Nepal wir kommen!

Alex und Claudi wir kommen! Bevor aber unser Bus von Kodhari nach Kathmandu aufgebrochen ist, habe ich (Tobi) mir noch ein wenig Taschengeld verdient. Ich habe umgerechnet 30 Cent Gewinn gemacht. Das Spiel bestand darin, seinen Einsatz auf sechs verschiedenen Bildern zu verteilen, ähnlich wie beim Roulette. Dann gibt es den Spielleiter der sechs Würfel mit genau diesen sechs Symbolen in der Hand hat und diese wirft. Unter großer Spannung wird der Wurf vom zukünftigen Gewinner und den restlichen Spielern mit verfolgt. Wenn dann endlich die Würfel gezeigt werden, weiß man sofort wer gewonnen bzw. verloren hat. Da ich das Spiel eigentlich gar nicht so richtig verstanden habe, schloss ich mich immer der Mehrheit an und meistens hat es auch geklappt! Wobei ich denke, dass, wenn mehr als zwei gleiche Symbole auf den Würfeln auftauchen, das jeweilige Symbol gewinnt. Und wenn alle Würfel unterschiedliche Bilder zeigen, gibt es keinen Gewinner. Alle die sich in meiner Situation wieder finden, jedoch das Spiel besser kennen, als ich, können mich gerne anschreiben und ich werde es korrigieren.

 

Nun zu Nepal! Nach einer halben Stunde waren wir von diesem Land hin und weg. Denn uns erinnerte es stark an Indien und das machte es umso spannender. Caro war im Vorfeld überhaupt nicht glücklich, nach Nepal zu gehen, denn sie hatte zuvor eine ganz andere Vorstellung von diesem Land. Aber nun waren wir hier und wir waren beide beeindruckt. Des Weiteren ist es nicht nur üblich in den Bussen, sondern auch auf den Bussen mitzufahren. Aber zunächst einmal saßen wir beide brav im Bus, als die Fahrt losging. Nach einer halben Stunde gab es jedoch einen lauten Knall und ein langes Zischen. Da wir in der hinteren rechten Bushälfte saßen, wussten wir sofort was los war. Geplatzter Reifen! Wer keine Ahnung von Reifenwechsel hat, sollte nach Nepal kommen. Innerhalb von 15 Minuten war die Sache so gut wie erledigt. Dabei wurde das geplatzte Rad, nachdem der Bus zuvor hochgekurbelt wurde, von unten abmontiert und durch das Ersatzrad ersetzt. Das witzige dabei ist, dass man dafür in Deutschland wahrscheinlich seinen Führerschein verliert und eine ordentliche Geldstrafe berappen kann. Denn der geplatzte Reifen, sowie der „neue“ Reifen, hatten beide so gut wie kein Profil mehr und das was noch an Reifenmantel da war sah auch alles andere als „gut“ aus. So war der Gedanke, dass der Reifen an der nächsten Ecke wieder zischt, nicht ganz abwegig… Aber alles hat sein Positives und ich hatte ab sofort einen nicht ganz unbequemen Sitz/Liegeplatz auf dem Dach. Und ich war nicht allein, denn neben mir fanden noch weitere 15 Personen zwischen Deuter und Jack Wolfskin einen Platz zwischen Busdach und Stromleitungen. Neben der traumhaften Aussicht und dem Freiheitsgefühl bei frischem Fahrtwind, sollte man jedoch auch ab und an einen Blick nach vorne werfen. Denn Äste oder Stromleitungen bringen einen schnell wieder in die Realität zurück, wenn man nicht unbedingt von ihnen erwischt werden will... Von da oben habe ich nicht nur die Landschaft besser genießen können, auch die am Wegesrand herunterfallenden Wasserfälle kamen mir näher. Das Gefühl mitten in der Menge von einem Dutzend Nepalesen, auf einem Busdach mit Fahrtwind, zu sein, sagte mir, dass ich in Nepal angekommen war. Auch der Blick nach unten zu der hinaufschauenden Caro, mit der Videokamera, im Anschlag zeigte mir, dass sie genauso dachte!

