Zugfahren in Indien!

Das ist das pure Freiheitsgefühl und zeitgleich Unterhaltungskino vom Feinsten für wenig Geld. Wir haben euch bereits von unserer Zugfahrt mit der „Transsibirischen Eisenbahn“ erzählt, mit welcher wir viele Leute in spannende Vorfreude versetzt haben, als der Name fiel. Und in der Tat es ist eine Glanzleistung der damaligen Zeit, eine so lange Zugstrecke zu bauen und man verfällt in eine Art „Träumerei“, wenn dieser Name ausgesprochen wird: Transsibirische Eisenbahn. Das klingt nach unendlicher Freiheit, etlichen Vegetationszonen, spannenden Abenteuern und einer Magie hier und nirgendwo anders zu sein. Doch für uns eine Faszination, die in Büchern weitaus fantastischer beschrieben werden kann als es in Wirklichkeit ist. Deswegen war unser Eindruck auch eher getrübt, als dass unser Adrenalin und unsere Freude wie in einem Karussel verrückt gespielt hätten.

Darum möchten wir euch nun die Freuden am indischen Zugfahren näher bringen. Wir nehmen euch also mit auf diese Reise in den Süden und ihr werdet erfahren, warum es ein so spannendes Erlebnis ist:

 

Ticketkauf

Doch bevor es losgeht müssen wir uns natürlich erst einmal die Tickets besorgen. Zusammen stehen wir vor dem Bahnhof. Die Hitze schlägt uns ins Gesicht, der schwere Rucksack liegt auf unseren strapazierten Rücken. Wir atmen tief ein und schon geht es los, rein ins Vergnügen des indischen Bahnhofs. Wie ihr vielleicht schon wisst, läuft es in Indiens, vom Chaos beherrschtem Land, nicht so geordnet und strukturiert ab wie in manch anderen Ländern. Deshalb heißt es erst einmal, Rucksack wieder ab, denn die Rucksäcke müssen durch einen Scanner. Diese Kontrollen findet man nur an den größeren Bahnhöfen, aus Sicherheit vor Anschlägen. Allerdings sind die Checks nicht sonderlich genau. Ehrlich gesagt könnte ich mir einfach eine Bombe um meinen Körper packen und keiner würde es erahnen. Nun, wir folgen den Anweisungen und lassen unsere Rucksäcke von dem schlafenden Polizisten durchscannen. In der Zwischenzeit wird geschupst, gedrängelt und sich der Weg zum entsprechenden Rucksack frei gekämpft. Es wird zu einer Art Körperkampf und denkt jetzt nicht, dass dabei auf die Alten, Gebrechlichen und Zierlichen besonders Rücksicht genommen wird. Gerade die Alten mögen vielleicht so einige Jahre auf dem Buckel haben, aber dafür haben sie jahrelange Erfahrung! Nachdem der Rucksack schließlich wieder so einigermaßen auf dem Rücken liegt, schlängelt man sich durch die Massen, die unseren Weg von links und rechts kreuzen. Frei nach dem Motto: „Der Stärkere gewinnt“, denn Rücksicht ist hier ein Fremdwort. Wir versuchen uns weiterhin einen Weg durch diese Massen zu schlagen, auch wir haben da schon gewisse Erfahrung. Angst sollte man allerdings in diesem Moment nicht ausstrahlen. Des Weiteren sollte man vorhersehen, welche Hürden man noch umgehen und welchen Sprung man noch über schlafende oder sitzende Passanten machen muss, um weitere Meter zu gewinnen. Einen indischen Bahnhof kann man in etwa mit einem wirklich geschäftigen Kaufhaus vergleichen, in dem gerade, zum Beispiel, ein neues „Harry Potter“-Buch herauskommt. Jeder Sucht was, jeder bleibt mal abrupt stehen und es herrscht überall Hektik. So eben auch hier!  

Zug fahren ist eines der größten Hobbies der Inder und jeder nutzt diese geniale Möglichkeit der Fortbewegung. Somit fahren hier täglich 20 Millionen Menschen mit der Bahn, Tendenz steigend, und täglich fahren um die 11.000 Personenzüge, ebenfall Tendenz steigend. Somit ist die „Indian Railway“ eine der größten Arbeitgeber weltweit mit 1,6 Millionen Angestellten (Top 2, nach Wal-Mart).

