Einen Tag Freiwillige bei Mutter Teresa

Fast jeder von Euch hat schon mal von Mutter Teresa gehört, einer unglaublichen Frau, die sich aus Liebe zu Jesus, den Armen gewidmet hat und dabei viel Freude empfand! Eine Frau, die täglich mit großem Herz und gutem Beispiel voranging um den Armen und Kranken Liebe, Trost und Hoffnung zu spenden. Als Pionierin in Indien hat sie viele Einrichtungen geschaffen, in denen kranken und mittellosen Menschen geholfen wird. Diese Einrichtungen sind dem Alter, dem Geschlecht und dem Erkrankungsfeld hin unterteilt und jeder der dort „behandelt“ wird kann sich, so gut es geht, selbst integrieren und mithelfen. Eine super tolle Sache und eine bewunderswerte Leistung, die ich, Caro, mir aus nächster Nähe angeschaut habe, hier in Kalkutta, der selbstgewählten Heimat von Mutter Teresa. Ich war einen halben Tag lang dabei und durfte auf diese Weise miterleben, wie hart die Glaubensschwestern für ihre Mitmenschen sorgen! Sie verbringen in der Tat wahre Wunder und das täglich!

 

Der Anfang

Wenn man nun als Freiwillige mithelfen will, dann begibt man sich am frühen Morgen (gegen 7 Uhr) ins sogenannte „Mutterhaus“ (der ersten von ihr gegründeten Einrichtung), hat ein kurzes Frühstück, lernt weitere Helfer kennen und startet den Tag mit Gesang und einem Gebet. Danach wird man entsprechend der Länge des Aufenthaltes den verschiedenen Gruppen zugeteilt. Da ich nur einen Tag Zeit hatte, wurde ich in die Gruppe eingeteilt, die zu den Sterbenden ging. Das ist auch richtig so, denn es gibt auch Einrichtungen für Kinder oder misshandelte Personen, die sich nicht jeden Tag an neue „Pfleger“ gewöhnen können und auch längere und stetige Betreuung brauchen. Für diese Helfer gibt es dann auch kostenlose Unterkünfte und Essen. Nun, nachdem jeder seiner Gruppe zugeordnet war, machten wir uns auf den Weg. Ein Fußmarch von ca. 45 Minuten sollte uns ans Ziel bringen. Vorbei an bettelnden Kindern und vielen hilfsbedürftigen Menschen bahnten wir uns unseren Weg in die Slums zur entsprechenden Einrichtung. Dort angekommen wurden wir nochmals geschlechterspezifisch aufgeteilt. So landete ich schließlich in einem Teil mit überwiegend alten und einigen wenigen jungen Damen. Zuerst durften wir Wäsche waschen, dazu gibt es eine Art „Waschstraße“ in der jeder seinen Aufgabenbereich hat. Meine Arbeit war, die gewaschene Wäsche auszuwringen und dann mit zwei vollen Eimern nasser Kleidung die Treppen drei Etagen weit hochzulaufen, dort die Wäche an die Wäscheaufhängerinnen zu übergeben und dann wieder runterzulaufen um den gleichen Ablauf zu wiederholen. Das ganze bei ca. 4o Grad im Schatten um die 40 Mal insgesamt. Es war viel Wäsche die ca. 40 Frauen über etwa 2 Stunden lang beschäftigt hielt. Darunter waren auch viele Kranke, die fit genug waren mit anzupacken und denen es große Freude bereitete auf diese Weise einen Teil beizutragen und damit auch Abwechslung zum ansonsten monotonen Alltag zu haben.

