Der Rattentempel

Der Rattentempel und der Untergang der Tempelwelt  

Dies ist das Kapitel unseres Unterganges mit der Tempelwelt. Sowieso waren wir vorher schon stark gebeutelt, aber dieser Besuch besiegelte entgültig unseren Abgang von der Bühne. Generell gibt’s in Indien zahlreiche Tempel. Tausende. Und zugleich gibt es auch hunderte Götter und jedem sind ein, wenn nicht sogar hunderte Tempel gewidmet. Für die Inder, sind es Gebetsstätten, für uns sind es Bauwerke, die alle irgendwie gleich aussehen. Es ist nicht so, dass wir einfach hingehen und uns den Tempel anschauen. Wir wollen lernen, aber können bei weitem nicht alles aufnehmen, so verwirrend ist die Welt der Götter. Was wir euch aber mit Sicherheit sagen können ist, dass den wichtigsten Gottheiten jeweils ein Tag gewidmet ist. So ist der Montag der Tag für Shiva und Parvati und der Dienstag für die Gläubigen von Hanuman, Deveti und Lord Rham. Der Mittwoch ist Ganesha gewidmet, der Donnerstag Vishnu und Sai Baba. Der Freitag ist der Tag von Durga (die Mutter Aller), der Samstag ist Sunny (Gott über das Böse) und der Sonntag der Sonne, dem Urgestein, weswegen wir alle auf der Welt sind, gewidmet.


Karni Mata Tempel

Nach dieser kleinen Abschweifung wollen wir euch aber berichten, was nun an diesem Tempel so besonders ist. Vor einigen Jahren hatte Caro schon einmal eine spannende Dokumentation über diesen Tempel gesehen und wusste somit auch was auf sie zukommt.

Ich stattdessen habe nur den Begriff „Rattentempel“ erfahren und dachte mir, dass es diesmal ein Tempel mit Skulpturen und Meißelungen von Ratten ist, aber habe mir deswegen auch nichts Besonderes gedacht. Nun sind wir in der Früh dorthin und haben auch gleich einen weiteren Touristen aus Tschechien auf diesem Weg kennengelernt. Seine Planung war, dass er zwei bis drei Stunden dort verbringt und dann im Anschluss weiter nach Jaisalmer fährt. Doch es kam anders:
Wir waren gute 10 Minuten dort drin und sind direkt mit dem gleichen Bus wieder zurück gefahren.

Die Besonderheit

Nun aber von Anfang an! Als wir angekommen sind, sind wir erst einmal in die falsche Richtung gelaufen, denn ehrlich gesagt haben wir uns den Tempel ein wenig imposanter vorgestellt und somit waren wir auf der Suche nach dem gewissen Etwas. Im Endeffekt ist es ein ganz normaler Tempel wie jeder andere auch, aber mit einem kleinen gewissen Unterschied. Nun, wir haben ihn gefunden. Nachdem wir unsere Schuhe ausgezogen hatten, wie es in Indien so üblich und in jedem Tempel die Pflicht ist, waren wir auch schon drin im Paradies. Nun weiß der Tobi auch, warum der Rattentempel „Rattentempel“ heißt. Hier, in diesem Tempel, leben unzählige Ratten, oder leben auch nicht mehr. Drängeln sich in den Ecken, kauern in allen nur möglichen Ecken und Ritzen, naschen an den Snacks der Gläubigen, wuseln durch die Gänge und über den Platz und haben ein Leben wie im Paradies, denn sie werden gefüttert und geliebt. Aber nicht von uns!!!

Diese Ratten stellen im Hinduismus die Wiedergeburt der guten Menschen dar! Auf die Frage warum denn einige Ratten tot in der Ecke liegen, bekamen wir folgende Antwort: „Die Schlafen nur.“  - Na klar, halb verrenkt und mit abgenagten Gliedmaßen…und wir barfuß mittendrin…

Sieht man in diesem Tempel eine weiße Ratte, so  hat man anschließend ein glückliches Leben. Wir hatten aber auch so ein glückliches Leben als wir wieder aus dem Tempel draußen waren und erst einmal die wilden Bilder aus unseren Köpfen vertrieben hatten. Absurd, eklig und widerlich, so unsere zusammenfassende Meinung. Zehn Minuten sind mehr als genug!

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