Unvorhergesehenes Wiedertreffen

Heute war der Tag, an dem wir uns mit Alex und Claudi um sechs Uhr abends am Ortseingang von Jomsom verabredet haben. Und heute ist auch der Tag an dem ich mein Zelt verkauft habe! Wie das? Das erfahrt ihr später. Aber nun ist es erst einmal kurz nach sechs Uhr am Morgen. Unsere Augen bzw. meine Augen waren nur geringfügig geschlossener als normalerweise (Anm. Caro: Und da sind sie schon oft sehr klein…). Nach nur vier Stunden Schlaf ist es auch nicht verwunderlich, dass wir nun mit einem kleinen Schlafmangel am Frühstückstisch sitzen. Dank unseres unerwarteten ausgesperrt seins kamen wir nochmal in den Genuss eines leckeren Abschiedsfrühstücks. Und mit tollen Erinnerungen an diese wunderbare Zeit haben wir dann unser Team zum Flugplatz gebracht. Gewöhnlicher Weise liegt dieser mehr abseits der Stadt, aber hier in Jomsom sieht das ganz anders aus. Hier ist es die Hauptattraktion. Jomsom liegt mitten im Tal und nur im Tal hat auch ein Flugzeug die Chance zu landen. Deshalb findet ihr auch die Wohnhäuser um den Flugplatz drum herum verteilt. Und deswegen werben auch die Hotelbewohner unbewusst mit der Botschaft: „Dachterrasse mit toller Aussicht auf den Flugplatz“! Nachdem wir mit großer Winke-Winke-Abschiedszeremonie unsere wunderbaren Schweizer Expeditionsbergsteiger verabschiedet haben, sind wir zurück zum Hotel. Hier spürte man auch schon förmlich die dicke Luft, was nicht an der Lage zum Flugplatz lag. Nach kurzer Auseinandersetzung seitens der Hostel-Besitzer, wo wir denn die Nacht über gewesen seien und der darauffolgenden Empörung unsererseits, warum wir die Nacht woanders hatten verbringen müssen, gingen wir mit beiderseitiger finsterer Miene erst einmal ins Zimmer zu einer zweiten Runde Schlaf. Allerdings wusste nur sie (Hostel-Besitzerin), warum ihre Miene finster war, obwohl sie uns ja einfach so ausgesperrt hatte… Nachdem Tobi dann später runter ging, um Frühstück zu bestellen wurde kurzer Prozess gemacht: Wir wurden vor die Tür gesetzt! Aber dies war erst gegen 12 Uhr mittags. Bis dahin hatten wir ja noch unseren verloren Schlaf nachgeholt und haben dann auch 80% erholt unsere Sachen gepackt. Als wir dann aus unserem Zimmer gestiefelt sind (immer noch mit leicht finsterer Miene), sahen wir doch tatsächlich Alex und Claudi in diesem Hostel, um diese Uhrzeit, in die Speisekarte blicken. Mit nun 99 % freudiger Miene haben wir die beiden geschnappt, das Geld über die Theke gepfeffert und sind erhobenen Hauptes aus dem Hostel marschiert! 100% pure Freude!


Bevor wir euch diese Geschichte weiter erzählen, will ich euch noch die Geschichte mit dem Zelt erzählen. Wie wir euch schon mitgeteilt haben, kam das Zelt nur stolze 100 €. Deshalb war es umso unglaublicher, dass wir es durch unser kaufmännisches Geschick für 40 € wieder verkauft haben und das obwohl das Zelt schon sechs Jahre lang in Benutzung ist. Das finden wir echt super und deswegen danken wir auch den Leuten aus dem Trekkingladen, die unser Zelt abgekauft haben. Diese haben nämlich noch einen Second Hand Laden und somit werden sie einen weiteren Kunden finden der sich über das Zelt freut! Und wir haben einen um die 3 kg leichteren Rucksack (für mehr Andenken)!

 

