Udaipur

Was wäre passiert, wenn wir in die Rikscha eingestiegen wären? Wie würden wir Udaipur jetzt wahrnehmen, wenn wir nicht auf eigene Faust durch die dunklen Straßen der Stadt auf der Suche nach dem richtigen Hotel losmarschiert wären?

Es war wie immer, wenn man keinen Plan hat, wo der Bus anhält und man mitten im irgendwo zum Aussteigen gebeten wird. Wir mussten schnell unsere Sachen schnappen um auch flott genug rauszukommen, bevor sich der Bus wieder in Bewegung setzt.

Der „Lonely Planet“ ist, wie fast immer, in den Tiefen unserer Rucksäcke und wird nur befreit, wenn es unbedingt der Fall sein muss. Und das braucht dann auch Zeit, denn wir folgen den Regeln des Zufalls und der Spontanität. Nun stehen wir wieder einmal an einem Fleck, umzingelt von zahlreichen Geschäftsmännern auf drei Rädern. Caro hat diese typische Szene so wunderbar und treffend aufskizziert:

Wir, auf einer kleinen Insel mit einer Größe von 2m², und um uns herum schwimmen die angriffslustigen Haie die nach Frischfleisch Ausschau halten. Ein eindrucksvolles Szenarium und wir befinden uns mitten drin.

Die Innenstadt liegt etliche Kilometer entfernt. Das perfekte Spiel für einen Rikscha-Fahrer, denn keiner will mit seinem schweren Gepäck diese Hürde auf sich nehmen und jeder verfällt dem Glanz der Leichtigkeit. Aber es gibt auch diese innere Stimme die einem eindrücklich sagt, nicht die erschreckenden preislichen Vorstellungen dieser Privaten der indischen Straßen anzunehmen. Somit schlagen wir uns durch die hohe See, durch das Revier der Totenköpfe und landen verlassen im ruhigen Gewässer, im Baghwati Hotel. Die Innenstadt befindet sich immer noch weit entfernt, aber trotzdem, oder zum Glück, lassen wir hier unsere Segel nieder und legen an.

Wir befinden uns mitten im indischen Viertel, ein perfekter Ort für unsere verwöhnten Vorstellungen möglichst weit weg von der Touristenwelt zu sein und ganz nah bei den Indern. Wir lernen das Santosh Restaurant kennen, ein, unter Indern stadtbekanntes Restaurant und Geheimtipp, und wir verlieben uns in Bathi. Bathi ist eine Spezialität aus Rajasthan und wird zu unserem indischen Lieblingsgericht gekrönt. Ein aus brotähnlichem Geschmack gerollter Teigball wird zusammen mit Ghee, der indischen Butter, serviert. Wir schlagen uns hier unseren Magen mit dem wohl besten indischen Essen voll, essen so viel wie wir können, denn der Nachschlag wird ohne Hinweis aufgetischt. Nur, wenn der Kampf mit dem Essen einen Verlierer findet ist Schluss und die Dankbarkeit für diese tolle Erfindung macht sich breit und die Sucht für den nächsten Tag nimmt wieder ungeahnte Formen an. Das Ganze für unglaubliche 1 Euro pro Person. Der perfekte Ort für verwöhnte Weltreisende.

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