Indiens Müllproblem

Überall findet man mit Müll überhäufte Straßen und Kühe, die im Müll stehen und noch an der Plastikverpackung herumkauen. Die Verpackungen und der Müll werden achtlos aus dem Bus, dem Zug oder dem Tuk-Tuk auf die Straße, in den Fluß oder in die Natur geworfen. Nach Angaben des Zentrums für Wirtschaft und Umwelt, landen 80% des Stadtmülls in Flüßen. In Indiens Hauptstadt Delhi sind laut Angaben nur 55% der Einwohner an das Klärsystem angeschlossen. Der Yamuna, der Fluss der durch Delhi verläuft, nimmt so täglich über 3 Milliarden Liter Abwasser auf. Es wurden sogar Kläranlagen erbaut und deshalb stehen hier auch 40% der Gesamtkapazität von Indiens Kläranlagen in Delhi, jedoch sind die Abwasserkanäle zu diesen Anlagen so verdreckt und verschmutzt, dass das Abwasser gar nicht erst da hin kommt und somit diese gar nicht ausgelastet sind. Diese Kläranlagen werden daher nur zu 30% ausgeschöpft.

Die Umweltschutzorganisation Sristi beziffert diese Zunahme der Müllproduktion von 40.000 Tonnen im Jahr 2000, auf 125.000 Tonnen im Jahr 2030. Dies bedeutet eine massive Zunahme von toxischen Dämpfen, erhöhten Gesundheitsrisiken durch Krankheitsüberträger wie Moskitos, Kakerlaken oder Ratten und schlicht eine weitere Gefährdung des Grund- und Meerwassers.

Die Entsorgung des Städtemülls wird durch sogenannte Lumpensammler erledigt. In den indischen Millionenstädten fahren täglich tausende Fahrrad-Recycler durch die Straßen und sammeln wiederverwertbare Sachen ein, die sie wiederum verkaufen bzw. ausliefern. Dadurch verdienen sie im Schnitt umgerechnet 2-3 Euro am Tag.

Wir können uns noch daran erinnern, wie wir vor 3 Jahren zum ersten Mal nach Indien gekommen sind. Mit dem Zug sind wir vom Flughafen Mumbais in die Innenstadt gefahren. Schon aus dem Zug heraus haben wir die Slums gesehen, jedoch wussten wir nicht so wirklich was es damit auf sich hatte. Nun, in Dharavi, dem größten Slum Asiens, der inoffizielle Recyclinghof, hier in Mumbai wo unter anderem auch Slumdog Millionär gedreht wurde, werden täglich ca. 8.000 Tonnen Müll recycelt. Die schätzungsweise 350.000 Lumpensammler in Mumbai, darunter ca. ein Drittel Kinder unter 14 Jahren, sammeln täglich Müll mit ihren riesigen Säcken um ihn dann an Zwischenhändler zu verkaufen. Diese reinigen und trennen den Müll (Plastik, Metall, Papier, Glas) und sortieren ihn nach Größe, um ihn anschließend an Großkunden weiterzuverkaufen. Dabei werden Plastik und anderer Müll verbrannt um an die jeweiligen wertvollen Rohstoffe zu kommen. Metallische Gegenstände mit Kupferanteil werden ebenfalls verbrannt um daraus nur den reinen Kupfer zu gewinnen, der mehr Geld einbringt, als der Müll an sich. Die Kinder die täglich den Müll sammeln, tun dies teilweise barfuß, ohne jegliche Schutzmaßnahmen, und nicht selten werden sie dadurch auch verletzt. Der Dokumentationsfilm „Waste“ von dem indischen Reggiseur Parasher Baruah handelt genau über dieses Leben aus dem größten Slum Asiens.

Diese ganze Müllpolitik ist natürlich zum Einen auf den steigenden Lebenskomfort und der damit verbundenen Nutzung westlicher Artikel zurückzuführen. Zum Anderen aber auch auf eine fehlgesteuerte Politik, welche die Bevölkerung in dieser Hinsicht wenig unterstützt.

Das Recyceln wäre dabei eine große Maßnahme, denn durch die Trennung von Plastik und biologischem Abfall könnte man den Müll auf Indiens Straßen, Flüssen oder auch in der Natur um die Hälfte reduzieren. Stattdessen wird der ganze Müll auf Deponien gebracht, wo er dann verbrannt wird. Man sollte dabei nicht in der Nähe sein, denn diese giftigen Abgase sind dann natürlich in der Luft und wabern munter und fröhlich durch die Straßen.

Um euch ein weiteres Beispiel zu geben. Die Kolibakterienanzahl, der Standart für „badezugängliches Gewässer“, also eine eurpäische Norm, liegt in Varanasi 3000 mal über diesen Höchstwert. Und trotzdem baden dort täglich hunderte Menschen, aus dem einzigen Grund, weil der Ganges heilig ist. Nicht nur das Baden, sondern auch ein Schluck des Wassers aus dem Ganges ist ein Teil des, für gläubige Inder, so wichtigem Rituals. Das Leben und die Rituale in Indien sind so unterschiedlich zur europäischen Kultur, wie sie es nur sein können und deswegen ist es auch so spannend hier zu sein.

 

Nun ihr seht, dass dies ein wohl nicht so einfach zu lösendens Problem ist, wenn man über das Thema Müll in Indien, einige Zeilen schreiben will. Hier gibt es keine Mülltrennung, wie in Deutschland, keine strukturieten Container/Recyclinghöfe, wie in Europa. Keine Müllabfuhr, nur die Lumpensammler. Zum Anderen leben hier auch über eine Milliarde Menschen und diese alle so umzupolen, dass sie ab sofort ein besseres Umweltbewusstsein zeigen, ist nicht so einfach. Des Weiteren ist Indien ein Land was nicht durch Gesetze gesteuert werden kann, denn jeder lebt wie er das gerne möchte. Aber trotzdem sind wir der Meinung, dass es eine positive Entwicklung in Richtung Recycling geben muss. Mittlerweile hat fast jeder Inder ein Handy, so sollte es doch auch möglich sein, dass jeder Inder lernen kann wie man recycelt. Natürlich gibt es Maßnahmen diesbezüglich, jedoch sind diese zu gering um dieses Problem tatsächlich anzugehen.

Wir wissen nicht viel über die indische Müllpolitik und deren Entwicklung und können uns nur schwer ein Bild machen, aber wir wissen auch, dass Indien eine aufstrebende Weltwirtschaft ist. Neue Technologien, die IT-Branche als Aushängeschild Südindiens. Indien gilt als Studienland für Pharmakonzerne, womit sie jährlich Milliarden Dollar einnehmen, weil Konzerne wie z.B. Pfizer hier ihre neuen Medikamente an Indern testen, weil diese sich keine gesundheitliche Versorgung leisten können und einer Studie mit kostenlosen Medikamenten sofort beitreten.

Trotzdem ist der Gedanke Müll nicht allgegenwärtig wie er vielleicht sein sollte und wie wir es uns wünschen würden und auch in den Medien wird diesbezüglich wenig aufgeklärt. Das ist jedenfalls das Bild was wir aus Indien mitgenommen haben.

Wir hoffen, dass sich diesbezüglich bald eine Lösung anbietet und die Menschen dahingehend aufgeklärt und dadurch umweltbewusster werden. Wir wissen auch, dass es sich aus unserem Standpunkt einfacher sagen lässt, als es in Wirklichkeit ist, aber ein Anfang sollte gemacht werden. Und aller Anfang ist schwer!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0