Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss nehmen was übrig bleibt

Irgendwann gegen Mittag erreichen wir per Bus den Bahnhof in Negombo und es stellt sich heraus, dass der nächste Zug nach Colombo erst in einigen Stunden losfährt. Somit haben wir noch ausreichend Zeit und erkunden die nähere Umgebung. Direkt neben dem Bahnhof befindet sich ein kleiner Fabrikverkauf von „Highland“. Neugierig betreten wir den Shop und mit voller Begeisterung verlassen wir ihn wieder. Nun, was ist passiert?

Es braucht nicht viel, um uns zu begeistern, und somit können wir euch sagen, dass wir hier die wohl leckerste und erfrischenste Kakaomilch entdeckt haben, die wir jemals getrunken haben. Abgefüllt in halbe Liter Flaschen die aussehen wie vor 30 Jahren, ist es ein Getränk, das süchtig macht. Die Milch kommt von neuseeländischen Kühen, die nach Sri Lanka eingeflogen wurden und sogar neuseeländisches Gras fressen, welches ebenfalls importiert wurde. Sprich, die Kühe grasen nun auf Sri Lankanischem Boden neuseeländisches Gras und wir können das Endprodukt, die gute Kakaomilch, genießen. Und wir können euch sagen, dass es kaum einen Tag geben wird, an dem wir nicht dieses geniale Getränk „verschlingen“ werden. Es ist die kühlste Erfrischung des Tages, das wohl einfachste Getränk, um uns wieder fit zu fühlen. Ein purer Genuss. Aber genug der Werbung, kommen wir wieder zurück zum Bahnhof:

 

Drei Stunden vergehen wie im Fluge und wir sitzen im Zug auf dem Weg zur Hauptstadt Sri Lankas.

Colombo, abgeleitet von dem Wort Kolamba, bedeutet auf Sinhalesisch: Hafen. Und das hängt mit dem hohen Export von verschiedenen Gütern zusammen. Dabei ist Zimt das wohl wichtigste exportierte Gewürz mit 70 % weltweitem Marktanteil. Danach kommt natürlich der Ceylon-Tee und danach die anderen Güter.

 

Zimmersuche

Am frühen Abend erreichen wir Colombo und begeben uns auf die Suche nach einem bezahlbaren Hostel. Wie wir erfahren haben sind die Hostelpreise hier sehr teuer. Das heißt es gibt kein Zimmer unter 15 Euro, im Vergleich zu Negombo, wo wir 6 Euro bezahlt haben. Wir haben von Reisenden gehört, das sie in einem kleinen unorthodoxen Zimmer ohne Fenster um die 15 Euro bezahlt haben. Nun mit diesen erschreckenden Vorkenntnissen fragten wir den nächsten Bahnhofsangestellten ob er denn ein preiswertes Hotel kennen würde. Er besprach sich mit seinen Kollegen, nahm uns an die Hand und führte uns zu einem 15 Minuten entfernten Hostel. YMCA! Dies ist laut Lonely Planet das billigste Hostel, wie wir später erfahren sollten. Total happy verabschiedeten wir uns von unserem unglaublichen Begleiter.

Das, was nun kommen mag, ist die wohl verrückteste Hotel-Story die wir euch bis hierhin anbieten dürfen:

 

Bitte ein Doppelzimmer

Nachdem wir uns an der Rezeption vorgestellt hatten, bezahlten wir für das letzte verfügbare und zudem auch noch günstigste Zimmer und machten uns auf den Weg dorthin. Unsere Freude war groß, dass wir dieses letzte freie Zimmer ergattert hatten. Einer der Angestellten führte uns durch das Herz dieses riesigen Komplexes. Das Zimmer befand sich schlussendlich in der hintersten Ecke im letzten Stockwerk. Wir passierten den Sportkomplex, wo sich gerade zwei Judokämpfer einen Kampf darboten, vorbei an der Badminton-Halle, wo sich Tobi, in seinen Gedanken, schon kämpferisch, hechelnd und schlussendlich erschöpft, gesehen hatte. Nur noch schnell die Rucksäcke abstellen und dann auf zu einem Match, so die mentalen Vorbereitungen der männlichen Sportskanone.

Wir erreichten die dritte Etage und schließlich unser Zimmer. Dankend verabschiedeten wir uns von dem Angestellten und machten es uns im Zimmer bequem. Wir waren hungrig und beschlossen erst einmal eine Kleinigkeit Essen zu gehen. Doch da geht die Geschichte los...

 

Es ist nicht immer einfach, ein Zimmer bzw. ein Bett zu bekommen

Man konnte das Zimmer nicht abschließen, denn das Schloss wurde vor einiger Zeit aufgebrochen. Eine Möglichkeit sein eigenes Schloss zu nutzen war auch nicht vorhanden. So konnte man also einfach von außen nach innen reingreifen, die Tür öffnen und sich somit Zutritt zum Zimmer verschaffen.

