Ein ganz „normaler Backpacker-Tag“

Dieser Tag wird einige weitere Belustigungen mit sich bringen, doch müssen wir erst noch die letzten Stunden verdauen. Trotzdem stehen wir schon früh auf der Matte (um 11Uhr), denn wir wollen zu einem Kricket-Spiel. Dafür benötigt man aber Karten und die wollen wir uns auf dem Schwarzmarkt, bzw. wo auch immer diese hier angeboten werden, besorgen. Bevor die Suche aber losgeht, beginnen wir unseren Tag mit einem super leckeren Frühstück in der wohl besten Frühstücksstraße Indiens. Hier reiht sich ein leckerer Essensstand neben dem anderen in einer eher unscheinbaren Nebenstraße und lässt die Herzen vor Freude höher schlagen. Der Ei-Burger prutzelt schon lecker vor sich hin, der Geruch beflügelt unsere noch wackligen Sinne und der leckere Chai-Tee lässt uns Flügel wachsen. Ihr seht, wir schweben schon auf Wolke Sieben und lassen es uns gut gehen. Zum Abschluss gibt es noch einen richtig leckeren Mangosaft, natürlich Natur pur und frisch gepresst. An dieser Stelle fehlt nur noch der Nutella-Pancake, wie wir ihn am Tag zuvor hatten, so als Sahnewölkchen oben drauf! Absolut gestärkt nach so einem tollen Frühstück sind wir nun auch bereit, für die neuen Abenteuer, die uns erwarten.

 

Eine Herausforderung 

Gemeinsam mit weiteren Flashpackern (= der moderne Backpacker, der nicht mehr ohne die neuen Medien, wie z.B. Internet, Smartphone, etc. verreist), machten wir uns auf den Straßen Kalkuttas auf die Suche nach Karten für das Kricket-Spiel. Es sollte auch nicht lange dauern bis wir einen kompetent aussehenden Mann fanden und ihn mit der Frage angesprochen hatten, ob er denn wüsste woher wir Karten für das Spiel bekommen könnten. Er wußte auf jeden Fall, was zu tun war und brachte uns zu einem weiteren Mann, der schon verdächtig an einem Tor lauerte und schon verschwanden wir durch das Tor hindurch zum Hof. Weiter ging es durch den Hof, immer weiter hinein in das Innere dieses Wohnhauses und schließlich landeten wir in einem Geschäft, welches genauso aussah wie die ganzen anderen Geschäfte hier. Sie sind alle nach dem gleichen Muster aufgebaut: Relativ klein, ca. 2x2 Meter, an der einen Seite befindet sich eine Glastheke und an den restlichen Wänden im ganzen Raum sind unzählige Glasregale angebracht. Nun findet man in diesen Regalen das immer gleiche und zahlreiche Sortiment der Verkäufer. Alles, laut Beschreibung der Verkäufer, von unschätzbarem Wert, wobei die Aufmachung eher an einen Trödelmarkt erinnert. Von diesem massiven Aufgebot an touristischen Angeboten erschlagen und überwältigt landet auch schon die nächste Halsketten- und Ringschatulle auf der Theke und wird bis in den höchsten Tönen angepriesen. Mit schnellen und abwehrenden Worten machen wir den Verkäufer mit einem gutmütigen Lächeln darauf aufmerksam, dass wir nicht die richtigen Kunden für seine Spielchen sind. Aber der Verkäufer kennt sein Handwerk (wir aber auch) und so probiert er weiterhin sein Glück. Qualität steht bei uns auch an erster Stelle und wir erkennen sofort, dass uns dieser Schnick Schnack nichts taugt. Mittlerweile sollten die Eintrittskarten für das Kricket-Spiel auch schon seit 5 Minuten auf dem Tisch liegen, denn es waren in der Zwischenzeit schon wieder 10 Minuten geschäftliches Treiben vergangen, aber nichts machte den Anschein, dass sie bald auftauchen würden.

 

Ein besonderer Wunsch

Aber da gab es doch noch etwas, das ich unbedingt kaufen wollte: Ein Backgammon-Spiel! Um die Wartezeit zu überbrücken, äußerte ich den Wunsch, dieses Spiel doch gerne haben zu wollen. Ein Fehler! Wie aufgescheuchte Hühner wuselten der Besitzer und seine Helfer durch den Laden, auf der Suche nach dem Schatz des Tages.

