Yamdrok Lake und Shigatse

Ein neuer Tag, neue Eindrücke und neue spannende Landschaften. Bevor es aber losging, haben wir uns noch ordentlich verlaufen. Die touristische Karte war leider keine so gute Idee um den Weg zum angedachten Treffpunkt zu finden. Der Maßstab und die Straßen stimmten leider nicht so ganz überein. Bis wir das jedoch festgestellt haben, hatten wir noch einen Abstecher zu einem Kloster im Zentrum von Lhasa gemacht. Wir haben uns extra im Vorfeld genug Zeit eingeplant um den morgendlichen Predigten und Schwingungen in aller Ruhe zu lauschen bzw. diese zu fühlen. Es war ein unglaubliches Erlebnis. Dies lag jedoch nicht nur daran, dass der Platz mit betenden Tibetern gefüllt war, nein sondern auch daran, dass ein kleiner junger Mann beachtlich an einer Art Gitarre zupfte und unglaublich dazu sang. Diese Melodie und das beobachten der Betenden versetzte uns sofort in eine entspannte religiöse Atmosphäre und wir waren froh, diese miterlebt zu haben. Und wir waren vor allem froh, dass wir das am Morgen gemacht haben und nicht dann, wenn es hier von Touristen nur so wimmelt.

 

Vielleicht lag es auch an der tollen Atmosphäre, mit der wir uns zuvor angesteckt hatten, dass wir den Weg zum Treffpunkt einfach nicht gefunden haben. Schlussendlich mussten wir uns ein Taxi nehmen und trotzdem kamen wir stolze 30 Minuten zu spät. Und als ob das nicht schon genug Aufregung am frühen Morgen gewesen wäre, erfuhren wir dann in all der Hektik auch noch, dass sich Merel, unser am Tag zuvor gefeiertes Geburtstagskind, eine Lebensmittelvergiftung zugezogen hatte. Somit konnte sie gemeinsam mit Alvaro, ihrem Freund, nicht mitkommen. Wie sich später herausstellen sollte, hatte sie neben dieser Vergiftung zeitgleich auch noch Gallensteine. Arme Merel! Mit schlechter Laune, da wir zwei lustige und sympathische Menschen zurück lassen mussten, ging es dann auf den Weg Richtung Yamdrok Lake. Dieser befindet sich auf einer Höhe von 4441 Meter und liegt südwestlich von Lhasa. Übersetzt heißt der See „grüner Jadesee“ und genauso könnt ihr euch den Anblick auch vorstellen, dann noch die Schneeberge im Hintergrund und ihr habt ein perfektes Motiv für eure Kamera. Leider war das auch schon das einzige, was das Ganze so attraktiv machte. Denn Yamdrok Lake bedeutet nicht nur grüner Jadesee, sondern auch noch Touristenhochburg schlechthin. Wie wir euch ja schon geschildert haben, gibt es in Tibet nur gebuchte Touren. Alle Touren, dürfen nur bestimmte Wege befahren und somit ist es auch der Fall, dass die meisten Touren, diesen See ansteuern. Und nicht nur diesen See auch die folgenden Städte und Dörfer werden durch Busspuren zerstört und durch Franzosen und Spanier und weitere Nationen überschüttet. Insgesamt haben wir es dann fünf Minuten ausgehalten bis wir kopfschüttelnd wieder ins Auto eingestiegen sind.

 

Wo viele Touristen sind, gibt es auch viele Möglichkeiten um Geld zu verdienen. Hunde werden mit roten Blumenhalsbändern drapiert um sich dann für ein Foto mit einem Touristen zu opfern. Wenn es dann noch Touristen gibt, die einen kompletten Vollschaden haben, setzen sie den Hunden dann auch noch Sonnenbrillen auf. Was auch immer die sich dabei denken mögen… Total geschockt über derartige Methoden, waren wir wenigstens froh den Geldeintreibern für diesen ergatterten Blick über den See entwischt zu sein. Denn normalerweise kostet es auch noch Geld dort zu halten um ein Foto zu machen. Das verrückte bei der ganzen Sache ist noch, wie wir später feststellen sollten, egal ob man anhält oder nicht, man muss trotzdem bezahlen. Denn unten wartete dann die Realität in Form von zwei Geldeintreibern und wir mussten trotzdem noch bezahlen. Wir haben dann mit viel hin und her den Preis um die Hälfte reduzieren können, aber so richtig glücklich waren wir nicht über die Methoden und die sprichwörtliche Abzocke. Denn umgerechnet 10 Euro, genauso viel wie der Potala Palast, kostete das Vergnügen.