An dieser Stelle legen wir euch nochmal das Buch von Andreas Altmann ans Herz: „Notbremse nicht zu früh ziehen“. Dort berichtet er über seine Erfahrungen des Zugfahrens in Indien und schildert interessante Details über die Geschichte der „Indian Railway“. Nun leider ist die Indian Railway auch nicht unbedingt der Partner dem man blind vertrauen sollte, denn die Sicherheit an und um den Zügen ist teilweise erschreckend. Aufgrund erheblicher technischer Probleme mit den Zügen und der Zugstrecke selber kommt es zu zahlreichen Unfällen täglich bzw. jährlich. Aus einem Bericht von NDTV ist zu entnehmen, das täglich im Durchschnitt 40 Menschen, durch diese Probleme sterben. Auf 64.000 km erstreckt sich das Eisenbahnnetz der Indian Railway, stolze eineinhalb Mal um die Welt.

 

Der richtige Schalter

Wir haben den Kampf mit den herumscheuchenden Indern gewonnen und suchen nun nach dem entsprechenden Ticket-Schalter. Die Frage ist nur: „Welcher“? Von den über 50 verschiedenen, auf zwei Etagen verteilten, Schaltern verstecken sich eventuell noch Schalter 55 und 56 in einer anderen Ecke und so ist es, weiß Gott nicht einfach, den Richtigen zu finden. Darum dauert die Suche eine Weile und kann schnell frustrierend verlaufen. Denn welcher von den vielen Indern spricht Englisch, so dass er uns versteht, und weiß dann auch noch auf Anhieb wo wir hin wollen? Zum Anderen verraten uns die Inder auch nicht, wenn sie keinen Plan haben und dann ist es manchmal auch noch der Fall, dass wir seine Ahnungslosigkeit nicht bemerken und wir schlussfolgernd seine Antwort für den „Goldenen Schlüssel“ zum richtigen Ticket-Fenster halten. Somit können uns die Inder schon gut auf Trab halten.  

Im heutigen Fall legen wir nur drei Kilometer zurück bis wir da sind. Das Gespräch mit der Person hinter dem Schalter verläuft erstaunlich schnell, bis wir das entsprechende Ticket in der Hand halten. Von Kalkutta nach Chennai für umgerechnet 10 Euro, sprich 29 Stunden Zugfahrt und 2500 Kilometer Zugstrecke.

 

Im Waggon

Wir steigen ein in den überfüllten Zug, in dem die Leute schon ihre Sachen verstauen, während wir noch auf den entscheidenden Moment wartend im Gang stehen, bis wir weitergehen können. Mit unseren überfüllten Rucksäcken bleiben wir teilweise im Gang hängen, denn für Europäer sind die Züge nicht gebaut. Unsere Sitzplätze befinden sich in der Mitte, wohlbedacht weit entfernt von den ungünstigen Plätzen nahe den Toiletten, denn, wenn sich ungefähr 96 Personen in unserem Waggon insgesamt vier Toiletten teilen, kann es schon sein, dass man etwas Unangenehmes bemerkt, wenn man zu nah an den Zugklos sitzt.

Der Weg ist frei und wir erreichen unsere Plätze. Die Inder schauen uns schon erstaunt an, weil wir Europäer sind und in der 2. Klasse fahren. So verrückt kann es nur in Indien sein, denn die 2.Klasse ist mit Abstand die beste Klasse von Allen. Wobei so richtig können wir das nicht sagen, weil wir die andere gar nicht ausprobiert haben. Man fühlt sich dort wohl, wo es für einen am Besten ist.