 

Die Patienten und der Umgang

Danach kam das Frühstück für die Patienten. Das bedeutete für uns, die einzelnen Damen aus ihrem Schlafsaal zu den Stühlen hinzuführen und diese mit Tee und Plätzchen zu bewirten. Insgesamt waren wir in unserem Bereich für ca. 60 Leute zuständig. Da viele von den Menschen nicht mehr selber essen können, fütterten wir sie. Danach war Freizeit angesagt, das hieß, dass wir uns den Patienten, für uns fremde Menschen, deren Sprache wir nicht mächtig waren, widmen und diese umsorgen sollten. Keine leichte Aufgabe! Man steht da plötzlich allein in einem Bereich, in dem die Patienten wie die Hühner auf der Stange, dicht gedrängt, auf Plastik- und Rollstühlen nebeneinander sitzen, hilbsbedürftig sind, sich nach Liebe, Zärtlichkeit und Wärme sehnen und gerne ihre Kinderlieder singen möchten. Diese starren ebenfalls ratlos in die vielen fremden Gesichter aus ganz unterschiedlichen Ländern, die etwas unbeholfen auf die Patienten zugehen und nicht so recht wissen, wie sie es anstelllen sollen, in kurzer Zeit Wärme, Zuneigung und ein gutes Gefühl nur mit Hilfe von Körpersprache und Mimik an diese fremden und gebrechlichen Menschen zu vermittlen. Einige Freiwillige waren begabte Sängerinnen und haben den Leuten große Freude bereitet. Ich habe mir eine Massagecreme geschnappt und die einzelnen Frauen deren Haut an Armen und Beinen schon so dünn und ausgetrocknet war, mit Creme verwöhnt, was zu großer Begeisterung und dauerndem mich zu sich Herwinken geführt hat. Wiederum andere haben den Damen Nagellack aufgetragen worüber diese sich unheimlich gefreut und sich wieder an ihre Weiblichkeit erinnert haben. Danach kam essen Nummer zwei: Jetzt schon selbstbewusster brachten wir das Essen zu den einzelnen Frauen. Manche waren allerdings höchst erzürnt, da wir ihnen mit Reis und Chickencurry kamen, sie jedoch Vegetarier waren. Oh je, da half nur, sich zu entschuldigen und ein flottes Austauschen des Gerichts.

 

Hygiene

Zudem waren wir auch dafür zuständig, wenn die Frauen auf dieToilette mussten, was auch ein Erlebnis für sich ist. Denn man sollte sich die Zeit nehmen, jede Einzeln zu betreuen, was bei der Patientenanzahl und deren teilweise dringenden Bedürfnissen nicht immer einfach ist. Hinzu kommt, dass viele eben nicht mehr so schnell sind und ihre gewisse Zeit brauchen, bis sie 10 Meter Distanz überwunden haben und dann steht man mit ihnen in der angewiesen Toilette, einem gefliesten Raum mit einem Abfluß in der Mitte. Während man selber noch sucht, wo denn hier die Toiletten sind, lassen die Damen es dann auch schon laufen. Ah, okay, so funktioniert das hier also. Und da entdeckt man dann auch noch den ein oder anderen Toilettenstuhl fürs „große Geschäft“. Wohin die Schüssel allerdings entleert wird habe ich nicht herausgefunden. War in meinem Fall auch nicht nötig.

Dafür durfte ich aber noch eine, im Toilettenraum alleingelassene und in ihrem Kleid verhakte, Dame aus ihrer misslichen Lage befreien. Nachdem sie sich wieder bewegen konnte, war klar, dass das Kleid gewechselt werden muss und so hab ich dann auch noch ein Wechselkleid aufgetrieben, ihr sich anziehen geholfen und sie dann wieder auf die Essensveranda gebracht.

Während wir all diese Hilfsarbeiten verrichteten, nebenbei die Bettbezüge wechselten und zum Schluß die Frauen wieder zu den Betten brachten, um sich auszuruhen und Mittagsschlaf zu halten, waren die Ordensschwestern alle fleißig, kümmerten sich um die Bedürfnisse der Kranken, assistierten der Ärztin und checkten die Lage. Und das alles in sehr einfachen und dürftigen Verhältnissen.

 

Alles in allem war es ein Tag, der mir in Erinnerung bleiben wird als Tag, an dem ich sehr viel von den Bedürftigen gelernt habe und sehr viel über das Leben und die menschlichen Bedürfnisse und sehr viel darüber, was man alles leisten kann und was alles von den Schwestern, aber auch von den Erkrankten geleistet wird.

 

„Die Armut wurde nicht von Gott geschaffen. Die haben wir hervorgebracht, ich und du mit unserem Egoismus.“ (Zitat Mutter Teresa)

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