Eine Busfahrt aus Tobis Perspektive

Eine ganz normale Busfahrt aus Tobis Sicht

Es ist schon erstaunlich, wie viel Begeisterung eine Busfahrt auslösen kann. Eine Busfahrt in Indien hält was es verspricht, ein treffsicherer Werbespruch. Im Folgenden habe ich euch mal einige Szenarien zusammengefasst, wie eine Busfahrt in Indien verlaufen kann und wird:

Zuallererst benötigt man eine reichliche Portion an Gelassenheit und Vertrauen. Wenn man dies nicht aufbringen kann, wird eine Busfahrt nicht so erstaunlich, wie sie eigentlich werden sollte. Nun gut, die besten Plätze sind ganz vorne, mit dem besten Ausblick auf die Fahrbahn. Eine Fahrbahn für jede Seite. Zweispurig offiziell, vierspurig inoffiziell. Es geht schnell und schon sind wir auf der Überholspur, eigentlich sind wir immer auf der Überholspur, die entgegenkommenden Motorradfahrer müssen versuchen auszuweichen, wir haben mehr PS. Kritisch für Ausländer, also lächerlich für jeden Inder, wird es, wenn ebenfalls ein Fahrzeug der gleichen Gewichtsklasse entgegenkommt. Berechnungen, ab welcher Situation die Passanten schreiend um ihr Leben durch die Gegend springen, den Zusammenprall schon vor Augen, gibt es keine. Mit einem Millimeterabstand rauscht man aneinander vorbei und alles ist normal. Ein Lächeln springt über meine Lippen, es verschwindet nicht, denn diese Situationen sind normal und begeistern. Man schaut, man staunt, man bewundert die Landschaft und die Fahrradfahrer, an denen wir vorbeirauschen.

 

Indische Fahrradfahrer

sind ebenfalls Wunder der indischen Straßen. Mit ihren einzigartigen Gefährten teilen sie sich unsere Fahrbahn, dem Tode eigentlich so nah, schwanken sie sich ans Ziel. Abstandsregeln, noch nie gehört. Wieder sehe ich einen Fahrradfahrer, blauer Turban und auf dem Gepäckträger eine seitlich sitzende Frau, entspannt, der rosafarbene Sari weht im Wind und in den Armen hält sie das kleine Kind. Unser vorbeirauschender Fahrtwirbel ist nur eine kleine Erfrischung. Wahnsinnig.

 

Die besten Plätze

Die ultimativen Plätze sind an der Tür. Hand am Griff und raus in den Wind. Und alles rauscht an einem vorbei: Die schlafenden Inder, im Schatten eines Baumes dösen sie sich in ihre Zufriedenheit. Die Fußgänger die mich sehen, lächeln und sich freuen. Zwei Personen dessen Blicke sich nur für einige Sekunden kreuzen und ein Lächeln formen, welches ein wunderbares Freiheitsgefühl und Freude widerspiegeln. Ein Lächeln, ein leichtes Kopfnicken und wir haben den knatternden Motorradfahrer überholt.

 

Müllkultur

Man blickt nach vorne und eine schillernd grüne Chipstüte verlässt den Bus und fliegt in diese einzigartige Landschaft. Fliegt durch die Gegend, landet irgendwo neben weiteren zahlreichen Freunden der Verpackungsindustrie und verbringt dort vereinsamt Jahrzehnte. Ein erschreckendes Bild was sich an den Straßenrändern widerspiegelt. Erschreckend mit wie viel Gleichgültigkeit die Sachen aus den Bussen, Zügen oder Autos fliegen. Indienweit! Unverständnis, wenn man sie darauf anspricht. Eine beängstigende Normalität.

Ein Thema was mehr Zeilen füllen sollte und wird, aber hier geht die Reise weiter.

 

Das ganz normale Alltagsleben

Weiter schwebt mein Blick durch das Treiben auf den indischen Straßen und Städten. Die Frauen schnattern, kneten und waschen die Sachen und tragen halbe Bäume auf den Köpfen. Faszinierend was Frauen alles auf ihren Köpfen tragen: Wasserkrüge, Heuballen, Ziegelsteine und viele unglaubliche Sachen mehr.

Es gibt eine Pause, der Bus hält, die Händler strömen in den Bus. Verkaufen sämtliche Waren, die man grad so gar nicht braucht. Spielzeug, Armbanduhren, Indisch-Englische Wörterbücher oder auch Zitronenpressen. Die Auswahl ist riesig und die Farbenpracht gewaltig. Noch so langweilige Sachen, aber sie schillern in den verrücktesten Farben.

„Pani! Pani“ (Wasser! Wasser!) schreit es von draußen. Ein kleiner Junge versucht noch Wasser an den Mann zu bekommen. Ein Nicken, Austausch und eine Frische durchlebt den von Staub betäubten Mund. Ein williger Käufer ist immer gern gesehen und so sammeln sich gleich weitere Händler, wie Mango-, Weintrauben- oder Bananenverkäufer um den kleinen Mann. Eine Berührung und mein Blick schaut auf ein bettelndes Kindergesicht. Es geht nicht, auch wenn es zahlreiche Versuche gibt, diesen Blick zu verneinen, irgendwie gibt es immer eine Lösung. Die liegt dann meistens auf der Hand oder im Rucksack. Bananen, Kekse oder andere Leckereien, landen dann auf den geöffneten Kinderhänden.

Eine Fahrt, die den Geist belebt, das Reisen so schön macht, den Menschen so nah bringt, das Vertrauen bis ins Unermessliche katapultiert.

 

Nach 200km und 5 Stunden später erreichen wir die Hauptstadt Indiens. Eine der größten Metropolen weltweit. Schätzungsweise 26Millionen Menschen finden hier ein Leben im Rausch der Moderne, ein Leben auf der Straße, in den Slums und in den Villen dieser Stadt.

 

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