Wir haben Sitz 34A und 34C, den obersten und den untersten Platz. Die perfekten Plätze, denn zum Einen sitzen wir am Fenster und können die Aussicht genießen, zum Anderen kann sich einer von uns auch jederzeit nach oben legen. Warum wir keine Freunde vom mittleren Sitzplatz sind? – Dieser wird tagsüber umgeklappt und dient somit als Rückenlehne und derjenige mit diesem Platz sitzt ebenfalls am untersten Sitz und muss, wenn er müde ist, warten, bis die anderen schlafen wollen, bis auch er seine Bank umklappen und sich hinlegen kann. Zum Sitzen ist dieser Platz zu niedrig.

Es vergeht eine Weile bis der Zug losfährt und die letzten Händler laufen noch durch die Waggons auf der Suche nach dem passenden Gegenüber, der ihnen ihre Ware abkauft. Welche Händler uns alles entgegen kommen werden wir später noch erzählen. Jetzt ist es so weit: Der Zug rollt sich langsam in Bewegung und wir sitzen, noch ein wenig erschöpft von dem vorherigen Chaos, auf unseren Plätzen und beobachten den überfüllten Bahnhof. Wir sehen, wie die Arbeiter die schweren Säcke zu den entsprechenden Zügen schleppen, die Familie, so sieht es zumindest aus, ihren kompletten Hausrat mit sich nimmt, Freunde und Verwandte ihre Liebsten verabschieden und weitere Passagiere auf dem Boden sitzend, die vielleicht schon seit Stunden auf den richtigen Zug warten. Wie lange die Personen im Schnitt dort sitzen und warten würde ich an dieser Stelle auch gerne wissen, aber das Warten ist vielleicht das zweite Hobby der Inder. So nach dem Motto: „Warten und Tee trinken“.

 

Das wahre Zugleben

Der Zug ist mittlerweile schon aus dem Bahnhof herausgefahren, die Skyline winkt uns noch zum Abschied zu und wir können sagen, Kalkutta ist eine faszinierende Stadt. Allein damit könnte man Stunden verbringen, rauszuschauen und das zu beobachten was da kommen mag. Nun, eine Weile vertreiben wir uns damit auch unsere Zeit, aber nun beginnt es, das wahre Zugleben. Alle haben es sich gemütlich gemacht und die ersten Händler kommen entlang und rufen: „Chai! Chai! Chai!“. Nun braucht man sich nur einen Teeverkäufer herauspicken und schon bekommt man für wenige Rupees einen leckeren Tee in einem kleinen Pappbecher mit dem Aufdruck der „Indian Railway“. Wir schlürfen an unserem Chai und beobachten die Leute und das bunte Treiben drumherum. Die indische Familie, diesmal nur zwei Kinder und wahrscheinlich auf dem Weg in den sonnigen Süden. Raus aus dem luftverschmutzten Kalkutta und ab zu den Stränden im Südosten Indiens. Wir kommen ins Gespräch mit einem Lokführer.

Er kommt aus Gujarat und ist schon seit 12 Stunden unterwegs. Zusammen mit seiner Familie und einem Kollegen samt Familie ist er auf dem Weg nach Ooty, einer Berg-Station im Südenwesten Indiens. Eine lange Strecke, aber wie sie selber sagen: „Sie lieben das Zug fahren“, wie die meisten Inder und nehmen dafür etliche Kilometer in Kauf. Wenn eine Familie fünf Tage frei hat ist es nicht unüblich, wenn man davon zwei Tage im Zug sitzt. Ein „kurzer Abstecher“ durch Indien sozusagen. Des Weiteren ist es so, dass, wer aus dem Süden kommt, in den Norden will, weil es dort weitaus bergiger und kühler ist und die Leute aus dem Norden in den Süden wollen und sich am Strand ahlen und Sonne tanken möchten.

Nach einem kleinen Pläuschchen hören wir aus der Ferne den Kaffeemann mit seinem Gesang, welcher uns in unseren Köpfen noch unser ganzes Leben lang begleiten wird: „Koofi.......Koofi.......Koofi“. Auch da können wir nicht „Nein“ sagen und so trinken wir alle gemütlich einen „Instant-Koofi“.

Nach diesen vielen Eindrücken, haben wir uns eine große Auszeit verdient. Die wohl beste Auszeit in Indien!

