Guten Morgen Kaliningrad!

Der Kaffeegeruch lag zwar noch nicht in der Nase, jedoch waren die funkelnden Sonnenstrahlen schon spürbar, als wir uns von unserer Luxusmatte erhoben haben. Im Gegensatz zu gewöhnlichen 3,8 cm, war dies der Himmel auf Erden. Mit Verstärkung und russischer Milch ging es dann erst einmal für einen kurzen Besuch zum Bahnhof. Auch bei 130 Millionen Einwohnern sollte man eine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn nicht auf die leichte Schulter nehmen. Nicht das ihr davon ausgeht das hier die Tickets aus dem Boden sprießen! Denn das Reiseziel der Russen ist eindeutig Russland und so sollte man sich auch bemühen, diese Tickets relativ schnell zu beschaffen. Und genau das war unser Plan. Auf geht’s im Gedanken von Moskau nach Novosibirsk, von Novosibirsk nach Irkutsk. Diese gedankliche Reise hat uns sage und schreibe fünf Stunden geraubt. Fünf Stunden in einem Gebäude ohne Tageslicht, russischen Singsang ohne ein Wort zu verstehen und warten, warten, warten.

Ich habe diese unglaublichen Worte die nun im Anschluss folgen noch nie, wirklich noch nie, in den Mund genommen und ich habe mir auch noch keinerlei Gedanken darüber gemacht, dass dies jemals geschehen könnte, aber an dieser Stelle ist dies einmal angebracht! Danke Deutsche Bahn für deinen unglaublich schnellen Service, Leute von A nach B zu schleusen! Im Gegensatz zu Russland jedoch für total überhöhte Preise, aber dies sei an dieser Stelle erst einmal in den Hintergrund gerückt!

Im Schnitt dauert eine Beanspruchung der Kassierer hinter dem Schalter 10 bis 30 Minuten pro Person. Ihr habt richtig gehört! Maximal 30 Minuten! Wenn ihr euch dann noch im Gedanken eine Menschentraube hinter maximal vier geeigneten Schaltern vorstellt, könnt ihr unser Leid gut nachvollziehen!

Bürokratie und das noch schlimmer als in Deutschland! Wer hätte das gedacht! Die Zeit ist gekommen, endlich sind wir an der Reihe. Net und Da, das sind die einzigen sinnvollen Wörter die wir im Russischen verstehen, und nun versucht ein Ticket von Moskau nach Novosibirsk am 30.08.2011 mit Platzkarte für einen höheren und einen unteren Liegeplatz zu besorgen! Unmöglich, dann entscheidet euch lieber für ein ausgewogenes Frühstück, Kutsche durch Kaliningrad und einen wunderschönen Tag!

Anastasia, heißt das Zauberwort in unserem Fall. Unsere Couchfrau hat uns durch den Tunnel der transsibirischen Eisenbahn getragen. Ohne Sie hätten wir nun nicht zwei Tickets in der Hand die uns über 5000km weiter zur mongolischen Grenze führen! Durch Sie kam es nicht zu einem Blutbad von Frust und Verzweiflung (wobei wir teilweise kurz davor waren). Durch Sie haben wir noch drei Stunden Kaliningrad erlebt!

Nach Kopfschmerzen, Wasserentzug und einer Menge Vorstellungen wie Kaliningrad aussieht, ging es dann mit dem Fahrrad im "Speedy-Gonzales-Tempo" in die Innenstadt. Stopp-Foto-weiter-Ampel-weiter-Foto-Foto-Foto…………….

Nach unserem Spaßausflug, wie unsere Couchsurfer, eine Fahrt mit dem Fahrrad bezeichnen, haben wir nach einem kurzen und knackigen Trip durch Kaliningrad wieder unseren Heimathafen erreicht. Diese „Fahrradtour“ könnt ihr euch wie im Wilden Westen vorstellen. Von Fahrradwegen wollen wir erst gar nicht reden, vielmehr von Bordsteinen von einer Höhe von ungefähr 20cm, Pflastersteinstraßen wo die Anordnungen nicht mehr ganz übereinstimmen und vom fließenden Verkehr! Genauso stellen wir uns das vor, denn das nennen wir noch „Fahrrad fahren“. Nicht zu wissen ob uns einer an der nächsten Kreuzung nicht die Vorfahrt nimmt, einer uns schnippelt oder wir mit Schweißperlen auf der Stirn Angst davor haben die Bordsteine zu überspringen.

Auch aus diesem Grund kann ich sagen, dass die Tour dann das Beste von Allem war, denn Kaliningrad ist dann doch nicht Monaco. Leider war wieder einmal der 2.Weltkrieg Schuld, dass hier so einiges in Schutt und Asche gelegt worden ist. Im Herzen Kaliningrad steht nicht, wie von uns angenommen, Königsberg, eine wunderschöne Festung, sondern ein Hochhaus! Dieses wurde von den Russen, aus uns unvorstellbaren Gründen, erbaut und wurde seitdem nie genutzt. Genau, es wurde erbaut und steht seitdem leer! Nur die, die meinen es zu wissen, wissen warum!

Angekommen im Heimathafen, wurden wir mit suuuuper leckeren original russischen Blinys verwöhnt. Diese sind unseren deutschen Pfannkuchen sehr ähnlich, werden aber traditionellerweise zu einem Dreieck zusammengefaltet und entweder in Saure Sahne oder in Honig getunkt.

Jeder außergewöhnliche Tag hat auch mal ein Ende!

Gute Nacht Kaliningrad!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0