Manakamana und andere Kleinigkeiten!

Manakamana, ein tödlicher Krimi für jede Geldbörse

Jeden Samstag findet in dem Ort mit den fünf „A´s“ ein Massaker ohne Gleichen statt: Ein Massaker von Ziegen, Hähnen und Schafen, kurz ein Massaker für die Wünsche der Hindus. Manakamana ist der Opfertempel und eigentlich stand dieser Tempel mit an erster Stelle auf unserer Wunschliste mit den noch zu besuchenden Orten. 3000 Pilger (Wikipedia-Information) finden sich hier täglich ein, um sich ihre Wünsche von Durga, der Tempel-Göttin, erfüllen zu lassen. Jeder der sich etwas wünscht, geht dort hin und wird vielleicht erhört. Dumm nur, dass dies ausschließlich für Hindus gilt. Somit müssen wir noch ein wenig warten, bis die vielen erhofften Millionen in uns zufriedene Abnehmer finden…

Da die Gebete hier zu Lande aber nicht reichen, müssen die Ziegen her, bzw. das Blut, was aus dem Hals direkt in die Wunschbox spritzt oder wohin auch immer. „Zicklein, Zicklein an der Wand, wer bringt mir den Jungen in die Hand.“ Vielleicht hören sich so die Gedanken der Hindus an, wenn sie fünf und mehr Stunden darauf warten, ihren Wunsch preiszugeben. Viele frisch verheiratete Pärchen kommen hierher und wünschen sich einen Jungen als ersten Nachkommen, denn diese sind ja, wie ihr wisst, das bessere Geschlecht  (Anm. von Caro: Wer´s glaubt wird selig…). Aber ehrlich gesagt, verstehen wir die ganze Situation nicht. Denn wenn man uns fragt, sind es genau die Frauen, die alles in die Hand nehmen, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie schleppen Steine, Kies und weitere atemberaubend schwere Dinge auf ihren Schultern, während die Männer Kricket schauen und bestenfalls dabei zuschauen wie schwer die Frauen arbeiten; und wenn hilfreich, geben sie noch Anweisungen! So spielt das Leben in Nepal. Glückwunsch an alle emanzipierten Frauen in Europa, dass ihr das nicht mitmachen müsst.

 

Es kommt doch immer anders als man denkt

Aber zunächst einmal von Anfang an: Beim Frühstück in Kathmandu haben wir uns in einem Hotel-Restaurant erkundigt ob dieses auch Bustickets nach Manakamana anbietet. Die Antwort lautete: Ja. Als wir später die Einzelheiten klären wollten, haben wir Anit kennengelernt und über ihn haben wir erfahren, dass man, um zum Tempel der Wünsche zu gelangen, eine Seilbahn-Gondel nehmen muss, welche mit Bus-Fahrt dorthin zusammen 22 € pro Person kosten soll. Mittlerweile wisst ihr ja, wie viel Geld das auch für uns ist! Also musste eine andere Möglichkeit her, sozusagen eine preisgünstige Alternative. Und genau diese Frage hat Caro dann Anit gestellt. Ab da startet nun unser zweites unvergessliches Kathmandu-Kapitel. Anit stammt aus Dakshinkali, einem Ort, ebenfalls mit einem Opfertempel, und genau dahin hat er uns eingeladen! Ein innerlicher Jubelschrei ergriff uns und er wurde noch verstärkt, als Anit uns auch noch zum Dal Bhat kochen bei sich zu Hause einlud, sozusagen: Mittendrin, statt nur dabei! Und so waren wir auch um halb sechs am nächsten Morgen dabei, als wir uns aus unserem Bett gequält haben. Es sollte ein unglaublicher Tag werden!

 