Nachdem wir mit wieder erstrahlten Gesichtern das Hostel verlassen haben, haben wir uns mit leckerem Mittagessen den Magen vollgeschlagen und uns den Plan für die folgenden Tage zurecht gelegt! Der dann wie folgt aussah: Busticket kaufen und auf nach Tatopani! Dass wir auf dieser Fahrt einige blaue Flecken als Andenken mitnehmen sollten, war uns bis dato noch nicht klar! Damit ihr unsere Vorfreude auf Tatopani besser verstehen könnt, wollen wir euch hier den Grund mitteilen und euch dabei auch noch eine kleine nepalesisch-deutsche Übersetzungshilfe mitgeben: Tatopani bedeutet übersetzt „heißes Wasser“. Das ist mittlerweile ein beliebtes Getränk bei uns. Ja wir wissen, dass es nur heißes Wasser ist, aber es ist heißes Wasser! Ihr müsst es mal ausprobieren und vielleicht findet ihr auch Gefallen daran! Wir wollen euch nicht zu viel verraten. Nur so viel: Es ist nicht nur in hohen Höhen eine Wohltat. Aber in diesem Fall ist unter heißem Wasser was anderes zu verstehen! Genau! Heiße Quellen! Und deswegen war unsere Vorfreude auch so verdammt groß! Zudem fuhr der Bus schneller als gedacht los und war auch schneller als gedacht da! Aber wir waren nicht gleich in Tatopani, sondern erst in Beni. Mittlerweile war es schon 7 Uhr abends, dunkel und wir hatten keinen Plan, wie es weiter gehen sollte. Zuvor wurden wir zwar von nepalesischen Einheimischen angesprochen, die sich mit uns einen Bus teilen wollten, jedoch kam dies erstaunlicherweise gar nicht zu Stande! Der Plan klang so perfekt, dass er hätte gar nicht schief gehen können. Stattdessen saßen wir nun im Jeep, für naja, viel Geld! Aber was soll´s! Was tut man nicht alles für Tatopani! Aber im Endeffekt haben wir uns dadurch noch mehr Erinnerungen geschenkt. Denn diese Fahrt war wesentlich attraktiver, als die, von uns im Kopf ausgemalte, Busfahrt. Rallye Dakar-Fahrer wären neidisch auf uns gewesen! Schlammfahrt, Sprünge, Wasserstraßen und vieles mehr...


Tatopani, das Paradies für den Moment!

Palmen, Bananenstauden, Orangenbäume und Friede auf Erden! So haben wir die ersten Stunden und den folgenden Tag erlebt und natürlich diese heißen Quellen nicht verpasst! Mit diesem hochgeputschtem Adrenalinspiegel, durch die Rallye Dakar hoch zehn und dem Adam-und-Eva-Paradiesgefühl, bin ich dann noch um die Häuser gezogen. Auf dem Weg nach schönen Bildern, fühlte ich mich wie auf dem Daulaghiri oder den Straßen von Heaven! Wieder am Hotel angekommen stand ich allerdings vor verschlossenen Türen. Verschlossene Türen, keine Menschenseele auf der Straße und was nun? Ich fühlte mich schlagartig nach Jomsom zurückversetzt und hab mir schon die verrücktesten Schlafecken und Liegepositionen ausgemalt, denn keiner reagierte auf meine vielen „Caro - Caro - Caro -Schreie“! Als Caro nichts mehr half, war Alex dran! Alex…….Alex……hey Alex!!! Als auch der nicht geantwortet hat, hab ich mit Steinchen gegen Fenster geworfen! Steinchen? Steinbrocken hätten da wahrscheinlich eher geholfen! Auch diese Glanzidee fiel schnell in Einseitigkeit über! Dann wollte ich das nächste Hotel in Angriff nehmen und habe an der nächsten Tür geklopft, wo ich zuvor wusste, das dort Leutchen einen Laden haben! Wie sich aber am nächsten Morgen herausgestellt hat, war dies der Gänseschuppen! Diese haben mir aber in diesem Moment auch nicht zur Seite gestanden! Also zurück zum „Wir-machen-schon-um-zehn-die-Türen-dicht“- Hotel. Ich kam mir in dieser Ruhe vor wie zur Sperrzeit, wenn es keinem mehr erlaubt ist, draußen alleine zu spielen. Nun war ich aber hier und ich habe Stimmen gehört! Nach mittlerweile einer halben Stunde (so kam es mir zumindest vor) landete das nächste Steinchen am Fenster und nun schaute ein Kopf aus diesem Fenster und hat mich gesehen. Mit Zeichensprache und verbaler Wegweisung habe ich ihm das Zimmer von Caro geschildert! Dass Caro aber mittlerweile ihren Ritter, ähm mich, gesucht hat, wusste ich nicht und somit hat er nur ein leeres Zimmer vorgefunden! Aber nun habe ich auch meine Julia (Caro) an einem Fenster erblickt und sie hat alles in Bewegung gesetzt mich von der Straße zu holen. Mit ernster Miene hat mir dann auch der Besitzer noch seine „Nicht-nach-kurz-vor-10-Uhr-raus-geh-Regel“ erklärt bevor wir schließlich ohne Umwege ins Bett sind und haben vom folgenden Tag geträumt!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0