Arbeiten in Nepal!

Als wir auf der Touri-Hauptstraße Pokharas, der Lakeside, so entlang spazierten haben wir auf der Straße ein Schild mit der Aufschrift „Kellner gesucht“ gesehen. Wir haben uns beide angeschaut und beschlossen einen Blick in das Restaurant hineinzuwerfen! Thupten, der tibetische Manager, hat erst einmal nicht schlecht gestaunt, als wir ihn auf dieses „Gesuchtschild“ angesprochen haben. Nachdem wir uns unterhalten haben und er alle Möglichkeiten in Betracht gezogen hat, sind wir damit verblieben, dass er sich mit der Besitzerin bespricht und wir in den nächsten Tagen nochmal vorbei schauen sollten. Wie gesagt, so auch getan! Und schon waren wir die nächsten zwei Monate Manager-Assistenten, Mädchen für Alles, Putzfrau, Innenarchitekten, Grafikdesigner, Kellner-Aushilfe und vieles, vieles mehr! Unsere eigentliche, von Thupten auferlegte, Aufgabe bestand darin, die Leute in das Restaurant hereinzuholen und den Umsatz dadurch anzukurbeln. Bis dato lag der nämlich mehr im unteren Bereich der schwarzen Zahlen, im Vergleich zu den restlichen Restaurants im Umfeld. Sein Wunsch war frei dem Motto: „Rettet die Welt, ohne euch die Hände schmutzig zu machen!“ Ganz so einfach ging das aber nicht. Wir, als europäische Kinder aus wunderbaren Familien, haben auf unserem Erziehungsweg einiges an Erfahrung mitgenommen. Vieles was unsere Eltern uns beigebracht haben, war und ist für uns sehr wichtig! Unter anderem Höflichkeit, Sauberkeit, Wohlfühlen und mit Liebe arbeiten! Unter anderem J! Wie geht man an diese Aufgabe heran, wenn die Gäste vorhanden sind, diese jedoch nicht reinkommen wollen! Der Grund dafür war uns schon von vornherein bewusst, als wir die ersten Donald Duck- und Fisch-Sticker von der Eingangsscheibe abgekratzt haben, die ersten Staubfänger geputzt bzw. entsorgt haben, die ersten Pflanzen schön arrangiert haben, die ersten Gerichte verschlungen und getestet haben und die ersten Bilder fotografiert haben, welche in das zukünftige Menü kommen sollten. Das Restaurant musste attraktiver werden! Deshalb haben wir uns vom ersten Tag an mit dem neuen Menü befasst. Denn dieses muss attraktiv und übersichtlich sein, um die Gäste anzulocken. Gerade, wenn es gilt, die viele und teilweise gute Konkurrenz auszustechen.

 

Das Zauberwort für unsere erste Woche im T´hic T´hak Restaurant war dieses: NEU!

 

Wir haben uns die ersten Tage ordentlich ins Zeug gelegt um erst einmal einen Anfang zu finden! Nur kam da bei uns die Frage auf: Wo anfangen, wenn es überall Baustellen gibt? Erst nach und nach gab es mehr Struktur und Planung im ganzen Restaurant! Wir wollen uns nicht übermäßig hervorheben, doch müssen wir sagen, dass wir einiges bewegt haben und vieles, wenn nicht sogar das komplette, nicht vorhandene Konzept, erstellt bzw. überarbeitet haben. Eine große Leistung, wenn man bedenkt, dass wir insgesamt nur 6 Wochen dort gearbeitet haben. Dort arbeiten hieß für uns 10-11 Stunden am Tag und das sechs Tage die Woche dort zu sein! Es war auch ein ordentliches Arbeitspensum, für unsere Kellner dort, wenn man berücksichtigt, dass sie noch mehr gearbeitet haben und das für einen Preis, den sich keiner von euch vorstellen kann! Ein Monatsgehalt der unter einem zweiköpfigem Wocheneinkauf in Deutschland liegt! Eine interessante Erfahrung, wenn man für 25 Cent die Stunde arbeitet. Das galt auch für uns!

 

Was jedoch die ganze Zeit über Bestand hatte, waren der Beamer und die Leinwand. Ein absolutes Schmuckstück, so als Beamerliebhaber und Filmegucker! Wir haben jeden Abend Filme gezeigt und haben auch neue Filme gekauft. Es ist sowieso eines der Highlights, zu sehen, zu erfahren und zu merken wie es ist, Sachen in Auftrag zu geben und zu warten, wenn man in Nepal arbeitet. Meistens sehr lange zu warten... Aber dazu wollen wir euch in einem späteren Artikel mehr erzählen.

