Kolkata und die Fahrt ins Ungewisse!

Kalkutta hat 4.5 Millionen Einwohner und ist die siebtgrößte Stadt Indiens. Der Name bedeutet „Schwarzes Tor“ oder „Tor der Göttin Kali“ und somit kann man hier auch den Tempel der Göttin Kali besuchen, eine der Attraktionen in Kalkutta. Nun, an diesem Tag war Raj unsere Sehenswürdigkeit. Mit Hilfe von Couchsurfing haben wir ihn angeschrieben und getroffen. Mit seinem schmucken Auto mit Klimaanlage ging es zu Viert, denn Nick haben wir natürlich mitgenommen, zu einem ausgesprochen interessanten Roadtrip. Die Fahrt ging entlang des Victoria Memorial, welches ihr ja schon kennt, weiter über die Haora-Brücke, eine 656 Meter lange Fachwerkbrücke, welche den Norden mit dem Süden der Stadt verbindet. Übrigens gilt diese Brücke als die verkehrsreichste Brücke der Welt (60.000 Fahrzeuge/Tag) und wir waren eines dieser Fahrzeuge. Wir fuhren in den Süden, in Richtung Meer, jedoch ist dieses noch gute 140 Kilometer entfernt. Dort findet der Ganges im berühmten Gangesdelta in der Bucht von Bengalen nach schlußendlich 2620 km sein Ziel. Soweit sind wir dann aber doch nicht gefahren.

 

Roadtrip

Denn, wie gesagt, es war ein Roadtrip der einiges versprechen sollte, denn Raj wollte uns zeigen, wie man in Indien als gutverdienender Stadtmensch einen Wochenendabend verbringt, dazu gehört dann auch jede Menge Bier, wie wir noch merken sollten. Dazu machte Raj noch einen Stopp an der richtigen Tankstelle und mit genügend Treibstoff ging es dann auch weiter auf den Straßen Indiens, vorbei an Tuk-Tuks, quäkenden Motorrädern und den Wohnhäusern Indiens. Die Fahrt wurde nach und nach richtig spannend und wir unterhielten uns über „Sex, Drugs and Rock´n´Roll“, und so allmählich wurden wir fröhlicher. Die Themen sprudelten nur so vor sich hin und es wurde kein Blatt vor den Mund genommen. Wie das halt so ist, in einer kleinen „Männerrunde“, denn Caro hatte sich schnell aus der Runde ausgeklingt. Kurzerhand war es dann auch Nick, der die weiße Fahne geschwungen und sich aus den Gesprächsthemen herausgehalten hat. Nun waren nur noch zwei tapfere Kämpfer fest entschlossen, die Nacht zum Tag zu machen und auch die ansonsten unausgesprochenen Themen zu besprechen. Nach etlichen Kilometern machten wir die erste oder zweite oder wievielte Pause und schon waren wir am Ziel angekommen: Ein Restaurant! Das Ziel war: „Wieder auftanken!“ und weiter ging die fröhliche Fahrt. Allerdings bekam das Bier und das scharfe Hühnchen nicht jedem so gut und so ließen sich der ein oder die andere das Ganze nochmals durch den Kopf gehen. Es war Zeit für die Heimreise!

 