 

Entlang an weiteren touristischen Haltebuchten, welchen wir ab sofort aus dem Weg gegangen sind, haben wir dann trotzdem die Landschaft genießen können. Herbstlandschaften vermischt mit Bergpanoramen und kleinen süßen verlassenen Dörfchen, wenn dort nicht gerade ein Bus die Sicht versperrt hat. Insgesamt haben wir an diesem Tag zwei Pässe befahren und haben atemberaubende Kulissen gesehen, welche ihr natürlich unter den Bildern finden könnt. In Gyangze haben wir dann einen zwei-stündigen Stopp gemacht. Neben einem bekannten Kloster gab es dann auch noch diese verlassene Burganlage. Was für ein Anblick sage ich euch. Die Stadt scheint erst so unscheinbar, aber sobald diese Burg auftaucht versetzt einen das schon in Staunen. Ich glaube das war die erste richtige Burg seit Polen und das war wieder mal ein Beweis für unsere deutsche Kulturlandschaft. Burgen sind schon etwas spannendes, jedoch wurde die Burg zu einem Kloster umgebaut und dieses gilt als das bedeutendste Kloster für Stupas. Stupas sind weiße heilige Bauten und erinnern an eine umgedrehte Glocke. Leider war das Tor für dieses Abenteuer versperrt und auch eine Möglichkeit nicht ganz so legal hineinzukommen blieb uns verwehrt. Dafür waren die Mauern viel zu hoch. Nachdem wir uns ordentlich geärgert haben, warum die Burg ausgerechnet heute geschlossen ist, wo wir doch da sind, sind wir noch durch die Stadt gewandert. Gyangze ist auch berühmt für Teppiche, wobei wir festgestellt haben, dass es hier auch eine interessante Architektur gibt. Natürlich kein Vergleich zu Lhasa, aber immerhin. Nach diesen zwei sommerlichen Stunden sind wir dann weiter nach Shigatse. Mit 90.000 Einwohner die zweitgrößte Stadt in Tibet. Auch hier gibt es eine bedeutende Festung, genannt Samdrubtse. Bis 1642 war Shigatse der Sitz der Könige von Tsang. Nachdem der 5.Dalai Lama die Vorherrschaft in Tibet übernommen hatte wurde der Sitz nach Lhasa verlegt. Dort hat er dann, wie wir euch oben beschrieben haben, den roten Palast erbaut, welcher dem Palast in Shigatse nachempfunden wurde, jedoch weitaus pompöser ist als sein kleiner Bruder in Shigatse. Diesen haben wir uns aber bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen genauer angeschaut und zeitgleich das bunte Treiben der Gläubigen bewundert. Aber nicht nur dort war das Spektakel der „Gebetsrunden“, sprich, der betenden Buddhisten, die auf ihrem heiligen Pfad im Uhrzeigersinn wandern und zeitgleich sämtliche Gebetsmühlen, die sich am Wegesrand befinden drehen, sichtbar. Noch deutlicher wurde dies an einem weiteren Highlight im Zentrum der Stadt, dem „Trashilhünpo“. Dieses Kloster hat wie jedes andere Kloster in Tibet einen Gebetspfad, auf dem die Gläubigen wandeln. Es ist Sitz des Penchen Lama, eines der wichtigsten Autoritäten im Buddhismus, und Stellvertreter des Dalai Lama. Interessant dabei ist, dass dieses Kloster im Jahr 1791 von Gurkhas, einer Volksgruppe aus Nepal, angegriffen wurde. Dies hatte zur Folge, dass die tibetische Regierung beschloss, die chinesische Regierung um Unterstützung zu bitten, um einer Invasion zu entgehen. Seitdem befinden sich pausenlos chinesische Soldaten in Tibet. Nun wissen wir auch, worauf unter anderem, dieses ungewöhnlich starke Aufkommen chinesischer Soldaten in Lhasa zurückzuführen ist. Natürlich sind die chinesischen Soldaten aber vor allen Dingen in Tibet, um mögliche Proteste der Tibeter zu unterdrücken, welche für eine absolute Unabhängigkeit demonstrieren.

