Wir erobern Nepal, wir erobern Kathmandu!

Thamel, Kathmandu

Nun stehen wir mitten im Thamel, dem Zentrum Kathmandus, sozusagen im Herzen Nepals, wofür man einen Herzschrittmacher braucht. Man spürt den Pulsschlag und fühlt diese Stadt, wenn man hier zwischen all den Denkmälern, den Hippies und den sedierenden Sadus (abgekapselte Gläubige), sozusagen den „Lonely Planets“ unter den Nepalesen steht. Aus diesem Grund werden Denkmäler in Kathmandu z.B. auch als „Hippietempel“ bezeichnet und die wohl bekannteste Straße dieser Hauptstadt als „Freak Street“ benannt. Diese Namen beschreiben Nepal vielleicht am besten: Im positiven wie im negativem Sinne! Als Reiseziel für alle Entspannungssuchenden und Bergsteiger ist Nepal das Land dieser (un)begrenzten Möglichkeiten. Deshalb kommen seit Jahrzehnten etliche Aussteiger nach Nepal, um hier ihren erhofften Seelenfrieden zu finden.

 

Nepal, der Farbkasten der Welt

Nicht nur Indien glänzt, sondern auch Nepal hat es uns angetan mit seiner unglaublichen Farbenvielfalt. Wir können unsere Augen und die Augen die durch die Kamera schauen nicht lange genug offen halten um diese unvorstellbare Farbpalette aufzusaugen und festzuhalten. Würden solch farbenprächtige Häuser in Deutschland stehen, wären es die neuen Touristenpilgerzentren.

 

Der Hinduismus

Neben diesen unglaublichen Farb-Magneten für die Augen, findet ihr auch unzählige gutaussehende Rasta-Männer. Typ: Langhaariger Gigolo der modernen Zeit. Er trägt den geläufigeren Namen Shiva! Shiva, Vishnu oder auch Parvathi, und wie sie sonst noch alle heißen, sind die Urgesteine der unzähligen reinkarnierten Geschöpfe des Hinduismus und überall zu finden. Für die Hindus sind diese Statuen gleichbedeutend mit den vielen Hauptdarstellern der heiligen Bücher aus unserer westlichen Welt. Unzählige Anhänger dieser Religion leben ihren Glauben, indem sie sich täglich vor den Statuen zu Gebeten, Opfergaben und Wünschen einfinden. Um das Leben als Hindu zu meistern, braucht man allerdings eine gute Erziehung und ein gutes Langzeitgedächtnis. Denn jede dieser Gottheiten wurde bereits unzählige Male wiedergeboren und somit hat auch jede dieser Reinkarnationen einen schwer zu merkenden eigenen Namen und eine eigene Geschichte! Und mit jeder Geschichte sind auch wieder viele neue Wundertaten verbunden, zu denen man beten kann. Ob Shiva, Parvathi oder Vishnu, jeder hat seinen speziellen Stellenwert und seine spezielle Vergangenheit in der Welt der Geisterabschreckung und Verteidigung gegenüber dem Bösen. Vishnu gilt z.B. als Verteidiger und Shiva als Zerstörer, sozusagen als „Conan der Barbar“, unter den Göttern. Wir wünschen jedem, der sich die volle Dröhnung dieser zungenbrecherischen Namen und ihrer jeweiligen Bedeutung und Geschichte verpassen will, viel Erfolg!

 

Royal Kumari

Eine weitere Persönlichkeit wollen wir Euch nicht vorenthalten: Die lebende Göttin Nepals. Ihr habt richtig gehört! Es gibt nicht nur eine lebende Göttin in Nepal, sondern gleich drei verschiedene, wobei die Royal Kumari die Mächtigste unter ihnen ist. Allerdings wird diese alle paar Jahre „wiedergeboren“. Denn dieses kurzzeitige Vergnügen währt nicht ein Leben lang. Um genauer zu sein, es währt ungefähr vom dritten Lebensjahr bis zum Tag der ersten Menstruation. Für alle Männer dieser Welt: Der erste Tag der weiblichen natürlichen Menstruation liegt in der Regel zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr. Also, weiter im Programm: Das Kind, diese Beschreibung trifft es weit besser, lebt also nun mit ihren aktuellen sieben Jahren im Bunker, sozusagen im Bypass Kathmandus, wie wir es treffender benennen wollen. Nun haltet euch fest, denn dieses Kind, ist ja ein besonderes Kind, also wird es auch nach bestimmten Kriterien auserwählt. Um eine "Kumari" zu werden, sprich eine „Jungfrau“, muss das Kind 32 sehr strenge Kriterien erfüllen. Unter anderem muss sie mit ihren zarten drei Jahren eine makellose Haut aufweisen, darf keine Muttermale besitzen, keine Angst im Dunkeln oder bei lauten Geräuschen zeigen und muss in der Vollmondnacht geboren sein. Des Weiteren muss sie eine "Brust wie ein Löwe" aufweisen und „Beine wie ein Reh" haben. Um zu beweisen, dass sie tatsächlich keine Angst im Dunkeln hat, wird sie eine Nacht lang in einen Raum mit toten Opferbüffeln gesperrt. Wenn das Mädchen dann nicht weint, wird Krach gemacht. Und wenn sie dann immer noch keine wirkliche Angst zeigt und hinter allen anderen Punkten dieser Liste ein Häkchen gesetzt wurde, wird sie aufgenommen in das Leben hinter Wänden, in welchen sie bis zum Tage der „Entlassung“ ausharren muss. In dieser Zeit wohnt sie mit Angestellten und einem Privatlehrer zusammen im Palast und bekommt keinen Kontakt zur Außenwelt. Sie hat in ihrer Zeit als Göttin keinen Kontakt zu Gleichaltrigen mit denen sie spielen, zusammen eine Sandburg bauen, Jungs an ihren Haaren ziehen, als Petze bezeichnet werden oder als Musterschülerin degradiert werden könnte. Aber so ganz ausgegrenzt ist sie dann doch nicht von der Außenwelt: Immerhin darf bzw. muss die kleine Göttin mit ihren aktuell sieben Jahren, täglich zur vollen Stunde, um genau zwölf Uhr mittags, für einige Minuten ans Fenster treten. Das Fenster zum Innenhof ihres Gemachs. Beim Anblick dieses kleinen Mädchens, wird man das Gefühl nicht los, dass es sich für sie um einen Gruselschocker handelt. So sieht sie jedenfalls aus, wenn man ihr in die schwarz umrandeten Augen schaut, die einem traurig und stumpf entgegen blicken. Mit ihren verlorenen Kindheits-Jahren kann man das durchaus nachvollziehen. Ein Mädchen und zweiundvierzig hinaufblickende Touristenaugen, die dieses Spektakel miterleben wollten. Durch Zufall haben wir die Lebensgeschichte der Royal Kumari erfahren und durch Zufall waren wir zur „richtigen Zeit am richtigen Ort“. Obwohl, wenn man es genauer betrachtet, waren wir „zur falschen Zeit am falschen Ort“.

