Potala Palast

Der Tage startete mit einem Geburtstag. Unsere holländische Begleitung Merel hatte Geburtstag. Nachdem wir mit einem einstudierten Lied auf den Hinweg zum Palast unsere Zeit vertrieben hatten, und fragwürdige Blicke der entgegenkommenden Passanten geerntet haben, konnten wir die Zeilen einwandfrei vortragen. Das Lied von dem wir reden, geht so: „Weil heute dein Geburtstag ist, da haben wir gedacht, wir singen dir ein schönes Lied, weil dir das Freude macht.“ Ihr seht nicht wirklich das anspruchsvolle Lied, aber irgendwie hatte unsere wunderbare Caro damit ihre Probleme und somit verging einige Zeit bis wir das Lied einstudiert hatten. Aber nun sind wir bereit für alle Geburtstage die da noch kommen werden. Nicht nur unsere Freude war groß, dass wir das Lied ohne größere Stolperfallen besungen haben, auch das Geburtstagskind selber hat sich sehr darüber gefreut. Direkt im Anschluss, und mit dem Hintergrund, dass dies unser letzter Tag in Lhasa ist, sind wir gemeinsam in den Potala Palace gegangen. Nachdem wir die Stufen hinauf marschiert sind und einige schnaufende und pustende Besucher überholt haben, waren wir am Eingang angelangt. Der Palast befindet sich nämlich auf einem Berg. Dem roten Berg! Der heilige Berg und die vielen weiteren Gründe, warum der Dalai Lama genau hier sein Quartier bezogen hat. Aber auf jeden Fall hat es sich gelohnt. Der Palast ist ein Hingucker, ein absoluter Eyecatcher. Allein wenn man schon in die Stadt hinein fährt verrenkt man sich den Hals im Bus oder im Taxi, um einen Blick darauf zu werfen. Er hypnotisiert einen mit seinem Anblick und erhält somit zu Recht den Namen Palast. Wobei dieser Name vielleicht auch nicht so passend ist. Ihm fehlt der Glanz, wie bei herkömmlichen Palästen. Er strahlt vielmehr eine reine Schönheit aus. Wir waren also ziemlich begeistert, wie ihr feststellen könnt und somit waren auch die touristisch erhöhten Eintrittspreise kein Hindernis für uns. Leider hatten wir nicht das Glück kostenlos hinein zukommen.

 

Wir wollten aus unserem Besuch eine Geburtstagsparty machen und Merel sollte dabei unser Glücksbringer sein. Unsere ausgetüftelte Raffinesse hatte leider keinen Erfolg. Dennoch hatten wir einen kleinen Teilerfolg und wir konnten einen verringerten Eintrittspreis für Merel ergattern. Hinein in den heiligen Tempel des Dalai Lamas. Wobei dieser nun nicht mehr dort lebt. Aber dafür seine ganzen Vorgänger. Er selber wurde durch die Chinesen ins Exil nach Indien verbannt. Es ist schon unglaublich, dass die chinesische Regierung so eine starke Angst vor dem Oberhaupt des Buddhismus hat. Eine Weltmacht wie China, geht in die Knie vor einem Mann. Der Dalai Lama besitzt eine so starke Wortgewandtheit, dass jeder vor Bewunderung zustimmt. Generell ist der Buddhismus für Touristen eine der stärksten Attraktionen in Tibet. Diese Religion hat uns von allen Religionen die wir bis jetzt kennengelernt haben, am meistens beeindruckt. Aber zurück zum Potala Palast: Dieser befindet sich auf dem 130 Meter hohen Berg Marpori, was auf Tibetisch Roter Berg bedeutet und dieser liegt mitten in der Stadt. Der weiße Tempel wurde von König Songtsen Gampo im siebten Jahrhundert auf diesem Berg in Lhasa erbaut und vom 5. Dalai Lama im 16. Jahrhundert durch den roten Tempel erweitert: und somit gilt dieser als der bekannteste Dalai Lama, neben dem amtierenden Oberhaupt des Buddhismus. Dazu gibt es aber noch eine interessante Geschichte: Der 5. Dalai Lama verstarb während der Bauzeit des roten Palastes. Dies wurde jedoch geheim gehalten und der Leichnam wurde verwahrt. Erst nach Fertigstellung des Palastes, 12 Jahre später, ihr lest richtig, ganze 12 Jahre später, wurde bekanntgegeben, dass dieser verstorben ist, aber nach dem Motto: Gerade eben erst.