Leider entsprach dieser Schatz nicht meinen optischen Vorstellungen. Und ich kann euch hiermit sagen: Häufig wird das Spiel hier nicht verkauft und wenn man bedenkt, dass Kalkutta 1495 zum ersten Mal erwähnt wurde, kommt dies nahe an das Erscheinungsbild des Objekts vor mir heran. Aber so leicht gaben die Milleniumsverkäufer nicht auf, das muss man ihnen anrechnen. Also musste Plan B her und es wurde der erste Späher ausgesandt. Dieser machte sich auf die Suche nach dem Objekt der Begierde und das bei seinen zahlreichen Freunden von nebenan! Das ganze sieht dann folgendermaßen aus: Er rennt von Shop zu Shop um bei den, wie gesagt, gleich aussehenden Mitbewerber-Shops, nach einem etwas anderem Backgammon-Spiel Ausschau zu halten. Ich glaube er ist weit gerannt, denn so schnell haben wir ihn nicht wiedergesehen.

Nun, die Krickettickets mussten wahrscheinlich auch erst einmal gedruckt werden, denn sie waren immer noch nicht da und somit versuchte unser „Mister Goldkette“ weiterhin, seine Klunker an den Mann zu bringen. Nach weiteren unzähligen Minuten und weiteren tröstenden Worten, dass in Kürze der Kricketgott durch die Türen schnallt und uns die Tickets auf dem goldenen Tablett serviert und weiteren touristischen Sonderangeboten, wollten wir schon gehen, als Backgammon-Mann mit einem stolzen Lächeln, noch keuchend, durch die Türen gestolpert kam. So schnell wie er zurück war, so lang dauerte es auch, bis sich seine Laune wieder neutralisierte. Denn, eine wichtige Hürde bei einem guten Geschäft ist der Preis! Und bei indischen Händlern sollte man sich, bevor man verzweifelt, schnell aus dem Geschäft zurückziehen. Die kennen ihr Handwerk und haben anscheinend genügend Kohle um die nächsten Jahre zu überleben, so unverschämt hoch setzen sie ihren Verkaufspreis an. Also, ein süßes kleines Backgammon-Spiel wird hier auf den Straßen Kalkuttas mit einem Verkaufswert von 25 Euro gehandelt. Der Einkaufswert liegt bei vielleicht 2 Euro, denn drei Tage später habe ich es für 4 Euro gekauft. Daraus könnt ihr schlussfolgern, dass ich meinen Geschäftssinn an diesem Tag bewahrt habe, standhaft blieb und auch sein unmoralisches Angebot von 10 Euro Nachlass, mit Stolz in den Augen, nicht angenommen habe! So ein indisches Verkaufsgespräch ist wie eine Kralle, die sich langsam um seine Beute windet und mit aller Kraft versucht, diese auszuquetschen. An dieser Stelle war die Beute stark genug um hauchdünn diesem finanziellen Raubzug zu entkommen.

In letzer Sekunde kamen dann auch noch die Kricket-Tickets. Dabei müssen wir erwähnen, dass nun schon stolze 45 Minuten vergangen sind, seitdem wir diese Schatzkammer betreten haben und nun bekommen wir auch die Tickets für einen Preis, wie für ein Finale bei der Fußballweltmeisterschaft auf einem Lodgenplatz mit einem reichgedeckten Buffet, angeboten, so dass wir meinen, wir würden träumen. Es sollte eigentlich nur eine Art Unterhaltung werden, einem Kricket-Spiel zuzuschauen, und nicht unser Absturz in die Finanzkrise. Lust auf Verhandeln hatte keiner mehr und bevor wir noch weitere Goldperlen als Entschädigung angeboten bekommen hätten, sind wir schnell wieder in die rettende Freiheit geflüchtet. Das letzte Ass im Ärmel des wirklich raffinierten Verkäufers haben wir dann auch abgelehnt: Heroin, Koks und Ecstasy brauchen wir auch nicht!

 

In der Falle

Leider konnten wir nicht lange unsere wohlverdiente Freiheit genießen, denn ich hörte schon die hallenden Worte vom Backgammon-Mann in meinem Nacken und schon war ich seine Beute. Nach gefühlten 20 Sekunden Freiheit wartete der nächste „Kampf des Abwimmelns“! Das gute Gewissen jedoch sprach zu mir und der Drang ein wunderbares Backgammon-Spiel in meinen Händen zu halten war zu groß und somit ging ich auf seinen Plan, ihm zu folgen, ein. Ihr könnt euch den Rest schon denken, bei mir sollte es noch eine Weile dauern. Mittlerweile waren nur noch Caro und ich in der „Falle der Klaue“. Soviel zum Thema: „Gemeinsame Unternehmung“. Also die Verfolgung, so konnte man seine Ausdauer und Motivation beschreiben, verlief direkt durch die verkaufsträchtige Einkaufsstraße. Nach etlichen Ausweichmanövern und geringerer Motivation wollten Caro und ich schon abhauen. Einfach in die nächste Ecke einbiegen und verschwinden. Aber, als ob Backgammon-Mann meine Gedanken erahnen konnte, stand er auch schon wieder neben mir und meinte wir wären gleich da. Also, das haben sie gelernt, jemanden bei Laune zu halten. Und Erinnerungen wurden wieder wach, an die Zeit im T´hic T´hak, als wir Wochen auf unsere neuen Speisekarten warten mussten, die eigentlich am nächsten Tag hätten fertig sein sollen...

