Fahrrad fahren in Peking

Mit dem Fahrrad von Mike und Sam, den beiden Mitbewohnern, und Mike dem Lebensabschnittgefährten von Ashley, sind wir dann durch die Stadt Richtung Reisebüro gefahren. Das Ganze entpuppte sich als Fehlzündung, denn wer kein Englisch oder Deutsch kann, kann uns auch nicht verstehen. Und auch ständiges tippen auf unverständliche Bilder unseres Bilderwörterbuches machten die ganze Sache nicht einfacher. Dabei blickten wir uns zum ersten Mal an diesem Tag mit überraschten Augen an. Danach hieß es dann Touristeninformations-Zentrum. Wunderbarer Name, aber nichts dahinter. Da fällt mir gerade der Werbespot ein und ein bisschen umgemodelt heißt er dann: Außen Tophit, Innen Flophit!

 

Der eine von den vier halben Arbeitslosen, spielte mit seinem Handy, der zweite hat in aller Ruhe geschlafen, ohne einmal wach zu werden (gut trainiert) und die anderen beiden haben versucht, Dank „Google-Translator“ unserer Fragen näher zu kommen. Die Antwort hieß dann, dass wir zu einem 15 min. entfernt gelegenem Reisebüro gehen sollten, welches auf Ausländer spezialisiert sei. Endlich kamen wir dem Ziel näher! Bei dem bisher Erlebten ist „nahe“ relativ! Das „Reisebüro“ hat kein Wort verstanden, auch geläufige Begriffe, wie Visa und Tibet, waren diesem fremd und auch die Hilfsbereitschaft hielt sich in Grenzen. Das wird eine lange und anstrengende Suche zum Glück! Genervt liefen wir dann zurück zum Arbeitsbeschaffungszentrum. Mit neuen Ideen schickten sie uns dann zu einem weiteren Reisebüro! Mit optimistischen Gedanken fuhren wir dann in die 20. Etage, wobei auch hier das Ergebnis, naja, spärlich war. Auch hier sahen wir, vielleicht, sehr arbeitswillige Angestellte. Man kann sich hier die Zeit mit einigen Dingen vertreiben. Plaudern, Filme anschauen, private Telefonate führen oder mit dem Handy spielen. Alles möglich. Auch auf der ganzen Suche nach dem Glück stellten wir immer wieder fest, das Arbeiten nicht gleich Arbeiten ist. Von der deutschen Arbeitseinstellung weit gefehlt. Es wurde zu häufig sichtbar um an eventuelle Zufälle zu appellieren! Auch diese Gedankensprünge halfen uns nicht dabei das Ende des Labyrinthes zu durchschlagen. Mit neuen Anweisungen machten wir uns weiter auf die Suche nach dem heiligen Tibet und dessen Wegbereitern. Leider neigte sich der Tag so langsam seinem Ende zu und wir stellten fest, dass wir nicht wirklich schlauer waren. Tag 1 konnte man abhaken. Tag 2 ließ uns hoffen und verzweifeln. Nachdem wir Sam, den Mitbewohner von Ashley unseren Gang ins Nirvana offengelegt haben, meinte er nur, dass er uns dieses „Entry und Exit Bespaßungszentrum“ empfehlen kann. Die wissen alles! Im schnellsten Gang hieß es dann am nächsten Tag Richtung „Zentrum für hoffnungslose Tibetreisende“. Angekommen und am Schalter nachgefragt wie wir am schnellsten eine Berechtigung erhalten, hieß es, dass wir hier vollkommen fehl am Platze seien. Wir müssten 200 Meter weiter zu einem Reisebüro genau für diese Fälle. Na endlich, geht doch! Büro 1 des Reisebüros, kein Englisch, nichts verstehen, Fingerzeig zum Nachbarbüro. Nachbarbüro von Tuten und Blasen keine Ahnung begleitete uns ins dritte Büro. Die nette Dame im dritten Büro konnte auch kein Englisch, die Kollegin nebenan schon. Hoffnung keimte auf, aber vom Transit Visa für Tibet hat sie auch noch nie was gehört! Na wunderbar, genau was wir an dieser Stelle hören wollten. Aber sie war sehr hilfsbereit und hat sich bemüht unsere Antwort zu finden. Ihr Mann war erst vor kurzem mit zwei Tibet-Reisenden unterwegs gewesen, somit wollte sie sich bei ihm erkunden. Leider ohne Erfolg. Dann wollte sie noch ein Reisebüro in Erfahrung bekommen. Jedoch war keiner erreichbar und wir beschlossen, dass sie uns anruft, sobald sie die Adresse kennt. Bis heute bleibt sie uns die Antwort schuldig. Und mittlerweile schreiben wir euch aus Lhasa. Also was ist geschehen! Nach diesem weiteren Krampfanfall unwissender chinesischer Ahnungslosigkeit, machten wir uns auf den Weg zur DEUTSCHEN BOTSCHAFT! Bei Fragen und jeder Menge Nebenwirkungen fragen sie die Botschaft oder Frau Merkel! Noch ist uns Frau Merkel noch nicht nachgereist, also auf zur deutschen Botschaft. Da kam mir auch gleich der Film „Red Corner“ in den Sinn, wo die amerikanische Botschaft der Zufluchtshafen jedes Amerikaners im Ausland ist. Nun sollte diese Rolle die deutsche Botschaft übernehmen. Entlang der wartenden chinesischen „Bummelstrecke“, die auf dem Weg nach Deutschland ist, konnten wir die Ausfahrt Richtung „Autobahn“ zur Botschaft nehmen. Wie schön ein Deutscher zu sein! Durch die Gepäckkontrolle direkt in den Raum 10, für Fälle der besonderen Art. Denn normalerweise trifft man zu hoher Wahrscheinlichkeit nur Chinesen an, die nach Deutschland reisen wollen. Leider war der Raum 10 noch nicht bereit für unsere Fragen und es sollte geschlagene 45 Minuten dauern, bis jemand auftauchte. Vielleicht war es gerade die Mittagspause! Aber entspannt war die Frau hinter dem Schalter nicht. Stellt euch vor, der Supermarkt schließt um sechs und ihr huscht eine Minute vor Ladenschluss rein und kauft einen Schokoriegel den ihr aber auf die Schnelle nicht findet. So wie die Kassiererin nun schaut, schaute auch unsere Vertrauensperson drein. Auf die Frage, wie wir denn an ein Visum für Tibet kommen, war die Antwort typisch deutsch: „Sie sind hier bei einer deutschen Botschaft.“ Wir beschäftigen uns mit deutscher Problemstellung. Nicht mit der von Tibet! Wow, was für eine großartige Hilfe! Aber nach einigem hin und her rückte sie schließlich doch ein Papier heraus. Darin stand eine weitere Adresse für ein Reisebüro, welches sich GENAU, mit dieser Frage beschäftigt. Na dann, auf geht’s!