 

Ein Stadtführer und seine Folgen

Eigentlich waren wir gerade auf dem Weg nach Patan, einer, an Kathmandu angrenzenden Tempelstadt, als uns mitten im Thamel ein, auf den ersten Eindruck abschreckender Guide, angesprochen hat. Die Masche, wie man die Touristen um den Finger wickelt, ist uns ja bewusst und somit hatten wir erst einmal eine negative Haltung ihm gegenüber. Zunächst waren wir passiv, denn wir wollten seinen überfallartigen Rededrang freundlicherweise nicht stoppen. Nachdem er geendet hatte wurden wir aber aktiv, und konterten mit einem donnerartigen Redeschwall unsererseits. Da er aber so wunderbar reden konnte verfielen wir abermals in passives Schweigen. Unsere vielen Ausreden, warum wir jetzt keine Tour mit ihm machen wollen, wurden nicht akzeptiert und, zack, da schnappte die Falle zu. Dilip, unser Tourguide, entführte uns drei Stunden lang in eine interessante Welt aus Buddhismus, Lebensweisheiten und Erkenntnissen über die unterschiedlichen Religionen. Zwei Stunden mehr als geplant und eine Falle der besonderen Art! Dilip hat uns den Thamel nähergebracht und uns auch zu dieser lebenden Göttin geführt. Dieses Wissen möchten wir nicht mehr missen.

 

Neue Brillen

Von vielen Seiten wurde uns der Rat gegeben, sich nicht allzu lange in Kathmandu aufzuhalten. Aus vielen Mündern hieß es: Es sei eine fürchterliche Stadt, mit ihren vielen Abgasen und dreckigen Ecken und dem wahnsinnigen Verkehr. Wir haben es aber sieben Tage und sieben Nächte überlebt und wurden bewegt von dieser Stadt. Eine tolle vielseitige und interessante Hauptstadt mit vielen tollen Kneipen, Insider-Restaurants, schönen Sehenswürdigkeiten und einem besonders tollen Brillenladen! Diesen müssen wir an dieser Stelle erwähnen, weil wir jetzt stolze Besitzer von drei neuen Sehhilfen und vier weiteren Sonnenbrillen sind, sowie von zwei Ersatzgläsern für Tobis Brille. Und das alles für einen Gesamtpreis, den Fielmann in den Konkurs stürzen würde. An sich waren wir ja bereits gut ausgestattet, ich mit einem Schweizer Brillengestell der Firma „Götti“ vor meinen Augen und Caro mit zwei femininen Brillen, die sie im Wechsel auf ihrer Nase trägt. Aber bei diesen Preisen konnten wir nicht widerstehen. Nun blicken wir durch neue, vielleicht nicht ganz so scharfe, Gläser und schauen hinauf zum:

 

Swayambhunath

Dem sogenannten Monkey Tempel und der Sehenswürdigkeit von Kathmandu. Mit seiner exorbitanten Stupa (der Gebetsstätte der Buddhisten) und seinen vielen diebischen Affen ist es ein besonderer Tempel. Es ist fast wie ein eigener kleiner Ort in der Stadt. Man findet hier unzählige Händler und Geschäfte, Souvenirs und Restaurants und kann sich hier locker den halben Tag lang seine Zeit vertreiben. Sobald man die vielen Stufen nach oben überwunden hat, hat man einen sagenhaften Ausblick über die Ausmaße und die Dunstglocke dieser knapp eine Millionen Einwohner großen Metropole. Die Affen sind hier übrigens sehr gerissen. So kam es auch, dass ein Affe das Stück Kokosnuss in Caros Hand entdeckt hat und genau in dem Moment, in dem sie unaufmerksam war, zu ihr hinsprang, ihr auf die Hand schlug, um dann der überraschten Caro die Kokosnuss zu entreißen. Wir hoffen, ihm hat´s geschmeckt!

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