 

Nachdem wir den Palast in Shigatse bewundert hatten, sind wir dann weiter in Richtung Everest Base Camp. Angekommen in Tingri, der letzten Stadt, bevor es auf die gebührenpflichtige Straße direkt zum Mount Everest Camp geht, lautete dann die Frage: „Wollen wir wirklich zum Base Camp oder nicht?“ Nach einstündiger Besprechung haben wir uns für ein „Nein“ entschieden. Für uns zwei war diese Entscheidung schnell klar, für den Rest der Gruppe hat es etwas länger gedauert. Aber nachdem wir erfahren hatten, dass es am Base Camp nur so von Touristen und Busscharen wimmelt und außer einer Eisfläche (die Zelte waren wegen der Jahreszeit schon abgebaut) und bewaffneten Soldaten nicht wirklich was zu sehen war hatten wir keine Lust, dafür dann auch noch umgerechnet 30 Euro pro Person zu bezahlen. Im Endeffekt sind wir dem Mount Everest dann statt 10 km Entfernung nur 60 km näher gekommen. Dafür haben wir uns nicht mit den anderen Touristen um die besten Plätze für geeignete Bilder gestritten, wurden nicht von Soldaten zurechtgewiesen, haben die überhöhten Touristenpreise nicht unterstützt und noch Geld gespart. Stattdessen waren wir in Old Tingri, einem kleinen verschlafenen Dörfchen, 60 km entfernt vom Mount Everest. Die Kulisse war atemberaubend! Nachdem wir unsere Sachen im Hostel abgeworfen hatten, sind wir auch gleich losgestiefelt, um uns den höchsten Berg genauer anzuschauen. Das haben wir dann gleich auf einem Hügel gemacht, auf dem zeitgleich ein Denkmal für Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay, den Erstbesteigern des höchsten Berges der Welt, gewidmet ist. Wir finden ja, dass Reinhold Messner hierbei eine ähnlich bedeutende Rolle spielt, da er immerhin als erster Mensch den Mount Everest im Alleingang und ohne Sauerstoffmaske bestiegen hat. Wenn man aber die Leute nach Reinhold Messner befragt, wissen sie nichts mit diesem Namen anzufangen. Nicht einmal im Lonely Planet findet man den Namen wieder. Sehr schade wie wir finden. Aber zurück zu diesem Aussichtspunkt und dem Blick auf die Berge. Der weitere Vorteil nicht im Base Camp zu sein ist es, dass man nicht nur einen Berg im Fokus hat, sondern gleich eine ganze Kulisse an Bergen. Der Nachteil ist allerdings, dass die ganze Ausdehnung des Berges mit seiner vollen Magie als höchster Berg der Welt, dadurch nicht ganz zur Geltung kommt. Von unserem Punkt aus war dies nicht spürbar. Trotzdem waren wir von unserer Aussicht ganz begeistert! Vor allem der Sonnenuntergang machte die Kulisse umso schöner, als die Berge rot zu leuchten anfingen und die ganze Kraft der Bergkulisse zum Vorschein kam. Ohne Worte!

 

Nach diesem Ereignis waren wir noch in einer gemütlichen und häuslichen Kneipe. Wie der Name schon sagt, war die Kneipe nicht nur ein zu Hause, sondern man fühlte sich auch mitten in einer Freundschaftsrunde wieder. Mit der einen Ausnahme, dass man am Ende bezahlen muss. Aber wir wurden von unseren „Freunden“ mit leckerem Kokosnuss-bzw. Ananas-Rum-Gemisch versorgt und die Männer waren glücklich, mal wieder weibliche Touristinnen im Blickfeld zu haben. Denn unsere Französin Valerie stand mitten im Blickpunkt der fünf Freunde. Süße Träume!

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