Tallinn/St.Petersburg

Nachdem wir uns kurzfristig doch noch für einen Besuch in allen drei Ländern im Baltikum entschlossen hatten, war nun endlich Tallin dran. Also machten wir uns gegen 17 Uhr auf den Weg zu einer geeigneten Tramper-Stelle. Natürlich musste es dort regnen. Aber, abgehärtet wie wir sind, standen wir cool und lässig am Straßenrand und warteten. Das machten wir so gut, dass nach einiger Zeit zwei Russen anhielten. Nachdem wir ca. 10 min. im Auto unterwegs waren, stand fest, dass wir gleich mit den zwei Jungs nach St. Petersburg fahren, da sie auf direktem Weg dahin waren. Und so kam es, dass wir heute/gestern Nacht um 4 Uhr Ortszeit mit unseren zwei Rucksäcken mitten im Zentrum von St. Petersburg standen. J 

Es waren nicht nur irgendwelche Fahrer, es waren eingeschweißte Fußballfans. Bisher waren sie bei jedem Auswärtsspiel von einer russischen Fußballmannschaft außerhalb Russlands. Das nenne ich doch mal Fan! Auch ihnen haben wir es zu verdanken, dass wir einen kurzen Stopp in Pskow gemacht haben. In dieser Stadt ist unser Fahrer Fiodr geboren und wie es sich für einen echten Russen gehört zeigte auch er uns seine Gastfreundlichkeit. Pskow ist eine von fünf Gründungsstädten Russlands, also somit eine sehr alte Stadt, mit einer sehr alten Festungsanlage. Eine weitere Stadt aus diesem Fünferpaket ist Novgorod, welche weitaus besser bekannt ist (1152 Jahre alt).

Nach geschlagenen sechs Stunden über Stock und Stein, wie wir das schon in Kaliningrad kennengelernt haben, dieses Mal aber mit dem Auto, haben wir unser Ziel erreicht. Vorher sei bemerkt, dass, wenn man sich das Vergnügen auf diesen Straßen geben will, man sich vorher Gedanken darüber macht, welches Gefährt man auswählt. Jetzt wissen wir auch warum wir vorwiegend von Mercedes-, Audi- oder BMW-Fahrern mitgenommen werden! Denn bei diesen Schlitten hat man nicht das Gefühl die Hinterachse bricht jeden Moment auseinander. Auch wenn man versucht den Schlaglöchern auszuweichen, ist man in der Dunkelheit von einem plötzlichen Knall nicht befreit! Des Weiteren sei erwähnt, an alle die wieder einmal mehr über deutsche Autobahnen und Baustellen schimpfen, seid froh das es Baustellen gibt, denn hier wird nichts repariert. Und das auf Straßen die nur eine Spur haben. Das bei einem reichen Industrieland? Wie kommt das?

Russland hat sehr viele Bodenschätze. Es ist das Land mit den meisten Bodenschätzen auf der Welt: Gold, Gas sowie Öl und jede Menge Diamanten, um hier nur die wichtigsten zu nennen. Gazprom, einer der Monopolunternehmen besitzt keine Selbstständigkeit, vielmehr wird es durch Hände aus der Politik gesteuert. Somit fließt das Geld dementsprechend in die Hände der Politiker. Unter ihnen gibt es Leute wie Abramowitsch, die für Millionen Dollar Fußballspieler zum FC Chelsea London holen. Ihr seht somit, dass das Geld nicht ins Volk wandert oder in die Infrastruktur des Landes! Und somit kommen wir noch weiterhin in den Genuss über Stock und Stein zu fahren!

Was nun? Nachts um 4 Uhr Ortszeit waren wir in St. Petersburg angekommen. Übermüdet, hungrig und zitternd vor Kälte waren wir auf der Suche nach einem Hostel. Leider ist das nicht so leicht ohne Russisch, in der Nacht und mitten in der Hochsaison! Tja, so sprachen wir eine Gruppe junger Leute an, in der Hoffnung, dass sich jemand als gastfreundlicher Couchsurfer entpuppt. Und so war es auch. Wir sollten nach dem „ Party feiern“ mit zu Sashas Gastgeber kommen. Also standen wir brav da, unterhielten uns über Gott und die Welt und warteten zufrieden auf unser Bettchen. Morgens um sieben wurden die Partyleute wieder nüchtern und erinnerten sich daran, dass sie vor drei Stunden eine Schlafmöglichkeit angeboten hatten. Eifrig sahen wir, wie sich Sascha und Mischa unterhielten, bis einer der Beiden zu uns kam und versuchte, uns mit viel Feingefühl mitzuteilen, dass das mit dem Übernachten doch nicht klappt!

Tja, so kann es gehen. Schließlich haben wir es aber gegen 12 Uhr mittags doch noch geschafft und sind inzwischen in einem sauberen, noch ganz neuen Hostel mit super hochmodernster Massage- Regendusche mit Musik (für 11 Euro pro Person/Nacht) untergebracht! Das nennen wir doch mal Luxus!

Jetzt geht’s los ins Getümmel!

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