Agra

Taj Mahal

Es ist 6 Uhr morgens und gemeinsam stehen wir hier vor dem wohl bedeutendsten und faszinierendsten Bauwerk der Welt, so zumindest unsere Meinung. Jeder kennt dieses einzigartige Bauwerk und hat schon viel darüber erfahren, viele einzigartige Bilder gesehen und doch ist es ein Unterschied, wenn man es mit eigenen Augen sieht.

Wir stehen in der Schlange und warten auf den Moment, dass sich endlich das Tor öffnet. Langsam nähern wir uns diesem Anblick, der sich in unseren Köpfen festsetzen wird und werden Augenzeugen von diesem Monument der Liebe und Schönheit.

Ein Gebäude, erbaut von Shah Jahan für die Liebe seines Lebens, erschaffen von tausenden von Arbeitern und bewundert von der Menschheit dieser Welt. Wie viele Milliarden Bilder von diesem Punkt mit dem wohl bekanntesten Blick auf das Taj Mahal schon gemacht wurden, kann man kaum erahnen und trotzdem ist jedes Foto einzigartig. Denn das Monument strahlt nur so von der Faszination der puren Reinheit und Eleganz. Weniger ist manchmal mehr und Bilder sagen in diesem Fall mehr als tausend Worte. Also lasst euch überraschen und verführen in die Zeit des Grossmoguls. Eine unvergängliche Zeit und damals wie heute ein unvergesslicher Anblick.

Trotzdem wollen wir hier ein wichtiges Detail nicht unerwähnt lassen: Der Mogul wollte so sehr auf Nummer sicher gehen, dass niemand dieses einzigartige Bauwerk nachahmt, dass er allen Arbeitern die daran beteiligt waren die Hände abhacken lies. Andere Zeiten andere Sitten! Gott sei Dank leben wir im Heute!

 

Ausnahmezustand

Von einem interessanten Ereignis wollen wir euch noch berichten, was uns hier widerfahren ist. Wir sind wirklich sehr froh, dass wir früh genug hier waren, denn die Stadt Agra war für einen kurzen Augenblick in einem Ausnahmezustand. Man will und kann es kaum glauben, aber die Realität holt uns auch hier schnell wieder ein. Die Realität war diese: Der Besuch des brasilianischen Präsidenten. Für ihn wurde das komplette Taj Mahal innerhalb von kurzer Zeit von sämtlichen Touristen befreit. Hunderte Menschen wurden aus dem Komplex der Schönheit und Liebe hinausbegleitet, nur damit der Praesident einen ungestörten Aufenthalt hat. Wie wichtig sich der Präsident in diesem Augenblick fühlen muss, kann man wahrscheinlich gar nicht beschreiben, wenn ihm das überhaupt bewusst ist, denn die Normalität ist das nicht und wir wussten gar nicht, dass man das Taj Mahal auch buchen kann. Naja, wir waren wie gesagt froh, dass wir schon lange genug dort waren (immerhin hatten wir knappe 3 Stunden im Taj Mahal verbringen dürfen). Für die Personen die gerade erst reingekommen sind (ohne Hinweis, dass sie bald wieder mit Trillerpfeifen von einem großen Trupp Soldaten unverrichteter Dinge rausgescheucht werden würden) können wir nicht sprechen.

Aber das eigentlich Faszinierende und Interessante kam erst später: Als wir vor unserem Hotel auf Rahul, unseren Couchsurfer, gewartet haben, wurde die Straße die vorher von hupenden Rikschas, Fahrradfahrern und weiterem Chaos geprägt war, einfach lahm gelegt. Totenstille mitten in Indien? Hätten wir das nicht selber gesehen, hätten wir gesagt: Unmöglich! Unvorstellbar, aber wahr, und ein witziges Bild. Polizisten haben die Straßen „gesichert“. Auch wenn wir keine Ahnung von Überfällen und Anschlägen haben, können wir euch ungetrost sagen, dass sogar jeder Volltrottel hier ohne weiteres hätte etwas anstellen können. Aber lassen wir die Polizisten einmal in dem Glauben, dass sie gute Arbeit geleistet haben. Nachdem der Präsident mit kleiner Verzögerung und seinem gepanzerten Mercedes vorbeigefahren ist, kam das Leben so schnell wieder zurück, wie das Lächeln auf unserem Gesicht: Wir sind wieder in Indien!

 

Schuhfabrik

Sekunden später kam auch Rahul angefahren und schon waren wir auf dem Weg zu Schuhfabrik. 15 Stunden zuvor, haben wir uns mit Rahul verabredet. Ein Couchsurfer und Lebemensch. Gemeinsam waren wir mit ihm und seinem Bruder in dem höchsten Dach-Restaurant Agras. Ist nicht besonders schwer, denn die Gebäude dürfen nicht höher als das Taj Mahal selber sein. Ein faszinierender Mensch mit einer spannenden Geschichte und spannenden Erfahrungen und einem ebenso faszinierendem Beruf: Schuhproduzent. Ein Familienunternehmen und Exportunternehmen für Lederschuhe. Für Görtz und andere bekannte Marken produzieren sie qualitativ sehr hochwertige Lederschuhe, die für einen lächerlichen Preis verkauft werden um dann für einen vergleichsweise horrenden Preis wieder verkauft zu werden: Lederschuhe für 20 €, das geht nur hier. Im Laden in Deutschland kostet das Ganze dann Minimum 100 €. :-)

Was für eine spannende Zeit hier in der Fabrik. Wir konnten den Ablauf einer Schuhherstellung vom Anfang bis zum Ende mitverfolgen, die Anfertigung des Schaftes, der Sohle, die Auswahl des Leders, die Näharbeiten bis hin zur Verpackung. Eine interessante Zeit mit vielen neuen Erfahrungen und der Faszination der zahlreichen und tollen Schuhe. Ganz besonders natürlich für Caro  Danke an Rahul, seinen Bruder und seine Familie. Eine unvergessliche Zeit. Auch ein riesen Dankeschön, dass ihr uns euren Fahrer ausgeliehen habt. Eigentlich wollte er uns nur zur Straße bringen, von wo aus der Bus nach Fatehpur Sikri fährt. Da dieser aber nicht kam, hat er uns direkt dorthin hingefahren, glatte 30km. Dankeschön!

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