Wir stehen an der offenen Zugtür und blicken auf dieses weite Land. Wir blicken nach vorne, verfolgen die Fahrt, beobachten das Geschehen, welches an uns vorbeirauscht und die weiteren Genießer, die sich ebenfalls einen „Auszeit-Platz“ gesichert haben. Ich blicke auf dieses weite Land, das Land, welches so unterschiedlich und anders ist zu den vielen zuvor Gesehenen und was uns deshalb so anzieht wie wohl nur wenige Länder es schaffen werden. Und so fang ich an zu träumen:

 

Kurzer Indien-Rückblick

Die Zeit hier in Indien geht langsam seinem Ende zu und wir haben schon die Flugtickets in unserer Tasche. Dreieinhalb Monate Indien sind langsam vorbei. Die Zeit floß nur so dahin und wir haben auf diesem Weg soviel gesehen und erlebt. Es ist schon wunderbar, wenn man wirklich mit wenig Gedanken nach Indien kommt und sich mit wunderbaren Eindrücken wieder verabschiedet. Und wir können an dieser Stelle sagen, das wir davon keinen Tag missen wollen.

Angefangen hat alles mit der Zollbeamtin, welche wir immer noch im Geiste vor uns sehen, wie sie uns anlächelt und sich freut, dass wir ihre Heimatstadt besuchen. Wir lernen Madhavi kennen und genießen ihre wunderbare und unbeschreibliche Gastfreundschaft. Wir verbringen mit und bei ihr, anstatt geplanten vier Tagen, stolze 12 Tage. Wir fahren Ski in Indien!?!? Wie verrückt ist das? Zwei Monate später schwitzen wir in Rajasthan in der Wüste bei 40°C und bekommen das wohl schönste Lachen auf Erden geschenkt. Das Lachen von Raju aus Amer/Jaipur. Nicht zu vergessen Amit und sein traumhaftes Apartment, was uns so heimisch geworden ist. Wie wohl wir uns dort gefühlt haben und nicht umsonst dort zwei Wochen verbracht haben. Wir konnten uns einfach nicht verabschieden. Wie lernten Sumit in der Metro von Delhi kennen, Ishant und sein Motorrad in Bir, Garry und seine verdammt nette Familie in Bhiloval oder auch Nick in einem thailändischen Restaurant in Darjeeling. Wir sehen die indischen Berge, die indische Wüste, den Ganges, den Smog der Millionenstädte, den Goldenen Palast in Amritsar, das Taj Mahal, unzählige Burgen und Schlösser. Wir überleben das Hupen der Rikschas, welche uns nun hier an der offenen Tür zu Indien, wie harmonische, einstudierte Konzerte erscheinen. Die heiligen Kühe, noch mit der Plastikverpackung im Mund vor uns stehend, die vielen Straßenhunde. Der Geruch Indiens! Die vielen Curries und Talis oder Batti aus Udaipur. Allein schon der Moment, dies zu schreiben, ist himmlisch. Die Erinnerungen schwirren durch unseren Kopf. Es war eine lange, eindrucksvolle und unvergessliche Zeit die uns wie der „Koofi“ unser lebenlang begleiten wird.

 

Batsch! Igitt! Was ist das?

Nun auf diesem Weg durch die Zeit, wenn einem die Gedanken durch die Kanäle des Gehirns jagen und sich im Langzeitgedächtnis festsetzen, wird man schnell wieder zurück in die Realität geworfen. Besonders hier in Indien. Es gibt, laut meinen Berechnungen, zwei Gefahren, die auf einen Lauern, wenn man hier verträumt und unbefangen an der Zugtür seine Freiheit genießt und sich freut diesen Moment voll und ganz ausschöpfen zu können, dabei können Stunden vergehen. Erst wenn man bemerkt, dass einem der Kopf schon schmerzt von dem vielen Gedankenstrom, sucht man den Weg zurück zu seinem Platz.

Bei diesen beiden Gefahren handelt es sich zum Ersten um die Rotzer und zum Zweiten um die Pinkler. Wie gesagt das ist die Realität und eigentlich nichts Besonderes, aber wenn man so aus den Gedanken gerissen wird, wollen wir euch auch daran teilhaben lassen.