Die große Suche

Hier und da gab es noch einen Stopp. Leider! Denn das Ende von diesem Roadtrip hieß dann: Verlorene Gürteltasche! 100%ig nüchterne Leute konnten sich nicht mehr melden, aber wir waren uns trotzdem „sicher“, die muss irgendwo im Auto sein. Im Hostel angekommen, durchsuchten wir dann das ganze Auto. Keine Gürteltasche, die übrigens dem Nick gehörte, weit und breit! Ich glaube an diesere Stelle, waren wir alle wieder nüchtern und es hieß nochmals umkehren und an den Pausenplätzen suchen. Nun, wir haben euch ja geschildert, dass diese Brücke die meist befahrendste Brücke der Welt ist. Nicht ohne Grund, auch jetzt zwei Stunden nach Mitternacht, herrschte Verkehr. Stau! Keiner hatte Bock hier zu warten, alle waren wir zu fertig um unsere Zeit in einem Stau zu verbringen. Und wie umgeht man einen Stau auf indischen Straßen? Richtig! Man fährt auf der anderen Straßenseite weiter. Das hieß dann aber auch, dass uns dementsprechend Autos, auch große Autos, sogenannte LKW´s, entgegen kamen. Nun gut, die wurden dann natürlich von unserem indischen Freund mit Lichthupe und mit Dauerhupe gewarnt, dass sie doch bitte nicht auf unserer Fahrbahn fahren und gefälligst rüberschwenken sollen. Und da ihr dies nun lesen könnt, ist das auch das gute Zeichen, dass wir doch einen guten Fahrer hatten, der die indische Fahrweise voll und ganz beherrscht. Nach zahlreichen Kilometern, hatten wir das Gefühl, dass wir nun am richtigen Rastplatz sein müssten. Naja, so richtig konnten wir das nach 1 Stunde Verspätung nicht mehr sagen und außerdem hatten wir den Standpunkt zuvor ja auch von der anderen Richtung her gesichtet und es war auch schon dunkler als vorher, so zumindest unsere Einschätzung. Also hieß es erst einmal umdrehen. Nun wieder „on the right side of the life“ haben wir an der vermeintlichen Stelle angehalten und uns auf die Suche gemacht nach Nicks Gürteltasche mit seinem ganzen Geld, einigen Kreditkarten, der Kamera und seinem nagelneuem Handy. Auf der Kamera waren fast 6 Monate Erinnerung! Die Suche war leider vergebens und die Gürteltasche sollte nicht wieder in Nicks Hände gelangen. In welchen Händen sie schlußendlich gelandet ist, können wir euch leider auch nicht sagen. Dafür bekamen wir aber überrachend „Besuch“.

 

Polizei

Es ist eigentlich immer das Gleiche, ob nun in Europa oder hier vielleicht 30 Kilometer außerhalb Kalkuttas, es kommt die Polizei immer genau dann, wenn man sie nicht unbedingt braucht. Die Frage, die den Polizisten dann auch förmlich ins Gesicht geschrieben stand, lautete: „Was machen drei Europäer und ein Inder am Straßenrand hier, mitten in der Nacht?“ Dazu müsst ihr wissen, dass es sehr unüblich ist, wenn sich ein Inder, alleine mit drei Weißen, um diese Uhrzeit noch herumtreibt. Zum Glück war Raj pfiffig und hatte die perfekte Ausrede parat: „Wir wären ausländische Arbeitskollegen und kämen gerade von einem Meeting zurück.“ Ohne Alkoholkontrolle und mit netten Polizisten war dann diese Sache auch schnell erledigt und wir waren wieder zu Viert. Mit enttäuschten Gesichtern über die verlorene Gürteltasche ging die Fahrt dann wieder zurück zum Hostel. Alles in allem aber ein geiler Roadtrip, mit einem verpatzten Happy End, aber einer wunderbaren Erinnerung und einem Erlebnis der besonderen Art, hier in Kalkutta!

 

Mac Guyver

Das sollte aber noch nicht das Ende sein. Aus uns sollten noch richtige Sherlock Holmes bzw. eher kleine Einbrecher werden. Denn in Nicks Gürteltasche befand sich noch ein weiterer, nicht unerheblicher, Gegenstand: Der Schlüssel für sein Zimmer. Mittlerweile war es schon um Vier am Morgen und wir versuchten Nicks Zimmerschloss aufzubrechen. Professionelle Einbrecher sind wir ja noch nicht geworden, auch wenn das Geld manchmal knapp ist, und haben es natürlich auch nicht vor. ;-) Zudem fehlen uns auch die entsprechenden dazugehörigen professionellen Werkzeuge. Aber an dieser Stelle wollen wir einen Dank an Sven und Britta aus Schliengen (einem kleinem, unscheinbarem Dorf an der Grenze zum Schwarzwald) ausrichten, die uns mit ihrem Geschenk bei unserem Einbruch nichts ahnend unterstützt haben. Nun stehen wir hier, noch angetüdelt und müde, mit einem Schweizer Taschenmesser bewaffnet und sägen an dem Schloss. Richtig, wir sägen abwechselnd mit einer kleinen süßen Taschenmessersäge das Schloss auf. Wie gesagt, professionell ist das nicht, aber auch so kamen wir ans Ziel und schließlich waren wir nun wirklich alle bereit für die erholsame „Nacht“!

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