 

Im Palast selber angekommen, sind wir dann über labyrinthartige Wege vorbei an heiligen Sakramenten und Glaubensobjekten, auf dem Dach angekommen. Dort wurden wir mit einer neuen Attraktion erstaunt. Der heilige Palast von Tibet. Das Zentrum des Buddhismus, und ein kleines Kind pullert durch seine Schlitzhose direkt aufs Dach, mitten in die Mitte. Nichts ist unmöglich, in Tibet!

 

Nach diesem kleinen inneren Armageddon ging es dann weiter seinen gewöhnlichen Lauf und wir besichtigten riesengroße Buddhas aus echtem Gold und Marmor. Und wenn man sich vorstellt, wie die Mönche hier damals gelebt haben, war es für uns ein spannendes Erlebnis, dies einmal gesehen zu haben. Ansonsten war es für uns neben den Buddhas und weiteren heiligen Gestalten ein kleiner Coup, denn es ist nicht erlaubt Bilder im Inneren des Palastes zu machen. Und wer mich nun kennt, weiß dass mich genau so etwas erst animiert. Also verstecken, nicht erkannt werden und heimlich Fotos schießen. Hier und da musste eine Ausrede helfen, mich nicht der Polizei zu überstellen, aber einige Fotos werden euch einen kleinen Blick in den Palast gewähren, wobei ich Buddhas oder ähnliche Heiligtümer aus Respekt nicht fotografiert habe. Ansonsten hatte man von hier oben, einen fantastischen Blick über die ganze Stadt und auch die schneebedeckten Berge waren von hier aus wunderbar zu erkennen. Danach sind wir dann noch durch einen sehr schönen Park im Zentrum von Lhasa marschiert und haben noch einen weiteren Tempel von außen bewundert. Dieser wurde in die Felsenwand hineingearbeitet.

 

Danach haben wir uns nochmal mit Tashi und Rowan getroffen. Nachdem wir nochmal im Nonnenrestaurant waren sind wir gemeinsam zum Billard spielen gegangen. Eine kleine beliebte tibetische Sportart, denn man findet so gut wie an jeder Ecke eine Möglichkeit um mal eine ruhige Kugel zu schieben. Nach einem deutlichen Sieg auf der deutschen Seite, gab es dann noch das heiß erwartete Siegerfoto (Abschiedsfoto). Das sollte aber nicht das Ende des Tages sein, denn es sollte noch ein wenig Abenteuer folgen. Alias James Bond „Quantum Action“-Rikscha, sind wir zu fünft auf eine Rikscha gestiegen und haben uns durch einen tapferen Tibetaner durch die Straßen treten lassen. Zusammengepfercht in der Rikscha bzw. als Rikschasurfer an der Seite hatten wir eine ordentliche Gaudi. Dann sollte es leider so sein, das wir uns verabschieden mussten und wir sind zurück nach Hause und haben Gan Lan mit einem Festessen bekocht. Deutsche Gemüsesuppe und als Nachspeise unsere beliebten Pfannkuchen. Gan Lan hatte noch zwei Freuden eingeladen und einer davon ist Thanka-Maler. Dies ist der angesehenste Beruf in Tibet. Es dauert unglaubliche 15 Jahre, bis man ungefähr bereit ist sein erstes Bild zu malen. Nur wer gut malen kann, kann auch richtig Geld verdienen. Denn die Buddhisten wollen ihre Wände nicht mit irgendwelchen Thankas bestücken. Umso besser die Bilder umso angesehener ist das Haus bzw. die Familie. Auf Thanka-Bildern wird zum Beispiel der Lebensweg des Lamas gezeichnet und dies in den farbenfrohsten Varianten. Es gibt unglaublich viele Bilder, wobei uns die meisten nicht gefallen, was natürlich auch daran liegt das uns der Zusammenhang zur Religion fehlt.

 

Tausend Dank an Gan Lan für die tolle und entspannte Zeit in Lhasa. Leider ist die tolle Zeit in Lhasa so schnell vergangen und wir könnten uns hier noch weitere Tage wünschen. Wir sind aber total froh, dass wir Lhasa erleben durften und tolle Menschen kennengelernt haben.

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