Derby- Spartak Moskau gegen ZSKA Moskau

Was ist des Mannes liebste Freude?

 

Was macht man, wenn man mit einem eingefleischten Fußballfreund in Moskau ist und zeitgleich ein Derby stattfindet?

 

Richtig, man geht hin. Und zwar ins größte Fußballstadion Russlands. Obwohl uns unsere Couchsurfer und deren Freunde vorher ausdrücklich davor gewarnt hatten, dass es seeeeehr heftig und brutal zugehen wird, ließen wir uns nicht davon abhalten. Nur mussten wir uns erst einmal Karten besorgen. Und da wir ja hoffnungslos optimistisch sind, dachten wir, dass es bei 87.000 Sitzplätzen auch 1,5 Std. vor dem Anpfiff noch Karten zu kaufen gibt. Da haben wir aber nicht mit den Moskauer Fußballfans gerechnet… Alle Karten waren ausverkauft! Und das schon seit drei Monaten im Voraus! Da half alles nichts, auf zum „Schwarzmarkt“! Also, eingefleischte Fußballfans ansprechen, die uns den Weg, wo man möglicherweise noch Karten bekommen kann, beschreiben können. Gott sei Dank hatten wir Irina dabei, die das alles geregelt hat, ansonsten wären wir mit unserem Russisch-ABC nicht weit gekommen. Sie war es auch, die für uns nach Karten fragte: „ Billetui yest?“ (Gibt es noch Karten?) Erste Frage, erster Treffer: Ein Typ hatte noch eine Karte, aber wir waren ja zu zweit. Und diese Karte war auch im Handumdrehen verkauft. Doch zwei Sekunden später kam der erboste Käufer wieder und wollte sein Geld zurück! Der Verkäufer hatte ihm ein falsches Ticket andrehen wollen! Gut, dass wir es nicht gekauft hatten. Drei Minuten später hatte derselbe dubiose Typ noch mehr Karten, obwohl er uns vorher versichert hatte, nur eine zu haben… Sehr interessant! Nach zig Mal Nachfragen, feilschen, verhandeln und nicht aufgeben, fanden wir schließlich eine „ehrliche Spekulantin“, die zwei Karten im Voraus gekauft hatte, in der Hoffnung, dass sie daran etwas verdient. So war es dann auch. Sie hat von uns den doppelten Ticketpreis bekommen, aber das war es uns wert. Schließlich sind wir (vorerst) nur einmal in Moskau! Jetzt mussten wir nur noch hoffen, dass wir keine „doppelt“ vergebenen Karten erwischt hatten. Uns wurde erzählt, dass so einige Plätze mehrfach vergeben wurden; d.h. dass nur die Ersten, die die Tickets einlösten wirklich Anspruch auf die Plätze hatten. Unzählige Polizisten und Soldaten säumten bereits sämtliche Straßen und Zugänge. Nach fünf Kontrollen, jedes Mal mit Körper abtasten und abscannen inkl. Taschen durchwühlen, durften wir schließlich ins heilige Reich des Fußballstadions vordringen. Durstig und hungrig waren wir auf der Suche nach einem „Bankomat“ (Geldautomaten). Denn wir hatten unser ganzes Bargeld für die Tickets ausgegeben. Doch, obwohl wir im größten Stadion Russlands waren, gab es keinen einzigen Automaten. Und da die Getränke im Stadion natürlich etwas teurer sind als normal, konnten wir uns von unserem Restgeld nur einen kleinen Becher Eistee zu zweit leisten. Nun gut, schließlich waren wir drin.