 

In Nepal selbst war gerade das Diwali-Festival, das sahen wir an tanzenden und singenden Menschenmassen und fröhlichen bunt gekleideten Nepalesen. Ihr seht die ersten Eindrücke, haben uns mehr als überwältigt und auch die folgenden Ereignisse trumpften dem noch gewaltig auf. Nachdem wir nach der drei-stündigen Tour Kathmandu erreicht haben, haben wir Bharat angerufen, der uns 20 Minuten später abgeholt hat. Nun fragt ihr euch bestimmt: Wer ist Bharat? Das könnt ihr im folgenden Abschnitt erfahren.

 

Eine wunderbare Geschichte, wodurch wir wunderbare Menschen kennengelernt haben. Dafür müssen wir mit euch aber nochmal zum Anfang unserer Reise. Ganz an den Anfang! Am ersten Tag unserer offiziellen Weltreise sind wir von Berlin aus losgetrampt. Am ersten Tag wurden wir nicht nur von dem Ehemann der Stardesignerin Hella Jongerius mitgenommen, sondern auch von Wolfgang und seinen zwei Frauen. Also genauer gesagt, seiner Frau und der Schwester seiner Frau. Wie wir so über unsere euphorische Weltreise berichteten, meinte er, dass er so eine Reise ebenfalls schon gemacht habe. Und er sei auch schon mehrmals in Nepal wandern gewesen und hätte dort auch einen Freund, den er bereits mehrmals besucht hat und der auch schon mehrmals in Deutschland war. Er hat uns angeboten, wenn wir nach Nepal kommen, dass wir ihn nochmal kontaktieren sollen und er dann nachfragt ob wir seinen Freund besuchen können!

 

Nun sind wir in Nepal und mein Vater hat ihn angerufen und ihm gesagt, dass sein Sohn gemeinsam mit seiner Freundin nun auf dem Weg nach Nepal ist. Mein Vater hat uns die Telefonnummer von Bharat gegeben und nachdem ich ihn in Zangmu angerufen habe und ihm gesagt habe, dass wir auf dem Weg nach Kathmandu sind, haben wir uns verständigt das ich ihn anrufe, wenn wir an der Busstation ankommen.

 

Und nun stehen wir hier und warten auf Bharat. Mit voller Vorfreude, wer nun auf uns zukommt und sich als Bharat vorstellt, haben wir noch ca. 13 Mini-Bananen für sage und schreibe 8 Cent gekauft!

 

Bharat: Ein absoluter Gentleman, nepalesischer Ehemann einer wundervollen Frau und Familienvater von drei Söhnen. Er lebt nicht, wie vermutet, in Kathmandu, sondern in einer Vorstadt ca. 5km außerhalb der 990.000 Einwohner fassenden Hauptstadt. Sein Ort heißt Bhaktapur, was so viel bedeutet wie „Stadt der Frommen“. Dies sollte für die nächsten zwei Tage unsere Herberge werden. Aber nicht irgendeine, sondern eine sehr besondere! Wie wir euch schon gesagt haben, sind wir mitten im Diwali- Festival angekommen und die zwei folgenden Tage sollten im Zeichen dieses Festivals stehen. Der, für die Nepalesen, bedeutendste Tag dieses fünf Tage andauernden Festivals ist Lakshmi, der Tag des Geldes und Wohlstands, am dritten Tag. Für uns war aber das Rikha/Tika, das Fest der Geschwister am letzten Tag am bedeutendsten. Unser persönlichstes Highlight war es, mitten in einer nepalesischen Familie ein Volksfest mitzuerleben. Egal, ob es nun der besonderste Tag ist oder weniger bedeutend. Wir waren jedenfalls die nächsten zwei Tage mitten in einer großen Familie! Nicht nur in einer Familie von fünf Personen, sondern es waren noch Nichten, Neffen, Cousinen, Cousins, Freunde und Freundes-Freunde eingeladen. Das Rikha/Tika Fest, ist das Fest für Schwester und Brüder und beide versprechen sich zu beschützen. Und wer in derselben Kaste der Familie ist, gehört ebenfalls zur Familie und ist somit ebenfalls Bruder und Schwester. Das Haus war somit voll und wir haben unglaublich sympathische und ultra nette Leute kennengelernt. Am ersten Tag haben wir uns alle kennengelernt und ordentlich drauf los geplaudert. Die Söhne von Bharat sind ebenfalls unseren Alters. Einer studiert in Kathmandu, der eine in Wien und der letzte in Delhi. Leider haben wir den Sohn aus Wien nur über Skype kennengelernt. Wir waren nicht die einzigen Besuche die Bharat und Meena beherbergten. Ein befreundetes französisches Ehepaar war ebenfalls zu Gast! Beide schon seit etlichen Jahren auf Reisen innerhalb Nepals, absolute Nepalfans und gute Freunde der Familie.

