Guten Morgen, Anuradhapura

 Das Geschäft der Geschäfte steht schon wie vereinbart vor unserer Tür. Zusammen erkunden wir die heilige alte Hauptstadt Anuradhapura. Den ganzen Tag verbringen wir zwischen Tuk-Tuk, Dagobas (wie hier die buddhistischen Stupas genannt werden), unzähligen mythischen Ruinen, die für uns nicht wirklich so mythisch sind, ziemlich felsigen Felsen-Tempeln und einer Erkenntnis: " Die Menschen von Sri Lanka".

 

Wer uns in den folgenden Wochen, Monaten, Jahren bis letztlich zu unserem Lebensende über Sri Lanka ausfragt, wird eine allgegenwärtige Antwort über Sri Lanka bekommen. Eine Antwort die das Ganze Land einnimmt. Die Menschen selber. Die Menschen von Sri Lanka sind so herzlich, liebevoll und faszinierend und sie werden uns den nächsten Monat und unser Leben lang bereichern. Aber zum richtigen Zeitpunkt wollen wir euch darüber noch mehr berichten und euch beschreiben wie es ist, zahlreiche Schicksalsschläge auf einmal zu bewältigen und trotzdem so tolerant und offen zu bleiben.

 

Anuradhapura war die ehemalige Hauptstadt Ceylons, über zahlreiche Jahre Zentrum von 119 verschiedenen Königsdynastien, und somit die Kulturhauptstadt des heutigen Sri Lankas. Im Lonely Planet wird dieses Gelände, welches wir heute durchtuckern werden, auch das Ankor Wat Sri Lankas genannt. Nun, somit war unsere Vorfreude einzigartig und grenzenlos, aber im Nachhinein, sollte es nicht so rosarot werden, wie wir es uns vorgestellt hatten. Dies sollte auch der Beginn eines Wechsels von Kultur zum Menschen werden.

Wir haben uns auch darüber unterhalten, ob wir nun schon zu sehr verwöhnt sind, von all dem Gesehenen, so dass wir diese Dinge nicht mehr fassen können. Und ja, wir sind schon sehr stark durch Tempel und Ruinen aus Asien abgestumpft worden, ich würde sagen, vor allen Dingen von den Tempeln aus Indien, aber dies habt ihr ja schon lesen dürfen. Nun sind wir hier zwar in einem größtenteils stark buddhistischem Land, anstatt dem größtenteils hinduistischen Süd-Indien, aber vom Buddhismus haben wir schon enorme Eindrücke aus Tibet und der Mongolei mitgenommen. Auch sagen uns die zahlreichen Ruinen-Überreste, die eine starke Vorstellungskraft fordern, um die Gebäude gedanklich wieder zu errichten, nicht so zu, als wenn sie noch besser erhalten wären. 993 kam es zu einer Invasion in der Chola-Dynastie wodurch diese heutige kulturelle Hauptstadt nicht mehr die Selbe ist, wie einst vor langer Zeit. Der Buddhismus ist, wie gesagt, hier die Hauptreligion und nicht unweit von der kulturellen Hauptstadt liegt Mihintale, die Geburtsstadt des Theravada Buddhismus von Sri Lanka.

 

Sri Mahabodhi

Einer der Hauptsehenswürdigkeiten dieser kulturellen Hauptstadt in der Sri Mahabodhi. Dieser Pappel-Feigenbaum soll nach Überlieferungen aus einem Zweig jenes Baumes (Sri Maha Bodhi)entstanden sein, unter dem Siddharta Gautama alias Buddha die Erleuchtung erlangt haben soll. Unter König Ashokas gelangte dieser Zweig aufgrund buddhistischer Missionen nach Sri Lanka bzw. nach Anuradhapura. Also der Zweig kam im 3.Jahrhundert v.Chr. zu diesem Ort, wo wir nun stehen, und wir können euch sagen: "Ja, der Baum sieht wirklich alt und weise aus". Aber so ganz stimmt das auch nicht, denn durch die vielen Gebetsfahnen wirkt dieser frisch und lebendig und dies trotz seiner stolzen, über 2000 Jahre alten, Geschichte.

 

Ruvanvelisaya Dagoba

Nach diesem Baumerlebnis geht es per Fußmarsch zur neu renovierten Ruvanvelisaya Dagoba. Schön groß (50m) und herrlich weiß leuchtet uns diese Dagoba aus dem Baumwipfeln hindurch hervor. Vor der Dagoba werden die Schuhe ausgezogen und schon laufen wir um diese Dagoba herum. Auch hier sehen wir viele Pilger und Gläubige die, im Gedanken, ihre Wünsche und Gebete aufsprechen, eine Wasserlilie als Dank niederlegen und somit den Buddhismus verkörpern und leben. Buddhismus wird gelebt, wird geteilt, wird ausgestrahlt und, wohin man auch blickt, sieht man Lachen und Freude in einer jeden Person. Eine, dieser Personen, haben wir angesprochen. Ehrlich gesagt, waren es zwei Männer, die sich auch von uns angezogen fühlten und wir verstanden uns sofort, sogar so gut, dass wir von den beiden in ihr jeweiliges Haus eingeladen wurden. Beide kommen aber aus Polonnaruwa, dies liegt mehr im Süden. Sie arbeiten in Anuradhapura als Krankenwagenfahrer. Wir haben uns ihre Adressen notiert und ihnen unseren groben Reiseplan geschildert, da wir vorher noch nach Trincomalee wollten, weil dies auf dem Weg liegt.

Nun wieder am Ort des Geschehens erfahren wir nach nachfolgender Recherche, dass hier in diesem 50km² großen Ruinen/Dagoba-Feld zwei künstliche Stauseen für eine optimale Wasserversorgung erbaut wurden. Weiterhin bestand dieses Gelände aus verschiedensten Stadtvierteln welche in Berufsständen und Kasten akkurat eingeteilt wurden. Allerhand Fortschritt wenn man diese jahrhundertealte buddhistische Stätte genauer betrachtet.

 

Weitere Sehenswürdigkeiten

Weiterhin besuchen wir die Thuparama Dagoba, die älteste Dagoba in Sri Lanka. Erbaut wurde sie von König Devanampiya und soll Reliquien von Buddha beinhalten. Diese Dagoba haben wir in der Nacht erreicht und sie wurde schön durch zahlreiche Lichter angestrahlt.

Danach ging es weiter zum Isurumuniya Vihara. Bevor ihr euch die Zunge verwringt, es ist ein Felsentempel. Dabei sehr sehenswert ist der liegende Buddha, den man in diesem Komplex findet, sowie zahlreiche verzweigte Gänge, welche schlussendlich zur Aussichtsplattform des Felsenkomplexes führen. Dort im Blickfeld, die zuvor besuchten Dagobas, der riesige Komplex dieser Kulturhauptstadt und die aufkommende Vorfreude auf ein leckeres Abendbrot. Nach diesem langen Kulturtag haben wir uns eine richtige Mahlzeit verdient und wir machten uns zurück zum Hostel. Dort angekommen, spielten wir eine oder zwei Runden Schach, verputzten unseren leckeren Reis mit Curry und spielten eine weitere Runde Schach. Verfolgt wurde dieses hochanspruchsvolle Schachmatch vom Hostelmanager, der dann meinte, dass seine Tochter ebenfalls Schach spielt und sogar an Turnieren teilnimmt. Lange Rede, kurzer Sinn, und schon sitzen wir im richtig schmucken sinhalesischen Wohnzimmer und spielen einige Runden Schach mit seiner Tochter.

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