Auroville

Die „Stadt der Morgenröte“. Der Name könnte durchaus auch von dem Ashram „Sri Aurobindo“ abstammen, welches von der Auroville- „Mutter“, Mira Alfassa, seit den Dreißigern organisiert wurde. Das Ziel ist es, eine „universelle“ Stadt aufzubauen, welche sogar von der UNO unterstützt wird und eine Verschmelzung jeglicher Länderzugehörigkeiten beinhalten soll.

 

Allein aus der 4-Punkte Charta Aurovilles, ist zu erkennen, dass man was Besonderes erreichen will:

 

Auroville gehört niemandem im Besonderen. Auroville gehört der ganzen Menschheit. Aber um in Auroville zu leben, muss man bereit sein, dem göttlichen Bewusstsein zu dienen.

Auroville wird der Ort einer Erziehung ohne Ende, ständigen Fortschritts und einer Jugend sein, die niemals altert.

Auroville möchte die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft sein. Durch Nutzung aller äußeren und inneren Entdeckungen wird Auroville zukünftigen Verwirklichungen kühn entgegenschreiten.

Auroville wird der Platz materieller und spiritueller Forschung für eine lebendige Verkörperung einer wirklichen menschlichen Einheit sein

 

Das Zentrum Aurovilles bildet der „Tempel der Mutter“ (Matrimandir). Gegründet 1968 von Mira Alfassa, „Die Mutter“, wie sie im allgemeinen genannt wird, mit folgendem Zitat von ihr:

 

„Irgendwo auf der Erde sollte es einen Ort geben, den keine Nation als ihr alleiniges Eigentum beanspruchen kann. Einen Ort, in dem alle Menschen mit gutem Willen und aufrichtigem Streben frei als Weltbürger leben können und nur einer einzigen Autorität gehorchen: der höchsten Wahrheit ...“

 

Sie starb 1973. Über 2000 Menschen aus 45 Nationen leben zur Zeit in Auroville, darunter 45% Inder, 15% Franzosen und 11% Deutsche. Das Leben beinhaltet Freiwillige, Festangestellte und Andersdenkende.

Wir haben uns einen Roller gemietet und einen Abstecher hier her gemacht. Wir waren vielleicht nur 3 Stunden dort, aber trotzdem wollen wir euch unsere Einschätzung von Auroville geben. Diejenigen die dort längere Zeit waren, haben vielleicht eine bessere Einschätzung, aber es ist nicht unbedingt ein MUSS, um etwas zu verstehen. Wie bereits durch das Zitat der „Mutter“ klar wird, ist es das Ziel, einen Ort zu schaffen, in dem westliche Gedanken und Einschätzungen keine Rolle spielen, sondern vielmehr die Spiritualität im Vordergrund stehen soll. Man kann das Ganze aber auch ein wenig einfacher definieren: „Sex, Drugs and Rock´n´ Roll“! Der Spirit der 68er Bewegung, der Hippies und wie einst in Woodstock, soll hier einen stetigen Ort finden.

Jeder trägt seinen Teil bei und arbeitet somit an einem Projekt, wie es sonst nicht auf der Welt durchführbar sein könnte. Man versucht etwas aufzubauen. Eine neue Welt, unabhängig von Kommerz, Egoismus und Geld. An sich ist der Gedanke höchst lobenswert und aufgrund dieser unmaterialistischen Gedanken schätzen wir auch diesen Ort. Aber irgendetwas drückt die Stimmung. Wir fühlen uns unwohl, wir fühlen uns nicht am richtigen Platz, obwohl dieser doch die besten Werte vermitteln soll.

Für uns stellt dieser Ort nur eine Abgrenzung zu dem wirklichen Leben dar. Ein Leben, wie es hier geführt wird oder geführt werden soll ist in den Augen und den Gedanken dieser Bewohner woanders nicht möglich. Dies ist auch der Grund warum wir uns nicht wohl fühlen, weil wir anderer Meinung sind. Es ist vielmehr leichter in einem Ort zu sein, wo es Gleichgesinnte gibt, die den gleichen „Werten“ folgen, diese sich aber nicht mehr in die „Wirklichkeit“ integrieren können, weil sie sich ein Schutzschild aufbauen und somit nicht mehr in der kommerziellen Welt zurecht kommen. Vergleichbar ist dies mit einer Hippiekommune, wie sie zum Beispiel auch in dem bekannten Film „The Beach“ vorkommt. So ist dies auch hier zu sehen. Ein Zurückkommen in die laute und rasante Welt ist kaum mehr möglich, wenn man diese erst einmal verlassen hat. Die „wirkliche“ Welt. Man kann sich streiten und jeder kann eine andere Meinung vertreten, aber wir sehen die wahre Stärke darin, wenn man diese Werte in der Welt, wie sie nun einmal ist, lebt und weiter gibt. Wenn man sich nicht vom Kommerz leiten lässt, das Geld nicht als höchsten Status sieht, sondern vielmehr die Persönlichkeit und die Person in den Vordergrund stellt ist dies der richtige Weg etwas zu entwickeln. Auroville ist vielleicht ein Ort dieser positiven Werte. Nur sollte dieser Ort auch in der Welt Bestand haben um diese Werte weiter zu vermitteln. Die Werte sollen in der Welt wiedergefunden werden und nicht in einem Ort am Golf von Bengalen. Nur, wer die Stärke hat, beides miteinander zu verbinden, setzt in unseren Augen die richtigen Zeichen.

Man kann noch vielmehr erzählen, jedoch würde dies den Rahmen sprengen, aber für uns ist Auroville irgendwie eine falsche Welt. Vor vielleicht zwanzig Jahren gab es hier noch den wirklichen Wunsch etwas großartiges Anderes zu erschaffen, aber auch hier in Auroville hat die moderne Welt kein Stoppschild vorgefunden. Vielmehr findet man hier futuristische Bauten, die nicht so wirklich in diese Welt gehören. Dies ist nur ein Beispiel, weshalb etwas hier nicht stimmig ist. Der Grundgedanke ist gut, jedoch lässt die Umsetzung mit der Abgrenzung zur Außenwelt, dem ganzen Hype drumherum und der Integration der Moderne, die doch eigentlich nicht integriert werden sollte, zu wünschen übrig und ist dadurch für uns zu extrem. Aurovilles ursprüngliches Ziel ist es, nicht Zurück in eine verlorene Zeit zu gehen, sondern den Wunsch, frei zu sein und trotzdem alles zu haben, umzusetzen. Und das alles auf einer vernünftigen Ebene. Vielleicht klappt es ja noch.

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