Die heiligste Stadt Indiens: Varanasi

Nun sind wir endlich in Banaras, wie diese Stadt unter den Indern auch genannt wird. Wir haben schon so viele Geschichten gehört, viele interessante und skurrile Dinge zugleich und nun haben wir die Möglichkeit es selber zu erleben. Die „Stadt des Lichts“, welche nach indischer Überlieferung von ihrem Lord Shiva gegründet wurde, ist somit eine der ältesten bewohnten Städte der Welt. Im 6. Jahrhundert vor Chr. entstand hier das religiöse Leben, wie man es heute noch immer wieder findet. Der Fluss Ganges steht dabei komplett im Mittelpunkt. Hier baden sich täglich tausende Pilger, trinken vom heiligen Wasser des Ganges und bekommen hier ihre letzte Waschung bevor sie am Ufer verbrannt werden. Diese besonderen Uferstellen heißen „Ghats“ und an diesen finden wöchentlich hunderte Verbrennungen statt, während täglich zahlreiche Kinder im Wasser planschen oder Kricket an Land spielen. Zahlreiche Touristen begleiten dieses Schauspiel oder wie man auch immer dieses, für uns skurrile Bestattungs-Ereignis beschreiben kann.

 

Eine Beisetzung

Nur die Tapferen findet man hier wieder, es werden keine Tränen verflossen (da es hier nicht erlaubt ist) und somit findet man auch selten Frauen in dieser Gegend. Es gibt vier Bereiche in denen die letzte Beisetzung stattfindet. Die Beisetzung wird hier also je nach Stand aufgegliedert: Der erste Bereich ist der für Reichere auf einem steinernen Podest, in der Nähe des Ganges-Ufers. Der zweite Bereich, der für die Mittelschicht, befindet sich direkt am Ufer des Ganges. Für die Ärmeren ist ein Platz, etwas abgelegener vom Ufer, vorgesehen. Und der vierte Bereich ist in der Mitte vom Ganges direkt am Flussgrund, aber zu diesem Spezialfall kommen wir noch.

Für eine Verbrennung benötigt man Holz und somit bekommen die, die nicht für das Holz aufkommen können Unterstützung und es wird ihnen zur Verfügung gestellt. Die Reicheren dagegen verwenden noch zusätzlich Sandelholz, zum einen, um ihren Verstorbenen zu ehren und zum anderen, weil es einen besseren Duft mit sich bringt.

Je nach Stand wird der jeweilige Verstorbene mit großem Tamtam oder kleinerem Tamtam und viel Gesang auf einer Bahre zum jeweiligen Bereich getragen. Dort wird ein „5-Mal-um-de-Kreis-gehen“-Ritual durchgeführt. Danach bekommt der Tote die letzte Waschung und die letzte Mahlzeit bevor er verbrannt wird. Ein Angehöriger läuft fünfmal um den Toten was die fünf Elemente widerspiegelt: Feuer, Luft, Wasser, Erde und der Geist. Danach wird der oder die Aufgebahrte feierlich entzündet und die Verwandten und Freund bleiben bis zum Schluss und beten. Danach werden Überbleibsel in den Fluss geworfen und die Beisetzung ist zu Ende.

Nun gibt es gewisse Ausnahmen, von Personen oder Lebewesen, die nicht verbrannt werden dürfen. Was passiert stattdessen mit ihnen? - Das haben wir uns auch gefragt und auch gleich die richtige Antwort erhalten: Wie bereits oben aufgezählt gibt es noch den vierten Bereich in der Mitte des Ganges am Flussgrund. Dort werden eben die „besonderen“ Personen und Lebewesen bestattet. Dazu gehören Personen, die an einem Schlangenbiss gestorben sind, denn die Schlange ist das Symbol Shivas und somit heilig. Des Weiteren werden Menschen, die an Lepra gestorben sind, Sadhus (die Gläubigen des Hinduismus), Kinder, Schwangere und Tiere mit einem Stein beschwert am Flussgrund bestattet.

 

Übrigens, die meisten gläubigen Hindus und Buddhisten verbringen hier in speziellen Einrichtungen ihre letzten Tage in dieser Stadt oder sie werden bereits tot angefahren(meist mit dem Zug) oder auch angeflogen um hier ihre letzte Ruhe zu bekommen.

 

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