Wir wollten aber unsere ganzen Sachen hier nicht unbeaufsichtigt liegen lassen. Wir gingen also wieder zur Rezeption und schilderten dem Angestellten das vorgefundene Problem. Dieser machte sich selbst ein Bild davon und gab uns zu verstehen, dass er auch nichts machen könne. Nach einem Gespräch und möglichen Lösungsvorschlägen, tummelten sich schon einige Sri Lankaner um dieses Geschehen herum. Auch eine ältere Frau lauschte diesem Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie ebenfalls Deutsche ist. Sie ist vor langer Zeit nach Indien ausgewandert. Da sie aber keine indische Staatsbürgerschaft hat, muss sie alle paar Monate für einige Wochen lang aus Indien ausreisen um durch ein erneutes Visum wieder einreisen zu dürfen. Da wir uns gleich auf Anhieb gut verstanden haben, hat sie uns angeboten, ihr Zimmer mit uns zu teilen. Eine super Idee, denn somit hatten wir endlich eine sichere Unterkunft und konnten auch noch den Zimmerpreis teilen. Und da es sowieso nur für wenige Stunden war, da wir am frühen Morgen schon die nächste Zugfahrt vor uns hatten, war es perfekt.

Wir gingen wieder runter zur Rezeption und schilderten dem Angestellten, dass wir das eigentliche Zimmer nicht nehmen wollten und somit das Geld wieder zurückhaben wollten. Nein, war seine klar verständliche Antwort. Leicht schockiert über diese Antwort entwickelte sich daraus ein Klärungsgespräch. Nein, er wollte uns das Geld nicht wiedergeben. Nun, langsam wirklich sauer, wollte ich (Tobi) den Manager sprechen. Nein, der sei nicht im Haus, bekam ich zur Antwort. Ich, inzwischen wirklich richtig sauer, bestand auf den Manager. So holte er dann doch den Chef des Hauses. Ihm habe ich die Situation geschildert und daraufhin bekam ich selbstverständlich mein Geld zurück.

Wieder in der dritten Etage angelangt, haben wir gleich unsere Rucksäcke bei Gerlinde, unserer netten Deutschen, untergestellt und uns noch ein wenig unterhalten. Da sie noch eine Zeitlang wach sein wollte und wir doch sehr hungrig waren, wollten wir noch schnell eine Kleinigkeit Essen gehen.

 

Abendessen und andere Überraschungen

Gegenüber vom YMCA gab es auch ein richtig leckeres einheimisches Restaurant. Hier gab es eine riesige Auswahl der, uns unbekannten, Küche Sri Lankas. Alles sah so lecker aus und wir konnten uns nicht entscheiden, was wir essen wollten. Wir fragten den Küchenchef, was denn das typischste Essen sei, denn das würden wir dann nehmen. Es sollte Kottu werden. Himmlisch lecker.

Wir gesellten uns zu zwei Sri Lankanern an den Tisch, plauderten und beschlossen mit ihnen nach dem Essen noch einen Blick vom Balkon des Hotels zu werfen, in dem sie arbeiteten. Gesagt, getan und schon genossen wir den nächtlichen Blick auf Colombos Hafen. Wie ihr seht, verging einige Zeit, und dies sollte sich auch auf die Ereignisse im YMCA auswirken...

 

Was passierte nun also in der Zwischenzeit im YMCA, während wir genüsslich die Sri Lankanische Küche und diesen wahnsinnig tollen Ausblick auf den kunstvoll beleuchteten Hafen genossen haben?

 

Vielleicht eine halbe Stunde später, während wir mitten im Gespräch mit unserer Tischgesellschaft waren, kam es zu einer Razzia im YMCA, im Sri Lankanischem Sinne. Grund: „Die Suche nach zwei Deutschen, die sich unerlaubt hier aufhalten sollen!“ Nun, wie ihr wisst, waren wir nicht anwesend und haben auch nichts von dieser polizeilichen Aktion mitbekommen. Leider war Gerlinde, wie sie uns später berichten sollte, diejenige die sich bei der Polizei rechtfertigen musste, denn von uns fehlte weit und breit jede Spur. Die Polizei blieb erfolglos, aber nun wusste das ganze Hotel Bescheid, was Sache war und was hier vorging. Aber was ging denn eigentlich vor?