Die Opfergaben

Gleich nachdem wir in Dakshinkhali angekommen sind, ging es auch schon los zum Tempel. Wir sahen die Hindus, die barfuß durch das Blutbad der Wünsche marschierten, rochen besondere Gerüche, u.a. die vielen rauchenden Duftstäbchen, blickten in die betenden Hände der Gläubigen, und wunderten uns über einen abgehackten Ziegenkopf mit dem dazugehörigen, ebenfalls abgehacktem Ziegenschwanz im Mund, der neben dem blutigen Ziegenkörper lag und keiner konnte uns sagen warum sie das tun. Wir dachten uns nur: „Sind die verrückt!?“. Nachdem wir das rote Treiben der reihenweise sterbenden Ziegen lange genug angeschaut haben, sind wir weiter zum Tempel marschiert. Angekommen und einmal im Uhrzeigersinn um den Tempel herum gelaufen, war das Spektakel auch schon wieder vorbei. Danach meinte Anit, dass es hier in der Nähe, „das Echte“, sozusagen das alte Manakamana gibt. Und schon ging es auf nach, na? Genau, nach Manakamana (mittlerweile könnt ihr den Namen schon singen, so oft wie ich ihn geschrieben habe). Aber zuvor sind wir noch durch den Boulevard der Köstlichkeiten gelaufen. Vorbei an Kräuterständen, vorbei an leckerem Gemüse und sind teilweise stehengeblieben für leckere Kostproben. Mit dem Einkauf für unseren Dal Bhat im Schlepptau sind wir im Anschluss mit dem Motorrad zu dritt durch die Landschaft gedüst. Ihr fragt euch jetzt bestimmt: „Was, zu dritt?“ Ja, zu dritt. Aber für hiesige Verhältnisse ist es eine Lachnummer, wenn man bedenkt, dass der Rekord, den wir auf nepalesisch-indischen Motorrädern gesehen haben, bei fünf Personen liegt!

 

Old Manakamana

Nachdem die Piste, für das nun tiefergelegte Motorrad zu heikel wurde sind wir zu Fuß weitergelaufen. Bei Sonnenschein und Sommerfeeling ging es durch einsame Dörfer, vorbei an traumhaften Bergkulissen. Wir haben wunderbare Menschen getroffen und den Weg zum Tempel in vollen Zügen genossen. Angekommen im „Manakamana für Arme“, da kostenlos, konnten wir feststellen, dass dieser Tempel mit Sicherheit nicht mit dem Neuen standhalten kann; denn dieser Tempel war so groß wie eine Abstellkammer, dafür aber umso idyllischer. Und wir mussten zum Glück keine 5 Stunden anstehen, wie es bei der touristischen Alternative üblich ist. Stattdessen wurden wir zum Picknick einer einheimischen Gruppe eingeladen, die ein Fest zum Segnen des neuen Familien-Autos veranstaltete. Mit einem Stückchen Fleisch im Mund, was wir mit Roksi runterspülten, saßen wir da. Eine kurze Bemerkung zu Roksi, der „Droge Nepals“ und ein nicht kontrollierbarer „Aggressionsauslöser“ vieler Nepalesen, denn: Teilweise trinken die Nepalesen zu viel davon, so dass sie sich nicht mehr im Griff haben, was dann schnell zu Ausschreitungen führen kann. Dies mussten wir leider auch während unserer Arbeit im T´hic T´hak Restaurant mehrmals miterleben. Aber heute ist alles friedlich. Nachdem wir wieder am Motorrad angekommen sind, ging es durch die Landschaft zum wohl schönsten Ort von Dakshinkali: Zum Haus von Anits Familie. Das Haus steht am Hang mit einem unglaublichen Panoramablick über Kathmandu, welches 40 km vor uns liegt und der erhabenen Bergkulisse der Himalaya Range im Hintergrund.

 

Das Leibgericht Nepals

Nach einer kurzen Hausführung ging es dann auch schon mit Bärenhunger in die Küche. Schließlich wollten wir ja noch Dal Bhat kochen, Reis mit Linsen und Gemüse, das Nationalgericht Nepals. Und wenn wir das so schreiben, meinen wir das auch so. Hier gibt es Dal Bhat, morgens, mittags und abends und verleiht unglaubliche Energie. Es gibt T-Shirts die es am besten beschreiben: „Dal Bhat: 24 Stunden Power“! Wir haben bis jetzt aber auch noch kein anderes Land kennengelernt, wo es ein Gericht gibt, das am besten zu einem Land passt und wirklich ausnahmslos jeder isst. Eigentlich wollte mir Caro dazu einen Kochkurs in Kathmandu schenken, welcher nicht zustande kam. Nun können wir sagen zum Glück, da wir ja bei einem waschechtem Nepalesen lernen durften.

Wir kochten also Reis und Linsen, garten Spinat und genossen es, zusammen mit eingelegtem Rettich, gekauftem Zitronen-Pickle und Curd. Zu dem unvergesslichem Tag der Extravaganz gesellte sich nun also noch unvergessliche Power! Ein großes Dankeschön an die spontane Einladung von Anit!

Danach ging es wieder zurück nach Kathmandu, zurück nach Kathmandu auf den Dächern dieser Welt, diesmal auf dem Dach des Busses! Kathmandu, we love you!                 

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