 

Kleine Bemerkung am Rande: Solltet ihr während eurer Reise jemals Heimweh nach Deutschland bekommen, so müsst ihr nur in die deutsche Botschaft gehen. Dort verhelfen euch die typisch deutsche Bürokratie und das typisch deutsche Beamtenverhalten schnell dazu, dass ihr glücklich seid, nicht gerade in Deutschland zu sein.

 

Trotz unseres schnellen Begleiters, hat es geschlagene 1,5 h gedauert bis wir das verflixte Büro gefunden haben. Als wir dann schließlich dort ankamen, brachte uns ein hilfsbereiter junger Herr in den richtigen Raum. Er informierte uns, dass seine Kollegin kein Englisch kann, er leider zu einem Meeting müsse, uns aber sofort jemanden holen würde. Tja, nach ca. 40 Minuten warten kam immer noch keiner. Schließlich starteten wir mit der netten Kollegin, die kein Englisch sprach, weitere Informationen zu erhalten. Dank neuester Übersetzungssoftware kamen wir zu dem Ergebnis, dass die Reise nach Tibet viel zu teuer und dadurch unser Budget gesprengt wird. Das heißt im Endeffekt, dass uns nichts anderes übrig bleibt als zu fliegen, denn das ist mit Abstand die günstigste Lösung! Das Problem ist aber das wir nicht fliegen wollen! Was also tun? Wir wollen unsere Freunde in Nepal treffen und zeitgleich nicht fliegen! Aber wiederum auch keine Unsummen für Tibet ausgeben. Alles sehr, sehr kompliziert, können wir euch sagen. Und die grauen Haare sprossen an diesem Tag und die Verzweiflung war groß. Mit den ernüchternden Informationen wollten wir uns betrinken und das mit Ashley. Wir wollten zum Pekinger Oktoberfest!

 

Leider hat Ashley ihr Handy vergessen und somit haben wir uns und das Oktoberfest verpasst. Aber was macht man sonst in Peking? Richtig, man gönnt sich auf einen bescheidenen Tag eine Fußmassage. Genauer gesagt, eine ganze Stunde Fußmassage! In einem Sessel liegend mit Blick zum Fernseher wo gerade China gegen Irak Fußball spielt und sich die Füße küssen lassen, ähm massieren lassen! Der kurze Hinweis, ich sollte mich andersherum drehen (Aus welchem Grund auch immer?), fiel bei mir nicht auf besonders große Wertschätzung, ich wollte ja schließlich das Fußballspiel sehen. Was ich/wir nicht wussten war, dass sich dahinter eine viertelstündige Nackenmassage versteckt hätte! Somit waren es nur noch 45 Minuten. Die Chinesen wissen halt wie sie Kohle machen! Alles Gute zum 6-jährigen!

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