Aber, wieder zurück in das turbulente Treiben an diesem heißen Sonntag. Weiter ging die endlose Suche nach dem Laden, der uns als DER „Backgammon-Laden“ angepriesen wurde. Endlich angekommen, ist es wieder ein Laden wie alle anderen auch und nach dem ersten charmanten Verkäuferlächeln wusste ich schon, das heute nicht der Tag sein sollte, an dem ich mein glücklichstes Lächeln aufsetzen würde.

Nun wollen wir euch aber sagen, dass wir nach diesen Erlebnissen suchen und sie auch herbeiführen, denn wir schlagen nur wenigen Leuten den allerletzten Wunsch ab. Dies ist unsere Art zu reisen. Wir wollen offen bleiben, auch wenn uns diese Situationen schon allzu bekannt sind, denn wenn man erst einen starren Blick bekommt und nicht bereit ist Veränderungen anzunehmen und spontan zu bleiben, hat man nicht die Möglichkeit all die wunderbaren Bekanntschaften und Erlebnisse zu machen und zu erfahren. Denn man weiß nie, welche Person einen gerade anspricht und vielleicht ergibt sich daraus die nächste wunderbare Geschichte. Heute sollte es jedoch nicht so sein und trotzdem hatten wir eine Menge Spaß.

 

Neuer Markt

Irgendwo an einem Laden in Kalkutta machten wir uns wieder auf den Rückweg zu unserem Hostel, um noch vorher einen Abstecher bei unserem wirklich charmanten „Saftmann“ zu machen, denn eine Erfrischung hatten wir uns nun wirklich verdient. Jedoch sollte es weitere zwei Stunden dauern bis wir dort ankamen, denn auf dem Rückweg durch die unvertrauten Gassen dieser „Stadt der Freude“, wie sie unter den Bewohnern genannt wird, wollten wir unser Glück herausfordern und wir entdeckten ein Einkaufszentrum. Das wurde uns auf dem Weg als optimaler Ort für alle möglichen Sachen schmackhaft gemacht und wir konnten diesem Drang nicht widerstehen, dort hineinzuschauen.

Der „Neue Markt“ mitten im Herzen Kalkuttas ist wirklich genial und wir haben hier einige tolle Sachen erworben und deswegen hat es auch wieder einmal so lange gedauert. Man sollte in Indien nichts planen, denn es gibt viel zu viele Dinge, die einen davon abhalten, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Dieses eindrucksvolle Gebäude wurde 1874 erbaut und wir stehen nun hier in den Hallen und zwischen den Menschenmengen und suchen immer noch voller Hoffnung nach einem neuen Backgammon-Spiel und einem weiteren Einkaufswunsch auf unserer Liste: Eine indische Flagge!

Aber nun können wir das Ganze hier ein wenig abkürzen, denn es war eine ähnliche Kopie, wie in den Läden zuvor, wenn nicht sogar noch ein wenig geschäftstüchtiger. Aber da es ja zwei Stunden gedauert hat, könnt ihr euch auch schon vorstellen, was wir noch so alles anschauen durften! Willkommen in Indien!

   

Eine besondere Erfrischung

Völlig erschöpft und Gaga gönten wir uns dann einen frisch gepressten und kühlen Saft und schließlich einen kurzen Mittagsschlaf, denn wir hatten ja heute schon allerhand gemacht. :-)

Nachdem wir aus unserer Mütze voller Schlaf erwacht sind, hörten wir schon draußen Gespräche und lustiges Gackern. Angesteckt von der guten Laune, saßen wir auch schon draußen. Aber irgendwas war anders. Nun, Nick hat es uns dann veraten. Das Geheimnis trug den Namen: Special Bang Lassi!

Es ist ein indischer Milchshake mit einer speziellen Zutat. Nun, dieses Siegerlächeln wollten wir auch genießen und somit machten wir uns auf dem Weg zu unserem Saftmann. Nach 5 Minuten hielten wir dann auch schon die Siegertrophäe in unseren Händen und nippten an diesem Getränk. Köstlich ist was Anderes, es ist eher eklig, aber wir tranken es tapfer leer, gingen wieder zurück und machten es uns in der Runde bequem. Ein wenig enttäuscht darüber, dass es so eklig schmeckt und man auch noch gelangweilt hier sitzt und die Grinsegesichter anschauen muss, bahnte sich das Getränk langsam seinen Weg durch die verzweigten Kabel und Gänge direkt ins das Zentrum des Gehirns. Nun den Rest können sich die Einen oder Anderen vorstellen. Ein wirklich interessanter Abend mit einem fetten Sieger-Lachen auf den Lippen :-)!

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