Der höchste See der Welt!

Nach dieser Nacht, dem gefrorenen Rinnsal und wenig Schlaf, ging es dann weiter zum Tilicho See. Auch dort war wieder campen angesagt. Allerdings hatten wir ein kleines Problem. Wir haben euch ja geschrieben, dass Alex und Claudi Caro eine Isomatte geschenkt haben. Leider war diese nach der ersten Nacht kaputt. Defektes Ventil und weit und breit kein Ersatz-Ventil. Zum Glück hat uns Felix, für die nächsten Tage seine Reserve-Isomatte überlassen und noch seine Rettungsdecke, denn es wurde kalt, richtig kalt! Aber erst einmal schien uns die Sonne ins Gesicht. Es war um acht am Morgen und wir machten uns auf den Weg. 700 Höhenmeter und das im Schritttempo, wenn nicht sogar Zeitlupentempo, damit ihr euch unsere „Geschwindigkeit“ vorstellen könnt. Dies ist auch unbedingt einzuhalten; eine weitere Maßnahme der Höhenanpassung. Denn wenn ihr schneller lauft, arbeitet euer Körper mehr und ihr verbraucht mehr Energie und vor allem mehr Sauerstoff. Nun gibt es aber auf dieser Höhe weniger Sauerstoff zum Einatmen. Wenn man nun also zu schnell läuft, verbraucht ihr auch mehr und das hat zur Folge, dass der Sauerstoff in euren roten Blutkörperchen aufgebraucht wird. Diese werden aber für eure Gehirnleistung benötigt. Wenn das Gehirn weniger mit Sauerstoff versorgt wird, kann es zu erheblichen gesundheitlichen Problemen kommen. Und das beginnt schon auf dieser Höhe, also ist Vorsicht geboten.

 

Jetzt aber: Felix vorne weg und wir schlängelten uns im Raupentempo hinterher. Und ehrlich gesagt war das auch gut so. Caro war die Erste von uns, die ein wenig Gepäck an einen Porter, wie die Träger hier genannt werden, abgegeben hat. Es ist schon eine anstrengende Sache, auf dieser Höhe (und das zum ersten Mal) vorwärts zu kommen. Deshalb an dieser Stelle:

 

Das kleine 1 x 1 von Nepal

 

1. Langsam laufen und nicht aus der Puste kommen

2. Durch die Nase einatmen, durch den Mund ausatmen  

3. Falls man beim beide Mal, beim ein- und ausatmen, den Mund 

    verwendet ist man zu schnell

4. Auf seinen Körper hören

 

Aber jede Anstrengung, hat auch sein verdientes Ende! Tilicho See! Der höchste See der Welt! Wir haben es geschafft! Wir stehen auf 4900 Metern Höhe und genießen drei Sekunden lang den Blick auf den See. Ein in den Bergen eingeschlossener See, wunderschön blaues Wasser, was zum rein springen einlädt, wenn da nicht der extreme Wind und die extreme Kälte wären. Es war richtig kalt und wir waren froh, dass wir einen Unterschlupf in der einzigen Behausung auf dieser Höhe gefunden haben. Es gibt dort oben nämlich überraschenderweise ein Restaurant und so kam es auch, dass wir unsere durchgefrorenen Körper mit warmem Tee wieder aufgewärmt haben. Tobi hat dann prompt und erstaunlicherweise seine Sandalen durch Bergschuhe ausgetauscht und sogar seine lange Unterhose angezogen (Das macht er sonst nie!!!). Nun könnt ihr euch auch vorstellen wie kalt es war. Wir haben uns ja schon unsere Gedanken gemacht, wie es sein wird auf dieser Höhe zu stehen und auf den See zu blicken. Dass wir uns nun aber währenddessen wärmend an diesem Tee festklammern konnten war uns vorher nicht bewusst. Leider hatten wir nur den Blick durch das angefrorene Fenster, denn rausgehen wollten wir nicht unbedingt. Nachdem wir wieder zum weiter marschieren bereit waren, ging es dann erneut raus in die Kälte und in den pfeifenden Wind! Nach etwa dreißig Minuten und den ersten Marsch durch Schnee, haben wir unser Lager erreicht. Die Träger, schon weit im Vorfeld angekommen, hatten schon das Basiszelt und einige Personenzelte aufgebaut. Nachdem wir unser Zelt ebenfalls aufgebaut hatten, haben wir es gleich mit großen Steinen befestigt, damit der Wind unser Zelt nicht im Null-Komma-Nichts wegweht. Mir, Tobi, ging es da oben zu der Zeit nicht so gut und ich habe mich dann erst einmal ins Zelt verkrümelt. Ich hatte Kopfschmerzen und wollte mich eine Runde aufs Ohr legen. Leider konnte ich durch die drückenden Kopfschmerzen nicht schlafen. Und aufgrund meiner Kopfschmerzen wollte ich auch nichts essen. Felix hat mir daraufhin Tabletten für eine aufkommende Höhenkrankheit gegeben und meinte, wenn meine Kopfschmerzen in einer Stunde besser werden, kann man davon ausgehen, dass es keine Höhenkrankheit ist. Zum Glück wurden sie angenehmer, aber essen wollte ich trotzdem nicht. Ich hatte noch leichte Kopfschmerzen und mir war saukalt.  Und die Nacht sollte auch nicht so ohne sein…

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