 

Die Stimmung war Bombe! Da war so einiges los. Links von uns die Fankurve von ZSKA und rechts von uns die Fankurve von Spartak und wir auf der Haupttribüne in der 19ten Reihe. (Ich glaube, im Internet hätten wir keine besseren Tickets bekommen können). Und wir mitten drin. Da gab es ein gegenseitiges Angepöbel vom Feinsten. Wie es sich gehört bei einem Derby in Russland! Und dann Anpfiff. Parteilos konnte man bei solch einem Spiel nicht bleiben, nicht das man am Ende für die Falschen jubelt und man eine auf die Mütze bekommt. Schließlich haben wir uns als Spartak-Fans getarnt. Aus dem einfachen Grund, da neben uns eine Reihe Spartak-Fans waren und es sich ja auch um ein Heimspiel handelte. Deswegen dauerte es auch nicht lange bis Tobias die erste Freundschaft schließen „durfte“. Als vermutlich einzige Deutsche unter 87.000 macht man da schon Eindruck. Das Spiel begann mit einem fulminanten Start seitens ZSKA´s, der durch einen Pfostenschuss seinen Abschluss fand, sowie einer foulbedingten Auswechslung des Torwartes von ZSKA. Somit waren wir auf weitere spannende Szenen gespannt. Jedoch sollte in der ersten Halbzeit nicht mehr viel passieren. Dann ist es aber doch passiert! In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit machten die Spartaker noch ein Tor. Jubelschrei, Trommelattacken und vieles mehr steigerten unser Geschrei nur noch weiter und die Freude mit unseren zuvor besiegelten „Freunden“ war groß! Das war natürlich genial! Da kam endlich Stimmung in die Bude. Nach einer eindrucksvollen „KIA-Auto-Werbung“ in der Spielpause ging es dann in rasantem Tempo weiter. ZSKA entpuppte sich als die bessere Mannschaft. In der Folge erlitt unsere zuvor ausgebrochene Vorfreude jedoch einen argen Dämpfer und die gegnerische Mannschaft machte ordentlich Druck. Dies hat sich dann auch ausgezahlt und sie schossen zwei Tore! Scheiße! Wir waren nun doch Feuer und Flamme für Spartak Moskau und so wollten wir das Spiel nicht zu Ende gehen sehen. In der 75. Minute gab es dann die Erlösung! Mit einem Hammer/Wahnsinns-Tor gab es noch den ersehnten Ausgleich gegen den in der Tabelle Drittplatzierten! So war es dann auch ein gutes Ende, da wir, die Elftplatzierten, gegen den Favoriten ein Unentschieden erreicht haben. Auch aufgrund der Tatsache dass sich dadurch keine großartigen Schlägereien bilden würden, waren wir mit dem Ergebnis, dass es keinen Sieger gibt, sehr zufrieden. Aber da war ja noch was: Die vielen Polizisten, Sicherheitsmänner und Soldaten hatten den möglichen Tumult schon im Voraus bedacht und dementsprechend vorgesorgt. Indem sie die Besucher immer nur aus einem kleinen Abschnitt, einen nach dem anderen rausließen, kamen sich die Fand der jeweils gegnerischen Mannschaft gar nicht erst in die Quere. Allerdings führte dies auch zu unheimlich langen Wartezeiten. Die Heim-Fans waren die Letzten die hinaus durften, das wollten sich die Spartak-Fans aus unserem Block nicht gefallen lassen und somit entwickelte sich eine verbale Attacke mit der Polizei, die schlussendlich in einem Getümmel vor dem Ausgang des Blocks endete. Und immer noch kein Ende in Sicht. Dann bildete sich aber unter den Aufgebrachten ein Gang und aus dem Russischen Singsang konnten wir Babuschka heraushören und uns war sofort klar, dass alle Frauen aus dem Getümmel heraus durften (mit Begleitung). Das nennen wir doch mal ein Fußballergesetz vom Feinsten und somit waren wir auch nach „nur“ einer Stunde draußen!

 

Eigentlich wollten wir uns danach noch mit Irina und André treffen, aber das war unmöglich. Erneut waren die Straßen gesäumt mit der ganzen militärischen Staatsgewalt Russlands. So liefen wir auf dem schnellsten Weg zur Metro, der uns durch die grünen Staatsmänner geebnet wurde, um direkt nach Hause zu fahren. Dort wurden wir Ausgehungerten und Ausgetrockneten ganz toll von Yuri mit Wassermelone und tollem Himbeerkuchen empfangen. Genau das richtige in dem Moment! Was für ein Abend! Danke Yuri und Tanja!

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