Gute Besserung

Leider war der darauffolgende Tag nicht mit Getümmel gefüllt, sondern vielmehr mit Bett und einer Auszeit mit Träumerei und viel Schlaf, und das nicht ohne Grund. Denn Caro lag wegen einer Erkältung einen kompletten Tag flach und musste sich dementsprechend erst einmal erholen. Nachdem ich auch meinen Schlafmangel nachgeholt habe, habe ich mich alleine in die Innenstadt aufgemacht. In der Innenstadt angekommen, habe ich gleich einer Hochzeitsfeier beigewohnt. Häufig ist es der Fall, das sich das Brautpaar für sich und deren Gäste einen Partybus oder eine Stretchtlimo mietet und dann erst einmal feiert. Das findet dann meistens auf öffentlichen Plätzen statt, um sich zur Schau zu stellen und gesehen zu werden. Bei „meiner Hochzeit“ waren sogar Glückstauben im Spiel, ob sie dann immer noch Glück ausgesprüht haben, nachdem sie das Brautkleid bekackt haben, kann ich euch an der Stelle auch nicht sagen. Trotz dieses amüsanten Taubengeflüsters, hieß es, wie so oft, für Fotos posieren!

Die Russen und das Fotografieren, das ist schon eine Sache für sich. Für uns als Bossis (Bayern + Ossi) lustig und komisch zu gleich. Es wird posiert, wo auch immer sich die Möglichkeit ergibt. Vor Blumenkästen, vor schönen Kirchen, vor Türen, usw. … Das sieht dann so aus, dass sich die Frau mit einer schwenkbaren Hüfte nach links oder rechts oder eines einseitigen Knicks zur Schau stellt. Die Sehenswürdigkeit, falls es sich um eine handelt, steht dann gar nicht mehr im Vordergrund, sondern vielmehr die Person, die fotografiert wird. Somit kommt es dann schon des Öfteren vor, dass wir einfach nur zuschauen, wenn sich die Russen fotografieren und darüber philosophieren woher diese Art der Dokumentation wohl kommt!

Nachdem sich die Tauben erleichtert hatten und das hundertste Foto, mit Bräutigam und Taube, ohne Taube, mit Braut und ohne und mit Tauben, mal mit ernsten, mal mit lächelndem Blick, geschossen war, wurde dann endlich angestoßen. Aber zuvor kam erst einmal der Kuss der solange wie möglich vollzogen wird. Dieser Kuss wird mit „Gor´ka“-Sprechchören begleitet, was so viel heißt wie „bitter“. Dann wird mit Wein oder Champagner angestoßen. Damit bezweckt man, dass der bittere Alltag durch Kuss und Champagner versüßt wird und man ein langes schönes gemeinsames Leben vor sich hat.

Wenn man in Russland als Frau über 25 noch nicht verheiratet ist, gilt man als alte Jungfer. Somit ist es üblich dass man in Russland sehr früh heiratet und somit kommt es trotz langanhaltenden Kusses und viel Champagner auch zu einer höheren Scheidungsrate. Na dann: Alles Gute!

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