Nun, vielleicht veraten diese beiden Namen schon einiges und für die Unwissenden wollen wir es an dieser Stelle noch ein klein wenig konkretisieren. Fangen wir mit den Rotzern an. Die Kategorie sitzt gelassen auf ihrem Platz, plaudert, schweigt oder schlürft seinen leckeren Koofi, bis zu diesem Zeitpunkt, wo er sich entleeren muss. Warum macht man das? Das haben wir uns auch gefragt und haben deshalb versucht das Geheimnis zu erforschen. Aus verschiedenen Quellen, zwischen Aussagen von Lust und Verlangen, bekamen wir diese einleuchtenden Gedanken vorgetragen. Der Körper ist im Einklang mit sich selbst und besonders hier in Indien, zwischen den Yoga-Brüdern und Sai Baba-Liebhabern, sollte es keine störenden Mechanismen und Kräfte geben. Und diese gewissen schleimigen Absonderungen sind etwas Schlechtes und sollten somit schnell beseitigt werden. Dass dabei einige Teile dieses schlechten Schleims anderen Leuten auf ihrer Kur durch die Erinnerungen nicht gerade förderlich entgegenwirken, wurde dabei nicht erwähnt und dabei nehmen wahrscheinlich auch die wenigsten Rücksicht. Nun, so ein indischer Zug ist ja auch lang, zu umständlich jeden zu fragen. Also raus damit! Das Gute siegt doch immer.

Pinkler? Bei wem es nun noch nicht klingelt, der kann an dieser Stelle entweder noch nicht denken oder hat Pampers in seiner Hose.

Dies sind kleine Hürden auf dieser Reise und kommen nur bei schlechter Windlage zum Vorschein. Nach nun zahlreichen Zugerfahrungen haben wir mittlweile den Dreh raus und positionieren uns schon so erfahren, zwischen Türrahmen und Windenergie, dass wir eine geringere Chance haben erwischt zu werden.

 

Kurzer Aufenthalt

Wir genießen weiter das Hier und Jetzt in vollen Zügen und werden erst aus unseren Gedanken gerissen, als uns jemand auf die Schulter tippt, weil er doch gerne aussteigen möchte und wir ihm den Weg versperren. Nun wir machen einen Halt und stehen für einige Zeit an diesem Bahnhof. Dass es länger wird, erkennen wir daran, das sich die ersten Passagiere Proviant holen. Wir schließen uns dem an und erkunden die verschiedensten Angebote. Frittierte und gefüllte Teigtaschen, Fladenbrot (Parantha) mit Curry oder Reis mit verschiedenstem Curry. Getränke oder auch Bananen. Das richtige Essen für den richtigen Preis, das muss man an dieser Stelle einmal festhalten. Ein Paradies für den kleinen Geldbeutel, für alle selbsternannten Flashpacker sozusagen. Wir sind ebenfalls hungrig und kaufen uns einige tolle Sachen, das Angebot ist ja riesig. Danach machen wir uns gleich wieder zurück auf unsere Plätze.

Der Zug fährt wieder los und als wenn einer das Signal zum Essenstart geben würde, fangen alle zeitgleich an. Ein tolles Vergnügen. Mampfend und schlemmend genießen wir die feurige Schärfe des Essens, freuen uns den Anderen beim Essen zuzuschauen, tauschen leckere Kleinigkeiten aus und staunen wieder einmal darüber wie einfach man sich wohl fühlen kann. Hier in Indien ist alles möglich. Das Beste bekommt man kostenlos!

Der Tag neigt sich seinem Ende. Auch wir brauchen nach diesem ereignisreichen Tag eine Mütze Schlaf und freuen uns jetzt schon auf den neuen spannenden Tag in Indien. Gemeinsam mit zwei reisenden Indern teile ich mir meine Liege, denn das Angebot deckt nicht ganz die Nachfrage. Irgendwie funktioniert es, wobei man sagen muss, dass die Inder einige Schlafpositionen gewöhnt sind. Incredible India!

 

Guten Morgen India!

