Ehen, (Traum)Hochzeit und Kinder

Ich weiß gar nicht mehr, an welchem Tag wir unsere inoffizielle Traumhochzeit auf dem indischen Boden gefeiert haben. Aber ehrlich gesagt sind wir froh, dass wir ab und zu sagen, dass wir verheiratet sind. Das macht hier einiges einfacher, versetzt aber den ein oder anderen Hoffnungsvollen auch auf den Boden der Tatsachen zurück. Partner, das Wort existiert hier nicht und will auch erst gar nicht verstanden werden, somit machen wir es uns einfacher und verhindern somit die strahlenden Augen der Inder auf der Suche nach einer neuen Partnerin. Generell ist es hier überhaupt nicht einfach. Ausnahmen gibt es, aber arrangierte Ehen sind hier Gang und Gebe. Die Eltern suchen den Partner aus, den man sich vielleicht noch aussuchen könnte und in gegenseitigem Einvernehmen wird die zukünftige Hochzeit arrangiert. Singles gibt es auch in Indien zahlreiche und mit dem Wandel der Zeit suchen auch die Männer nach dem gewissen Extra und umso europäischer umso besser, lautet da wahrscheinlich bei manchen der Schlachtruf ins Eheleben. Geschockt müssen sie sich dann auch meistens noch anhören, dass Tobi doch glatt zwei Jahre jünger ist als ich und wir noch immer keine Kinder haben. Tststs, die Europäer wieder…

 

Die wirkliche indische Traumhochzeit  

Tobi hatte das Glück, bei einer Hochzeit eingeladen zu werden. Caro natürlich auch, aber leider ging es ihr nicht so gut. Somit bin ich alleine mit den Verwandten von unseren Couchsurfern dorthin. Eine Hochzeit ist eigentlich das Ereignis schlechthin in Indien und deshalb wird hier auch alles gezeigt was man hat. Eigentlich sollte man schon zum Sparen anfangen wenn das Kind grade zur Welt kommt. Dann hat man im Schnitt 19-24 Jahre Zeit um das nötige Kleingeld auf die Seite zu legen (es gibt dafuer auch spezielle Hochzeitssparvertraege). Nun in der Regel bezahlt bei einer Hochzeit die Familie der Braut. Also, an alle Männer: In dem Fall seid ihr da fein raus. Und in der Regel ist es auch so, dass das frische Ehepaar zu der Familie des Ehemannes zieht, sprich mit Ihnen den Rest des Lebens zusammen wohnt. Also kann man das an der Stelle ganz offen sagen, wieder ein Beispiel, warum sich die indischen Familien so sehr ueber maennlichen Nachwuchs freuen.

Nun wurde ich zu dieser Doppelhochzeit eingeladen. Zwei Schwestern wurden getraut, aber nicht nur deswegen war eine Menge los. In der Regel sind ungefähr 800-2000 Personen eingeladen, wenn die Hochzeit klein ausfällt. Und in der Regel ist es dann auch so, dass, wenn man einmal eingeladen wird, den Anderen ebenfalls dann für „seine Hochzeit“ einlädt.

Es gibt ca. drei verschiedene Stufen für Einladungen. Eine persönliche Einladung und eine Begleitung seiner Wahl. Eine Einladung mit seiner ganzen Familie. Die höchste Form der Einladung, Eine mit der ganzen Familie und Freunden.

Nun wisst ihr auch warum die Hochzeiten so teuer werden können und weshalb man auch für vielleicht 1500 Leute logistisch planen muss.

Aufgebaut sind die Hochzeiten meistens im gleichen Stil und das sieht dann wie folgt aus: Erst einmal wird eine riesige Fläche von ungefähr 400 m² gemietet. Um diesen Bereich befinden sich die Snackbars und Trinkstände, wo sich jeder nach Belieben bedienen kann, bis das Essen aus ist. Aber das kann eine Zeit lang dauern, denn die Regel ist diese: Je mehr man auftischen kann, umso  reicher und angesehener ist man. Und da keiner dumm aus der Wäsche schauen will, tischt man nicht nur jede Menge auf, sondern auch  qualitativ ordentlich auf.

Zudem  gibt es weiterhin einen Essensbereich, wo jeder in der Regel einmal zulangen sollte. Dies läuft dann nach dem Prinzip der Reihenfolge ab. Anstehen und warten bis ein Platz in der langen und nochmals langen Tischreihe frei wird. Hat man dann einen Platz ergattert, kommt zuerst der Reinigungsmann der die Tische sauber macht, dann der Trockenmann, der sie trocknet. Im Anschluss der Teller- und Tassenmann und als Happy End der Essens- und Getränkemann. Nun wird gegessen.

In der Mitte der riesigen Fläche befindet sich die Tanzfläche und natürlich auch Sitzmöglichkeiten für mögliche Faulenzer. Das Objekt der Objekte ist die Bühne. Auf der Bühne befindet sich das Ehepaar und sieht dem Ganzen Spektakel gespannt von oben zu.

Ach und bevor wir es vergessen in einer kleinen Ecke befinden sich die ganzen Geschenke. Die Geschenke bestehen zu meist aus Inventar für die zukünftige „Wohnung“, also die bei der Familie des Ehemanns. Alles was man sich vorstellt: Waschmaschine, Ehebett, Schrank, Herd, Kochutensilien und weitere notwendige Gebrauchsgegenstände und wenn die Familie richtig reich ist gibt es sogar noch ein Auto oben drauf.

Frohe Hochzeit und ein langes gemeinsames Eheleben bis das der Tod euch scheidet…    

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