 

Nun stehen wir im DVD-Laden und sehen im 360° Winkel nur Filme: Filme von anno 1900 über Bollywood-Filme bis hin zu Filmen, die noch gar nicht draußen sind. Das reinste Paradies, leider haben wir kein CD-Laufwerk an unserem Netbook, ansonsten hätten wir ab sofort einige Kilo Übergewicht in unseren Rucksäcken! Das Beste daran ist aber, dass die Filme hier nur 30 Cent kosten, das ist zwar mehr als unser Stundenlohn, aber wesentlich billiger als, ihr wisst schon, in Europa! Allerdings weiß man gar nicht, welche Filme man aussuchen soll, bei der Konkurrenz zwischen Robin Hood, Little Miss Sunshine oder Himalaya! Also nehmen wir alle! Und noch 30 mehr! Und inzwischen haben wir eine beachtliche Liste an Filmen, bei denen es sich der Gast für die nächsten fünf Wochen auf unseren Sofas im Restaurant bequem machen kann. Das ist ein super Konzept, wenn sich der Kunde seine Filme ohne jegliche Bezahlung selber aussuchen, dabei seinen leckeren hausgemachten Eistee sowie das leckere Essen genießen kann und die Leinwand jegliche Ausmaße überschreitet. Denn bei uns wurden die Filme fast in Kinoleinwandgröße mit super Soundsystem präsentiert, womit die Fernseher in den anderen Restaurants nicht mithalten konnten! Übrigens wurde der leckere T´hic T´hak-Eistee zu unserem Lieblingsgetränk und dem kleinen Aushängeschild unseres Restaurants.

 

Ihr habt euch bestimmt schon gefragt: Himalaya? Wat is dat denn!

 

Das ist der bekannteste Film aus Nepal. Ein Film der das Leben zwischen Tibet und Nepal, die Verbundenheit der beiden Länder und das Leben der Nepalesen am besten widerspiegelt! Der Name wurde jedoch von ursprünglich „Caravanne“ in „Himalaya“ umgeändert, weil dieser Name für die westlichen Zuschauer schneller zu Nepal zugeordnet werden kann. Dieser Film hat auf jeden Fall sehr viele Preise abgeräumt und auch wir müssen sagen, dass es für die nepalesischen Verhältnisse ein wunderschöner Film ist. Ja, die Liebe spielt, wie immer, natürlich auch hier eine Rolle, aber es wird einem auch der Einblick in eine wunderbare Landschaft und in das einsame und unberührte Leben der Yak-Nomaden gewährt. Unbedingt anschauen, wenn ihr Zeit habt!

 

22 Uhr 22! Feierabend! Einer von vielen Abenden an dem wir als eine der letzten Touristen über die Straßen der Touristenmeile laufen. Auf dem Weg in unser Hostel, vorbei an runtergezogenen Rollläden, Händlern die ihre Waren wegräumen, Händlern, die versuchen ihre letzte Ware an zwei übermüdete Touristen zu verkaufen, weiter vorbei an Händlern, die mit einem unsererseits schnellem „Nein“ bei ihren einstudierten Sätzen unterbrochen werden, bis hin zu Adil, dem Händler unseres Vertrauens. Adil kommt aus Kashmir, Indien, und hat hier, in Pokhara, zusammen mit seinem Partner, sein zweites Geschäft aufgemacht. Nach zuerst abweisender Haltung unsererseits ihm gegenüber, weil wir immer recht knapp zur Arbeit losgelaufen sind und abends immer so müde waren, kamen wir aber mit der Zeit mehr und mehr mit ihm ins Gespräch. Und nun ist er einer von wenigen Händlern, bei dem wir gerne vorbeischauen! Gute Nacht, Adil! Und wenige Minuten später: „Guten Abend, Leute, die um das Lagerfeuer in unserem Guest House sitzen!“ Dies ist inzwischen eine kleine und wunderbare Tradition für uns geworden: Wenn wir nach „Hause“ kommen, wissen wir, dass in unserem Guest House ein Lagerfeuer auf uns wartet! Wenn man dann noch ein wenig mit den Leuten ins Gespräch kommt, die sich darum versammelt haben, dann lernt man wunderbare Menschen kennen und dann vergisst schnell, wie müde man doch eigentlich war…

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