Halb zehn in Indien. Wir werden geweckt mit einer lecker riechenden Papaya, Paratha und... ? - Genau einem traumhaften „Instant-Koofi“. Mit diesem leckeren Frühstück wacht man doch gerne auf und wir mampfen alles in sekundenschnelle in uns hinein. Mit gut gefüllten Mägen beobachten wir wieder das bunte Treiben auf diesem indischen Bahnhof. Es wird keine Sekunde langweilig, so wie wir es euch versprochen haben. Wir beobachten die Sari-Armee. Die Farben die einem entgegengeschleudert werden sind herrlich: Knalliges Pink, feuriges Rot, himmlischen Blau oder auch saftiges Grün. Nur hier in Indien kann es so wunderbar farbig sein ohne dass man auf den Gedanken kommen würde, das irgendwas nicht stimmt. Hier ist es das Zeichen für Lebendigkeit und für die Lust, Farbe zu bekennen. Noch völlig fasziniert von der großen Farbpalette, werden wir von einem Verkäufer in unserem Waggon da zu aufgefordert, doch tolle Sachen bei ihm zu kaufen. Noch ein wenig irritiert, fragen wir also nach dem Angebot. Doch das ist der Fehler aller Fehler, hier in Indien. Der Verkäuferinstinkt ist geweckt, der Köder hat angebissen und nun wird „Geschäft gemacht“. Es klappt! Wir sind glückliche Besitzer von zehn „neuen“ Film-DVD´s. Alle frisch „gebrannt“ aus dem heimischen Rechner. Der Schwarzmarkt floriert überall in Indien. Das ist wohl das beste Geschäft, wenn sich beide Parteien mit zufriedenen Gesichtern verabschieden. Danach folgt noch der Spielzeugverkäufer, der ein kleines Auto hinter sich herzieht, dem wir aber absichtlich keinen Augenkontakt entgegen bringen. Oder auch der Hygiene-Mann mit seinen kunterbunten Zahnbürsten, Haarklammern oder vielleicht einer neuen Jeans? Alles ist im Angebot auch wenn die Palette noch so verwirrend ist. Es gibt nichts was es nicht gibt. Wer denkt, das sind Ausnahmen, hat sich getäuscht. Der Tag vergeht und es kommen noch zahlreiche weitere Geschäftsmänner vorbei, zwischen unseren geliebten Chai- und Koofi-Verkäufern. Das ganze Chaos hier in den Gängen wird auch noch durch Bettler und Menschen mit Behinderungen aufgemischt. Alle gehören sie dazu, alle haben sie ihren Bestandteil und ihre Zugehörigkeit und alle tragen sie dazu bei, einem dieses Bild von Indien zu vermitteln. Dieses Bild mit den unterschiedlichsten Menschen, mit den vielen Kontrasten, das Ganze verschönert durch bunte knalligen Farben, vermischt mit diesem süßfeurig-staubigen Geruch. Ein Unterhaltungskino der Extraklasse! Der lebendige Blockbuster, hautnah und zum Anfassen. Man braucht einfach nur eine reichliche Portion „Basic Instinct“, dazu einen Schwung „Mamma Mia“ und ein wenig „Kung Fu Panda“ und man ist angekommen in diesem Land!

 

Wir sind nun auch angekommen. In Chennai, unserem Zielort, verbringen wir nur ca. zwei Stunden, denn wir haben uns entschlossen gleich nach Puducherry weiterzufahren! Nach einer Weile herumfragen, verlaufen, wieder umdrehen, weiterem herumfragen, wieder falsch, komplett woanders hin, stehen wir nun hier und warten auf den richtigen Bus.

Wir erreichen Puducherry um zwei Uhr in der Nacht, sind völlig gerädert, verhandeln noch mit letzter Kraft mit dem Rikscha Fahrer einen akzeptablen Preis heraus, der uns ohne größere Umwege direkt zu unserem Couchsurfer Shyam bringt. Dieser wartet „schon“ voller Freude auf die beiden verrückten Reisenden und zeigt uns dann auch gleich unser zu Hause für die nächsten drei Tage!

Nachdem wir noch ein wenig geplaudert haben, haben wir uns in die verdiente Falle gehauen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0