in Sri Lanka wird dem Ganzen nochmal eins draufgesetzt. Wie wir schon berichtet haben ist es in Sri Lanka wesentlich sauberer als in Indien (deutlich sichtbar). Dies zeigt sich auch auf der Reise durch das Innenland. Mit einer erfrischenden und sauberen Natur, das müssen wir an dieser Stelle einmal zugeben, fühlen wir uns doch wohler. Wir sind zwar so einiges gewöhnt und können auch viel aushalten, aber dieser "Sauberkeits-Unterschied" zwischen Indien und Sri Lanka ist, so muss man sagen, doch überwältigend. Die Umstände, warum es so ist, sind den meisten von Euch bereits bekannt, aber wenn man bedenkt, dass Sri Lanka einmal ein Teil von Indien war, ist dies wiederum auch verwunderlich. Trotz, dass es einige Gemeinsamkeiten gibt, ist dieses Land ein anderes Land als Indien.

 

Auch wir oder bzw. ich halte mich wie so immer an der Tür auf um einen bestmöglichen Ausblick zu genießen. Gemeinsam mit anderen Genießern teilen wir uns diesen Bereich. Ein weiterer feiner Unterschied zu den indischen Zügen ist, das auch die Fenster komplett offen sind. Im Vergleich zu den indischen Fenstern welche zwei Metallstreben davor haben. Ohne diese Metallstreben ist es somit wunderbar möglich auch als sitzender Fahrgast seinen Kopf hinauszustrecken. Um dies wieder auf meine Position an der Tür zu übertragen ist es ein bezaubernder Anblick wenn man sich nach hinten umdreht und die vielen Menschen beobachtet die verträumt die Landschaft beobachten oder den frischen Fahrtwind genießen. Einer meiner schönsten Momente auf dieser ersten Fahrt, war eine Putzfrau, die gerade auf dem Heimweg, sich noch eine Betelnuss zubereitet hat. Für alle, die nicht wissen, was das ist: Tabak, Nuss und Kalkleim werden in einem Blatt zusammengerollt und ab damit in den Mund. Dieses kauend bewirkt eine leicht sedierende oder auch aufputschende Wirkung. Die Erfahrenen nehmen es aus Lust am Basteln und Kauen. Nun, diese Frau beobachtend und fotografierend, hatte ich die reinste Freude schon allein durchs Zuschauen.

 

Nun tuckern wir weiter durch die Landschaft, durch die wild wachsenden Baumlandschaften, entlang an den kleinen Dörfern, vorbei an knallig spektakulären Häusern, Villen und umher schreienden und spielenden Kindern. Wir sehen eine Hausfrau, die es noch tatsächlich gibt, die ihre Wäsche mit der Hand wäscht und uns dabei noch anlächelt und uns zu verstehen gibt, das so ein normaler Alltag aussieht. Leben und Lieben im Einklang mit der Natur und der Landschaft. In Sri Lanka ein Gefühl welches so stimmig ist und treffsicherer wohl kaum sein kann.

"Simply the Best", ist genau unsere Beschreibung für das Zugfahren hier in Sri Lanka. Simply, also einfach, weil es so abenteuerlich, entspannend, harmonisch, geistreich, erfrischend, belustigend, aber auch schockierend sein kann. Eine Menge Beschreibungen, nur für den einfachen Ausdruck "simply the best". Dieses sri lankanische Zugfahren ist für uns innerhalb eines Tages vom Status "unbekannt" zur Nummer 1 in unserer Zugfahrt-Weltrangliste aufgestiegen.

Nun, wer sich wundert, warum das Wort schockierend, einen Weg in unsere Beschreibungen gefunden hat, wird nun seine Antwort in den folgenden Zeilen lesen können. Es gibt genau zwei, man kann dafür auch die Beschreibung abenteuerliche verwenden, Ereignisse die uns auf unserer ersten langen Zugfahrt begleitet haben.

 

Die erste Situation

Um euch diesen ersten schockierend-abenteuerlichen Eindruck bestmöglichst zu beschreiben, wollen wir euch an dieser Stelle ein kleines Beispiel geben:

Draußen ist ein wunderschöner Tag, die Vögel zwitschern, der frische Nadelbaumgeruch zieht euch durch die Nase und ihr reitet ohne jegliche vorherige Erfahrungen auf einem Pferd durch diese traumhafte Landschaft. Jeder, der sich auskennt weiß, dass sind zwei Paar Stiefel und so himmlisch, wie es jetzt auch klingen mag, auf einem Gaul durch die weite Landschaft zu reiten, weiß auch ein jeder, wie schmerzlich es sein kann, auch nur einige Minuten auf so einem verdammten Dreckspferd zu verbringen. An alle Pferdelieblinge da draußen, dies war eine Metapher. Versucht man nun noch auf diesem Hengst ein wenig Ruhe und Entspannung zu finden, erkennt man schnell, dass dies utopisch ist. Diese Gesamtsituation lässt sich somit exakt auf eine Zugfahrt durch Sri Lanka übertragen.

