Regeln im Ger/Jurte

Gleich am ersten Tag besuchten wir noch ein Ger von innen. Gers, auch Jurten genannt, sind eine tolle Sache. Seit der Zeit von Chinggis Khaan werden sie auf die gleiche Art und Weise gebaut und benutzt. Wobei sie damals hauptsächlich als Unterkunft für die Krieger dienten. Ein Ger beherbergt eine ganze Familie. Da findet man also des Öfteren fünf bis acht Bewohner in einem Ger. Und alles hat seinen festen Platz, so dass sich die Jurten alle sehr ähneln. Wenn man nun also so ein Ger besucht, dann muss man einiges beachten. Man nähert sich der Jurte immer von Süden her. Dort befindet sich auch der Eingang. Damit zeigt man dem Wachhund (das ist kein Witz) und den Bewohnern, dass man in guter Absicht kommt. Sobald man die Jurte betritt, muss man aufpassen, dass man weder auf die Türschwelle tritt, noch mit dem Kopf am Türrahmen anstößt. Das könnte die Geister erwecken! Allerdings ist es gar nicht so einfach nirgends anzustoßen, da die Eingangstüren alle sehr niedrig sind… Im Ger selber geht man dann brav im Uhrzeigersinn erst einmal nach links. Dort sind auch die Plätze für den (Ehren-)Gast vorgesehen. Dies gilt hauptsächlich für den Mann. Denn die linke Ger-Seite ist traditionell den Männern vorbehalten und die rechte Seite traditionell den Frauen. Wobei Frauen aus anderen Ländern ähnlich offen wie Männer behandelt werden. (Aber der Mann wird trotzdem immer zuerst bedient! Er ist halt das starke Geschlecht.) Der Hausherr weist einem normalerweise einen Sitzplatz zu. Dann geht es auch schon los mit der Gastfreundschaft: Wir bekamen „Airag“ (vergorene Stutenmilch) und eine Art Milchhaut mit Butterfüllung angeboten. Airag hatten wir bereits in Ulaanbaatar gekostet und festgestellt, dass der säuerliche Geschmack in Kombination mit einem sektartigen Prickeln im ersten Moment zwar erfrischend sein kann, aber im Nachgang doch ganz schön reinhaut (geschmacklich betrachtet). Unser Fall ist es nicht! Aber, als Gast in einer Jurte, sollte man solche Sache dankbar annehmen. Denn die Mongolen, vor allem die Nomadenfamilien, müssen um jede Kalorie kämpfen, um im harten Winter und im trockenen Sommer überleben zu können. Normalerweise genügt es aber, nur einen Schluck zu trinken und den Becher dann weiterzureichen. Mit der Zeit entwickelt man da auch so seine Tricks. ;-) Und alles in allem ist es natürlich einfach nur: Interessant! In unserem Fall haben wir sogar noch Schnupftabak in einer schönen Flasche angeboten bekommen. Diese Flasche sollte man zunächst einmal bewundern bevor man dann anerkennend am Tabak schnuppert. Man muss diesen nicht wirklich schnupfen. Wenn man Zeit hat, dann kann man noch die Familienfotos bewundern, die jede Familie neben dem Hausaltar hängen hat. Wenn man das Ger dann verlassen möchte, dann bitte im Uhrzeigersinn. Somit geht man einmal um die Feuerstelle herum. Diese besteht aus einem Bollerofen, der meistens mit getrocknetem Kuhdung (macht eine unheimlich starke Glut) befeuert wird. Und es ist ganz wichtig, hier keine Abfälle, wie z.B. Taschentücher, Zigaretten etc. hineinzuwerfen, da das wieder die Geister rufen könnte.

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