Amritsar

Punjab

Weiter geht die Reise durch Indien. Wir überschreiten den Bundesstaat und gelangen in das Paradies der bunten Turbane, der Schwertträger, der fliegenden Drachen und der Löwen. Wir fahren nach Punjab in das Land der Singhs, was übersetzt Löwe bedeutet, zum Pilgerzentrum nach Amritsar. Ein verlockendes Wort und unsere Augen strahlen. Der Goldene Tempel! Genau hier in Amritsar steht dieser Tempel inmitten des heiligen Wassers, inmitten der unzähligen Gläubigen, im Herzen aller Religionen. Denn dieser Ort bietet jeder Religion dieser Welt Einlass. Der Tempel wurde von Maharaja Ranjit Singh, welcher über Punjab regiert hatte, mit 750 kg Gold veredelt und befindet sich in einem riesen Komplex, welche eine Organisation benötigt, die seines Gleichen sucht. Aber dazu später mehr.

 

Der Goldene Tempel

In der Kulturhauptstadt des Landes angekommen suchten wir gleich die Nähe zum Goldenen Tempel. Wir hatten im Vorfeld erfahren, dass es möglich ist in diesem oben beschriebenen Komplex zu übernachten. Suchen brauchten wir gar nicht, denn unsere Rucksäcke machten jeden auf uns aufmerksam und so wurden wir ruck zuck in die, für die Touristen bestimmten, Schlafunterkünfte gebracht.

Nun wollen wir euch einmal dieses ganze Management beschreiben, welches hier jeden Tag und zu jeder Stunde angeboten wird. Für rund 100.000 Besucher, denn so viele kommen im Schnitt täglich hierher, gibt es sozusagen einen 24h „all inklusive“-Service. Die Tempelanlage ist zu jeder Zeit geöffnet, man kann somit rund um die Uhr predigen, pilgern oder das rege Treiben beobachten. Man kann zu jeder Uhrzeit kostenlos essen und trinken. Jeder, egal welcher Religion angehörig, welchen Alters, Geschlechts oder welcher Kaste, kann hier kostenlos übernachten. Touristen sollten aber nicht länger als drei Tage hier nächtigen, damit jeder diese Freude genießen kann. Das Ganze wird von Freiwilligen und Gläubigen unterstützt. Jeder arbeitet hier freiwillig, für seine Religion: Leute die aufpassen, dass hier kein Unfug gemacht wird, Menschen die abwaschen, kochen und helfen. Und Leute die den Tempel täglich reinigen. Jeden Abend von halb zwölf bis ums eins, haben bestimmte Leute, welche „rein“ sind, Zutritt zum Goldenen Tempel, die diesen dann mit Milch und Wasser säubern. Milch und Wasser bringen den Tempel zum Strahlen. Davor wird durch eine Zeremonie, das heilige Buch des Sikhismus, „Grand Sahib“, verwahrt und am Morgen durch eine Zeremonie wieder in den Goldenen Tempel gebracht. Ein Schauspiel was man sich nicht entgehen lassen sollte. Wir haben es uns aber entgehen lassen. :-)

 

Besuch des Tempels selbst

Aus Respekt vor dem Gott, denn Gott ist aus der Sicht der Sikhs in jeder Religion gleich, hat aber leider in jeder Religion auch einen anderen Namen, muss man sich, bevor man den Tempelkomplex betritt, die Schuhe ausziehen und den Kopf bedecken. Kaum hatten wir dieses Ritual beendet und waren einige Meter gelaufen, hatten wir auch schon einen unglaublichen Blick auf den Goldenen Tempel. Der komplette Komplex ist in einem cremefarbigen Farbton gehalten und nun läuft man durch die Gänge, geht direkt auf den inneren Teil dieser Anlage zu und blickt dann genau auf diesen Goldenen Tempel. Sagenhaft!

 

Essenausgabe

Diese ist ein Erlebnis für sich. Sobald man sich hungrig in Richtung Essen begibt, hört man schon das Geschirrklappern und schnuppert die Düfte ein. Man folgt den Leuten wie in einer Herde, holt sich seinen Teller und sein Besteck und setzt sich dann in großen Hallen, angewiesen durch Helfer, in Reih und Glied auf den Boden. Und sofort wird serviert. Einer geht mit Töpfen rum und füllt die Essenschalen mit Gemüse und Dal, der nächste mit Chapati, wieder einer mit Wasser und dann kommt die leckere Nachspeise, indischer Milchreis. Nach knapp einer halben Stunde ist der ganze Spuk vorbei und alle trotten wieder raus. Das alles passiert fast automatisch, ohne richtig mitzuschneiden, wie einem überhaupt geschieht.

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