Es gibt nun gewisse Abschnitte, teilweise auch prozentual erhöhte Kilometerstrecken, die nur mit der Aktionsbeschreibung "Pferdereiten durch Sri Lanka" zu beschreiben sind. Man lässt sich genüsslich durch die Landschaft fahren, genießt dieses Gefühl und auf einmal geht es los und der Zug schaukelt sich auf. Ein schleichendes wellenartiges Gefühl was sich zu einem Höhepunkt, sprich einem "sitzenden Sprung", aufbaut. Dieser dann über Minuten, wenn nicht sogar halbierte Stunden anhaltende Zustand, kann einem dann schon ein abenteuerliches oder schockierendes, schmerzliches und auch belastendes Gefühl vermitteln, um dies noch ein wenig detaillierter zu beschreiben. Die erhoffte Ruhe nach der wenig erholsamen Nacht auf den Stufen neben Colombos billigstem Hostel, haben wir hier also nicht gefunden.

 

Die zweite Situation

Diese hat sich im Ganzen auch zweimal auf unserer Zugfahrt durch Sri Lanka ereignet, und war, dass es zu einem Motorschaden auf halber Strecke kam. Nun, irgendwo in Sri Lanka steht ein Zug mit Motorschaden. Es ist nun auch nicht so, dass, wenn der Zug plötzlich hält, diese Variante des Grundes einem sofort durch die Gehirnzellen jagt. Vielmehr würde ich eine Pause des Lokführers, der mal eben austreten muss, eher in Betracht ziehen oder die Variante, dass sich eine rebellierende Bevölkerungsgruppe gegen mehr Atomenergie in Sri Lanka sich direkt an die Gleise zur ehemaligen Hauptstadts Sri Lankas kettet. Aber doch nicht ein Motorschaden! Das ist, wie wenn der Motor in einem Flugzeug mal so plötzlich aussetzen würde. Da würde man genau so doof aus der Wäsche schauen, wie auch wir es in diesem Moment getan haben, als uns der wahre Grund erreicht hat.

Die Auflösung des plötzlichen Stopps kam im Übrigen nach einer halben Stunde Wartens und Nachfragen unsererseits, von einem Sri Lankaner der in Essen (Deutschland) wohnt. Wenn sich dadurch solche Schicksalsverflechtungen so grandios ereignen, hätten wir uns wiederum noch mehr Motorschäden gewünscht. Aber die guten Dinge der Drei kamen uns nicht zu Gute.

 

Die Qual der Wahl

Zwei Varianten stellte uns Ruban, unser Deutsch-Sinhalese, zur Verfügung. Die erste war, hier zu bleiben und zu warten bis der neue Motor anrollt. Dieser kommt allerdings nicht allein, sondern wird begleitet von einem weiteren Zug mit funktionierendem Motor. Um euch das Ganze nochmal klar zu machen: Das hieße dann, drei Zugmotoren auf einem Abschnitt von einem halben Kilometer zu haben und ob die dann alle heile ankommen? Das ist hier die entscheidende Frage. Das Warten wiederum hieße dann, in brütender Hitze zu stehen , und dies gänzlich allein, denn alle Anderen entschieden sich in der Zwischenzeit für Variante Zwei und der Zug wurde langsam einsamer.

Auch wir wurden Mitläufer und entschieden uns für die Alternative. Zu Dritt ging es schlussendlich mit unserem Gepäck in sengender Hitze in einem drei Kilometer langen Marsch zur Hauptstraße wo uns Sekunden später ein Bus mitnahm. Wir reden hier nicht von einem Shuttlebus, wie wir es aus Europa kennen. Auch nicht von einem Bus mit vorgesetzten Fahr- und Haltezeiten. Wir haben einen Motorschaden irgendwo in Sri Lanka, marschieren einige Kilometer und fahren dann mit einem Bus weiter, der gerade hier vorbeifährt, wo wir ihn auch brauchen und dies ist im übrigen der Zweite in 5 Minuten, denn der Erste war schon zu voll. Das ist auch für uns keine Schicksalsverdopplung am heutigen Tage, sondern der normale Alltag in Sri Lanka.

Wir erreichen Anuradhapura noch vor der ursprünglichen regulären Ankunftszeit des Zuges. Willkommen in Sri Lanka. Willkommen in Asien.

 

Anuradhapura und das Levis Guesthouse

Aus dem Bus ausgestiegen erreichte uns die Stimme eines Tuk Tuk Fahrers, die so charmant klang, dass wir nicht widersprechen konnten. Im tuckernden Tuk-Tuk ging es dann zum Levis Guesthouse. Wir wurden noch vom Tuk-Tuk Fahrer in ein Geschäft verwickelt, unterschrieben dieses mit voller geistiger Anwesenheit und wickelten dieses am vereinbarten folgenden Tag ab. Dazu aber morgen mehr, denn heute ist Ruhetag. Wir genießen unser weiches Bett und es ist Zeit für eine verdiente Siesta nach diesem anstrengenden Tag. Nach der Siesta, erkunden wir ein wenig die Stadt, vielmehr erkunden wir das nächstbeste Restaurant und das nächstbeste Internetcafé und nach einigen Minuten, also vielleicht zwei Stunden, um genauer zu sein, ging es wieder zurück ins Bett für eine erholte Nachtruhe nach diesem anstrengenden Nachmittag.

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