 

Also nachdem wir den ersten Tag mit Faulenzen und Unterhaltungen beendet haben, stand dann der zweite Tag ganz im Zeichen des Rakhi/Tika. Nach mehrtägigem Küchenverbot (Menstruationsbedingt und dadurch in Nepal verboten, als Frau während dieser Zeit in der Küche zu arbeiten), musste Meena, Bharats Frau wieder ordentlich ran, denn es gab eine große Schar an Mündern zu versorgen. Und da Meena nun ordentlich zu tun hatte und viel mit ihren weiblichen Helfern vorbereiten musste, haben wir mit angepackt und fleißig Knoblauch geschält. Hört sich einfach an, aber wenn man ca. 30 Knoblauchknollen (Richtig! Knollen, keine Zehen!) schälen muss, kann das auch eine ganze Weile dauern. Nach dem Knoblauchmarathon ging es dann weiter mit Kartoffeln schälen. Caro versuchte sich auch noch im traditionellem „Curry reiben“: Alle Gewürze für das Curry werden auf einen großen flachen Stein gelegt und mit einer speziellen Technik und unheimlich viel Kraft, vor allen in den Bauchmuskeln, mit einem zweiten Stein zermahlen. Nach den ganzen Vorbereitungen ging es dann um ein Uhr mit dem Rikha los und dazu wurden auf dem Boden für jeden Bambusmatten gelegt. In Form eines L´s haben wir uns dann platziert. In der Mitte die Farbpalette mit Gulal den farbigen Farben und des Weiteren Öl und Blumenkränze. Nun wird mit dem Ritual begonnen:

 

Die Brüder und wir Gäste sitzen auf den Matten, während die Schwestern das Ritual vollziehen. Es wird mit dem Öl begonnen und dieses wird um die Personengruppe herum, auf den Boden tröpfelnd, verteilt. Dies wird insgesamt dreimal gemacht. Segenswünsche werden mit Hilfe des Öls verteilt, indem das Öl auf den Kopf geträufelt und im Ohr verteilt wird. Danach wird ein wunderschönes Tika (die farbigen Tupfer auf der Stirn) mithilfe einer Schablone, auf der Stirn aufgebracht. In manchen Familien mit einem Punkt, in unserer Familie mit einem senkrechten farbigen Streifen. Dieses Ritual wird bei jedem gemacht und es ist eine spannende Sache dies mit zu verfolgen. Danach werden dann den Schwestern und Brüdern die Geschenke überreicht. Üblicherweise ist es Tradition, dass die Brüder ihre Schwestern mit Geschenken ehren, jedoch in der modernen Zeit wird meistens Geld überreicht. Wir haben ein riesen Paket an Nüssen und Obst bekommen, sowie Snickers (Schokoriegel)! Wenn das kein Grund zur Freude ist. So ausgelassen wie das Paket, war auch unsere Freude und am Ende wurden wir noch mit zwei Blumenkränzen verabschiedet. Am Ende der Zeremonie wird noch eine Nuss im Ausgangsbereich des Zimmers geknackt um böse Geister zu erschrecken. An der Stelle noch einmal unbeschreibliche Grüße an die ganze Gautam-Familie! Einfach nur Spitze! Auch Jackie, der Hund wurde mit Tika verschönert und auch ich habe ihm einen schönen grünen Punkt verpasst. Danach war tanzen angesagt. Das aber nicht im Haus, sondern auf der Straße, wo ebenfalls eine große Feier zu Gange war. Und wir als Europäer stehen da natürlich im Mittelpunkt des Geschehens. Das heißt dann auch obersten Knopf aufknöpfen, kurz warm machen um dann eine ordentliche Tanzeinlage aufs Parkett legen. Was für ein unvergesslicher Tag!!!

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