 

Bei uns ging es nach unserem entspannten Abendessen und der neuen Bekanntschaft wieder zurück zum YMCA. Als wir so die Empfangshalle durchschritten, wurden wir von einem völlig erbosten Hotelangestellten aufgehalten. Dieser kam mit dieser ganzen Aufregung, der Polizeirazzia, von der wir bis dahin noch gar nichts wussten, so komplett gar nicht zu Recht und wir haben ihn erst einmal versucht zu beruhigen. Wir dachten wirklich, er kippt uns jeden Moment mit einem Herzinfarkt um. Somit haben wir ihn zu einem Stuhl gebracht, ihn hingesetzt und ihm ein Glas Wasser besorgt um seinen tornadoähnlichen Blutdruck ein wenig zu kontrollieren. Der Abend endete glücklicher Weise ohne einen Herzinfarkt, aber trotzdem wussten wir immer noch nicht, was nun eigentlich passiert war. Wir mussten den Fragen der Hotelangestellten Rede und Antwort stehen. Sie wollten wissen, wo wir gewesen seien und was uns dazu veranlasst hätte, unerlaubt bei dieser Frau unsere Sachen abzustellen. Nun wussten wir, dass es um Gerlinde und um unsere Unterkunft ging. Somit klärten wir die Angestellten auf, dass uns Gerlinde angeboten hatte, ihr Zimmer mit uns zu teilen und wir für die paar Stunden im zweiten und freien Bett schlafen könnten und uns den bereits bezahlten Zimmerpreis teilen wollten. Danach gingen wir wieder in den dritten Stock und kamen bei der aufgebrachten Gerlinde an, die uns daraufhin alles von der Polizei berichtet hatte. Völlig geschockt von diesem Bericht, beruhigten wir auch Gerlinde und schon klopfte es wieder an der Tür.

 

Razzia, die Zweite

Die Polizei war wieder da und nun wurden sie auch fündig. Sie hatten uns geschnappt und waren nun durch die infiltrierten Aussagen der Hotelangestellten der Meinung, dass wir uns das Zimmer nicht teilen dürften.

 

Wir: Warum nicht? Wir teilen uns das Zimmer bewusst und bezahlen auch dafür!

Polizei: Nein! Das geht nicht!

Wir: Warum denn nicht?

Polizei: Das dürfen Sie nicht!

Wir: Wie bitte? Wir sind Freunde und teilen uns das Zimmer.

 

So ging es in etwa eine gute Stunde weiter, denn die Polizisten und die Hotelangestellten waren der Meinung, dass so etwas nicht geht und dass wir uns das Zimmer nicht teilen dürften. Wie sich später herausstellte, bekamen wir zu verstehen, dass ich als Mann nicht mit im Zimmer schlafen dürfte. Dafür hatten wir aber auch schon eine Lösung parat: Denn in der Zwischenzeit hatten wir noch einen Inder kennengelernt, einen Freund von Gerlinde, der ebenfalls ein Zimmer mit zwei Betten für sich hatte. Und dieser hat mir dann ebenfalls angeboten, sein Zimmer mit mir zu teilen. Eine perfekte Lösung, wie wir meinten. Alle waren zufrieden, nur nicht die Hotelangestellten und somit auch nicht die Polizisten. Nun, um das Ganze abzukürzen ging es schlicht und einfach ums Geld und wir sollten ein separates Zimmer bezahlen. Doch Gerlinde und der Inder hatten bereits jeweils den vollen Zimmerpreis bei den Angestellten bezahlt und dementsprechend wollten wir auch unseren Zimmergenossen das, ihnen zustehende, Geld geben. Darauf wollten sich der Hotelmanager und die Polizisten aber nicht einlassen, da sie ja doppelt an den zwei Zimmern verdienen wollten, was wir wiederum nicht einsahen. Da es schon fast Mitternacht war und wir Gerlinde nicht noch mehr belasten wollten, gingen wir, denn es war keine Übereinkunft in Sicht.

 

Nimm´s leicht

Wir setzen uns neben dem Hotel auf einige Stufen und beschlossen, hier unsere restliche Nacht zu verbringen, mit der leisen Hoffnung, die Polizisten damit umzustimmen, so dass sie uns vielleicht doch noch eine Alternative anbieten würden. Aus unserem Gedankenstrom, eventuell auf der Polizeiwache unsere Glieder auszustrecken oder bei einem befreundeten Hotelmanager in der Royal Suite unterzukommen, wurde leider nichts und somit verbrachten wir diese kurze Nacht auf den Stufen dieses Hauses. Na gut, die Nacht entsprach jetzt nicht unseren sonstigen Ansprüchen aber trotzdem hatten wir unseren Spaß auf den Stufen. Ein Straßenhündin gesellte sich zu uns und bekam so gleich noch eine kostenlose Streicheleinheit. Als Dank dafür beschützte sie uns diese ganze Nacht über und immer wenn ein Passant oder eine zwielichtige Gestalt vorbeikam bellte sie auf, um uns zu beschützen und zeitgleich darauf aufmerksam zu machen, dass wir gerade nicht alleine sind. Danke, Lassie!

Schließlich klingelte der Wecker und holte uns aus unserem Halbschlaf. Wir nahmen unsere sieben Sachen und machten uns wieder auf den Weg zum Bahnhof. Ziel: Anuradhapura! Am Bahnhof angekommen gab es erst einmal das richtige Getränk für diese Stunde: Highland Kakaomilch. Nun wieder geistig anwesend, rollte auch schon der richtige Zug ein.

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